Freitag, 15. Juni 2018

#freitagsgedanken – Neue Leidenschaft


Neue Leidenschaft

Die letzten Jahre habe ich ab und zu mal gedacht: Ach, an der Töpferscheibe sitzen ist bestimmt interessant ...
Dieser Gedanke war nie besonders stark und kam nur auf, wenn in irgendeiner Form das Thema auf Keramik kam.

Dann aber sah ich die Sendung "The Great Pottery Throw Down" auf BBC. Gebannt schaute ich den teilnehmenden Kandidaten dabei zu, wie unter ihren Händen wunderschöne Gefäße entstanden ... Schalen, Tassen, Teller, Vasen ... und ja, auch Kloschüsseln und Springbrunnen.

Diese Sendung sorgte für einen plötzlichen starken Wunsch, das auch zu können. Ich wollte auch an dieser Drehscheibe sitzen und eine eigene Schale drehen. Eine Schale, die nicht komisch verbogen und eben nur so halb perfekt ist, weil sie durch Aufbaukeramik gemacht wurde.
Dieses Drehen faszinierte mich, der Anblick des sich verändernden Tons, der unter den Fingern der Keramiker diese perfekten Formen annahm.

Es sah spielend leicht aus, aber das ist es natürlich nicht, das war mir klar.
Dennoch wollte ich das auch. Ich wusste, ich würde es mögen.
Bei mir ist das oft so im Leben, dass ich etwas sehe/höre/erfahre und weiß, dass ich es mögen werde. Bevor ich das erste Mal in Griechenland war, war das der Fall. Genauso war es mit England.
So war es mit Stempelschnitzen und mit Haareschneiden. So war es mit Schminken und Lesen.

Und eben auch mit der Drehkeramik.
Letztes Jahr schenkte mir das Maria-Stuart-Team zu meinem Geburtstag Geld für einen Töpferkurs und ich freute mich riesig.

Letztes Wochenende war es endlich soweit: ich saß das erste Mal an der Drehscheibe. Und was soll ich sagen? Ich LIEBE es!
Dieses Gefühl an den Händen, diese Kraft und gleichzeitig Feinfühligkeit und Geduld, die es braucht, um solch ein Gefäß zu erschaffen ... einfach Wahnsinn.

Morgen ist der letzte Termin und wir werden die Gefäße, die wir gedreht haben, "feintunen". Sie werden geglättet, evt. verziert oder bemalt. Und später dann von der Kursleiterin glasiert und gebrannt.
Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, wenn ich meine selbstgedrehten Schalen fertig in den Händen halte. Wenn ich das erste Mal daraus esse, trinke und darin Kekse serviere.

Ich habe eine neue Leidenschaft entdeckt und ich werde gewiss nicht das letzte Mal an der Drehscheibe gesessen haben. Ich freu mich auf mehr!

Mittwoch, 13. Juni 2018

"No Return" – Junges DT, Deutsches Theater Berlin

Foto: Antonia Lind, Bildquelle: https://www.deutschestheater.de/

"Was willst du noch tun bevor du stirbst?"

Für Experimente bin ich ja imer offen! Fan des Jungen DT im Deutsches Theater Berlin bin ich auch. Und so war der Media-Audio-Walk "No Return" ja quasi schon Pflicht.

In "No Return" ist der Zuschauer quasi allein unterwegs, gelenkt von Stimmen und Anweisungen auf seinem Handy. Das klingt gut und passt perfekt zu einem schönen Sommertag.

Ausgestattet mit Kopfhörern und voll ausgestattetem Handy war ich am Start und wurde von netten jungen Menschen eingewiesen. Ich lud mir eine App runter, der ich dann einfach folgte.

In kurzen Audio-Files und auf einer Karte werden die Teilnehmer auf Reisen geschickt. Kurz nach Beginn muss man sich zwischen zwei Wegen entscheiden und folgt diesem dann bis man am Schluss nahe dem S-Bhf Yorckstraße landet und dort die Reise langsam zu Ende geht.

Inhaltlich beschäftigt sich der Media-Audio-Walk mit dem Themenbereich "Tod und Suizid". Es ist schön die Eindrücke der jungen Menschen zu hören und vor allen Dingen all die Arbeit wahrzunehmen, die sie in dieses Projekt reingesteckt haben.

