Freitag, 15. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 83


 

Montag: 

Ein Tag, an dem jetzt nicht allzuviel passiert ist. Morgendlicher Besuch am Hafen (unser neues Ritual), dann in der Wohnung "Tetris spielen" und Dinge in den Keller schaffen. Mittags Essen holen und abends Nils' und mein zweiter Fortbildungs-SNACK. Ich liebe dieses neue Format, das wir uns zu zweit erdacht haben. Kurz, knackig und voller praktisch anwendbarer Methoden und Übungen.
Einen Arbeitsplatz habe ich noch nicht, aber ich saß am Schreibtisch meines Mannes.







 
Dienstag:

Mit Nick fand die Probe heute per Handy in meinem mit Kisten und Taschen vollgestellten zukünftigen Arbeitszimmer statt. Kreatives Schreiben stand auf dem Programm und wir haben viel gelacht. Auch der "Song des Tages" ist wieder da, dieses Mal per Schallplatte.
Ich liebe meine Arbeit immer dann besonders, wenn ich kreativ spontan neue Lösungen erdenken kann. Und genau das ist ja auch eine Fähigkeit, die durch das Theaterspiel und besonders die theaterpädagogische Arbeit bei den Teilnehmenden geschult wird. Je öfter ich mit ungewohnten Situationen umgehen muss, desto mehr beginne ich, mir selbst zu vertrauen und die Angst vor der Ungewissheit zu verlieren.

Abends ging es nach Berlin und an der Bushaltestelle am ZOB Rostock habe ich endlich eine Krähe mit einer Erdnuss füttern können. Ich feier das total!


Mittwoch:

Morgens früh aufgestanden und in die alte Wohnung gefahren. Schlüsselübergabe an Maler: Check! Sperrmüllabholung: Check! Weitergabe der alten Balkonmöbel an meine Freundin: Check! Küche und erste Türen geputzt: Check! Neue Hose gekauft: Check!

Abends fuhr ich zurück in den Norden Berlins, wo ich während meiner Berlin-Aufenthalte bei meiner Mutter wohne, und ging direkt vom Bahnhof aus auf einen Messenger-Spaziergang mit meinem neuen Online-Basiskurs. In einer Signal-Gruppe checkten alle per Selfe ein und dann gingen wir gemeinsam jede*r in seiner/ihrer eigenen Umgebung spazieren – ob in Berlin oder Aachen oder ...
Während des Spaziergangs sendete ich kleine Aufgaben in den Chat, z.B. Worte sammeln, Fotos machen, Geräusche aufnehmen. Es war irgendwann saukalt, aber ein richtig schöner Abend. Die Gruppe hat sich auf dieses ungewöhnliche Format eingelassen und wir haben viel Material gesammelt, dass bei den zukünftigen Proben genutzt werden soll. Und darauf freue ich mich jetzt schon!


Donnerstag:

Vormittags ging es zu meiner Oma ins Heim. Vielleicht einer unserer letzten Besuche ...

Nachmittags dann wieder in die Wohnung, wieder putzen. Diesmal mit tatkräftiger Unterstützung meiner Freundin Carmen, die mir auch extrem schöne Geburtstagsgeschenke mitgebracht hat, die ihr hier im Blog bestimmt noch zu sehen bekommt.
Zwischendurch ein 20-Kilo-Paket Katzenfutter, das ich idiotischer Weise aus Versehen nach Berlin habe liefern lassen, zum Paketshop geschleppt, um es nach Rostock zu schicken.

Abends dann analoge Probe mit den Vorspielern. Da nur zwei Leute Zeit hatten, war es ein gemütlicher Termin im Restaurant gegenüber des Probenraums, aber nicht ohne lustige, technische Ideen für die Inszenierung.

Manchmal erschrecke ich über mich selbst, dass ich für Momente Corona vergesse. Das Ohne-Maske-drinnen-Sein passiert jetzt immer häufiger. Aber es gibt dann dennoch immer noch Situationen, wo ich mich ohne Maske dann doch unwohl fühle – im Flixbus, im Kino, im ÖPNV.

Das Putzen und viele Herumfahren in Berlin erschöpfen mich total. Abends schlafe ich ein wie ein Stein.


Freitag:

Heimweg nach Rostock. Klingt noch etwas komisch, wenn man das so schreibt. Die Busfahrt war dieses Mal wunderbar. Ich habe unzählige Kraniche gesehen, einen Raubvogel (Bussard oder Habicht, ich weiß es nicht), eventuell einen Raben im Flug (das wäre unglaublich!), Rehe, Kühe, Krähen und einen großen Schwarm kleiner Zugvögel. Diese Fülle an Natureindrücken hat mich richtig überwältigt und staunen lassen. Dazu habe ich Folgen vom "Gut zu Vögeln"-Podcast gehört:
https://open.spotify.com/show/7GAKLARXiDgFm8dwNYZsf4


Bei meiner Ankunft holte mein Mann mich am ZOB ab und wir waren in einem wunderschönen Restaurant.  Nach einem abendlichen Hafenspaziergang bin ich sehr müde und erledigt und spüre jeden Knochen.

Zeit für's Wochenende!
 

 

Montag, 11. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 82

 


 
Montag: 

Puuuh, dieser Tag war nicht leicht. Am Vormittag wurde in der Wohnung nochmal ordentlich gewerkelt und mittags ist mein Mann nach Rostock gezogen, um dort schon die ersten wichtigen Sachen (Internet etc.) in der neuen Wohnung zu organisieren.
Jetzt sitze ich hier allein in dieser kahlen Wohnung und komme darauf noch nicht ganz klar. Die Emotionen kicken jetzt erst rein und der Trauer- und Änderungsprozess bricht sich immer mal Bahn.

