Samstag, 4. April 2020

Corona-Theatertagebuch – Samstag, 04. April 2020


14:38 Uhr:

Ich habe ausgeschlafen, gebadet, war spazieren und einkaufen und mein Mann und ich haben uns zum Mittag vom Restaurant gegenüber Käsespätzle geholt. Köstlich!

Nun sitze ich am Rechner und bin ziemlich aufgeregt, weil gleich mein nächster Vorglühen-Workshop startet, Thema "Zuhause".

Gestern Abend habe ich am Ende des Theater Meet Ups noch mit einer Interessentin für meinen nächsten Theatergruppenkurs gesprochen. Eigentlich soll der Kurs am 06. Mai starten, aber so richtig sehe ich das nicht. Ich habe die Interessierten schon vorgewarnt, dass sich der Beginn verschieben könnte, aber ich überlege, ob ich mit dem Kurs nicht einfach online anfange und später offline weiterarbeite. Ist etwas ungewöhnlich, könnte aber einen Versuch wert sein.

Die neuen Postkarten von Andrea waren im Briefkasten! Ich bin verliebt!


16:03 Uhr:

Der Workshop ist vorbei und es ist zeitlich gut aufgegangen. Von den fünf angemeldeten Teilnehmenden waren drei da, das hat gut funktioniert. Merke: Breakout-Session muss nicht sein, wenn es nur eine Gruppe gibt. Ich kann auch selbst einfach Audio und Video ausschalten oder für 10 Minuten den Raum verlassen, wenn die anderen in Gruppenarbeit arbeiten sollen. Es kam außerdem die Idee, dass die Teilnehmenden auch einzeln etwas präsentieren, nicht nur in der Gruppe. Finde ich auch gut. Ich gucke mal, wie ich das beim nächsten Mal umsetze.

Für meine nächsten Vorglühen-Workshops habe ich leider bisher keine Anmeldungen. Ich überlege, sie erstmal zu streichen und stattdessen Ende April noch mal einen anzubieten. Ich gehe nämlich nicht davon aus, dass dann Präsenzveranstaltungen wieder erlaubt sind ... geschweige denn, dass ich dann schon so cool wäre, sie wieder anzubieten.

Zeit für ein Päuschen und dann Austausch mit meinen Genossen! Ich freu mich!


17:45 Uhr:


Mit den Genossen war es lustig, auch wenn Genosse Nils leider nicht dabei sein konnte und Genossin Anne eine schwierige Internetverbindung hatte. Es war trotzdem toll alle wiederzusehen.

Die Internetverbindung ist leider die große Krux in dieser Krise. Bei manchen läuft es super, bei anderen nicht. Kann man nix machen, muss man irgendwie kreativ mit umgehen. Im Workshop heute ging bei einer Teilnehmerin irgendwann die Kamera nicht mehr und die kleine Abschlusspräsentation fand dann einfach mit ihrer Stimme und dem Bewegtbild der anderen statt. War ein tolles Ergebnis!


Zeit für den Feierabend. Morgen brauche ich eine Pause vom Rechner. Deshalb morgen ausnahmsweise kein Tagebucheintrag.
Habt einen tollen Sonntag, ruht euch aus und genießt die Sonne – im Bett, bei einem Spaziergang, auf dem Balkon oder im Garten.:)

Freitag, 3. April 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 03. April 2020



10:12 Uhr:

Gleich ist Familiensitzung in Jitsi. Hehe. Ich gehe im Kopf den Tag durch, meine To-Do-Liste:
  • Familiensitzung
  • Bulgur-Salat vorbereiten
  • Zoom-Link für den morgigen Vorglühen-Workshop verschicken
  • den Vorglühen-Workshop planen
  • Werbung für mein heutiges Theater Meet Up machen
  • Kreativaufgabe an die Vorspieler schicken
  • Mittagessen
  • Schnupper-Workshop für Kunden von meinem Kooperationspartner
  • irgendwas ...
  • Theater Meet Up

Klingt machbar. Ich freu mich am meisten auf "irgendwas ...". Donauwelle vielleicht. Oder Lesen. Oder zum Briefkasten gehen.



Das Thema Umsatzsteuervoranmeldung habe ich mal großzügig auf nächste Woche geschoben.