Am allerschönsten ist es aber, ausnahmsweise nicht in einem Theatersaal zu sitzen, sondern draußen unterwegs zu sein, irgendwie mit anderen, aber doch allein. Neue Ecken zu entdecken, die man noch gar nicht kannte. Stille Oasen der Ruhe in der Großstadt sowie einen Teil Berlins, den ich noch nicht betreten habe und der mich in seiner Schönheit wirklich überrascht hat.

Zuviel spoilern will ich nicht, denn am besten ihr lauft selbst einmal mit. Das geht noch ein paar Mal in diesem Juni, juhuuu!

Ein paar Tipps:
  • Ladet euer Handy auf, denn es braucht viel Akku. Allerdings hat das Team, das auf dem ganzen Weg als Helfer bereitsteht, auch Power Banks dabei, falls der Akku doch schlappmachen sollte (könnt ihr gegen einen Pfand ausleihen)
  • Kopfhörer könnt ihr vor Ort ausleihen (gegen einen Pfand) oder selbst mitbringen
  • Tragt bequemes Schuhwerk!
Ich wünsche euch eine tolle Reise, probiert es mal aus!




Freitag, 8. Juni 2018

#freitagsgedanken – Neue Routine


Neue Routine

Am Sonntagmorgen lag ich morgens im Bett und dachte daran, dass am gleichen Tag nachmittags ein Picknick mit Freunden stattfinden wird. Ich dachte an einen Artikel, den ich wenige Tage zuvor gelesen hatte, in dem Eckart von Hirschhausen über das Intervallfasten gesprochen hat.
Dann sagte ich zu meinem Mann: "Ich glaube, ich frühstücke nicht mehr."
Und er sagte: "Ja, heute nachmittag gibt es ja auch viel zu Essen."
Und ich: "Nein, ich meine nie mehr."
Und mein Mann: "Super, mach das!"

Schon seit fast zwei Jahren isst mein Mann abends kein Abendessen mehr. Er hat gemerkt, dass er nachts viel besser schläft, wenn er auf´s Abendessen verzichtet. Die Folge davon: er hat auch Gewicht verloren.
Ich mag meinen Körper und im Grunde genommen ist mir recht egal, wieviel ich wiege. Allerdings liiieeeebe ich auch meine Klamotten. Und durch Gewichtszunahme passe ich in bestimmte Kleider nicht mehr rein. Das finde ich ziemlich deprimierend, denn ich würde sie gern wieder tragen. Also hätte ich nichts dagegen, soviel Gewicht zu verlieren bis mir die Kleider wieder passen.

Diäten finde ich ziemlich unsinnig und total anstrengend und mag es nicht, dass sie auf eine abgesteckte Zeitpanne festgelegt sind. Da ist ja schon vorprogrammiert, dass man danach wieder zunimmt.
Also ist eine langfristige Umstellung sinnvoller.

Natürlich könnte man sagen: Ach, da muss man sich einfach nur gesünder ernähren und Sport machen. Das ist leicht gesagt, wenn man supergesundes Essen total lecker findet, gern Sport macht und Ungesundes sowieso verschmäht. Das ist bei mir nicht so.
Eine Umstellung, bei der ich trotzdem essen kann, was ich will, ist für mich also die beste.

Und hier kommt Herr Hirschhausen mit dem Intervallfasten ins Spiel. Und im Besonderen die Variante, bei der man 16 Stunden lang Essenspause macht. Also 8 Stunden essen, 16 Stunden nichts essen. Nur welche Uhrzeiten sollte ich wählen?

Die Variante meines Mannes kommt für mich nicht in Frage. Ich esse am allerliebsten abends und da gern auch viel und spät.
Aber Frühstück mochte ich noch nie besonders. Frühstück war für mich mein Leben lang eher eine Pflichtveranstaltung, weil man halt Frühstück isst.

Also hab ich Sonntag ein Experiment begonnen, das nun zu einer festen Angewohnheit werden soll. Seit Sonntag esse ich jeden Tag nur zwischen 13 und 21 Uhr. Und so langsam wird es immer einfacher und normaler.