Abends gibt es einen Totalausfall von Facebook und WhatsApp, über mehrere Stunden. Somit ist bei dem Kollegialen Austausch auch nur die Mini-Belegschaft aus zwei Kolleg*innen und mir anwesend. Die beiden haben mich auf anderweitem Wege angeschrieben und nach dem Zoom-Link gefragt. Das war aber eine richtig, richtig schöne Runde. Mit den beiden quatsche ich einfach immer wahnsinnig gern.

Wie immer, wenn mein Mann nicht da ist, gehe ich viel zu spät schlafen. Um 1:30 Uhr nachts.😜





Dienstag:

Auch der heutige Tag war wieder emotional. Ich hatte meinen vorerst letzten analogen Termin mit Nick in Tegel. Gemeinsam mit meiner Kollegin, die die analogen Stunden bei ihm übernehmen wird, waren wir am Tegeler See und haben den Testlauf zu unserem neuen Audiowalk gemacht.
Nach einer weiteren spätabendlichen Session ist er nun auch online:
https://orangeplaty-berlin.blogspot.com/p/audiowalks.html
Enjoy!

Als wir dort am See standen, am Endpunkt des Audiowalks, kam ein kleines Rotkehlchen angeflogen, setzte sich auf einen Stein vor uns und schaute uns mit zur Seite gelegtem Kopf an. Was für faszinierende kleine Lebewesen.

Bei einer Spielerin meiner Mittwochsgruppe, die letzte Woche ja ihren letzten Termin mit mir hatten, habe ich das fertige Magazin zu ihrer Inszenierung abgeholt. So ein selbstgestaltetes Druckerzeugnis in den Händen zu halten, ist immer wieder total faszinierend.

Die Abschiede sind gerade alle sehr präsent. Es fühlt sich nicht wie ein Abschied von Berlin an, auch weil ich ja ständig hier sein werde. Es ist ein Abschied von einer Lebens- und Arbeitsweise, die ich über Jahre etabliert habe. Und dieser Wechsel ist so neu und ungewohnt. Aus den vertrauten Bahnen auszubrechen und sich an einem neuen Ort neu zu orientieren. Zumindest teilweise (ein großer Berlin-Arbeitsteil bleibt ja bestehen).

Freunde und Familie haben mir noch Hilfe für die letzten Tage angeboten, aber momentan ist das eher schwierig, weil ich mich gar nicht gut auf andere konzentrieren und schon gar nicht Aufgaben für sie aussuchen kann. Ich empfinde es gerade am einfachsten, mit den letzten ToDos allein zu sein.

Es ist ein komischer Zustand so kurz vor dem Umzug. Die Wohnung ist leer und total unwohnlich. So unwohnlich, dass es sich für mich anfühlt, als hätte ich gerade gar kein richtiges "Zuhause". Einfach weil es leer und abweisend ist. Einerseits macht es den Abschied leicht, weil man an diesen leeren Räumen nicht mehr hängt, andererseits ist es gleichzeitig auch kräftezehrend und auslaugend.
Morgen werden die Katzen abgeholt und ich möchte sie gar nicht gehen lassen. Ich weiß, ich sehe sie am Freitag wieder, aber man ... sie in ein fremdes Auto zu setzen und wegfahren zu lassen, fällt mir echt nicht leicht.




Mittwoch:

Die Katzen sind schnell und unkompliziert in Rostock angekommen und ich bin sehr, sehr erleichtert. Derweil räume und packe und schraube ich hier in der Wohnung rum.

Mittags gehe ich im Restaurant essen. Diese Pause brauche ich dringend.

Der Gedanke, abends einfach wieder einen entspannten Online-Kurstermin zu haben, macht mich richtig happy. Gerade in Momenten wie diesen ist das in einer Stadt wie Berlin, in der die Wege sehr lang sind, eine ungeheure Zeitersparnis.

In meinem neuen Basiskurs kommen die Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands. Wie cool ist das bitte? Sie hätten sich vermutlich sonst nie kennengelernt. Ich freu mich darauf, in den nächsten Wochen mit ihnen viel ausprobieren zu können.


Donnerstag:

Theater ist immer wieder eine Quelle der Freude und des "Upliftings". Nachdem ich gestern abend mit dem Kurstermin fertig war, habe ich noch kurz mit einem teilnehmenden Freund gequatscht und wir waren beide fasziniert davon, wie auch online gemeinsame Bilder und Miteinander entstehen können. Das hat mich richtig gehoben und fröhlich gemacht. Und bereit für den morgigen Tag.

Tagsüber habe ich heute alles in der Wohnung fertig gemacht, was vor dem Umzug noch zu tun war. Und jetzt mag ich für die nächsten 10 Jahre eigentlich nichts mehr putzen.

Die abendliche Vorspiel-Probe findet ebenfalls über Zoom statt, weil viele heute keine Zeit haben und sich der Remote-Abend dann gar nicht lohnt.


Freitag:

ICH BIN DA!!!!
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

ICH BIN IN ROSTOCK!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der Tag war nervenaufreibend und wahnsinnig anstrengend. Aber nach vielem Bangen und Warten ist alles angekommen. Nicht alles ganz heil, aber alles ist da. Und ich bin auch endlich da, nach einer ewig langen Busfahrt mit viel Verspätung und viel Stau.

Eigenartig. Hier wohne ich jetzt. Verrückt! Es fühlt sich gleichzeitig total normal und total abwegig an.




Samstag:

Heute ist der erste komplette Tag in Rostock.
Er beginnt mit Frühstück am Hafen. Das darf gern jeden Tag so sein. Mal sehen, ob wir den morgendlichen Hafenbesuch als Ritual etablieren können. Der Weg ist auch wirklich kurz.

Merke: Mittags haben am Wochenende nicht so viele Restaurants auf.

