Donnerstag, 28. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Donnerstag, 28. Mai 2020




9:43 Uhr:

Ein schöner Abend war das gestern. Gemütlich, entspannt, ein bißchen zu warm. Aber dann haben wir die Fenster geöffnet und in den Bäumen draußen rauschte leise der Wind, manchmal regnete es ganz kurz. In der untergehenden Sonne haben wir ohne Licht auf dem Bett gelegen und uns mal wieder eine Theaterinszenierung ausgedacht. Das ist quasi ein Hobby von meinem Mann und mir. Meistens inspiriert von Serien oder Filmen. Wenn meine Freunde und Bekannten wüssten, in wieviele fiktive Theaterstücke sie bereits eingeplant sind und welche Rollen sie dort spielen ... :D


11:50 Uhr:

Die Leute sind glaube ich gerade online-müde. So generell. In den sozialen Netzwerken passiert nicht soviel, viele sehnen sich nach Urlaub, der halt grad nicht überall möglich ist. Alles so zäh, müde und ausgelutscht.

Ich arbeite einfach gerade ab: Proben-Planungen, Workshop-Planungen, Werbung posten.
Zwischendurch sortiere ich Dateien auf dem Rechner aus. Unendlich viele Fotos, die ich seit etwa 2010 auf diesem Rechner gespeichert habe. Bilder zu den Themen Mode, Einrichtung, Stars, Beauty ... all dieser Kram, für den ich jetzt Pinterest habe. Und ich merke, wie viel sich im letzten Jahrzehnt getan hat. Als Mode-Fan habe ich besonders Freude an den ganzen alten Outfit-Bildern von irgendwelchen Blogs – von 2010, 2011, 2012. Ich mag den "Blogger"-Style der Zeit noch immer sehr gern. Blumige, kurze Kleidchen, lange Ketten, Loop-Schals, verspielter Schmuck, romantische Frisuren, Hüte.
An der Mode kann man auch immer die gesellschaftliche Entwicklung ablesen. Und der neu erstarkte moderne Feminismus der letzten Jahre hat junge Mode komplett verändert. Kantige Schnitte, kräftige Farben, Unisex, Männer mit lackierten Fingernägeln, praktische Kleidung, mehr Diversität bei der Model-Auswahl, weniger MakeUp – all das zeigt, wie viel sich gerade in Sachen Gleichberechtigung ändert.
Und dass Geschichte nicht irgendwas aus der Vergangenheit ist, sondern dass wir immer und permanent mittendrin sind. Das vergesse ich so oft. Danke für die Erinnerung, liebe Fotos.


15:28 Uhr:

Ich verirre mich im Netz, lese hier einen halben Artikel, google was, gucke ein Youtube-Video, werde inspiriert was anderes zu googeln und springe hin und her. Schluss jetzt.


17:31 Uhr:

Wow, immerhin die Workshop-Vorbereitung für morgen steht. Besser als nix.


21:38 Uhr:

Wir kommen weiter voran. Nachdem wir bei den Vorspielern eine Weile Szenen gelesen und geprobt hatten, widmeten wir uns heute nochmal dem Text. Einige Stellen müssen noch geändert und umgeschrieben werden, manche Szenen fliegen raus.

Heute soll es neue Regeln für Berlin geben. Ich bin gespannt. Super wäre es, wenn man sich schon mit Kleingruppen treffen dürfte, im Park z.B. Dann könnte ich zumindest mit meiner Gruppe Vorspiel wieder ein paar Offline-Proben machen – mit Abstand natürlich.

Feierabend.

Mittwoch, 27. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Mittwoch, 27. Mai 2020




10:20 Uhr:

"Das Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi" hab ich grad auf Pinterest gelesen. Ich mag den Satz. Vielleicht auch, weil ich sowieso fast nie Radiergummis beim Zeichnen benutze. Man kann ja einfach leichte Linien und vor allem mehrere Linien machen. Das ist sowieso lebendiger und vielseitiger und lässt Spielraum in mehrere Richtungen. Nicht so hart aufdrücken, sondern über das Blatt tänzeln.

By the way: Die #monthlyfavourites für Mai sind online:
https://theaterberlin.blogspot.com/2020/05/monthlyfavourites-mai-lieblinge.html


14:43 Uhr:

Mit der LAG wird es nächste Woche in das erste Präsenz-Wochenende gehen. Crazy! Bin sehr gespannt, wie es ablaufen wird. Wie wohl wir alle uns damit fühlen, wie wir mit dem Platz umgehen. Wir werden auf jeden Fall zwei Räume, Fenster zum Öffnen und die Möglichkeit zum Rausgehen haben.

Höre beim Arbeiten die Musik eines ehemaligen Bekannten. Die Freundschaft ging irgendwann auseinander ... was schade und gleichzeitig total okay und folgerichtig ist, weil wir – die wir eh verschieden sind – uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Dennoch mag ich seine Musik weiterhin sehr gern.


19:28 Uhr:

Gegen Abend kommt oftmals bei mir so ein Arbeitsschub. Die Nachmittags-Lethargie ist vorbei und ich kann dann noch stundenlang arbeiten – wenn ich mich nicht selbst stoppe. Und das tue ich, denn ich habe keine Termine und möchte den Abend mit meinem Mann und den Katzen verbringen.
War aber produktiv: Mails beantwortet, Werbung gemacht, in meinem Netzwerk gepostet, die Workshops für Freitag geplant.

Feierabend.

#monthlyfavourites – Mai-Lieblinge


Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im Mai!





Zum Arbeiten

Mein Handy hat eine Handyhülle – zum ersten Mal im Leben. Ich hab mich für die Hardcore-Variante entschieden, weil ich diesen Science-Fiction-Look mag.

Außerdem bin ich im Besitz eines eigenen Bluetooth-Kopfhörers! Hatte gehofft, dass das kleine integrierte Mikro gut funktioniert, aber Pustekuchen. Deshalb werde ich vermutlich irgendwann noch Geld in ein kleines Bluetooth-Mikro zum Anklipsen investieren, damit ich vor dem Rechner bei Online-Workshops Bewegungsfreiheit hab. Aber auch wenn das Mikro nicht gut ist, liebe ich diese Kopfhörer schon jetzt innig. Ich kann mich entspannt vom Rechner wegbewegen, z.B. während langweiliger Stellen bei Online-Fortbildungen, wo man sowieso nur zuhören muss. Dann wander ich durch die Wohnung, mach was zum Essen oder einen Tee, mach was im Haushalt ... Es ist genial!

Das kleine Notizbuch ist eigentlich sehr viel grüner, fast Neon-Grün, aber meine Kamera will das nicht so richtig zeigen. Ich habe es vor wenigen Tagen neu angefangen und bin begeistert von der Möglichkeit, eigene Bilder in eine kleine Tasche einzuschieben, um so den Look beliebig zu verändern. Diesen lila-pinken Sonnenuntergang habe ich letztes Jahr im Hiddensee-Urlaub fotografiert. Die Farben kamen durch Überbelichtung zustande, aber genau diese "Unfälle" liebe ich an der Analog-Fotografie. Meine Field-Notes-Notizbücher kaufe ich übrigens immer bei diesem kleinen Shop: https://umwerk.eu/




Zum Aufhübschen

Die Tagebuch-Leser*innen haben die Überraschungsgeschenke meines Mannes – mehrere Legomännchen-Schlüsselanhänger – schon mitbekommen. Ich habe alle zu Kettenanhängern umgearbeitet und kann jetzt wahlweise Iron Man, Spiderman oder Han Solo um den Hals tragen.

Der schwarze Mundschutz besteht einfach nur aus einem Baumwoll-Halstuch und zwei Haargummis. Hier eine von tausenden Anleitungen:
https://www.youtube.com/watch?v=u5nUc0YAN4w

Und gelber Nagellack ist eingezogen! Momentan lackiere ich meine Nägel gern mehrfarbig, meist eine Zusammenstellung von fünf verschiedenen Farben, die gut zusammenpassen. In meinem Vorrat habe ich Gelb vermisst, Catrice hatte den passenden Farbton im Angebot. Tadaaa!




Zum Lesen

Ähm ... ich hab mich in "Inland", das ich in den letzten #monthlyfavourites vorgestellt habe, von einem Achtel zu einem Viertel hochgearbeitet. Das war's.




Zum Essen

Ich habe einen Mandel-Blechkuchen gebacken. Und er ist fucking delicious!

Ebenfalls lecker ist der Wellnesstee "Da Tian" von meinem Bekannten Michael Weyl, der die Tees (sowie Brotbackmischungen, Müsli, Kunst und mehr ...) online vertreibt: https://www.etsy.com/de/shop/Kunstmichel

Auch Kellog's Frosties waren diesen Monat bei mir sehr beliebt, aber sie sind schon alle und deshalb nicht mit im Bild.



Zum Stöbern

Ich habe eine eigene, kleine Amateurtheater-Community, in der ihr stöbern und euch austauschen könnt:
https://gruppendrang.mn.co/  

Ein sehr lustiges Corona-Tagebuch:
http://andreahansenart.com/?page_id=301

Und einige Artikel:



Zum Hören

Konzerte von Jade Pearl Baker sind immer hörenswert:
https://www.facebook.com/watch/live/?v=322171965418515&ref=watch_permalink

Marie-Theres-Schwinn liest wöchentlich aus ihrem Buch "Frau über Bord":
https://www.youtube.com/watch?v=5C0XKQhM09Q

Das Staatsschauspiel Dresden liest Kafkas "Das Schloss":
https://soundcloud.com/staatsschauspiel-dresden

Ein interessanter Text über Alkohol-Konsum, gelesen vom Autor:
https://zehnseiten.de/de/buecher/detail/daniel-schreiber-n-chtern-ber-das-trinken-und-das-gl-ck-462.html



Extra-Kategorie: Zum Erleben

Dieser Audio-Walk im Nikolaiviertel in Berlin:
https://theaterdiscounter.de/stuecke/der-tod-in-venedig

Sound-Walks für Zuhause:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/dlf-das-feature-detailseite.3720.de.html?dram:article_id=474605Sven&fbclid=IwAR0e9oeAmew5vX3IAlpBgwsFN2hbqUf2JYYyM4hYWEp_ZCn475LIJZlZb_Y



Zum Anschauen

Hier wie immer Tipps zum Anschauen.