Der Morgen ist seitdem viel entspannter. Ich muss nichts essen und kann entspannt mit einem Glas Wasser am Küchentisch sitzen und chillen.
Ab 11 Uhr wird es schwieriger, da meldet sich langsam der Hunger, aber es wird auch immer leichter, damit umzugehen. Mein Körper gewöhnt sich dran.

Jetzt muss ich noch gucken, was ich in den 8 Stunden wirklich esse und da eine ausgewogenere Routine entwickeln, die nicht nur aus Eis und Chips besteht. :D
Aber das wird schon noch.

Habt ihr eure Ernährungsgewohnheiten mal stark umgestellt? Wie ging's euch damit?

Mittwoch, 6. Juni 2018

Recap/Preview #12



Sommerloch = Sommerpause

Sobald es heiß wird und die großen Kurse und Kooperationen pausieren, nutze ich die Zeit zum Rumhängen, Faulsein und für die Arbeit an neuen Ideen und Projekten, die in den aktiven Zeiten zu kurz kommen.
So geht es jetzt zum Beispiel mit der Meeres-Trilogie weiter, es gibt also mehr Meer. Momentan lese ich viele Bücher und Texte, um meinen eigenen Text zusammenzustellen. Auch erste Requisiten- und Kostümteile sind schon eingezogen, müssen aber noch umgestaltet werden.

Auch die Genossenschaft darf jetzt im Sommer nochmal auf die Bühne. Ganz klein, nur zu zweit mit meinem Mit-Genossen Nils, werde ich am 16. Juni mit einer neuen kleinen Geschichte auf der Bühne stehen – bei Thetaer à la carte in der WerkStadt. Präsentiert wird euch wieder feinstes Hörspiel-Theater!

Auch Urlaub steht endlich wieder auf der Liste. Geplant ist eine Woche ohne Social Media, im Juni. Mal schauen, ob es klappt.

Nach dieser kleinen Auszeit gibt es dann ein Sommer-Special: einen Gruppendrang Mini-Kurs. An wenigen Tagen beschäftigen sich die Teilnehmer intensiv mit Shakespeares Sommernachtstraum. Ihr wollt dabei sein? Guckt mal hier: http://theatergruppe-berlin.de/#gruppendrang



Impro rulez!

Immer wieder ist von den positiven Effekten des Improvisationstheaters die Rede, und ich kann mich nur anschließen. Improtheater macht uns offener, flexibler, selbstbewusster und achtsamer. Zudem bildet es eine super Grundlage für das "klassische" Theaterspiel.
Wer es selbst ausprobieren will, kann gern zum Impro-Morgen im Meeet kommen. Alle zwei Wochen könnt ihr dort mit 2 Stunden Improvisation in die Woche starten, jedes Mal unter einem anderen Thema. Ich wechsle mich mit der Improtrainerin Claudia Hoppe ab und während ihr bei Claudia reines, pures Impro serviert bekommt, sind meine Termine immer ein Mix aus Impro- und anderen Theaterübungen. Am 11. Juni (Thema "Geräuschvolle Welt"), am 09. Juli (Thema "Auf in den Urlaub") und 13. August (Thema "Entspannungszeit") bin ich am Start. Am 25. Juni, 30. Juli und 27. August könnt ihr bei Claudia Impro lernen.
Kostenpunkt: jeder zahlt 14-20 €, wie es euch beliebt. Mehr ist natürlich auch erlaubt.😀

Auch beim nächsten Vorglühen-Workshop steht das Thema "Improvisation" im Mittelpunkt. Leider ist der Termin schon ausgebucht, aber weitere tolle Themen warten auf euch in den nächsten Monaten:
17. August 2018 – Zeit & Raum 
12. Oktober 2018 – Geräusche & Musik
07. Dezember 2018 – Weihnachts-Special
Alle Infos gibt´s auf http://theatergruppe-berlin.de/#vorgluehen



Startklar

... sind die Vorspieler! Ein neues Stück wurde gewählt und wir stecken mitten in der Figuren- und Textarbeit. Einen Titel gibt es auch schon: "Die zweite Palme links". Und falls ihr es kaum erwarten könnt: die Aufführungstermine sind am 25./26. Januar und 01./02. Februar 2019.