Viel, viel gelaufen sind wir heute. Durch unseren Bezirk und am Hafen entlang.
Um uns in der Wohnung überhaupt irgendwie bewegen zu können (wir sind ja in eine Wohnung gezogen, die ein Drittel so groß ist wie unsere vorherige), tragen wir gerade ganz viel Kram in den Keller, den wir jetzt nicht sofort brauchen.
Merke: Wenn man handwerkliche Hobbies hat, füllt man damit unzählige Umzugskisten.

Abends gehe ich nochmal einkaufen (wir haben einen Supermarkt hinter dem Haus ... LUXUS!) und nehme Erdnüsse in der Schale mit – weil sie lecker sind und wegen dieses Artikels, der mich zu einem anderen Artikel geführt hat, indem gesagt wird, dass Erdnüsse ein Top-Nahrungsmittel für Krähen sind:
https://bigthink.com/neuropsych/crows-higher-intelligence/#Echobox=1633408590
Und Krähen finde ich ziemlich großartig!


Sonntag:

Heute ging es dann doch nochmal ein bißchen um's Thema Theater, denn nach dem morgendlichen Hafenbesuch (dieses Mal eine ganz andere Ecke), hatte ich online das Planungstreffen mit meinem Kollegen Nils für unseren morgigen SNACK-Workshop zum Thema "Namens- und Kennenlernspiele". By the way: Es gibt noch freie Plätze:
https://www.nilsholst.de/fortbildungs-snacks

Ich kann natürlich noch nicht sagen, ich sei "angekommen", aber ich fühle mich richtig wohl hier. Zum Sonnenuntergang waren wir heute endlich am Meer. Das war traumhaft schön und hat mir wieder gezeigt, warum ich hierher wollte. Und wir hatten eine Möwe zu Besuch, die sogar eine Erdnuss gegessen hat. Aber nur geschält und ohne Haut. Ziemlich picky.;)

Morgen startet wieder eine volle Woche, in der ich nach Berlin fahren und in der alten Wohnung putzen muss. Die Vorfreude auf die komplette Abgabe der Wohnung Ende Oktober ist SEHR groß. Und dann wird eine neue Arbeits- und Lebensroutine etabliert.



Freitag, 1. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 81



 
Montag: 

Super, bin erkältet.😐  Brauch ich genau jetzt im Endspurt vor dem Umzug. Habe mich schon zweimal selbst getestet. Wohl kein Corona.
Passend dazu meine Periode. Wow. Ganz großes Kino.

Der Tag ist voller ebay-Kleinanzeigen-Abholungen und abends treffe ich mich mit meinem Papa, der mit mir zu irgendeinem Event gehen will, das ich noch nicht wissen darf.


Dienstag:

Gestern Abend war ich erstmalig IM Theater seit Beginn der Corona-Krise. Mein Vater hat mich als nachträgliche Geburtstagsüberraschung zu "Die Dreigroschenoper" ins Berliner Ensemble eingeladen. Es war zunächst mal sehr eng und warm und es bestand Maskenpflicht, die ich mir
sowieso selbst auferlegt hätte bei den Sitzverhältnissen.
Aber die Inszenierung hat Spaß gemacht (auch wenn ich mir irgendwie einen charmanteren Mackie Messer gewünscht hätte) und ich möchte endlich auch mal ein Stück mit Glitzervorhang inszenieren. Muss ich mit den Vorspielern machen!
Und ich hab jetzt eben auch endlich mal die Dreigroschenoper gesehen. Nach 37 Lebenjahren in Berlin.😂

Habe einen interessanten Artikel entdeckt:
https://www.spektrum.de/news/interozeption-signale-aus-dem-koerperinneren/1916227?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Rest des Tages: Homeoffice im Bett und viele Kleinanzeigen-Abholungen. Die Wohnung leert sich stetig.


Mittwoch:

So laaaangsam geht's hier gesundheitlich wieder entspannter zu. Der Tag begann mit einer ebay-Kleinanzeigen-Abholerin, die mir als Dankeschön Donuts mitgebracht hat. Wie geil ist das denn!!! Ich war begeistert.:)

Der rote Küchenschrank, der uns seit unserer ersten gemeinsamen Wohnung begleitet, wurde heute zusammen mit zwei unserer Barcelona-Möbelstücke abgeholt und zu meiner Mutter gebracht. Also irgendwie ein Abschied und ein bißchen traurig, aber es bleibt in der Familie und wird von mir dann ja alle paar Wochen besucht.

Auch heute abend stehen Neuanfang und Abschied nebeneinander. Es findet der Schnuppertermin für meinen neuen Online-Basiskurs statt, und danach verabschiede ich meine Mittwochsgruppe, die letzte Woche ihre Online-Inszenierung aufgeführt hat. Ob und wie sie jetzt ohne mich (oder mit gelegentlicher Unterstützung von mir?) weitermachen, wird heute besprochen.


Donnerstag:

Ach Mensch, schön war's gestern. Ein sehr entspannter, angenehmer Abend. Ich bin noch ein bißchen ... hm ... wehmütig, dass die Mittwochsgruppe jetzt nicht mehr "meine" Gruppe ist. Es war wirklich schön mit ihnen. Aber wer weiß, was sie jetzt gemeinsam auf die Beine stellen. Da wird sich was finden.
Und der neue Kurs war auch sehr lustig. Da hoffe ich, dass genügend Menschen weitermachen wollen. Wobei ich auch gewillt bin, einfach mit einer sehr kleinen Gruppe zu starten.