12:58 Uhr:

Den Großteil meiner Aufgaben habe ich erledigt. Das Motivationslevel ist stark gefallen.

Die Nachbarin gegenüber putzt schon wieder die Fenster. Das macht sie gefühlt jede Woche. Auch schon vor Corona.
In den 4 Jahren, die ich hier wohne, habe ich die Fenster maximal einmal geputzt. Erschwerend kommt hinzu, dass meine unteren Fenster (ich habe bodentiefe Fenster) sich nicht öffnen lassen. Ich weiß nicht wirklich, wie ich die putzen soll ohne aus dem Fenster zu fallen. Ich bräuchte so'n Teleskop-Wischer. Im Schlafzimmer haben wir außerdem Sonnenschutzfolie aufgeklebt, da kann ich gar nicht richtig putzen. Ach egal.


14:02 Uhr:


Ich prokrastiniere mit Germanys Next Topmodel. Muss mir gleich noch was ordentliches anziehen für den Workshop. Und Lippenstift auflegen. Schminke mich für meine Online-Arbeit faszinierenderweise viel öfter als für meine Offline-Arbeit. Einfach weil das Gesicht durch MakeUp viel klarer definiert ist in der Kamera. Man erkennt die Mimik besser.


14:33 Uhr:


Funfact: Immer, wenn ich auf die Öffnung eines Zoom-Raums warte, beginne ich zu singen. Auch beim Mikro-Test singe ich immer.


16:36 Uhr:

Zweiten Schnuppertermin zum Thema Status beendet und wieder viel gelacht. Ich liebe dieses Thema.

Jetzt eine Pause.


19:27 Uhr:

Das Theater Meet Up läuft und die Teilnehmenden sind gerade zum 2er-Austausch in Breakout-Sessions. Ich liiiiieeebe Breakout-Sessions!


20:59 Uhr:

Das Theater Meet Up ist zu Ende. Die Teilnahme war übrigens besser als bei den Präsenzveranstaltungen. Etwa 75% der angemeldeten Personen waren da. Hurray!

Feierabend.

Donnerstag, 2. April 2020

Corona-Theatertagebuch – Donnerstag, 02. April 2020



11:11 Uhr:

Seit fast 1,5 Stunden helfe ich meiner Mutter mit Jitsi. Ich finde es super, dass sie es lernt, werde aber nervös, weil ich gleich einen Schnupperworkshop mit meinem Kollegen Christian Lippmann von structura und seinen Kunden hab.
Mein Kater jammert vor der Bürotür. Ich lasse ihn für nen Viertelstündchen nochmal rein.

Die letzte Nacht habe ich gut geschlafen, aber geträumt, dass ich auf eine Party in einer Privatwohnung gehe und die ganze Zeit versuche, mich von Leuten fernzuhalten und ihnen nicht zu nahe zu kommen. Ich hab mich im Traum geärgert, nichts anfassen zu können und zu beobachten, wie die anderen alles antatschen. Nervig. Corona ist jetzt fester Bestandteil meiner Träume.


16:47 Uhr:

Nach einem Status-Schnupper-Workshop mit Christian Lippmann und seinen Kund*innen sowie zwei Telefonaten mit Kolleg*innen bin ich erstmal platt. Das waren ein paar sehr lustige Stunden und ich hab es sogar geschafft, dazwischen noch Mittag zu kochen. Bin ganz stolz.

Jetzt ist es Zeit für eine Donauwelle, "The Office" und Kuscheln mit meinem Mann. Es etablieren sich neue Traditionen.


19:02 Uhr:


Endlich alle Videos der LAG bearbeitet. Jetzt exportiert das zweite so vor sich hin. Notiz an mich: viel selektiver Mitschneiden bei Zoom-Sitzungen!