Zudem gibt es einen neuen Mitspieler: Hallo Tobi!


Auf in den Sommer!

Freitag, 1. Juni 2018

#freitagsgedanken – Hitzetod


Hitzetod

Ich muss mich von euch verabschieden. Ich werde leider sterben. Einen langsamen, qualvollen Hitzetod erleiden.
Genau genommen bin ich schon dabei ... seit Beginn dieser Woche.

Wer mich kennt, weiß: ich HASSE Hitze. Ich schwitze nicht gern, das nervt mich. Schwitzen fühlt sich scheiße an, macht die Klamotten nass und stinkend und alles ist blöd.

Im Dachgeschoss, in dem ich wohne, haut die Hitze besonders rein. Hier drin sind es 27 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist auch nicht gerade dezent.

Meine Katzen sind seit ein paar Tagen umgezogen. Unter´s Bett, da ist es kühler. Ich würde mich gern dazulegen, passe aber nur schwer drunter.

Also sitze ich mal hier, mal dort in der Wohnung, mal mit Fenster auf, mal mit Fenster zu. Es macht keinen Unterschied. Draußen ist es so warm wie drinnen.

Wäre unser Keller kühl, würde ich ja vielleicht beschließen, meinen Fundus aufzuräumen. Aber der Keller ist warm. Ist er immer.

Tja, was tun?
Rumliegen, Jammern und im Schneckentempo an einem ächzenden Laptop sitzen, der unter der Hitze genauso eingeht wie ich. Dazu Eis, Melone, viel Wasser und selbstgemachter Eistee.

Ich habe nichts soooo sehr gegen Sommer an sich. Es gibt vieles, was ich am Sommer liebe:
  • Shorts
  • Sandalen
  • Cremerouge
  • Strohhüte
  • Sonnenbrillen
  • Zeit im Badezuber
  • Sommerloch alias erzwungener Urlaub
  • Freiluftkino
  • warme Nächte, die zum Flanieren einladen
  • Picknicks
  • Bootsfahrten
  • Eiscreme
  • Wassermelonen
  • Erdbeeren
  • Kirschen
  • Weinbergspfirsiche
  • Erbsenschoten
  • ... hatte ich schon Eis gesagt?
Aber wenn der Sommer nicht so superheiß wäre und die Hitze nicht so extrem ... dann wäre alles so viel angenehmer.

Mehr bleibt mir auch gar nicht zu sagen in diesen #freitagsgedanken, da mein Kopf ziemlich matsch ist und die Konzentration schwer fällt.

Aber es gibt ein Highlight heute: auf einer Party eines ehemaligen Grobköstlers (Gruppendrang-Kurs Nr 1) spiele ich noch einmal "Undine", den ersten Teil meiner Meeres-Trilogie!


Und ihr so? Hitzefan? Sommer yay or nay?

Mittwoch, 30. Mai 2018

"Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: https://www.deutschestheater.de

"Wir sind Glückskinder!"

Hui, DAS war mal ein Theaterabend. Wild, intim, gefühlsduselig (im besten Sinne!) und sehr albern versaut – so präsentiert sich Rosa von Praunheims Biografie-Stück "Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht" im Deutschen Theater.

Die Inszenierung ist eine von denen, die irgendwie in meinem Hinterkopf hängenbleiben. Die etwas mit mir machen, ganz leise und heimlich, ohne es vorher an die große Glocke zu hängen.
Noch immer denke ich an bestimmte Szenen und vor allen Dingen an diese intime Stimmung. An das Gefühl, Rosa jetzt wirklich zu kennen.

Natürlich ist das absurd, ich wusste bis zu dem Theaterstück überhaupt gar nichts über Rosa von Praunheim. Ich kannte nur den Namen und wusste, es hat irgendwas mit schwuler Kultur zu tun.
Aber wie, wo, wer, was Rosa ist? Keine Idee.

Warum ich dann in das Stück gegangen bin? Hauptsächlich aus zwei Gründen: der geniale Stücktitel und das Foto von Heiner Bomhard in der Besetzungsliste ... hüstel.