Freitag:

Mit den Vorspielern war es sehr lustig, wir waren vorher noch zum Abschiedsessen im Restaurant gegenüber vom Probenraum. Wir haben den Großteil der Zeit mit dem Versuch verbracht, irgendeinen Videochat mit einer JBL-Bluetooth-Box zu koppeln. Ging nicht. Why???? Wenn jemand einen Tipp hat, her damit. Wir haben es jedoch nur mit mobilen Endgeräten (Tablet und Handy) probiert. Muss ich mal recherchieren.
Ansonsten fühlen sich die Proben so komplett ungeimpft und ohne Maske wieder ziemlich "normal" an. Was jedoch verschwunden ist: Wir umarmen uns nicht mehr alle zu Begrüßung und Abschied. Aber irgendwann kommt das bestimmt auch wieder.

Fühle mich heute nach dem Aufstehen immer noch ziemlich zerknickt und angekränkelt. Lese zum Einstieg in den Tag diesen interessanten Artikel von einem Legastheniker:

https://www.stern.de/familie/leben/tag-der-legasthenie--erfahrungen-eines-22-jaehrigen-mit-lese-rechtschreib-schwaeche-30728424.html
In dem Abschnitt, in dem er über Sprachunterricht in der Schule schreibt, und wie er gezwungen wurde, Latein statt Französisch zu wählen, dachte ich wieder, dass wir Deutsche Gebärdensprache unbedingt mit in den Schulunterricht aufnehmen sollten. Sie ist so wichtig und praktisch. Einfach eine andere Form auf Deutsch miteinander zu kommunizieren.
Denn damit ist es wie mit dem Rest der Barrierefreiheit: sie nutzt nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern allen. Wie cool ist es, in einer Gesprächsrunde ohne Unterbrechung jemanden still nach einem Stift zu fragen? Oder immer noch Gespräche führen zu können, selbst wenn man so erkältet und heiser ist, dass man nicht mehr Lautsprache sprechen kann. Oder während eines Lockdowns von Fenster zu Fenster zu kommunizieren ohne den Innenhof zuzubrüllen.
Als ich nachmittags mit meiner Mutter telefoniert habe, die als Lehrerin an einer Gesamtschule arbeitet, haben wir genau darüber auch gesprochen. Dass es einfach wichtig ist, allen Lernenden soviel Zeit zu geben wie sie brauchen. Sie ist die einzige Lehrerin an ihrer Schule, die den Schüler*innen einfach länger Zeit gibt, wenn diese sie benötigen. Und die Schüler*innen können im Theaterunterricht z.B. auch gern in ihrer Muttersprache sprechen, was gerade bei Familienszenen zu einem viel authentischeren Spiel führt. Die Schüler*innen sind deshalb immer ganz überrascht, weil sie das bei den anderen Lehrkräften nicht dürfen. Aber das ist doch genau das, was Inklusion bedeutet. Was ist denn los an den Schulen? Leute!

Jetzt geht's ins Wochenende, wobei da nicht gechillt, sondern in der Wohnung nochmal richtig rangeklotzt wird. Endspurt!

Freitag, 24. September 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 80




Montag: 

Heute einen Tag lang Erholung. Mit meiner Freundin und Kollegin Katja bin ich nach Potsdam gefahren. Wir sind durch Straßen und Läden spaziert, haben lecker gegessen, Bücher und Postkarten gekauft, Kunst aus dem Kunstautomaten gezogen und sehr viel gequatscht – über die Wahl, über die Arbeit, über Wohnorte, Umzüge und den Berliner Winter.
Diese Auszeit habe ich dringend gebraucht. Die letzten 2,5 Wochen in Berlin stehen jetzt an und es ist noch einiges zu tun.


Dienstag:

Plan für heute: Einpacken, Touren zum Container, Homeoffice.

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Es ehrt und berührt mich sehr, wenn ich Praktikumsanfragen bekomme, aber ich kann leider niemanden ein Praktikum bei mir machen lassen, weil ich a) nichts für die Person zu tun habe und b) mir das auch nicht leisten kann (und kostenlose Praktika finde ich doof).

By the way – sehr wichtiger Artikel:
https://www.amazedmag.de/erklaerungswut-wieso-not-all-uns-immer-ein-wenig-mundtot-macht/


Mittwoch:

Müde bin ich heut, irgendwie erschöpft, mit schlappen Gliedmaßen. War noch einmal beim Zahnarzt und hab erst dort – nachdem ich schon eine Fahrkarte gekauft und gelöst hatte – gehört, dass man heute bei der BVG kostenlos fahren kann. Nunja. Die Fahrkarte für den Rückweg habe ich mir dann gespart.
 
Dafür habe ich heute viel gelesen – in der Bahn, beim Essen, im Bett. Charlotte McConaughys "Zugvögel" hat einen Sog, einen recht düsteren Sog. Ich mag es gern, wenn ein Buch mich so reinzieht, auch wenn es thematisch sehr schwer ist.

Heute Abend findet die große Aufführung meines Theatergruppenkurses statt. Seit einigen Monaten sitzen wir jetzt daran und es ist irgendwie unwirklich, dass heute der Tag ist. Ich bin schon so raus aus diesem Proben- und Aufführungszyklus, das ist wirklich erschreckend.
Nebenbei plane ich mit den Vorspielern die nächsten Aufführungstermine. Voraussichtlich Mai 2020.


Donnerstag:

Die Aufführung lief grandios! Unglauberlicherweise hat bei allen die Internetverbindung durchgehalten und wir haben sehr liebevolle Rückmeldungen vom Publikum bekommen. Ein wirklich schöner Abend und die erste Online-Inszenierung, die ich begleiten durfte. Ich hätte Lust auf mehr, auch gern mit mehr Publikumsinteraktion.