Eine Theaterinszenierung, die mich wahnsinnig begeistert hat – "Die Pest" vom DT:
https://www.youtube.com/watch?v=QST4No1OFQQ

Und noch eine Inszenierung, dieses Mal englischsprachig, gespielt von Andrew Scott:
https://www.youtube.com/watch?v=j01kVmBoJW0&t=900s

Wenn wir bei Englisch bleiben, kann ich die Inszenierungen des National Theatre sehr empfehlen:
https://www.youtube.com/user/ntdiscovertheatre

"Linie 1" war online! Weitere Inszenierungen des Grips-Theaters folgen:
https://www.youtube.com/channel/UCZts-NenZANSphVtiEdVYtg

Ebenfalls richtig gut war "Chinchilla Arschloch, waswas":
https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/on-demand/tt-virtuell.html#chinchilla_arschloch

Ich hatte diesen Monat viel Spaß beim Durchstöbern der Videos auf https://www.cameo.com/.

Die Sendung "Some Good News" von John Krasinski auf Facebook ist super süß und rührend:
https://www.youtube.com/channel/UCOe_y6KKvS3PdIfb9q9pGug

Weiterhin super ist Killing Eve Season 3 (auf BBC):
https://www.youtube.com/watch?v=QMOWANiWRkQ

Die Serie "Halt and Catch Fire" habe ich zuende geguckt und bin jetzt traurig ... wie immer, wenn eine Serie, die einem ans Herz gewachsen ist, zuende geht:
https://www.youtube.com/watch?v=pWrioRji60A 

 "The Sewing Bee" auf BBC macht immer noch Spaß! Hier die erste Episode auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=D0ejqHhbop8

Dienstag, 26. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Dienstag, 26. Mai 2020



8:44
Uhr:

Das erste Mal Theaterarbeit außer Haus steht heute an. Ich hoffe inständig, die Bahnen und besonders die Busse sind nicht überfüllt. Für alle, die nicht in Berlin leben: Wenn man einmal durch die ganze Stadt will, braucht man etwas eine Stunde. Der schnellste Weg von Wilmersdorf (Mitte/Südwesten) bis Tegel (Nordwesten) besteht aus U-Bahn, Bus, U-Bahn, Bus. Den letzten Bus kann ich mir heute sparen, da mein Privatschüler und ich uns direkt am U-Bhf treffen und draußen am Tegeler See proben wollen.

Momentan bin ich wieder ein bißchen in der Trauerphase. Die Corona-Krise schickt uns immer durch verschiedene Phasen und gerade ist die Schwermut wieder am Start. Ganz leicht, im Hintergrund, aber spürbar.


14:12 Uhr:

Schön war's in Tegel! Und die Fahrt überraschend okay, weil wenig Menschen unterwegs waren. Vor allem der Bus X21 Richtung Flughafen war angenehm leer ... fliegt ja auch quasi keiner.

Haben heute beim Einzeltraining ein Monolog-Projekt begraben, an dem wir die letzten Wochen gewerkelt hatten, weil einfach keine Lust mehr da war. Stattdessen steht jetzt das Thema Audio-Walk auf dem Plan. Ganz spontan haben wir einen kurzen Audiowalk improvisiert und ich war positiv überrascht über die Audio-Qualität. Jetzt wollen wir daran weiterarbeiten, in Kombination mit literarischen Texten.

Die neuen Ideen und der Ausflug ans Wasser haben gut getan. Ich bin motivierter und fröhlicher und habe auch eine neue Blogartikel-Reihe ins Auge gefasst – für alle Serien-Junkies.

Auf dem Heimweg habe ich auch einen Supermarkt-Besuch überlebt. Oh Wunder: es gibt einen Klopapier-Überschuss!






Mein Zuhause ist so friedlich und ruhig. Obwohl ich in der Parallelstraße zum Kudamm wohne, bekommt man hier nichts davon mit. Das überrascht mich immer wieder. Der Regen gestern hat wunderbar auf unsere beiden Dachfenster getrommelt. Das ist schön an der Krise: man hat mehr Zeit, das eigene Zuhause zu genießen.

Im Briefkasten waren Ohrringe, die ich mir bei Kleiderkreisel gekauft hab. Sie erinnern mich sehr an eine meiner Lieblings-Dragqueens: Manila Luzon


15:50 Uhr:

Guter, kurzer Podcast über mögliche Corona-Krankheitsverläufe – auch bei jungen Menschen: https://open.spotify.com/episode/3aJorN30ZMPpbgDsRuh9R6#login


18:41 Uhr:

Kann mir mal jemand noch ein paar Teilnehmende für meine Workshops zaubern? Das wär Bombe!


19:03 Uhr:

Feierabend.



Montag, 25. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Montag, 25. Mai 2020



9:05
Uhr:

Das Wochenende war ruhig und entspannt. Samstag war ich den ganzen Tag zuhause (wo sonst ...) und habe mit meinem Mann zusammen "Halt and Catch Fire" zuende geguckt. Kennt ihr dieses traurig-schwere Gefühl, wenn eine Serie zuende geht, die ihr liebt? Wenn dann auch noch Figuren sterben oder weggehen, ist es noch schlimmer. Wenn ich mehrere Staffeln an einer Serie hänge, wachsen mir die Figuren sehr ans Herz – auch dann, wenn sie mich in der Geschichte oft nerven. Sie werden zu Bekannten oder Freunden und ihr Schmerz geht mir nah. Und das soll er ja auch, das heißt, dass die Schauspieler*innen ihren Job verdammt gut machen. Und der Abschied von dieser Serie ist wieder einmal hart. Ich habe geweint am Schluss. Aber es war okay, es war ein leichtes Weinen.
Es gab andere Serienabschiede, die haben mich noch viel mehr fertig gemacht. Die letzten Folgen "Babyblon 5" habe ich durchgeweint. Bei Doctor Who habe ich so so so oft geweint, nicht nur bei allen Abschieden des Doctors. Und ein auch sehr schlimmer Abschied war der letzte Film der Avengers-Reihe "Avengers: Endgame". Da habe ich laut schluchzend im Kino gesessen.
Da fällt mir die "Herr der Ringe"-Zeit ein. Schon beim Lesen der Bücher hatte ich am Ende des dritten Bandes geweint. Ich meine, wie kann Frodo einfach weggehen? Warum? WARUM?????
Als ich dann mit zwei guten Freundinnen bei Teil 3 im Kino saß, war der Abschied natürlich noch schlimmer. Meine Güte, was haben wir geweint. Als dann das Licht anging, fingen wir an zu lachen als wir unsere verheulten Gesichter sahen. Es war nicht nur der Abschied von einer Figur, sondern der Abschied von einem Teil des eigenen Lebens. Eine Saga, die einen Jahre begleitet hatte – in Foren, als Witze, in Gesprächen mit Freunden, in Schwärmereien –, war nun abgeschlossen.

Obwohl ich ausgeschlafen habe, bin ich grad etwas träge und schlapp. Vielleicht ist es das Wetter.


16:05 Uhr:

Ein Tag, der etwas träge dahinfließt. Ich habe "A Streetcar Named Desire" in einer Inszenierung mit Gillian Anderson angesehen:
https://www.youtube.com/watch?v=BJEpYaD3yTw


17:34 Uhr:

Soll ich Zoom-Workshops anbieten? Also welche Funktionen Zoom hat und wie man damit arbeiten kann. Hm ... warum nicht ...?!

Hier findet ihr übrigens die Trainings, die ich mit meinem Kollegen Christian Lippmann von structura mache:
https://structura.de/blog/102-online-meetings-aus-dem-home-office-ein-modulares-basistraining
Also falls ihr Menschen, Firmen, Institutionen kennt, für die das interessant sein könnte – wir freuen uns über eine Weiterleitung.


20:01 Uhr:

Der Kollegiale Austausch beginnt ... vielleicht. Bis jetzt ist noch niemand da.


20:10 Uhr:

Und es sind schon vier.


21:09 Uhr:

Der Austausch ist vorbei und ich mag diese neue Tradition noch immer sehr. Nächstes Treffen in zwei Wochen.


21:25 Uhr:

Jetzt hab ich auch endlich mal ne wiederkehrende Veranstaltung mit festen Zoom-Link für den Kollegialen Austausch erstellt. Ja, Gregor, du hast mich überzeugt.:D

Morgen zum ersten Mal Einzelunterricht live, draußen in Tegel. Ich hab ein bißchen Angst vor der weiten Strecke, wieder mit Bus und Bahnen unterwegs sein ... versuche das so oft wie möglich zu vermeiden. Allerdings wär es schon gut, mal wieder von Angesicht zu Angesicht zu proben ...

Ihr seht, ich bin in so nem nervigen untentschlossenen Modus. Trinke jetzt noch nen Tee und mache Feierabend.


Freitag, 22. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 22. Mai 2020



9:26
Uhr:

Hahaaa, hab einen guten Online-Marketing-Trick gefunden. Auf https://www.trueactinginstitute.com/learn kann man alle 15 min an einem Webinar teilnehmen. Was ist dieses Webinar? Ein kurzes Video mit viel Gelaber. Was kommt als Lehre bei raus: wir müssen alle aufmerksamere Menschen werden, und das trainieren wir, wenn wir in Gesprächen merken, dass wir abschweifen und uns dann aktiv wieder auf den anderen fokussieren. Wow! Mindblown.