Ich habe gestern Nacht noch diesen erschreckenden Artikel gelesen, den Lydia Krüger verlinkt hatte:
https://www.latimes.com/world-nation/story/2020-03-29/coronavirus-choir-outbreak

Danach habe ich nachgedacht und mit meinem Mann darüber gesprochen, dass ich gar nicht weiß, ob man bzw. ich nach der Ausgangsbeschränkung / dem Lock Down sofort wieder mit Gruppenarbeit vor Ort starten kann. Wenn jetzt irgendwann gesagt wird: so, man darf sich jetzt wieder treffen, auch Gruppenveranstaltungen sind erlaubt ... Was passiert dann mit den Risikogruppen? Wäre ich Risikogruppe, hätte ich dann doch trotzdem Sorge. Der Virus ist dann ja noch da. Und ich als Veranstalter*in habe ja eine gewisse Verantwortung für die Teilnehmenden. Ich finde, das ist ein beschissenes Dilemma.
Ich habe zwei Kurse, die gerade pausieren, und eine Gruppe, die eigentlich kurz vor den Aufführungen stand und im Herbst gern auftreten möchte. Mit den Vorspielern probe ich grad online. Jeder aus den Gruppen hat garantiert mit irgendjemandem aus den Risikogruppen zu tun. Bei den meisten Menschen in seinem weiteren Umfeld weiß man auch nicht, was für Vorerkrankungen sie haben. Die Erkrankungen sind ja nicht sichtbar. Und in einer Gesellschaft, die Leute sofort als schwächlich einstuft, sofern sie zugeben, eine Erkrankung zu haben, verschweigen das viele ihrem breiteren Umfeld.
Ich weiß grad nicht wirklich, wie ich damit umgehen soll. Klar möchte ich gern langfristig weiter online arbeiten – auch für die Zielgruppen, die sich vielleicht nicht sofort wieder in Menschengruppen stürzen. Es ist außerdem zeitsparend, teilweise klimafreundlich(er), praktisch und macht Spaß. Aber die pausierenden Gruppen wollen ja gern irgendwann vor Ort weitermachen. Inwiefern kann (und will) ich das verantworten? Zum Glück muss ich es nicht JETZT entscheiden, aber es beschäftigt mich ... sehr.



Habe gerade noch diesen schönen (und auch traurigen) Artikel von Lydia gelesen:
https://www.bueronymus.de/alles-stabilo


19:52 Uhr:


Gleich ist Probe mit den Vorspielern. Habe eine zweite Donauwelle gegessen.

Aus der Küche riecht es nach frischgebackenem Brot. Mein Mann ist der Meisterbäcker im Haushalt und sein Brot fantastisch!


21:21 Uhr:


Einige hatten heute technische Schwierigkeiten, andere waren krank oder durch die vielen Online-Meetings und langen Arbeitsstunden vor dem Rechner zu schlapp. Diese Bildschirmarbeit schlaucht extrem. Aber wir sind trotzdem vorangekommen und es war schön, einige Spielende wiederzusehen, die schon lange nicht mehr dabei waren. Eine kleine Family.
Jetzt noch den Zoom-Link für's morgige Theater Meet Up verschicken. Wenn jemand von euch im Amateurtheater aktiv ist und Lust hat, sich zu vernetzen und auszutauschen: Kommt dazu!

Tipp für Netflix: die isländische Krimi-Serie "The Valhalla Murders"! Da guck ich jetzt gleich noch ne Folge. Isländisch ist eine coole Sprache, ich höre gerne zu.

Feierabend.

Mittwoch, 1. April 2020

Corona-Theatertagebuch – Mittwoch, 01. April 2020


6:46 Uhr:

Man, hab ich schlecht geschlafen. Unruhig und mit Träumen, die zwischen den Charakteren von "The Office", meinen Familienmitgliedern und Zoom-Sitzungen hin und her geswitcht sind. Man sieht, allzuviel spannenden Input hat mein Hirn grad nicht, aus dem es Träume kreieren könnte.
Aufgestanden bin ich schon, weil ich heut zum Zahnarzt muss.


7:22 Uhr:

Die Sonne kommt hinter dem Dach des Nachbarhauses hervor. Wie schön!


11:32 Uhr:


Zahnarztbesuch erledigt. Bus und Bahn waren relativ leer. Allerdings tragen nur wenige Leute Masken. Ich hatte heute eine auf.
Unterwegs habe ich zwei tolle Podcasts gehört:

Auf dem Rückweg war ich bei Edeka, der extrem gut mit Produkten gefüllt war. Es gab quasi alles (hab allerdings nicht geprüft, ob Klopapier da war). Seit Ewigkeiten gelüstet es mich nach Donauwelle, also habe ich sie mir tiefgefroren gekauft und eben schon ein Stück gegessen. Amazing!