Ich habe gerade nach einer Checkliste gesucht, wo man überall seine Adresse ändern muss, wenn man umzieht, und über 90% der Versicherungen, Organisationen usw. auf dieser Liste habe ich gar nicht. Also ich bin jetzt mit dem Ummelden eigentlich schon fast fertig. Das erschreckt mich ein bißchen, aber fühlt sich gleichzeitig auch irgendwie leicht an. Mir war gar nicht klar, wie wenig Verbindlichkeiten ich eigentlich habe. Irgendwie ist das doch ein Zeichen von Freiheit, oder? ODER?!

In mehreren Artikeln habe ich heute gelesen, dass das Ende der Pandemie für Frühjahr oder Mitte 2022 vermutet wird. Genauso wie ich es auch vermute. We will see. Ich glaube/hoffe einen weiteren Lockdown wird es nicht mehr geben. Und bitte Leute, wenn möglich: Lasst euch impfen!

Und noch was: Wählen nicht vergessen! Für Briefwahl ist es jetzt etwas spät, aber es gibt bestimmt eine Möglichkeit zum Wählen in eurer Nähe.


Mittwoch, 22. September 2021

#monthlyfavourites – September-Lieblinge


Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im September!


Zum Arbeiten:


 

Zum Geburtstag habe ich mir wieder mal so einige (... viele ... *hust*) Dinge selbst geschenkt, unter anderem den Wärmeschal von femitale, in den man eine Wärmflasche schieben und diese dann bequem mit sich herumtragen kann. Homeoffice während der Periode? Kein Problem! Ich sehe mich damit auch schon in Rostock am Hafen sitzen.

Von meiner Freundin und Kollegin Katja habe ich diesen absurden Notizblock bekommen, den ich auch eifrig benutze.😂


Zum Aufhübschen
 
 

 
 
Jaaa, die vollste Kategorie mal wieder. Von meinem neuen Lieblings-Label für nachhaltige Mode habe ich diesen Monat besonders gern das dunkelrote Langarmshirt und das blaue Hemd getragen. Ganz große Liebe!

Geschenke an mich selbst waren außerdem die kleine MakeUp-Palette (mit Baby-Yoda-Illustration, bei Vinted gefunden), ein Highlighter-Rouge in Star-Trek-Verpackung (ebenfalls Vinted), passend dazu Data als Pin (Etsy) und silberne Chamäleon-Ohrringe (ebenfalls Etsy).

Von meinen liebsten Genossen habe ich das Armband aus alten Fischernetzen und die kleinen Ohrringe, die als Bücherstapel daherkommen, geschenkt bekommen.



Zum Lesen 
 

 
 
Ganz schnell durchgelesen habe ich "Die Taube" von Patrick Süskind. War in seinen extremen Formulierungen sehr unterhaltsam, aber durch Süskinds Obsession mit Körperausscheidungen dann doch gleichzeitig etwas abschreckend.

Momentan lese ich "Zugvögel" von Charlotte McConaughy, das eine ganz andere Stimmung hat. Bis jetzt gefällt mir das dringliche Thema (das Verschwinden der Tiere) aus der Sicht einer Ornithologin, die den letzten Zugvögeln hinterherziehen will und dafür auf einem Boot mit bunter Besatzung mitfährt, ziemlich gut. Die Hauptfigur hat traumatische Erfahrungen hinter sich, die erst nach und nach herauskommen. Spannend, eindringlich und auch ziemlich hart.


Zum Essen:
 


 

Eine neue Tasse, die mich schon mal auf Rostock einstimmen und mir für den letzten Umzugs-Endspurt Mut machen soll. Ich liebe sie!


Zum Stöbern


Wie immer ein paar interessante Links zum Stöbern:

Über die immer noch andauernde Pandemie-Erschöpfung

Dinge Tag für Tag angehen (auf Englisch)

Warum wir nicht immer gleich mit der "Gilt aber nicht für alle!"-Keule schlagen sollten


Zum Hören
Fragt mich nicht warum, aber dieser Song:
https://www.youtube.com/watch?v=Qjzjhl-QztE

Und Rick Astleys Tanzmoves in diesem Video. Deep Love!
https://www.youtube.com/watch?v=DLzxrzFCyOs



Zum Anschauen

Hier wie immer ein paar Tipps zum Anschauen!

Ich liebe noch immer "Prince Charming". Und dass ich diese Tipps hier mit Trash-TV beginne, zeigt einfach nur, dass hohes Niveau diesen Monat nicht so das Thema war. Je mehr Stress ich habe, desto simpler muss die mediale Unterhaltung sein:
https://www.youtube.com/watch?v=jdhHWt95dj8

Ähnlich schlicht, aber sehr lustig war "Free Guy", das ich bei meinem ersten Kinobesuch seit 2019 gesehen habe:
https://www.youtube.com/watch?v=pDHSLL5DBcM

Ich war sogar zweimal im Kino diesen Monat! Beim zweiten Mal dann hohe Kunst, unglaubliche Musik und wahnsinnige Bilder bei "Dune":
https://www.youtube.com/watch?v=8g18jFHCLXk

Interessant fand ich dieses Youtube-Video über verschiedene Haarstile der letzten 500 Jahre:
https://www.youtube.com/watch?v=Wao0_uB4Zw4

Begeistert war ich auch von Maja Göpels Kontra in diesem unsäglichen Interview:
https://www.facebook.com/ExtinctionRebellionDeutschland/videos/223845529638727

Montag, 20. September 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 79





Montag: 

Ach Mensch, heut war ein lustiger Tag. Meine Kollegin Ille war zu Besuch und hat mir beim Fundus-Sortieren geholfen und auch ein paar Dinge mitgenommen. Es ist aber noch unglaublich viel Zeug da. Also wer etwas haben möchte ... kommt vorbei!

Abends war Premiere unserer neuen Fortbildungs-SNACKS! Wir haben den ersten Workshop der Reihe gegeben, über das Vier-Ohren-Modell. Es waren drei Teilnehmende, die uns die Premiere versüßt haben. Vielen Dank! Weiter geht's am 11. Oktober mit "Namens- und Kennenlernspiele". Es sind noch Plätze frei!