10:01 Uhr:

Mit den Lockerungen kommt die Chance, meine Oma wieder zu sehen. Das werde ich heute tun!
Ein bißchen Bauchschmerzen habe ich schon mit den Treffen in den letzten Tagen. Es ist noch so ungewohnt und ich will mich gern an die Regeln halten. Andererseits ist es auch meine Familie und ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Und es ist deutlich einfacher, zu dritt meine Oma zu besuchen (meine Mutter, mein Bruder und ich), als für jeden einzeln Treffen zu vereinbaren, weil die im Heim ganz schön rudern und organisieren müssen. Wir nehmen sie im Rollstuhl mit in ein nahegelegenes Café, sind also nicht IM Heim, sondern holen sie dort nur ab. Immerhin.


15:51 Uhr:

Lesen und Denken müsste man können. Dann hätte man (äähh... ich) gemerkt, dass wir uns NICHT um 12 Uhr im Café treffen, sondern um 10:30 Uhr vor'm Heim. Das Essengehen war einfach nach dem Oma-Besuch angedacht. Mein Bruder und haben es beide missverstanden und es tut mir sehr leid, dass meine Oma auf uns beide verzichten musste.
Nächster Versuch an Pfingsten.

Ich bin so tot jetzt. Um in Corona-Zeiten, wo die Verkehrsmittel unregelmäßiger fahren, von Wilmersdorf nach Buch zu kommen, habe ich 1,5 Stunden gebraucht. Und das gleiche nochmal zurück + ein kurzer Einkauf auf dem Rückweg. Fühl mich erschlagen.


19:18 Uhr:

Mein Gruppendrang-Netzwerk hat schon über 20 Mitglieder ... und sie posten und schreiben sogar! Ich bin ganz aus dem Häuschen!


19:31 Uhr:

Mails beantwortet, Rechnungen geschrieben. Jetzt ist Werbung dran.


19:48 Uhr:

Feierabend.


Donnerstag, 21. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Donnerstag, 21. Mai 2020



11:08
Uhr:

Neuer Tag, neues Glück. Es ist Feiertag und ich sitze noch im Schlafanzug am Rechner. Heute keine Dach-Arbeiten am Nebenhaus. Auch mal entspannend.

Generell liebe ich es, an Feiertagen zu arbeiten. Es fühlt sich freier an. Man MUSS nicht arbeiten, man KANN aber.


18:33 Uhr:

Und spontan wurde der Tag ganz anders als gedacht. Meine Freundin Carmen fragte mich, ob wir uns spontan treffen und spazieren gehen wollen. Wir waren zusammen im Volkspark Wilmersdorf, erst eine Weile am See, dann noch mit einem Stück Kuchen auf einer Parkbank. Es war toll, draußen zu sein, und noch toller, sie endlich wiederzusehen. Die Parks waren wahnsinnig voll und es gab sehr viele Gruppen, die gemeinsam unterwegs waren. Aber hey, immerhin draußen, und nicht in geschlossenen Räumen.
Achja: ich habe von ihr eine Keramik-Schale geschenkt bekommen! Gleich eingeweiht zuhause!

In meinem Netzwerk geht so ganz langsam ein bißchen der Austausch los, zaghaft, mit ersten Posts. Fühlt sich gleichzeitig ungewohnt und gut an.


21:02 Uhr:

Die Vorspieler werden immer kompletter! Gerade eben den Check-In mit einem wieder einsteigenden Mitspieler gehabt. Ach ich liebe diese Gruppe einfach. Dieses Jahr feiern sie ihr 10-jähriges Jubiläum. Ist das zu glauben? Seit 10 (!!!) Jahren inszeniere ich mit dieser Gruppe ein Stück nach dem anderen, jetzt sind wir bei der 13. Inszenierung angekommen. Wir haben schon Probenraumwechsel gehabt, viele wechselnde Mitglieder, Geburten, Hochzeiten, Beziehungen, Trennungen, Freude und Leid, Lachen und Weinen. Und immer noch existiert diese Theatergruppe, immer noch haben sie jedes Jahr Freude am gemeinsamen Spielen und Inszenieren. Hammer!
Hier lernt ihr sie kennen: http://www.theatergruppe-berlin.de/vorspiel

Feierabend.


Mittwoch, 20. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Mittwoch, 20. Mai 2020



9:51
Uhr:

Neun Leute sind schon in meinem Netzwerk! Und jemand hat schon einen Beitrag geschrieben. Immerhin!


15:38 Uhr:

Jetzt sind es 10!

Als ich auf Facebook heute Werbung für mein Netzwerk gepostet habe, kam sofort ein ziemlich aggressiver Kommentar, dass Theater auf Distanz absurd sei und die Person kein Interesse an "online-Murks" hat und nicht versteht, warum wir (wer ist "wir"?) das tun. Versammlungen seien erlaubt, auch in geschlossenen Räumen, was denn unser Problem sei.
Mich stört nicht, dass jemand Online-Theater scheiße findet. Es gibt viele, die das beschissen finden, kein Problem. Ich finde auch viele Theaterformen scheiße.
Aber ich war erschrocken, wie aggressiv die Reaktion ist. Denn ich hatte einfach nur folgenden Post geschrieben:
"Ich habe ein kleines Amateurtheaternetzwerk erstellt – zum Austausch, zur Gruppenfindung, zum Ausprobieren von theatralen Aktionen auf Distanz. Vielleicht hat jemand Lust, dort aktiv dabei zu sein?" + Link zu meinem Netzwerk.
Vermutlich war nicht wirklich ICH der Adressat (die Person hat ja auch "euer" geschrieben), sondern es war irgendein anderes Problem.
Was mich am meisten daran stört, ist die Tatsache, DASS es mich so stört. Dass ein einziger aggressiver Kommentar mir so zusetzt und mich beschäftigt. Argghh!
Aber Logo: je mehr Herzblut man in etwas investiert, desto stärker verletzt einen dann Ablehnung.
Übrigens möchte ich zu dem Kommentar ergänzen, dass Versammlungen bis 50 Personen zwar erlaubt sind, aber mit Versammlungen sind nicht Theaterproben gemeint – vor allen Dingen keine privaten Theaterproben mit Amateuren. An den Theatern gibt es für die Berufs-Schauspieler ganz andere Vorgaben.

Ich bin dann rausgegangen, um Essen zu kaufen, und habe gemerkt, was vielleicht gerade das allgemeine Problem und mit ein Auslöser für solche Reaktionen ist:
Für einen Großteil der Menschen ist die Krise vorbei. Also zumindest in ihrem Kopf. So gut wie keine Masken mehr, kein Abstandhalten, alle sind draußen in Scharen unterwegs.



16:12 Uhr:

Habe meine ganzen Websites aktualisiert, überall mein Netzwerk mit reingepackt.
Werde mich jetzt der Reinigung der Küchenmülleimer widmen. Das ist so eine 3er-Station aus Metall als Kippsystem mit rausnehmbaren Plastikeimern. Die Plastikeimer lassen sich gut waschen, aber das Metallgestell ist schwierig, weil die Kippfächer nicht abnehmbar sind. Da klemmt also überall am Boden unten drunter irgendwelcher Müll, an den ich nicht rankomme. Ich glaube, ich stell das ganze Teil mal auf den Kopf.


17:53 Uhr:

Der Mülleimer macht mich fertig. Hab erstmal ne Tee-Pause gemacht.

Inzwischen ging die Konversation online noch weiter, ich hatte vormittags eine Antwort auf den Kommentar geschrieben und einen überhaupt nicht auf meine Antwort eingehenden weiteren Kommentar bekommen.

18:58 Uhr:

Ich habe die Mülleimer bezwungen. Zeit für ein wenig Kunst. Ich wollte schon ewig mal wieder einen Stempel schnitzen. Heute ist Welt-Bienen-Tag. Also wird es ein Bienenstempel.


19:20 Uhr:

Die Aufmerksamkeit wurde von einer anderen Facebook-Konversation abgesogen, die zwar nicht aggressiv, aber irgendwie auch unnötig und hochstatusmäßig war. Notiz für mich: Dort einfach nicht mehr posten.


20:28 Uhr:

Die Zeit ist heute vorbeigerauscht. Wie im Flug, als wäre der Tag gar nicht passiert.

Das kreative Arbeiten mit den Händen hat gut getan. Während des Schnitzens habe ich den Anfang von Kafkas "Das Schloss", gelesen vom Ensemble des Staatsschauspiel Dresden, gehört:
https://soundcloud.com/staatsschauspiel-dresden

Happy World Bee Day!

Feierabend.

Dienstag, 19. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Dienstag, 19. Mai 2020



9:59
Uhr:

Gleich geht's los: wöchentliches Einzeltraining. Heute noch online, ab nächster Woche vermutlich draußen am Tegeler See oder bei meinem Privatschüler Nick vor dem Haus. Es geht in kleinen Schritten voran.


11:28 Uhr:

Amüsiere mich sehr über diese Horoskop-Seite: https://www.instagram.com/costarastrology/
Ich bin Sternzeichen Jungfrau und auch eine ziemlich typische, wenn man nach Horoskopen geht. Extrem genau zutreffend sind folgende Sätze:
Nighttime rituals: Writing down tomorrow's to-dos with their favorite pen.
Challenging themselves to: Take a real nap, not just spend an hour checking their phone in bed.
You're looking for: An unrealistically clear view of the future.
Waiting on a cure for: Stupidity.