14:31 Uhr:


Heute ist wirklich der Müdigkeite-Höhepunkt. Liegt auch daran, dass ich nachts so schlecht geschlafen hab und so früh aufgestanden bin. Ich bin so wahnsinnig müde und dadurch auch gereizter. Habe wenig Geduld und Nettigkeit, die ich aufbringen kann. Das nervt mich selbst.

Hatte aber eine schöne Mittagsstunde mit Leonie Michaelis:
https://www.facebook.com/events/302751227371139/

Habe schon das zweite Stück Donauwelle gegessen.


15:53 Uhr:


Mit meinem Kollegen Christian Lippmann und einer Freundin von ihm hatte ich eine kurze Zoom-Status-Session. War sehr lustig.

Dennoch bin ich erschlagen und werde erstmal ein Bad nehmen.




17:38 Uhr:

Meine Süßigkeiten von Zuckerberg sind gekommen!

Zwei Folgen "The Office", Kuscheln mit meinem Mann, so einige Süßigkeiten und ein Glas Kirschsaft mehr bin ich zwar nicht wacher, aber entspannter.
Ich habe heute gehört, dass Müdigkeit und Erschöpfung auch ein Stress-Syndrom sind, auch wenn man sich sonst gar nicht gestresst "fühlt". Und das macht in der aktuellen Situation total Sinn. Oft fühle ich mich auch gestresst. Ich merke, dass es digitaler Stress ist, einfach das viele Am-Rechner-Sitzen. Es gibt aber auch so viel zu entdecken und ich muss mich zwingen, auch mal vom Rechner wegzukommen. Das finde ich momentan super schwer, weil ja alles über Netz stattfindet. Ich hoffe auf weniger Termine demnächst und etwas mehr Ruhe.



18:55 Uhr:

Ich schneide den Mitschnitt vom LAG-Wochenende, um die Filme für die Auszubildenden hochzuladen. Nebenbei schicke ich in WhatsApp Sprachnachrichten mit meiner Freundin hin und her. Das ist schön. So wie immer. Wie vor Corona.
Das Gespräch entspannt mich sehr und ich gleite in den Feierabend.








Dienstag, 31. März 2020

Corona-Theatertagebuch – Dienstag, 31. März 2020


9:37 Uhr:

Sonnenschein! So steht es sich direkt einfacher auf. Inspiriert vom gestrigen Austausch habe ich ein Video mit Netzwerktipps für Theaterpädagog*innen aufgenommen und auf Facebook gepackt. Ihr findet es hier:
https://www.facebook.com/sarahbansemertheater/videos/208619113807403/

Gleich ist wieder Probe mit meinem Privatschüler.

Mein Kalender sieht aus wie Sau, da ich einfach alle nicht stattfindenen Offline-Events weggestrichen und neue Sachen dazugeschrieben habe.


15:12 Uhr:

Der heutige Tag vergeht wahnsinnig schnell. Nach Privatstunde, Telefonat mit meinem Kollegen Christian und Mittagessen sitze ich jetzt an den Videomitschnitten vom Fortbildungswochenende, um sie in passable Längen zu schneiden, zu exportieren und die nächsten Tage zu verschicken.
Ich bin mir unsicher, ob sich Zoom-Mitschnitte wirklich lohnen. Auch bei Proben mache ich gar nicht allzu oft Videos, weil man sich die selten Jahre später noch anguckt. Wohingegen ich in Mitschnitten von Aufführungen gern immer wieder reinschaue.
Dafür bin ich großer Fan von Fotos. Davon mach ich allerdings auch immer viel zu viele und muss da mal irgendwann einiges auf meinen Festplatten löschen.

Mit meiner Genossenschaft vereinbare ich gerade einen Zoom-Chat für's Wochenende. Das wird ein Spaß.😀


18:22 Uhr:


Zwei Scheiben Hefezopf und eine Zoom-Sitzung mit Anati (Daaaanke für deine Hilfe!) und Christian später bin ich bereit für einen frühen Feierabend.
Zum Abschluss gucke ich noch in ein Live-Interview mit meiner Kollegin Claudia Hoppe an:
https://www.facebook.com/BerlinerRedekuenstler/videos/612586086254329/

Montag, 30. März 2020

Corona-Theatertagebuch – Montag, 30. März 2020


11:05 Uhr:

Der Tag startete unmotiviert hoch Dreizehn. Vermutlich, weil ich das ganze Wochenende gearbeitet habe. Wobei Wochenende oder Wochentage momentan auch nicht wirklich eine Rolle spielen. Es verschwimmt alles und formt sich neu.
Nach nächtlichem und morgendlichem Wecken durch den Kater (insgesamt 3x) schlafe ich bis 9:09 Uhr und kuschle dann ewig mit meinem Kater im Bett. Danach hab ich es geschafft, mal wieder Yoga zu machen, 20 min.
Dann saß ich in der Küche rum, hab mit meinem Mann gequatscht, um endlich in Schlafanzug an den Rechner zu gehen und erstmal Blogbeiträge zu lesen und nen Brownie zu essen.
Heute mache ich mal gemütlich.


12:12 Uhr:

Mit meiner Mutter telefoniert und eine Zoom-Schulung für nachmittags vereinbart. Dann mit meinem Vater telefoniert.


13:32 Uhr:


Es schneit!

Im Ofen ist ein Gemüse-Nudel-Auflauf.


15:41
Uhr:

Ich habe ein Bad genommen, meine Haare gewaschen, mir was richtiges angezogen (Jogginghose & Sweatshirt 😏), mich geschminkt und bei https://www.zuckerbergshop.de sehr viele Süßigkeiten bestellt. Läuft soweit.


16:57 Uhr:

Ich telefoniere mit meiner Mutter, aber ihr Mikro will bei Zoom nicht. Jitsi funktioniert. Hm. Vielleicht finden wir da noch eine Lösung.


18:52 Uhr:

Ich höre den Podcast, den meine Kollegin Claudia Hoppe mit Theaterpädagogin Maike Plath aufgenommen hat:
https://claudiahoppe.com/2020/03/30/podcast-nr-53-maike-plath-ueber-autoritaet-und-freiheit/?fbclid=IwAR0Szos_bDtPTt0CVE4l41TlTv0ELIhEHvh4tw-9R9LJn8eGoK8SD_7y9M8#t=13:17.891
Sehr empfehlenswert!

Die Aufgaben des Tages arbeite ich eher mühsam ab. Morgen sollte ich mal wieder das Haus verlassen, ich glaube, ich brauche mehr Frischluft. Was mich momentan am meisten nervt ist dieses Bei-Null-Anfangen. Vorher lief es sehr smooth mit meinen Kursen und Workshops. Das hat locker 8 Jahre gedauert bis ich mich da eingegroovt hab in meiner Selbständigkeit.
Und jetzt muss ich mir wieder alles mühsam von vorn arbeiten und ich fühle mich zeitweise Jahre zurück versetzt in die Phase, in der ich überall Abreißzettel an Laternen geklebt hab (Guerilla-Marketing), in der Hoffnung Teilnehmende für meine Kurse zu finden. Aber es ist gleichzeitig auch okay. Vielleicht – und das ist meine Hoffnung – etabliert sich jetzt eine Art Online-Theaterkultur, auch im Amateurtheater, die über das Streaming von Theaterstücken hinausgeht und Formate für Online-Proben, Online-Workshops und Online-Inszenierungen entwickelt. Ich bin bereit.
Jeden Tag widme ich einen Teil meiner Zeit der Fortbildung. Momentan nicht ganz soviel, aber auch jede Zoom-Sitzung, jeder Test-Workshop und jedes Kollegen-Gespräch ist ein Lernmoment.


21:31 Uhr:

Der wöchentliche kollegiale Austausch ist vorbei und war wieder total schön, wärmend und unterstützend. Jede Woche bekommt man neue Ideen und neuen Input und findet eine Art Familie, mit der man zusammen in einem Boot sitzt. Danke euch!

Feierabend.

Sonntag, 29. März 2020

Corona-Theatertagebuch – Sonntag, 29. März 2020



12:45 Uhr:

Heute ist ein ruhiger Tag. Ein bißchen müde, ein bißchen langsam. Die Sonne kommt nicht raus, es regnet, mein Kater hat Angst vor dem Wind und die Teilnehmenden der LAG Grundlagenbildung machen gerade eine 5-minütige Schreibaufgabe. Alle sind schon ein bißchen eingegroovt und der heutige Ausbildungstag ist ganz entspannt.