Dienstag:

Das vorvorletze Mal analoger Privatunterricht in Tegel. Heute lesen wir gemeinsam mal in "Die 12 Geschworenen" rein, ist ein super Übungstext.

Mittags warte ich mich mal wieder zu Tode ... ebay Kleinanzeigen, ein ewiger Traum. Endlich kam dann die Person und es war alles etwas kompliziert. Aber: das letzte IKEA-Regal ist weg!

Nachmittags habe ich den Schlüssel für den neuen Probenraum für die Vorspieler abgeholt. Große Vorfreude! Juhuuu!


Mittwoch:

Es soll ab Samstag in Berlin neue 2G-Lockerungen geben. Als Veranstalter*innen dürfen 2G (geimpft/genesen) anwenden. So entfällt dann Abstand und Maskenpflicht. Ich finde das ein bißchen unheimlich und weiß noch nicht, wie genau ich damit umgehe. Ich muss das mal mit den Vorspielern besprechen. Ansonsten hab ich ja grad erstmal keine Gruppe.

Nachmittags war wieder eine Kollegin zum Fundus-Stöbern da. Ich genieße diese langen Gesprächstunden und den Austausch über Theater, Kleidung und Inspirationen sehr.

Hier noch ein bißchen Musik für euch: https://www.youtube.com/watch?v=DLzxrzFCyOs
 
Abends Durchlaufprobe mit dem Theatergruppenkurs. Es wird verdammt ernst. Noch eine Woche ...


Donnerstag:

Der vollste Tag der Woche, denn heute kamen ganz viele Menschen, um im Fundus zu stöbern. Also nicht alle gleichzeitig, sondern über den ganzen Tag verteilt. Ich freue mich jedes Mal, wenn die Interessierten etwas finden, das bei ihnen eine neue Heimat findet. 
 
Es macht mir auch viel Spaß, die Geschichten der Kostümteile mit den Stöbernden zu teilen. Zu erzählen, in welchem Theaterstück das Kostüm vorkam, wie wir darauf kamen, was das vielleicht mit den Spielenden zu tun hatte. Die meisten Stücke haben eine oder mehrere Geschichten und diese noch einmal Revue passieren zu lassen, macht den Abschied vom Fundus sehr rund.


 
Freitag:

Gestern abend bei der Vorspiel-Probe im neuen Probenraum fühlte es sich fast an wie vor der Pandemie. Wir trugen keine Masken, saßen da alle komplett durchgeimpft und hatten viel Spaß. Ich hatte kurz den Gedanken: Ist die Pandemie jetzt zuende? Aber nein, ist sie natürlich nicht. Wir stecken in der 4. Welle, die Intensivstationen haben zu tun und die Delta-Variante breitet sich aus. Ich habe auch keine Übungen mit Durcheinanderkrabbeln und Gesichtablecken ausgesucht, sondern viel Raumlauf-Übungen mit Abstand gemacht. Es hat Spaß gemacht, sich in so einem großen Raum zu bewegen, über den Boden zu rollen und rumzuhüpfen. Ich habe für die nächste Woche schon ein Tanz-WarmUp angekündigt.


Vormittags sind zufällig mehrere Leute gleichzeitig zum Fundus-Stöbern da, die sich nicht kennen. Es ist interessant, aus dem Nebenraum die Gespräche zu hören. Da bringt man direkt Menschen zusammen. Ich sag es ja immer: Netzwerken ist SO wichtig!
Während die Menschen stöbern, packe ich die aussortierte kaputte Kleidung in Müllsäcke. Und das tut schon weh, zu sehen, wieviel Müll da zusammenkommt. Aber andererseits wurden die Stücke wirklich mehrmals auf der Bühne getragen und waren schon vorher Secondhand-Stücke. Also die Lebensdauer dieser Klamotten wurde von uns sehr verlängert. Das ist zumindest das, was ich mir zur Gewissener

 
Samstag:

Wieder Fundus-Stöbern, wieder ebay-Kleinanzeigen.

Abends sind wir im Kino und gucken "Dune". Ich liebe es! Neben der Optik ist besonders die Musik sehr beeindruckend:
https://www.youtube.com/watch?v=3bHlK_pLIDU


Sonntag:

Letzter Tag Fundus-Stöbern. Ich freue mich schon darauf, wenn das Schlafzimmer nicht mehr nach Schuhen riecht. Alles, was noch übrig ist, wandert die nächste Woche dann in Sammelcontainer.

Ich sitze außerdem eifrig am Magazin, habe die digitale Fassung schon fertig! Jetzt noch Probelesen und dann geht es in den Druck. Es hat länger gedauert als geplant, aber wenn alle zum Kursende ihr ausgedrucktes Exemplar in der Hand halten könnten, wäre das fantastisch.

Abends Generalprobe vom Theatergruppenkurs – mit Testpublikum. Ein paar Patzer gab es, aber so soll es ja auch sein bei einer Generalprobe. Wir haben wertvolles Feedback erhalten und die Leute fühlten sich unterhalten. Das freut mich sehr und ich bin schon gespannt auf die Aufführung am Mittwoch!

Montag, 13. September 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 78

 


Montag: 

Neue Woche und die Inzidenzen steigen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen auf den Intensivstationen ist ungeimpft. Also lasst euch impfen (wenn möglich)! 
 