12:51 Uhr:

Ich fuchse mich gerade in Mighty Networks ein, denn ich habe schon länger mit dem Gedanken an ein kleines Amateurtheater-Netzwerk gespielt. Fühle mich seit einer Weile endlich mal wieder richtig motiviert.


16:28 Uhr:

Kleine Pause vom Arbeiten. Habe ein wahnsinnig intensives Theaterstück, gespielt von Andrew Scott, geschrieben von Simon Stephens, geguckt. Am Anfang habe ich nebenbei noch andere Sachen gemacht, auf Websites rumgeklickt etc. Aber irgendwann hat es mich so gepackt, dass ich nur noch still da saß und geguckt habe. Es ist noch bis zum 25. Mai online:
https://youtu.be/j01kVmBoJW0


18:39 Uhr:

Es macht Spaß, das Netzwerk aufzusetzen. Und selbst, wenn niemand Lust drauf hat und keiner sich dort anmeldet oder austauscht, so habe ich es einfach für mich gemacht.:)


20:41 Uhr:

Geschafft. Zu fast jedem Thema ein Post online, alles hübsch gemacht und gefühlt tausende Menschen eingeladen.
Hier findet ihr das Netzwerk: https://gruppendrang.mn.co/
Wollt ihr euch anmelden, euch zum Thema Amateurtheater austauschen und an gemeinsamen künstlerischen Projekten mitwirken? Dann meldet euch bei mir und ich schicke euch eine Einladung. Oder ihr stellt eine Anfrage auf der Netzwerk-Seite.

Feierabend.

Montag, 18. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Montag, 18. Mai 2020



21:05
Uhr:

Was war das bitte für ein schöner, entspannter Tag heute?!
Was macht man, wenn man zwar eine volle To Do List hat, aber keine der Sachen dringend gemacht werden muss? Richtig: Prokrastinieren.

Bin morgens zu Rossmann gegangen, dann zurück nach Hause und habe eines der besten Stücke der Welt – "Linie 1" vom Grips-Theater (Nur noch bis morgen online! https://www.youtube.com/watch?v=Ozm7Xi_kcmQ) – halb geguckt, halb nur über mein Headset gehört, während ich in der Küche Kekse gebacken habe. Diese Inszenierung packt mich immer und immer wieder. Keine Ahnung, wie oft ich das Stück schon auf der Bühne gesehen habe. Jedes Mal ist es toll. Dank des Streams konnt ich laut statt leise mitsingen, musste manchmal weinen, wenn mich ein Song besonders berührt hat, und dann wieder Lachen. Dieses Theaterstück ist ein emotionales Auf und Ab.

Mit dem letzten Backblech kam ein Anruf meines Bruders, dass er in meiner Gegend ist, ob wir uns spontan treffen wollen. Ich sagte zu, holte die Kekse aus dem Ofen und hab meinen Bruder endlich wieder gesehen ... nach mind. zwei Monaten. Das war toll!
Wir haben uns auch ganz brav nur mit den Ellenbogenspitzen begrüßt ... aber nicht 1,5 m Abstand gehalten, ich geb's zu. Das war bei uns zu Hause auch eher schwierig, aber es entwickelte sich dann ein Hoffice-Event: Er in der Küche am Rechner, ich im Büro, mein Mann im Wohnzimmer. Jeder am Rechner, mein Bruder bei einer Online-Vorlesung seiner Uni, ich beim Emails-Schreiben und mein Mann beim Programmieren. Ganz gemütlich, ganz normal. Eine neuer Alltag, den ich durchaus öfter haben könnte.

Ich habe Ohrringe repariert, Kekse verziert und gedacht, wie schön entspannt gerade alles ist.
Später mit meinem Mann wieder die übliche Pause mit "Halt and Catch Fire" (Cameron macht mich wahnsinnig!) und danach eine lockere Stunde kollegialer Austausch. Heute hatten wir uns gar nicht soviel zu erzählen, aber alle waren gespannt auf den Bericht von einem Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, der heute die erste Probe mit Kindern/Jugendlichen hatte – mit Abstand und Mundschutz. Für die Kinder war's okay, ansonsten wohl eher semi. Da geht einfach viel Theaterenergie verloren und die Theaterarbeit ist mit Mundschutz sehr anstrengend.
Vielleicht gibt es ja irgendwann noch mehr Lockerungen ... oder den nächsten Lockdown. Wer weiß das schon. Ich werde erstmal online weitermachen und auf noch mehr Teilnehmende hoffen.

Feierabend.

Freitag, 15. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 15. Mai 2020



10:52
Uhr:

Starte den Tag entspannt nach Lust und Laune. Habe Postkarten aus meiner Sammlung aussortiert (habe jahrelang in Cafés immer interessante Postkarten mitgenommen), dann welche für Freunde und Familie bereitgelegt, ein Bad genommen und es mir dann mit Häkelzeug vor dem Rechner gemütlich gemacht. Gucke die wunderbare Inszenierung "Die Pest" vom DT Heimspiel. Schauspieler Božidar Kocevski liebe ich sowieso und freue mich, dass er spielt. Mir gefällt die simple und gleichzeitig spannende Reise durch das Deutsche Theater. Ich verbinde viel mit diesem Theater. Es ist mein Lieblingstheater, schon sehr lange. So viele schöne, kleine und große Erlebnisse hatte ich dort.


11:28
Uhr:

"Die Pest" war bis jetzt meine intensivste und beeindruckendste Theatererfahrung während Corona. Der Audiowalk am Mittwoch die sinnlichste. Ich freue mich auf alles, was noch kommt.

15:53 Uhr:

Auf Nachtkritik (Warum lese ich das eigentlich? Die Seite regt mich dauernd auf.) lese ich in einem Kommentar, dass die Theater sich "gefährlich weit im Ausnahmezustand" einrichten. Und dass der Zustand jetzt ja eben keine Normalität sei und auch nicht so behandelt werden solle.
Ähm ... doch. Das ist jetzt die neue Normalität. Wir kehren ja nicht in eine Welt vor Corona zurück, sondern gehen in eine Welt nach Corona. Und in dieser Welt hat Corona bereits stattgefunden und die Menschen, die Wirtschaft, die Umgangsformen und die Gesellschaft verändert – mal mehr, mal weniger. Zudem besteht ja immer die Möglichkeit für weitere Wellen oder neue Pandemien. Ich denke, da wird es eine Art neuer Sensibilität für geben. Zumindest hoffe ich das. Ignorieren sollte man es zumindest nicht. Die Zeit jetzt beeinflusst die Zukunft. So wie das immer der Fall ist, nur jetzt noch stärker. Auch wenn es sich momentan grad eher anfühlt, als wäre die Welt angehalten. Aber das ist sie nicht, es geht alles weiter ... nur eben anders.
Was ich persönlich mir wünsche für die Nach-Corona-Zeit (wenn es sie denn geben sollte):
  • weiterhin Vernetzung unter Theaterpädagog*innen ... zumindest unter ein paar von ihnen, denn ich sehe da die anfängliche, zaghafte Vernetzungsbereitschaft schon wieder dahinschwinden
  • mehr digitale Kulturangebote, die optimalerweise als Selbstverständlichkeit zu den Präsenzveranstaltungen als Option dazukommen und somit Kultur inklusiver machen (das darf und soll natürlich auch Geld kosten)
  • mehr digitale Fortbildungsangebote, gern auch simple Mitschnitte von Workshops ... oder sogar die Möglichkeit, per Live-Stream an einem Präsenzworkshop als Zuhörende dabei zu sein
  • Solidarität
  • mehr Abstand und Rücksichtnahme in öffentlichen Räumen
  • weniger Vorbehalte gegen die digitale Welt
  • Offenheit für spontane Umdispositionen ins Digitale, z.B. wenn Proben aus Raumgründen etc. nicht stattfinden können 
  • besseres Internet, überall


18:41 Uhr:

Der Tag war arbeitsmäßig gar nicht so produktiv, aber ich habe mehrere Videos geguckt und viele Karten und Briefe an Freunde, Bekannte, Verwandte (leider auch Beileidskarten) geschrieben, die morgen auf Reisen gehen.
Und noch ein süßes Video zum Abend für alle "The Office"-Fans:
https://www.youtube.com/watch?v=NDjNX3nEfYo

Feierabend.


Donnerstag, 14. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Donnerstag, 14. Mai 2020



10:02
Uhr:

War gestern abend richtig schlapp und hatte das Gefühl, eine leichte Erkältung naht. Heute ist es besser.

Versuche so oft wie möglich kleine Fortbildungseinheiten in den Tag einzubauen. Meist Schauspielübungen von Margolis Method, aber auch andere Themen, die mir begegnen, sei es in Form von Online-Workshops oder Artikeln, Tutorials, Youtube-Videos. Heute habe ich den Morgen genutzt, um Infos zum Thema "Relaxed Performances" zu sammeln, weil ich die Idee großartig finde. Nicht nur für Menschen auf dem autistischen Spektrum, sondern für alle Menschen. Weg von den strengen Regeln einer Inszenierung, hin zu mehr Lockerheit und Offenheit für Unerwartetes und Raum, auch einfach rauszugehen oder abzuschalten. Habe nach Relaxed Perfomances in Berlin gegoogelt, aber so gut wie nichts gefunden. Dafür viele Links aus Großbritannien, die beim Thema Inklusion im Kulturbetrieb deutlich weiter sind als wir. Dieses Video hier hat mich richtig gerührt: https://www.youtube.com/watch?v=6uvMRXlu2Rw
Ich habe eine Berliner Inszenierung gefunden, die online stattfinden wird, sich mit dem Thema Inklusion beschäftigt, mit Laut- und Gebärdensprache stattfindet und durch Eigenverantwortung beim Thema Einstellung von Lautstärke und Licht am Rechner und das Zuhause-Sein schon an sich eine Relaxed Performance ist. Ist schon in den Kalender eingetragen!
https://sophiensaele.com/de/neuigkeiten/angela-alves-no-limit


10:14
Uhr:

Ich habe gestern eine der lustigsten Spam-Mails ever bekommen und möchte sie mit euch teilen. Achtung, etwas lang, aber sehr amüsant:

"Ich grüße Sie!