16:19 Uhr:

Der zweite Ausbildungstag lief gut und mit schönen Szenenergebnissen in Zoom. Ich merke, dass wir erst anfangen, herauszufinden, was alles online möglich ist und bin gespannt auf mehr.
Für die Teilnehmenden ist es gleichzeitig eine verunsichernde Situation. Auch wir Dozenten wissen noch nicht, wie lange das jetzt so weitergeht mit der Krise und wie wir damit umgehen werden. Das nächste Wochenende im April findet auf jeden Fall auch wieder online statt. Weiter können wir noch nicht planen.

Dieses Arbeitswochenende war extrem befriedigend. Ich fühle mich gut, wenn ich Arbeit machen kann, die Spaß macht, sinnvoll ist und sowohl persönliche als auch finanzielle Wertschätzung bringt. Mal ganz banal gesagt.


17:28 Uhr:


Jetzt backe ich Brownies und gucke Germanys Next Topmodel. Entspannungsprogramm.

Lydia von Büronymus hat einen witzigen Beitrag geschrieben:
https://www.bueronymus.de/pandemie-gute-zeiten-schlechte-zeiten/?fbclid=IwAR3FuFUYG93QvcSWIyMEyBlX_YAeXkeilzyMly89Dnbi98ovFe3v_GUccI0


19:43
Uhr:

So, noch ne Runde Homeoffice. So langsam trudeln Antworten auf gefühlt uralte Mails ein. Die Menschen gewöhnen sich so langsam an die Krise und finden eine Art neuen Alltag. Zumindest fühlt es sich so an. Teilweise auch für mich. Gleichzeitig aber auch wie ein immerwährendes Wochenende ohne richtig Wochenende zu sein. Manchmal kommt mir der Gedanke, dass ich irgendwann wieder rausgehe und mit Gruppen arbeite, richtig eigenartig vor.


20:44 Uhr:

Ich kann Rechnungen schreiben. So ein erleichterndes Gefühl in der aktuellen Lage.

Der Tag endet mit dem wunderbaren Ukulele Orchester of Great Britain:
https://www.youtube.com/watch?v=eueX33AMHLc

Feierabend.

Samstag, 28. März 2020

Corona-Theatertagebuch – Samstag, 28. März 2020



8:34 Uhr:

Ich habe mir den Wecker früh gestellt, um gemütlich in den Tag starten zu können. Mit einem Tee sitze ich vor'm Rechner und genieße den Sonnenschein im Büro.


10:13 Uhr:

Gleich öffne ich den Zoom-Raum für den heutigen Ausbildungstag der angehenden Spielleiter*innen der LAG.


12:22 Uhr:


Der erste Ausbildungsblock lief gut, alle 17 Teilnehmenden sind dabei. Wir haben Spiegelübungen gemacht und Standbilder in Breakout-Sessions, die wir gleich bestaunen werden.


19:15
Uhr:

Das war ein grandioser Ausbildungstag heute! Wir haben gelacht, Spaß habt und die Teilnehmenden waren super kreativ. Vera und ich haben noch einiges über Zoom gelernt.

Die letzten Abende und der heutige Tag haben mich richtig happy gemacht. Ich merke, wir sehr ich meine Arbeit brauche, um glücklich zu sein. Das gemeinsame kreative Spielen, das Inszenierungen und Ideen entwickeln in einer Gruppe. Dabei ist es für mich egal, ob das online oder offline geschieht. Mir macht beides Spaß. Die Online-Arbeit hat auch einige Vorteile. Man kann viel leichter überregional oder sogar international arbeiten, spart sich Fahrtwege, ist ortsunabhängig, hat viel weniger Raumkosten, kann auch arbeiten, wenn man erkältet ist, und kann sich den Arbeitsplatz so gemütlich machen wie man möchte.
Ich hoffe, dass die Online-Arbeit, die ich jetzt entwickle, weiterhin Bestandteil meiner Arbeit bleibt. Auch nach der Krise.

Einen Mini-Spaziergang habe ich auch gerade hinter mir.


19:23 Uhr:

Hurra! Ich habe zwei Anmeldungen für meine nächsten Online-Workshops und einen Gutschein-Kauf. Meine Kunden sind die tollsten! I love you all!


19:44 Uhr:

Ich koche jetzt zum zweiten Mal heute Spaghetti und dann ist Feierabend. Zeit für noch ein paar Folgen "The Office".