Gestern abend hatte ich ein wunderschönes Treffen mit der Genossenschaft. Seit zwei Jahren oder mehr haben wir schon nicht mehr alle zusammen gesessen. Erschreckend! Nach kurzer Zeit haben wir schon wieder die beklopptesten Witze gemacht und Tränen gelacht. Sie haben mir lauter ganz entzückende Geburtstagsgeschenke gemacht, die mich sehr berührt haben. Fast alles hatte mit dem Meer zu tun und/oder mit Rostock, denn ich habe auch einen Gutschein für das Volkstheater Rostock bekommen. Da wohne ich ja sogar in Laufnähe! Ich will nicht jedes Geschenk aufzählen, aber eines trage ich gerade ständig: ein kleines Armband mit Magnetverschluss, das aus alten Fischernetzen gefertigt ist. Es hatte zwei Knoten und war ein bißchen zu weit. Ich habe einen weiteren Knoten reingemacht und jetzt passt es perfekt. Durch den zusätzlichen Knoten hat das Armband mit den beiden Verschlussenden jetzt 5 kleine "Elemente", die für mich für die Genossenschaft stehen, denn wir sind ja 5 Personen. So trage ich sie immer bei mir. Ja, das ist kitschig, aber auch sehr schön.

Jetzt, wo ich gerade alles für den Umzug einpacke, beginne ich schon Dinge zu vermissen, die in den Kisten sind. Nicht weil ich sie grad brauche, sondern weil ich es mag, wenn mein Zuhause voller griffbereiter Möglichkeiten ist. Ein Ort des Stöberns, Abtauchens und der Kreativität. Das ist – neben vielen anderen Dingen – ein sehr nerviger Faktor beim Umziehen. Umso mehr freue ich mich schon jetzt darauf, die neue Wohnung einzurichten und alle Kartons wieder auszupacken.
Die größte Herausforderung wird der Stauraum, denn wir haben schon fast alle Schränke verkauft. Die IKEA-Klassiker wollten wir nicht mehr, also müssen in der neuen Wohnung neue Möglichkeiten zum Verstauen gefunden werden. 
Wenn mich mal wieder alles annervt, tauche ich in Pinterest ab, wo ich eine Pinnwand nur für Rostock habe, mit Einrichtungsideen.

Heute waren die ersten Interessent*innen in unserer Wohnung und ich glaube, sie waren jetzt nicht grad aus dem Häuschen.😂 Die Maklerin war glaube ich ein bißchen enttäuscht, dass noch alles vollgestellt war, weil sie gern Fotos machen wollte. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, was sie erwartet. Wir haben die Wohnung noch bis Ende Oktober gemietet. Da stehen hier jetzt natürlich noch alle unsere Sachen. Wo sollen sie auch sonst hin?

Habe gerade fasziniert dieses Video über verschiedene Haarstile der letzten 500 Jahre geguckt. Sehr cool!
https://www.youtube.com/watch?v=Wao0_uB4Zw4


Dienstag:

Gestern abend war ich bei einer (leider nicht so tollen) Lesung und habe den Kollegialen Austausch total vergessen. Ach man, man merkt, dass ich gerade viel im Kopf habe ...
 
Mit Arbeit und Umzugsplanung fühle ich mich zurzeit oft überfordert. Ich weiß, dass ich alles schaffen werde bzw. dass WIR alles schaffen werden. Und ich muss mich zwingen, nicht ständig alle ToDos im Kopf kreisen zu lassen. In einem Blogartikel (https://witanddelight.com/2021/09/the-case-for-taking-things-one-day-at-a-time/) habe ich gestern abend diesen Satz hier gelesen:
“The best thing about the future is that it comes one day at a time.” – Abraham Lincoln

Und ja, so versuche ich das jetzt auch zu handhaben. Stück für Stück, Tag für Tag, Aufgabe für Aufgabe. Ende letzter Woche bin ich fast verzweifelt beim Anblick des Kellers, der voller Kisten und Fundus-Taschen war. Eine unlösbar scheinende Aufgabe, ein riesiger Berg. Aber dann habe ich durchgeatmet und durchgezählt und festgestellt: Wenn ich jeden Tag zweimal in den Keller gehe und Sachen hochhole, müsste ich nach einer Woche etwa damit fertig sein. Jetzt sind die ersten Tagen um und der Keller sieht schon viel schaffbarer aus. Zudem habe ich mich sehr über einige Dinge amüsiert, die ich in den Kisten gefunden habe.



Mittwoch:

Es ist Mitte der Woche und ich habe so ein bißchen was geschafft. Unseren ersten SNACK-Workshop für Montagabend geplant, mit meiner Gruppe den letzten Akt geprobt, am Magazin gewerkelt und ein bißchen Kram gepackt.
Aber das wichtigste: Ich habe neue Schneidezähne!!!!!!! Ich brauche noch ein Weilchen, um mich an die neue Form zu gewöhnen. Immerhin hatte ich viele viele viele Jahre andere Zähne. Aber wird schon. Irgendwann ist es dann normal.


Donnerstag:

Ich war heute früh zu müde für Yoga. Und bei der Vorstellung, morgen um 5 Uhr aufstehen zu müssen, um rechtzeitig in Rostock auf dem Bürgeramt zu sein, bin ich auch nicht grad voller Jubel.
Ein sehr passender Blogbeitrag dazu ist dieser hier:
https://www.thisisjanewayne.com/news/2021/09/09/das-wahre-problem-ist-dass-das-leben-immer-noch-erschoepfend-ist-weil-die-pandemie-auf-so-viele-unsichtbare-weisen-erschoepfend-war-und-bleibt/
Ich glaube, die meisten von uns sind durch die Pandemie einfach (immer noch) erschöpft. Sie ist ja existent, sie fordert uns immer noch einiges ab. Zusätzlich haben wir teilweise soziale Interaktion verlernt, sind vorsichtiger und vor allem empfindsamer geworden. Konnte ich früher locker in engen Bahnen durch die Stadt fahren, stresst mich das heute sehr. Wegen der Ansteckungsgefahr und wegen des Nicht-mehr-gewohnt-seins.