Aber dann war diese Inszenierung so viel mehr als nur ein lustiger Titel, attraktive Schauspieler und viele Sexwitze.
Es war ein Einblick in Rosas Leben, in seinen Charakter, seine Denkweise, seine Ideenwelt.

Kombiniert mit Ausschnitten aus Rosas Filmen und Talkshowauftritten bietet das Stück einen Überblick über sein Leben. Man fliegt mit ihm geschwind durch seine Lebenswelt hindurch, entdeckt die wichtigsten Stationen und hat manchmal ein Tränchen im Auge.

Die Live-Musik mit Rosas Songs ist wunderschön und das Finale einfach nur wunderbar rührend.

Und ganz ehrlich: nach der Inszenierung will man sofort selbst ein Stück über sein eigenes Leben machen. Aber das heb ich mir dann doch noch ein paar Jahre auf ...




Montag, 28. Mai 2018

Der Körper & das Theater – 5 Tipps für Body Neutrality



Wir haben ein Problem mit unserem Körper. Und zwar ein ganz vehementes, tiefsitzendes Problem.

Es gibt zwei Erzfeinde, die nicht nur meine Arbeit, sondern auch unser aller Leben erschweren: Scham und Selbstzweifel.
Die beiden halten uns klein und wollen nicht, dass wir aus uns herausgehen. Sie sind super darin, uns Dinge einzureden, die gar nicht stimmen. Oder die Dinge stimmen, aber die beiden Erzfeinde tun so, als wären die Dinge schlecht.

Weil diese Erzfeinde soviel Macht haben, sorgen sie dafür, dass wir Menschen uns im Spiegel betrachten und an uns rummeckern. Uns unattraktiv finden. Uns hässlich finden. Oder im schlimmsten Fall: unser Äußeres regelrecht hassen.


Das Thema Körper beim Theaterspielen

In meiner Arbeit geht es viel um den Körper. Es geht um Körpersprache, um Ausdruck, Mimik und Gestik.
Der Körper ist für den Schauspieler das wichtigste Instrument. Er ist alles, was er hat. Mit diesem Körper muss er die schauspielerische Leistung erbringen, eine Geschichte erzählen, die Zuschauer in eine andere Welt entführen.
Es geht für ihn darum, eine Rolle zu spielen.
Diese Rolle besteht aus einem Repertoire an Eigenschaften, aus der persönlichen Geschichte der Rollenfigur, aus der Kleidung, aus der Bewegung  – und eben auch aus den körperlichen Eigenschaften des Spielenden.

Und dieser letzte Punkt offenbart in der Theaterpraxis immer wieder, wie unglaublich unzufrieden wir Menschen mit unserem Körper sind.
In all den Jahren, in denen ich Theaterarbeit mache, in denen ich Menschen den Schritt auf die Bühne ermögliche, in denen sie ganz neue Seiten an sich entdecken und in andere Rollen schlüpfen, war und ist das Thema Körper omnipräsent.
Sehr viele sind unzufrieden mit ihrem Körper, ihrer Figur, ihrer Haut, ihren Haaren, ihrem Gesicht. Diese Unzufriedenheit wird oft artikuliert – besorgt, ängstlich, traurig oder auch provokant.
Bei der Kostümplanung, bei der Beleuchtung, beim Schminken, beim Frisieren, beim Fotografieren, bei den Proben, beim Aufwärmen, beim Filmanschauen, beim ...

Es ist ein ständiges Thema im Kopf vieler Teilnehmer. Meist kommen die Sorgen aus dem Munde der Frauen, aber auch Männer haben diese Gedanken.

Das Problem ist, dass diese Gedanken wichtige Ressourcen beeinträchtigen:
unsere Konzentrationsfähigkeit, unser Selbstvertrauen, unsere Aufmerksamkeit, unsere sozialen Fähigkeiten, unseren Mut und unsere Kraft.
Die negativen Urteile beanspruchen wahnsinnig viel Platz in unserem Kopf, blähen sich auf wie ein großer Ballon, der alles andere verdrängt, und berauben uns unserer Energie. Der Energie, die wir eigentlich für die Bühne brauchen.