Ich habe schlechte Nachrichten für dich.
28.07.2019 - an diesem Tag habe ich Ihr Betriebssystem gehackt und vollen Zugriff auf Ihr Konto erhalten kontakt@sarah-bansemer.de.

Wie war es:
In der Software des Routers, mit der Sie an diesem Tag verbunden waren, gab es eine Sicherheitsanfälligkeit.
Ich habe diesen Router zuerst gehackt und meinen bösartigen Code darauf abgelegt.
Bei der Eingabe im Internet wurde mein Trojaner auf dem Betriebssystem Ihres Geräts installiert.

Danach habe ich alle Daten auf Ihrer Festplatte gespeichert (ich habe Ihr gesamtes Adressbuch, den Verlauf der angezeigten Websites, alle Dateien, Telefonnummern und Adressen aller Ihrer Kontakte).

Ich wollte dein Gerät sperren. Und benötigen Sie eine kleine Menge Geld für das Entsperren.
Aber ich habe mir die Websites angesehen, die Sie regelmäßig besuchen, und kam zu dem großen Schock Ihrer Lieblingsressourcen.
Ich spreche von Websites für Erwachsene.

Ich möchte sagen - du bist ein großer Perverser. Sie haben ungezügelte Fantasie!

Danach kam mir eine Idee in den Sinn.
Ich habe einen Screenshot der intimen Website gemacht, auf der Sie Spaß haben (Sie wissen, worum es geht, oder?).
Danach nahm ich Ihre Freuden ab (mit der Kamera Ihres Geräts). Es stellte sich wunderbar heraus, zögern Sie nicht.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie diese Bilder Ihren Verwandten, Freunden oder Kollegen nicht zeigen möchten.
Ich denke, 773€ sind ein sehr kleiner Betrag für mein Schweigen.
Außerdem habe ich viel Zeit mit dir verbracht!

Ich akzeptiere nur Bitcoins.
Meine BTC-Geldbörse: 17XjjE6RWikFot1PUfr3EqnJWNA9VAXSrD

Sie wissen nicht, wie Sie die Bitcoins senden sollen?
Schreiben Sie in einer Suchmaschine "wie Sie Geld an die BTC-Geldbörse senden".
Es ist einfacher als Geld an eine Kreditkarte zu senden!

Für die Bezahlung gebe ich Ihnen etwas mehr als zwei Tage (genau 50 Stunden).
Keine Sorge, der Timer startet in dem Moment, in dem Sie diesen Brief öffnen. Ja, ja .. es hat schon angefangen!

Nach Zahlungseingang zerstören sich meine Viren und schmutzigen Fotos automatisch.
Wenn ich die angegebene Menge nicht von Ihnen erhalte, wird Ihr Gerät gesperrt, und alle Ihre Kontakte erhalten ein Foto mit Ihren "Freuden".

Ich möchte, dass du umsichtig bist.
- Versuchen Sie nicht, mein Virus zu finden und zu zerstören! (Alle Ihre Daten sind bereits auf einen Remote-Server hochgeladen.)
- Versuchen Sie nicht, mich zu kontaktieren (Dies ist nicht möglich, ich habe Ihnen diese E-Mail von Ihrem Konto aus gesendet).
- Verschiedene Sicherheitsdienste helfen Ihnen nicht weiter; Auch das Formatieren einer Festplatte oder das Zerstören eines Geräts ist nicht hilfreich, da sich Ihre Daten bereits auf einem Remote-Server befinden.

P.S. Ich garantiere Ihnen, dass ich Sie nach der Bezahlung nicht mehr stören werde, da Sie nicht mein einziges Opfer sind.
Dies ist ein Hacker-Ehrenkodex.

Ich empfehle Ihnen von nun an, gute Antiviren-Programme zu verwenden und regelmäßig (mehrmals täglich) zu aktualisieren!

Sei nicht böse auf mich, jeder hat seine eigene Arbeit.
Abschied."
Mein Mann und ich waren besonders begeistert von der Abschlussformel: "Abschied.". So simpel, so leicht. Werden wir jetzt bestimmt öfter sagen, wenn einer irgendwo hin muss.


11:01 Uhr:

Ich war selten so organisiert bei meiner Arbeit wie im Moment. Mein Stehpult (Foto oben) sieht jeden Tag ordentlich aus. Dort mache ich Planungen, Termine und Notizen. Der GoogleDrive-Ordner der aktuellen Vorspiel-Inszenierung ist ebenfalls organisiert, habe eben alle Kreativ-Aufgaben nochmal in einem Dokument zusammengefasst und den Probenplan aktualisiert.
Mein Traum: irgendwann ALLES für die Arbeit organisiert und aufgeräumt haben. Alle Bücher, alle Dateien auf dem Laptop, alle Fortbildungsmaterialien, alle Arbeitsmaterialien. Unrealistisch? Deswegen heißt es ja auch "Traum".


15:34 Uhr:




Ich habe kleine Audiowalks für zuhause mitgemacht. Manche waren super, andere eher abstrakt und nicht wirklich durchführbar. Aber probiert es doch mal selbst aus:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/dlf-das-feature-detailseite.3720.de.html?dram:article_id=474605Sven&fbclid=IwAR0e9oeAmew5vX3IAlpBgwsFN2hbqUf2JYYyM4hYWEp_ZCn475LIJZlZb_Y

Habe einen Blogartikel gelesen, den ich sofort unterschreibe und habe oft das Gefühl, dass alle jetzt mit den ersten Lockerungen wieder fröhlich durch die Gegend springen. Bin darüber etwas irritiert. Social (bzw. physical) Distancing ist immer noch an der Tagesordnung, aber so viele scheinen sich nicht dran zu halten. Wobei ich mal ein Lobeswort auf die Mitfahrenden in den öffentlichen Verkehrsmitteln aussprechen muss: die letzten beiden Tage war ich bei meinen Fahrten in Bus und U-Bahn wirklich beeindruckt vom Abstandhalten. Habe einen Vorteil vom Maske-Tragen entdeckt: es quatschen einen keine fremden Leute mehr an.



21:51
Uhr:
 
Vorspiel-Probe vorbei, erste, zaghafte Pläne zu Proben im Park oder auf einer anderen Freifläche gibt es schon (mit viel Abstand natürlich!). Die Sehnsucht nach Offline-Proben ist groß. Mal schauen, wann und wo wir das realisieren.

Feierabend.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Mittwoch, 13. Mai 2020



14:18
Uhr:

Gestern spätabends hat mein Mann mir einen zweiten Lego-Anhänger geschenkt: Iron Man!

Habe den freien Vormittag genutzt, um ins Theater zu gehen. ... Scherz.
Ich habe den Audiowalk "Der Tod in Venedig" vom Theaterdiscounter gemacht und fand es richtig schön, wieder eine künstlerisch-theatral-interaktive Erfahrung zu machen. Ganz allein, nur für mich, in angenehmer Länge (35 min.), im schönen Nikolaiviertel. Ich lass das mal als Tipp für alle Berliner*innen da:
https://theaterdiscounter.de/stuecke/der-tod-in-venedig

Überhaupt draußen zu sein, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu fahren, durch das Nikolaiviertel zu spazieren und am Wasser entlangzulaufen ... das war schon aufregend genug. Dazu noch dem Audiowalk laufen und "mitspielen". Das war richtig schön.




15:11
Uhr:

Bin durchgefroren vom Vormittag. War auf dem Rückweg noch auf dem Markt und draußen war es recht kühl. Auch wenn ich eigentlich warm genug angezogen war, merkt man es nach einer Weile, dass die Eisheiligen grad da sind.

Wollte die letzte Schauspieleinheit von Margolis Method machen, aber Thema ist Bauchmuskeltraining. Nicht jetzt, bitte.😂


16:09 Uhr:

Schicke Sprachnachrichten mit einer Freundin hin und her. Ihr ist nach Neuanfang. Mir auch ein bißchen. Daran arbeite ich auch, wenn auch momentan mit halber Energie. Gern würde ich auch selbst mehr Theater machen. Vielleicht ein eigener Audiowalk ... vielleicht weiter an meiner ursprünglich für Mai geplanten Orangeplaty-Szene arbeiten ...
Ich lasse Ideen kommen und gehen und wieder aufploppen. Wenn die Laune da ist, arbeite ich daran. Das Tagebuch-Schreiben hilft mir auf jeden Fall, dranzubleiben an meinen Ideen.

Die wirtschaftliche Situation für meine Kolleg*innen ist frustrierend. Ich wünsche allen, dass staatliche Lösungen gefunden werden. Und noch mehr wünsche ich mir, dass die Menschen Abstandsregeln und Hygienevorschriften einhalten, damit bald wieder für alle Arbeit möglich ist – auch in kleineren Räumen, auch mit mehreren Teilnehmenden.
By the way: kennt jemand große Flächen unter freiem Himmel, die man in Berlin nutzen kann, auf Privatgeländen oder so? Öffentliche Flächen darf ich für gewerbliche Angebote nicht nutzen. So könnte man vielleicht irgendwann zumindest draußen wieder mit größeren Gruppen (8-12 Menschen) arbeiten.


18:32 Uhr:

Aus dem Legofiguren-Duo ist ein Trio geworden: Han Solo ist noch dabei! Den liebe ich besonders als junge Version im Film "Solo: A Star Wars Story".