Denn auf der Bühne geht es nicht um Schönheit. Es geht um Menschen, um Emotionen und Geschichten.

Unsere negativen Gedanken sitzen meist tief und fest verankert und lassen sich nicht einfach wegzaubern.
Und leider sind wir ziemlich gut darin, diese negativen Gedanken auch immer wieder zu erneuern und zu verstärken.


Ist Body Positivity die Lösung? 

Seit einer Weile gibt es den Begriff der "Body Positivity". Gemeint ist damit, den Körper positiv zu betrachten. Den Fokus also nicht auf die Makel zu lenken, sondern auf die positiven Stärken des eigenen Körpers zu richten. Für manche bedeutet es auch, den eigenen Körper zu lieben und ihn mit einem liebevollen Auge zu betrachten. Oder vereinfacht gesagt: mit seinem eigenen Körper im Reinen zu sein.

Body Positivity ist ein tolles und wichtiges Ziel.
Dieses Ziel ist jedoch nicht leicht zu erreichen. Wir sind umgeben von gesellschaftlichen Standards und unreflektierten Meinungen, wie wir Menschen auszusehen haben.
Hinzu kommen Fotos und Filme, die uns perfekte Körper zeigen, die es in der Realität gar nicht gibt. Denn was wir immer wieder vergessen: Posen, Profi-MakeUp, Filter und Photoshop sind der Standard in der Modefotografie, aber auch auf Instagram und anderen sozialen Plattformen.


Body Neutrality als Alternativ-Ziel

Eine andere Haltung ist die Body Neutrality. Sie könnte als eine Vorstufe zur Body Positivity betrachtet werden, aber ich sehe sie als eine eigenständige Geisteshaltung, die uns aus unseren negativen Denkmustern herauszieht.

Statt den eigenen Körper unbedingt positiv zu betrachten, reicht es nämlich auch, ihn einfach neutral zu zu sehen. Ohne Bewertung. Er IST einfach.


Wenn wir aufhören, unseren Körper ständig zu vergleichen und abzuwerten, dann schaffen wir es irgendwann, eine Egal-Haltung zu entwickeln, ihm neutral gegenüber zu stehen. Ihn als das akzeptieren, was er nunmal ist: einfach nur unser Körper.







Für´s Theaterspiel ist Body Neutrality eine gute innere Haltung. Der Körper ist unser Gestaltungsmittel, er ist unser bestes und einziges Instrument.

Über die Jahre habe ich gemerkt, was einer neutraleren Einstellung dem Körper gegenüber hilft. Hier meine 5 besten Tipps, wie ihr zu mehr Body Neutrality kommt:



1. Viele Fotos & Filme von sich selbst angucken

Wenn wir Probleme mit unserem Äußeren haben, neigen wir dazu, Fotos und Filmaufnahmen von uns selbst zu meiden. Wir haben Angst, uns selbst anzusehen, all unsere Makel buchstäblich vor Augen geführt zu bekommen.
Und genau an dieser Angst können wir ansetzen und uns so viele Fotos und Videos von uns angucken wie möglich. Immer und immer wieder. Und Doppelkinn, schiefe Zähne, blasse Haut, Pickel, Falten und Hängebauch ganz genau betrachten.
Im Spiegel nehmen wir uns anders war und haben eine andere Perspektive auf uns selbst. Erst auf Fotos und Filmaufnahmen sehen wir uns so wie andere uns sehen.
Am Anfang kostet es wahnsinnig viel Überwindung, aber irgendwann gewöhnen wir uns an den eigenen Anblick. Das da bin ICH. Mit allem, was an mir dran oder nicht dran ist. Get over it!



2. Sich selbst anhören

Auch die Stimme gehört dazu. Die wenigsten Menschen hören sich gern auf Band. Man klingt dann ganz anders als man sich selbst hört: höher, metallischer, eigenartiger.
Sprich Texte und Gedanken auf dein Handy und höre dir die Aufnahmen immer und immer wieder an. So oft bis du dich an den Klang deiner Stimme gewöhnt hast.