19:27
Uhr:
 
Gleich ist Premiere einer neuen Folge "zeitfüreinander":
https://www.zeitfuereinander.com/

Ich glaub, ich mach mal Feierabend.



Dienstag, 12. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Dienstag, 12. Mai 2020



7:10
Uhr:

Warum ich schon wach bin? Weil ich gleich zum Zahnarzt muss – Fertigstellung des Wurzelbehandlung (hoffentlich).

Vor 7 Uhr schon ne Rechnung geschrieben. Da fühlt sich der Tag trotz großer Müdigkeit gleich produktiv an.


9:46 Uhr:

Okay, im Juni nochmal zum Zahnarzt. Meine Zahnärztin ist so süß, sie hat gleich nachgefragt, ob sich beruflich für mich schon was geändert hat durch die Lockerungen. Finde das toll, wenn jemand so aufmerksam ist und sich Berufe merkt. Ich selbst würde das auch gern können, bin aber leider oft zu vergesslich.


12:40 Uhr:

Müdigkeit, my old friend.

Privatstunde mit Nick war witzig wie immer. Vielleicht machen wir die Probe nächste Woche sogar draußen mit Abstand.

Habe Fotostrecken von den Demos am Wochenende gesehen. Die ganzen Verschwörungstheorien frustrieren mich. Immerhin haben in der U-Bahn alle Mund-Nasen-Schutz getragen.


14:12 Uhr:
 
Überraschungsgeschenk von meinem Mann: ein Lego-Spiderman als Schlüsselanhänger! Er ist der beste Mensch der Welt! 😍 Werde daraus einen Kettenanhänger basteln.




15:44
Uhr:
 
Habe Schauspielübungen gemacht und fühle mich gleich wieder wacher. Ich bin immer und immer wieder erstaunt, wie simple Atem- und Bewegungsübungen auf den Körper und damit auch gleichzeitig auf die Stimmung wirken. Sie können unglaublich viel auslösen.

Lese Lydias neuen Artikel, der wieder suuuuuper ist!
https://www.bueronymus.de/corona-verschwoerungstheorien-wer-am-lautesten-schreit/


17:26 Uhr:
 
Nach der üblichen Serie+Tee(+Schokocroissant)-Pause bin ich etwas lustlos. Weiß auch nicht so genau, was ich grad machen soll. Nicht, dass es nicht tausend Dinge auf der To-Do-List gäbe ... Aber auf die Sachen habe ich keine Lust.


19:01 Uhr:
 
Habe gebadet. Wenn ich dann zum Abkühlen auf dem Bett rumliege (mein Standard-Ritual) dödel ich mit dem Handy rum. Habt ihr auch eine Reihenfolge, in der ihr Apps anklickt? Bei mir immer erst Mails, dann WhatsApp, dann Facebook, dann Pinterest ... und wieder von vorne ... und wieder von vorne. Manchmal gucke ich mir noch Fotos von meinen Katzen an, die ich mit Handy gemacht habe ... obwohl die Katzen neben mir liegen. Wenn mir besonders öde ist, suche ich dann nach irgendwelchen Sachen auf Kleiderkreisel. Damit kann ich eine recht lange Zeit zubringen bis ich merke, dass ich davon auch nicht motivierter werde.
Hab zur Abwechslung dann diesen wirklich, wirklich wunderbar unterhaltsamen Coronatagebuchbriefwechsel auf der Website von Andrea Hansen gelesen:
http://andreahansenart.com/?page_id=301

Habe eine weitere Anmeldung für einen meiner Gruppendynamik-Workshops. Freue mich darüber sehr, bin aber noch entfernt von meiner Mindestteilnehmerzahl. Wenn ihr also jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt ...., für den/die das interessant sein könnte, schickt gern den Link weiter:
http://www.theaterkurse-online.de/#workshops
Oder alternativ gibt es beide Workshops auch als Facebook-Veranstaltungen zum Teilen:
https://www.facebook.com/events/635522897292346/
https://www.facebook.com/events/542420676470929/


19:32 Uhr:
 
Arrghhh! Natürlich genau an dem Tag, an dem man superviel Werbung für Workshops macht, ist das Sicherheitszertifikat auf der eigenen Website abgelaufen. Ist in Arbeit, wird baldigst aktualisiert.

Habe eine lange Liste mit Online-Formaten, die ich alle gucken will und fange grad mit "Zeitfuereinander", eine Art improvisiertes Online-Dating mit Schauspielern verschiedener deutscher Theater in den Hauptrollen. Sehr geil! Lohnt sich sehr!
https://www.zeitfuereinander.com/


19:59 Uhr:

Feierabend.

Montag, 11. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Montag, 11. Mai 2020



8:51
Uhr:

Guten Morgen in die Runde! Der Himmel ist grau und es ist schlagartig kälter geworden. Finde ich schön. Das Wochenende in unserer Dachgeschosswohnung war schon ganz schön warm.

Hier ein interessanter Kommentar zu den aktuellen Corona-Reaktionen:
https://www.spiegel.de/netzwelt/corona-krise-sascha-lobo-ueber-das-phaenomen-des-social-meltdown-a-d734aaf2-98d0-490b-983d-a2c26ffedcdd?utm_source=pocket-newtab

Hab am Wochenende ein kleines bißchen Theater gemacht und eine Mini-Lesung für die Genossenschaft auf Video aufgenommen. Merke: ich brauche irgendwann mal ein externes Mikro, der Ton ist schlimm, wenn ich nicht direkt vor'm Handy sitze.

Gestern endlich 15 min Workout-Video geschafft.


10:01 Uhr:

Auf dem Dach des Nachbarhauses befestigen drei Dachdecker im Regen eine Schutzplane. Der jüngste von ihnen trägt eine Maske – zwar nur über dem Mund, aber immerhin.


10:55 Uhr:

Ich glaube, das Theater-Vermissen ist bei vielen gerade ganz groß. Theater in der Form, wie wir es bisher kannten, ist momentan – und auch für eine längere Weile – nicht möglich. Was nun? Ich habe gerade in einem Facebook-Post den Vorschlag gelesen, die digitalen Experimente und Aktionen von Theaterkünstler*innen vielleicht einfach nicht "Theater" zu nennen. Finde ich gut. Oder man weitet den Theaterbegriff aus. Beides Möglichkeiten.
Ich persönlich finde gerade alles toll: neue Experimente, Zoom-Inszenierungen, gestreamte vergangene Theaterinszenierungen, gestreamte Live-Auftritte ... Die Vielfalt ist inspirierend, bereichernd und bietet eine Möglichkeit der Teilhabe, die so vorher gar nicht möglich war. Aber wie finanzieren wir die Erschaffer*innen dieser Formate? Das ist nochmal ein ganz wichtiges Thema.


13:18 Uhr:
 
Habe nachher einen Status-Workshop mit structura. Eigentlich eher ein Coaching, denn wir haben heute nur eine teilnehmende Person. Das wird ein Spaß.😄
Wenn ihr für eure Firma ein interaktives Führungskräfte-Onlinetraining sucht – here it is:
https://structura.de/blog/102-online-meetings-aus-dem-home-office-ein-modulares-basistraining


14:44 Uhr:
 
Hatte mir am Samstag ganz blöd mit einer Schere in den Daumen geschnitten. Wollte gerade das Pflaster wechseln und habe noch welche mit Tattoomotiven – unter anderem mit Schiffen! – gefunden. Highlight des Tages!

Vorhin endlich wieder Übungen von Margolis Method gemacht. Nur noch bis Mittwoch kostenlos online!


17:45 Uhr:
 
Ich bin jetzt im Besitz eines kleinen, feinen, leichten Bluetooth-Headsets!


21:26 Uhr:
 
Headset im kollegialen Austausch getestet. Kopfhörer sind super, das Mikro schwächelt beim Headset. Ich probiere noch ein bißchen rum, vielleicht kriege ich es noch besser hin. Aber ich fühle mich schon mal deutlich beweglicher. Alternativ müsste ich noch ein Mikro kaufen, was ich ja eh überlegt hatte. Geld, Geld, Geld ...

Die BBC hat übrigens tolle Set-Fotos als Hintergründe für Zoom im Archiv:
https://www.bbc.co.uk/archive/empty_sets_collection/zfvy382?fbclid=IwAR2cF61y1lwCYK1kWXGupBqgaelQDMQsF1eLkxOJ4szkKl3VFA-OCywf8u8

Feierabend.

Freitag, 8. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 08. Mai 2020



9:14
Uhr:

Dinge, die ich regelmäßig vergesse: Feiertage. Aber Feiertage finde ich gar nicht so übel, weil man da meistens in Ruhe arbeiten kann, weil viele andere frei machen und man dann gar nicht so viel Ablenkung durch Mails etc. hat.

Habe seit Jahren mal wieder Kellogs Frosties gekauft. Hammer!


12:39 Uhr:

Momentan jeden Tag ein bißchen Kultur. Ich gucke gerade die Theater-Inszenierung "Frankenstein":
https://www.youtube.com/watch?v=dI88grIRAnY
Allein optisch schon wunderbar!


15:01 Uhr:

Wow, was für eine Inszenierung!

Kennt ihr das eigentlich auch, dass ihr euch erst wieder an Dinge gewöhnen müsst, wenn ihr sie lange nicht mehr gemacht habt?
Da ich seit dem 13. März außer meinem Mann, meinen Katzen und meiner Zahnärztin niemanden mehr offline getroffen habe, finde ich den Gedanken, mich wieder mit jemandem zu treffen, sehr gewöhnungsbedürftig. Außer meinen Theaterkursen habe ich auch vor Corona gar nicht allzu viele Leute getroffen. Gerade auch WEIL ich ständig mit Gruppen arbeite, dadurch also sowieso immer mit vielen unterschiedlichen Menschen pro Woche Kontakt hatte. Ich habe natürlich auch Freunde, aber keine Clique, so dass ich ab und zu mal mit 1-2 Freunden was unternommen habe. Manche Freunde sehe ich sowieo nur etwa einmal pro Jahr.
Ich weiß noch nicht, wie ich jetzt in die Lockerungen starten soll. Vielleicht gehe ich am Wochenende mit einer Freundin spazieren. Nächste Woche würde ich gern allein den Audiowalk vom Theaterdiscounter machen. Und dann mal meine Familie besuchen. Und dann mal schauen. Bin gerade wie ein scheues Tier, das der Sache noch nicht traut. Genauer gesagt sind mir die Menschen draußen etwas suspekt. Abstand halten und Vorsicht sind grad nicht mehr so trendy.


15:15 Uhr:
 
Andy Serkis liest heute 12 Stunden lang "Der kleine Hobbit":
https://www.youtube.com/watch?v=4QOF_r_Y5-A


16:09 Uhr:
 
Am Theatertreffen habe ich noch nie in irgendeiner Form teilgenommen, finde es aber interessant, jetzt online daran teilhaben zu können. Höre gerade ein Panel, in dem Kay Voges dabei ist, von dem eine Kollegin schwärmte, und muss ihm total zustimmen, denn er sagte eben das hier:

"Ich glaube, dass sich die Produktionsweisen zum Positiven wandeln, wenn man nicht mehr einen Raum teilt miteinander. Also die Form verändert auf einmal die Kunst auch. Als man noch zusammen Theater machen konnte, habe ich ja trotzdem eine Produktion gemacht – die Parallelwelt – am Berliner Ensemble und in Dortmund gleichzeitig, und wir waren verbunden über Glasfaser. Das war das erste Mal, dass man Theater ..., dass man gespielt hat miteinander, ohne einander begreifen zu können. Und das fordert auf einmal eine unglaubliche Aufmerksamkeit für den Menschen, den man nicht sehen kann. Und eine Empathie mit dem Nicht-Anwesenden. Und das finde glaube ich etwas, was in einer globalisierten Welt etwas ist, was wir evolutionär lernen müssen. Empathie haben mit Menschen, die nicht faktisch vor unserer Nase sind. Und das können wir in der Kunst erproben und können herausfinden – ich find das ja toll. Also wenn wir jetzt zusammen auf der Bühne sitzen würden, grad im Moment, hätten wir uns schon zwanzigmal öfters ins Wort gesprochen. Hier im Netz gibt es auf einmal andere Konventionen, man muss sich, um überhaupt miteinander klarzukommen, aus ausreden lassen und wie in der Schule die Hand heben, um rangenommen zu werden. Das ist auch ne schöne Sache, wenn man auf einmal merkt, wir achten ein bißchen mehr aufeinander. Und ich glaub, das ist etwas, was wir vielleicht dann aus dem Shutdown vielleicht auch wieder ins reale Leben mit hinüber nehmen können."

17:29 Uhr:
 
Ich wurde gerade für das Projekt "Unter Strom" interviewt. Bin gespannt auf das Ergebnis. Es werden noch Interviewpartner*innen gesucht. Wenn ihr auch Lust habt, meldet euch doch direkt dort.

Zeit für Feierabend.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Donnerstag, 07. Mai 2020



9:32
Uhr:

Was mich nervt: Morgens an den Rechner gehen und Artikel über Verschwörungstheorien sehen. Irgendwelche idiotischen Promis, die schon immer fragwürdig waren, stellen sich jetzt an die Spitze der Verschwörungstheoretiker. Ich finde das unangenehm, peinlich und gefährlich zugleich. Kann da mal jemand was machen? Anyone?


10:40 Uhr:

Mal wieder Familientreffen in Jitsi. Bald fahre ich zum ersten Mal seit gefühlt tausend Jahren zu meiner Mutter.


11:33 Uhr:

Ich gucke eine Inszenierung von Rimini Protokoll und bin begeistert:
https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/on-demand/tt-virtuell.html#chinchilla_arschloch


17:11 Uhr:
 
Hatte zum Mittag diesen Salat: Klick! Hat aber ein bißchen gedauert, weil ich keine vorgekochten Linsen hatte. Hab mir dafür das Karamellisieren der Walnüsse gespart und sie einfach so dazugepackt. War sehr lecker!

Nachmittagsmüdigkeit halbwegs überwunden, ein bißchen Sport gemacht (Hab heut 12 Minuten geschafft!). Gleich steht nochmal ein BigBlueButton-Test an, denn Montag werde ich mit dem Tool erstmals einen Workshop geben.

Meine eigenen Gruppendynamik-Workshops, die ich für morgen geplant hatte, habe ich auf den 29. Mai verschoben. Jemand interessiert? Dann hier entlang:
http://www.theaterkurse-online.de/#workshops

Eine Freundin hat mir ein riesiges schweres Buch geschickt, über die Geschichte des Theaters in Berlin, von 1822 bis 1945. Da habe ich viiiiiieeeel Lesestoff für die nächsten Jahre. Ich habe schon ein bißchen drin rumgeblättert und war fasziniert von einem U-Boot-Bühnenbild inklusive Filmprojektion aus dem Jahr 1928 (!!!):




18:35 Uhr:
 
Der Video-Test wurde auf morgen verschoben. Stattdessen Spaziergang gemacht.


21:49 Uhr:
 
Gute Vorspiel-Probe, auch wenn sich alle wieder nach echten Proben sehnen.

Der Abend ist perfekt mit den letzten zwei Songs des Live-Streams von Jade Pearl Baker ausgeklungen. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich im BKA-Theater bei einem ihrer Konzerte und werde immer sentimental, wenn ich sie singen höre. Hier findet ihr das Konzert:
https://www.facebook.com/BKA.Theater/videos/322171965418515/?eid=ARBg3eKyVRenWSeNF1cPoS3U4wBW898ehsRzDDgz_7Z6jW-00bKuB0hiDgjW-0_rNCRgnxxEGezkY8kR

Manche Online-Veranstaltungen lassen mich kalt, andere berühren mich tief. Heute haben mich sowohl das Stück von Rimini Protokoll (s. Verlinkung weiter oben) und dieser Konzertschluss sehr bewegt. Ich genieße es, auch online Kultur zu haben. Und auch wenn viele sagen, dass niemand streamen und alle einfach auf Kultur verzichten sollen, bin ich froh, dass da keiner drauf hört. Ich wäre für feste Ticketsysteme, so dass man nur Zugang hat, wenn man auch bezahlt hat. Wird bis jetzt noch nicht so wirklich gemacht (ist mir zumindest noch nicht begegnet), aber eine Spendenmöglichkeit finde ich auch super. Die nutze ich auch intensiv. 

Zeit für Feierabend.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Mittwoch, 06. Mai 2020



11:29
Uhr:

Halbwegs produktiv bin ich in den Tag gestartet und hab schon einen Teil meiner To Dos abgearbeitet.

Mich nervt es immer wieder, dass ich grad nicht planen kann. Das nervt mich mehr als die Tatsache, dass meine Vor-Ort-Veranstaltungen nicht stattfinden können. Am liebsten würde ich jetzt schon meine Juni-Workshops absagen, aber ich warte noch ein bißchen bis es Corona-Neuigkeiten für Berlin gibt. Was auf jeden Fall klar ist: in dem kleinen "Studio in Bewegung", in dem ich meine Kurse mache, kann ich keine Abstandsregeln einhalten. Es ist ein schmaler Raum, in dem ich dann nur mit 2-3 Menschen arbeiten könnte. Im Spirale-Jugendzentrum ginge das schon eher mit dem Abstand. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Ich hatte auch an Grünflächen/Parks gedacht, aber man darf keine gewerblichen Sachen auf öffentlichen Grünflächen machen. Außerdem sind die Parks voll. Und werden noch voller, wenn es noch wärmer wird.
Ideal wären Innenhöfe oder andere Plätze, die keine öffentlichen Flächen sind.
Ich bin auch gespannt, ob eine Art Grundeinkommens-Soforthilfe in Berlin entsteht. Wenn das durchgesetzt werden sollte, ist natürlich auch die Frage, unter welchen Bedingungen man das Geld beziehen darf. Es bleibt definitiv spannend.
Gern würde ich mehr online arbeiten, aber die meisten meiner Kund*innen sind daran nicht interessiert. Einige meiner Kolleg*innen haben auch berichtet, dass überall Ermüdungserscheinungen bei den Teilnehmenden einsetzen. Verständlich. Es ist ja auch eine anstrengende Zeit.
Ich habe ja die Vorstellung, dass die Leute erst an Theater-Onlinekursen interessiert sein könnten, wenn alles wieder zur Normalität zurückgekehrt ist und die Menschen volle Terminkalender haben und sich freuen, wenn sie mal was von zu Hause aus machen können.


11:52 Uhr:

Habe die Seite https://www.cameo.com/ entdeckt, auf der man persönliche Videobotschaften von Stars kaufen kann. Die Beispiel-Videonachrichten berühren mich sehr, weil die Promis so liebevoll auf die Videoempfänger*innen eingehen. Sie machen ihren Job verdammt gut.


15:44 Uhr:
Endlich mit Kolleg*innen ein bißchen BigBlueButton getestet. Auch nicht übel. Mag Zoom trotzdem lieber.


19:38 Uhr:
 
Kollegin Anati hat heute auf Facebook geschrieben "Dein Blog ist mittlerweile mein Morgenritual! Danke Dir dafür! 💐👍😊"
Made my Day!

Heute war ein produktiver Tag. Diese Tage liebe ich. Im Homeoffice was geschafft, im Haushalt was geschafft, Einkaufen gewesen, was Neues gelernt, Austausch mit anderen und Schauspielübungen gemacht.