3. Andere Körper nicht mehr bewerten

Einer der schwierigsten Punkte. Wir alle haben Idealbilder im Kopf und wir alle bewerten ständig andere Menschen. Unser Gehirn macht das automatisch, wir können es kaum steuern.
Aber wir können unsere eigenen Gedanken hinterfragen. Warum denke ich gerade, dass diese Person keinen Bikini tragen sollte, weil ihr Bauch dick ist? Warum darf sie in meinen Gedanken nicht tragen, was sie will?
Je öfter wir unsere bewertenden Gedanken, die wir anderen gegenüber haben, hinterfragen, desto entspannter werden wir auch mit uns selbst. Denn mal ehrlich: für unsere Gedanken gibt es keine andere Begründung als "weil man das so macht" oder "weil es nicht schön ist". Aber es gibt keinerlei Grund, etwas zu tun, nur weil "man" etwas so macht. Und ob ich etwas schön oder nicht schön finde, ist für den anderen irrelevant. Wir haben keine Verpflichtung schön zu sein!

Mit der Bewertung sind nicht nur die Gedanken gemeint. Ausgesprochene Bewertungen und Regeln haben einen unglaublich starken Einfluss auf unsere Mitmenschen, auch wenn wir nicht direkt über sie sprechen. Alles, was wir über andere Personen sagen, speichert unser Umfeld ab.
Besonders toxisch sind allgemeine Aussagen wie: "Als Frau sollte man die Beine rasieren." oder "Als dicker Mensch sollte man keine enge Kleidung tragen."



4. Improvisation mit dem Körper

Weil unser Körper uns so peinlich ist, wissen wir oft gar nicht, was wir mit ihm alles anstellen könnten. Körperliche Improvisationsübungen helfen uns, ein eigenes (positives) Gefühl für unseren Körper zu entwickeln. Wir können mit unserem Körper die eigenartigsten und absonderlichsten Bewegungen machen. Wir können mit unserem Körper andere Menschen und uns selbst zum Lachen und zum Weinen bringen.
Wenn wir mit unserem Körper und seinem Bewegungsreichtum improvisieren, beginnen wir eine ganz neue Seite an ihm zu schätzen.
Ausprobieren könnt ihr das besonders beim Physical Theatre (z.B. bei Inka Theatre), bei der Kontaktimprovisation (ist aber eher für die besonders Mutigen) und auch beim normalen (Improvisations-)Theater (z.B. beim Vorglühen).



5. Andere Kleidung tragen – außerhalb der Komfortzone

Die meisten haben einen ganz bestimmten Kleidungsstil, den sie bevorzugen. Sie bemühen sich oft, Kleidung zu tragen, die ihre körperlichen Vorzüge betont und ihre Makel kaschiert, um dem gängigen Schönheitsideal stärker zu entsprechen.
Der Wunsch ist absolut nachvollziehbar, denn unser Streben nach Schönheit ist extrem stark ausgeprägt.
Wenn wir jedoch ständig die Körperteile verdecken, die wir als unschön empfinden, nehmen wir uns die Chance das vorherrschende Schönheitsideal – das uns doch eigentlich so unter Druck setzt – zu verändern. Je weniger wir Dinge wie Cellulite, unreine Haut, Narben und andere "Makel" auf der Straße sehen, desto schneller vergessen wir, dass es sie überhaupt gibt. Durch unser Verstecken befördern wir den Perfektheitsdruck nur noch und verhalten uns kontraproduktiv. Also los: Zeigt eure Makel!


Lasst uns eine angenehmere und entspanntere Haltung gegenüber unseren Körpern finden. Sie werden es uns danken!


Zum Schluss noch ein paar Links, wenn ihr noch mehr Artikel zu den Themen Körper, Body Neutrality, Body Positivity lesen wollt:

3 Dinge, die ich vom Theater für´s Leben lernte – "Body"-Issue

Was ist Body Neutrality?

Was ist Body Positivity?

Tits are the new tits (auf deutsch)

5 Gründe, weshalb ich meine Achselhaare wachsen lasse

Warum nicht nur Frauen Body Positivity brauchen 

Was Body Shaming mit uns Männern macht

Instagram vs. Reality 

Freitag, 25. Mai 2018

#freitagsgedanken – Wann gibt's Urlaub?


Wann gibt's Urlaub?

Das war meine große Frage diese Woche.
Steuererklärung und DSGVO haben mich die letzten Wochen echt genervt. Irgendwie war immer irgendwas zu tun, was überhaupt keinen Spaß macht.
Bob Dylan hat gesagt:
"Der Mensch ist dann erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt."
Tja, das hätte ich gern gemacht. Aber andere Sachen mussten in den letzten zwei Wochen zuerst gemacht werden. Und wenn die dann erledigt waren, war meine Hirnkapazität so aufgebraucht, dass für andere Dinge keine Zeit mehr war.


Immerhin habe ich es geschafft, einen Mini-Auftritt für die Genossenschaft zu organisieren und wir werden jetzt zu zwei in die Proben starten.

Aber dennoch zeigte sich bei mir das übliche Problem: keine Konzentrationsfähigkeit. Ich fing wieder mal an, wild zwischen verschiedenen Chatfenstern hin- und herzuklicken und immer wieder abwechselnd Facebook, WhatsApp, Mails und Pinterest zu checken. Wobei letzteres noch der entspannendste Anblick war.
Am Tag meines Ostseetrips habe ich morgens alle Benachrichtigungen für meine Apps abgestellt und bis jetzt so gelassen. Wenn ich die App also nicht öffne und nachschaue, wird mir nicht angezeigt, ob ich eine Nachricht hab. Das hat beim kurzen Blick auf das Handy auch irgendwie was entspannendes – keine roten kleinen Zahlen, die mich zum Klicken animieren wollen.
Natürlich klicke ich trotzdem. War ja klar.
Also muss ich härter durchgreifen.

Schritt 1:

Ich habe mein Handy hinter meinen Laptop gelegt. Ganz nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Das funktioniert erstaunlich gut. Flugmodus ist bei mir sowieso standardmäßig eingeschaltet.

Schritt 2:
Der Juni soll mein Urlaubsmonat werden. Im Juli beginnt ein neuer Gruppendrang-Kurs und bis dahin will ich die Zeit für mich nutzen.
Ich will mich wieder mehr auf's Analoge fixieren, zumindest für eine Weile. Lesen, Fotografieren, Schallplatten hören, Freiluftkino auf dem Balkon machen (wie oben auf dem Bild), in eiskaltem Wasser im Zuber liegen, Cocktails trinken und mit den Händen arbeiten. Häkeln, Stricken, Stempel schnitzen, Schmuck basteln ... alles Dinge, die ich seit einer Weile habe schleifenlassen.
Erstmalig werde ich einen Töpferkurs an der Drehschreibe machen und freue mich darauf schon riesig!

Schritt 3:
Eine Woche im Juni soll komplett frei von Social Media sein. Also ich warne schon mal vor: vom 18.-24. Juni will ich mich ausklinken aus dieser Welt und mal nur Zeit für mich allein haben (und meinen Mann und meine Katzen). Das ist zumindest der Plan, ich hoffe, dass es auch so funktioniert. Zwei Arbeitstermine werde ich in der Woche trotzdem haben, aber mehr soll es nicht geben.
Ich will schließlich auch mal Urlaub haben!

Mit dieser Idee starte ich voller Vorfreude in die nächsten Wochen. Ich will schöne Dinge unternehmen, habe schon zwei Theaterbesuche im Juni geplant, sowie einen Kinobesuch allein. Ich werde in den nächsten Wochen selbst auf der Bühne stehen, einmal als Undine auf einer privaten Party und einmal mit meinem Genossen Nils beim nächsten "Theater à la carte" in der WerkStadt.
Ich gebe heute Abend einen Status-Workshop (es sind noch Plätze frei!) und bald steht auch wieder der Impro-Morgen an sowie ein neuer Vorglühen-Workshop.

Also viele coole Termine in nächster Zeit, die ich jetzt sportlich in Angriff nehme. Und nebenbei immer mehr Pausen von der Online-Welt. Drückt mir die Daumen, dass es klappt.

Wie handhabt ihr das? Verfallt ihr auch manchmal in einen App-Teufelskreis? Oder in sinnloses Aufrufen der immer gleichen Webseiten?