20:30 Uhr:
 
Habe gerade die Vermutung gelesen, dass die Tuberkulose-Impfung eventuell vor Corona schützen oder die Krankheit zumindest milder verlaufen lassen könnte. Ich bezweifle es. Sollte doch wahr sein, habe ich als Ossi Glück. Ich bin gegen so ziemlich alles geimpft – auch Tuberkulose.😃

Feierabend.

Dienstag, 5. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch –Dienstag, 05. Mai 2020



9:07
Uhr:

Ich trage noch meine Schlafsachen. Morgens checke ich immer Mails, Facebook, Bloglovin und ein paar Nachrichten, die mir unterkommen.

Bin irgendwie nie bei Twitter, lese aber wahnsinnig gern gesammelte Tweets. Mein Favorit heute von Peter Wittkamp:
"Diese ganzen Rechten, die sich schon nach ein paar Wochen strenger Maßnahmen beschweren: Mit denen hätten wir auch keinen Weltkrieg gewonnen."Genau mein Humor.


11:45 Uhr:

Habe vorgestern ein 15-minütiges Workout-Video machen wollen und musste nach 9 Minuten aufgeben. Seitdem habe ich übelsten Muskelkater in Beinen und Armen (Ja, so unsportlich bin ich 😀), aber ich habe es heut nochmal versucht und 11 (!) Minuten geschafft. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Einzelunterricht mit meinem Schüler Nick war wieder sehr lustig, wir haben einige Übungen von Margolis Method gemacht.


17:02 Uhr:


Ich besitze eine Handyhülle! Mein Handy sieht jetzt aus wie ein Transformer!

In Mini-Schritten wächst die Motivation an Online-Kursen zu arbeiten. Ein bißchen schreckt mich noch der Aufwand ab, aber ich kann mich ja Schritt für Schritt vorarbeiten. Aber ich habe große Lust, verschiedene Elemente und Skills zusammenzupacken: Texte, Fotos, Videos, Audios, Grafik, Zoom-Meetings ...
Mein neu eingerichtetes Homeoffice trägt zu dieser Motivation bei. Einfaches Umräumen kann so inspirierend sein. Es ist noch nicht ordentlich und es gibt chaotische Ecken mit Papierstapeln, aber ich habe einen neuen, flexiblen Arbeitsplatz, an dem ich mich superwohl fühle.


21:51 Uhr:

Der heutige Zoom-Abend mit den Teilnehmenden der LAG war wunderbar. Fröhlich, lustig und sehr kreativ. In verschiedenen kleinen Übungen wurde getanzt, kleine Choreografien erarbeitet und Mini-Videowalks aufgenommen, in denen wir durch verschiedenste Emotionen, Geschichten und sinnliche Erlebnisse geführt wurden. Ich bin ganz berührt von den Ideen, die in der Gruppe zusammenkommen und freue mich darauf, die Teilnehmenden in den nächsten Monaten noch mehr kennenzulernen.

Jetzt tun mir meine Ohren weh. Habe heute ein Bluetooth Headset bestellt und bin gespannt, ob es mit meinem Rechner funktioniert. Möchte endlich mehr Bewegungsfreiheit bei der Online-Arbeit.

Feierabend.

Montag, 4. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch –Montag, 04. Mai 2020



18:49
Uhr:

Ein entspannendes Wochenende war das, ganz gemütlich.

Heute bis jetzt ein gut gefüllter Tag. Vormittags Besprechung für den morgigen LAG-Termin. Mittags ein schönes Telefonat mit Lydia. Nachmittags ein unterhaltsames Telegram-Spiel, angeleitet von Gabi Linde. Über Telegram haben die Teilnehmenden Anweisungen erhalten. Wir sind rausgegangen, haben nach Zeichen einer geheimen Vereinigung gesucht, einander Fotos und Sprachnachrichten geschickt, uns angerufen und später zusammen in Zoom gechattet. Ein interessantes Konzept, das mich neugierig gemacht hat, auch damit zu arbeiten. Wenn ihr mitmachen wollt, meldet euch doch direkt bei Gabi.
Ebenfalls sehr interessiert bin ich grad an Video- und Audiowalks.


19:02 Uhr:

Fühle mich körperlich unruhig. Getrieben.

Die ganzen Verschwörungstheorien gehen mir auf den Geist. Habe dazu diesen guten Artikel gelesen (ist zwar schon über zwei Wochen alt, aber aktueller denn je):
https://www.volksverpetzer.de/schwer-verpetzt/corona-querfront/?fbclid=IwAR05OvMPs6Njb7zxPYE2qh3Mi8sGQdlMRJ-IM5Kj5DQIRt8Xm9bt-3iDMOg
Viele empfinden Pflichten und Einschränkungen als extremen Freiheitsentzug. Ich als sehr freiheitsliebender Mensch empfinde das nicht so, weil die Distanz für mich Freiheit von sozialem Treff-Zwang bedeutet. Ja, ich möchte gern Freunde und Familie wiedersehen. Aber ich kann gut damit leben, dass es grad nicht geht. Und ja, ich weiß, dass ich aus einer sehr priviligierten Position spreche und auch nicht alleine lebe, also immer meinen Lieblingsmenschen um mich rum habe. Finde es nur eine interessante Beobachtung an mir selbst.


21:53 Uhr:

Wieder einen wirklich wunderbaren kollegialien Austausch in Zoom gehabt. Es waren neue Teilnehmende dabei und nächste Woche werden alle Katzenbesitzer ihre Katzen zeigen.😄
Ich würde gern mehr über die Gesprächsinhalte schreiben, bin aber irgendwie zu müde und der Kopf ist zu voll, um das alles zu sortieren. Die nächsten Tage wird das bestimmt alles etwas sacken und sich neu formieren.

Feierabend.

Freitag, 1. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 01. Mai 2020



13:05
Uhr:

Tag der Arbeit. Ein Tag ohne Termine. Habe erstmal im Büro weitergeräumt und jetzt endlich eine weiße Wand im Hintergrund sowie zwei Schreibtische: einen für Computerarbeit, einen für Schreib- und Bastelarbeiten. Und auch noch einen Steharbeitsplatz. Soviel Auswahl!

Zeitgleich räumt mein Mann im Wohnzimmer um. Lauter Dinge werden aussortiert, die wir gar nicht mehr benutzen: ein Schreibtischstuhl, Metallregale, Bücher ... Sobald sich die Lage irgendwann mehr normalisiert, verkaufe und verschenke ich wieder Sachen über ebay-Kleinanzeigen.


14:17 Uhr:

Drucker umgeräumt und den Stehplatz eingerichtet. So langsam nimmt das hier alles neue Formen an.


17:25 Uhr:

Ein großer Teil der Kurs-Interessierten hat sich schon zurückgemeldet auf meine Absagen. Heute hat zum ersten Mal eine interessierte Person, die schon bezahlt hatte, den Betrag gespendet, und ich freue mich sehr. Danke dir!


18:15 Uhr:
Wenn ich auf Facebook gehe, fühle ich mich gerade überrollt von den "Wir sind aber auch systemrelevant"-Artikeln der Kulturschaffenden. In meinen Kopf schleicht sich immer mehr ein Gedanke: Sind wir das wirklich? Unserem eigenen Gefühl nach schon, natürlich. Die Menschen lieben und brauchen Kultur. Aber rein pragmatisch gesehen sind Theater, Konzerte, Oper und Co. in gewisser Weise auch immer ein Luxus. Es gibt so viele Menschen, die nie ins Theater gehen. Und das nicht unbedingt, weil sie nicht die Möglichkeiten haben, sondern bei vielen auch, weil es sie nicht interessiert. Einige meiner Freunde sind absolut keine Theatergänger. Mein Mann geht nur ins Theater, wenn ich auf der Bühne stehe. Wir waren früher oft gemeinsam im Theater, aber irgendwann ging ihm das elitäre Publikum auf die Nerven. Und ich kann ihn verstehen. Das ist einer der Gründe, warum ich im Theater am liebsten in der ersten Reihe sitze – um mich nicht so sehr mit den anderen Zuschauenden auseinandersetzen zu müssen. Das ist vermutlich asozial. Aber ich fühle mich ganz oft mit dem Publikum nicht verbunden. Ich lache dann laut allein und niemand lacht mit. Oder ich bin so gerührt vom Bühnengeschehen, dass mir Tränen die Wangen herrunterlaufen, und es ist mir unangenehm, weil die anderen gar keine Reaktionen zeigen. Es kommt auch vor, dass mich das Bühnengeschehen verwirrt  oder abstößt und ich richtig entsetzt bin, wenn das Publikum begeistert ist. Manchmal liebe ich aber auch das Publikum – wenn wir an den gleichen Stellen lachen, wenn ich eine positive Energie im Raum spüre. All das ist logisch, weil auch das Theaterpublikum aus vielen, unterschiedlichen Menschen besteht. Aber ist es nicht so, dass ich mich im Theater oft (nicht immer!!!) in einem elitären Kreis bewege? Elitär nicht im Sinne von reich, sondern im Sinne von priviligiert. In einer Blase.
Ich verstehe wahnsinnig gut die Frustratrion aller Kulturschaffenden. Für uns ist das alles wahnsinnig wichtig. Die reiche Kulturlandschaft Deutschlands ist ein Schatz. Der aber nicht unbedingt für alle so wertvoll ist wie für uns.
Auch ich möchte all das erhalten! Ich liebe all die Kultur, die wir hier haben! Deshalb unterzeichne und unterstütze ich alles, was mir unter die Finger kommt und spende, was ich kann. Dennoch läuft das System im Notfall auch ohne uns ... zumindest eine ganze, lange Weile.



18:40 Uhr:

Ich geh nochmal kurz raus. Feierabend.