Der Fundus-Keller ist fast leer. Nur noch zweimal laufen, dann hab ich alles oben in der Wohnung. Und dann hoffe ich, dass meine Teilnehmenden und Kolleg*innen möglichst viel mitnehmen.

 
Freitag:

Gestern abend war vermutlich die letzte Draußen-Probe mit den Vorspielern. Mal schauen, ob es mit dem Probenraum nächste Woche klappt. Die Kommunikation ist grad etwas kompliziert.

Heute früh ging es ganz früh nach Rostock. Um 11:47 Uhr waren wir dann umgemeldet. Ich bin jetzt offiziell Rostockerin! Klingt total absurd, da ich mein ganzes Leben lang Berlin als Wohnsitz hatte. Aber es ist aufregend, etwas Neues zu wagen!
Wir haben leckere Dinge gegessen, sind mit unserer zukünftigen Nachbarin spazieren gegangen und haben in der Wohnung rumgelegen und nochmal alles ausgemessen.
Für die Anmeldung waren wir im Rathaus und davor liegt Johannes, die berühmte Schlange des Rostocker Rathauses. Hier die passende Geschichte:
https://www.rostock.de/erlebnisse/die-rathausschlange.html

 
Samstag:

Nach ingesamt über 6 Stunden Busfahrt gestern, bin ich heute früh ziemlich gerädert und mit leichten Rückenschmerzen aufgewacht. Hin- und Rückfahrt an einem Tag ist echt nicht ohne, besonders mit Bus. Aber Flixbus ist eben deutlich günstiger und momentan sind immer mal Bahnstreiks.
War den ganzen Tag eher unbrauchbar, aber habe es mit Hilfe meines Mannes geschafft, endlich den Keller leer zu räumen. Jetzt muss der ganze Fundus-Kram nur noch von Leuten abgeholt werden.
Alles, was niemand mitnimmt, wandert in die Kleiderspende.

Heute abend gab es noch eine Extraprobe mit meinem Mittwochskurs. Es war ein lustiger Supergau, mit nur wenigen Teilnehmenden und zwei Leuten, die immer aus dem Netz geflogen sind. Wir haben uns amüsiert und beschlossen, dass wir jetzt schon das Worst-Case-Szenario hinter uns haben. Kann ja nur besser werden bei der Aufführung.
Während ich der Gruppe beim Spielen gelauscht habe, habe ich mich richtig entspannt und wieder gemerkt, was für einen bemerkenswerten Effekt mein Job hat. Egal wie gestresst, genervt oder angespannt man gerade ist, sobald man ins Theaterspiel eintaucht, wird alles leicht und wohlig. Ich liebe das. Und ich danke meiner Gruppe für diese Erfahrung.


Sonntag:

Heute war die dritte und letzte Basiswerkstatt für die die neue Grundlagenbildung bei der LAG – dieses Mal analog. Ende nächster Woche müssten dann alle Bewerbungen eingetrudelt sein, so dass wir dann die Gruppe zusammenstellen können.

Und jetzt reicht's dann auch für diese Woche. Morgen geht's gleich weiter mit Arbeit. Let's go!

Donnerstag, 2. September 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 77



Montag: 

77. Corona-Woche. Coole Zahl! Noch immer ist die Pandemie da, noch immer haben wir entsprechende Maßnahmen. Nicht mehr so strenge, aber dennoch – sie sind da. 

Vormittags habe ich am Magazin für meinen Mittwochskurs gebastelt, nachmittags war ich bei meiner Oma, die gerade im Krankenhaus liegt, am anderen Ende der Stadt, in Lichtenberg. Eine Gegend, in der ich extrem selten bin. Das Krankenhausgelände war extrem schön, voller alter Backsteinbauten, mit vielen Bäumen drumherum. Das Gebäude für die Ambulanz war ein Neubau, der innen richtig schick und groß ist. Das Zimmer, in dem meine Oma liegt, hat riesige bodentiefe Fenster, mit großen Bäumen davor. Ich will auf keinen Fall ins Krankenhaus, aber das war bis jetzt das angenehmste Krankenhaus, dass ich besucht habe.
Was ich jedoch an der Gegend anstrengend finde: Es gibt sehr viele Raucher*innen und die Haltestellen und die Trams riechen immer stark nach kaltem Zigarettenrauch. Als ich ankam, war mir richtig schlecht.

Lustigstes Erlebnis des Tages: eine ehemalige Kursteilnehmerin hat sich von meinem Newsletter umgemeldet, weil sie nach ROSTOCK umgezogen ist. Haha! Hab ihr gleich geschrieben, dass ich dort auch hinziehe. Sie entkommt mir also nicht.;)


Dienstag:

Diese Woche habe ich wieder kein Zeitgefühl. Das scheint mir vor einem Weilchen abhanden gekommen zu sein.
Mein Mann war heute in Rostock zur Wohnungabnahme. Jetzt haben wir die Schlüssel!!!
Für mich ist das vollkommen neu, einen Schlüssel für eine Wohnung in einer anderen Stadt zu besitzen. Verrückt!

Ansonsten waren heute wieder Magazin-Basteleien angesagt. Langsam wird's enge mit der Zeit. Aber wir nähern uns der Fertigstellung. Ich freue mich schon, es ausgedruckt in den Händen zu halten.

Wie geht's denn allen so gerade in der Pandemie? Irgendwie habe ich gerade wenig Austausch. Fühlt sich für die meisten an, als wär sie nicht mehr vorhanden.
Seit heute darf man in Tanzlokalitäten auf Maske und Abstand verzichten, wenn man vollständig geimpft oder genesen ist. Ich frage mich, ob das dann auch für die Berufsausbildung gilt. Weil bisher war in der beruflichen Bildung in Innenräumen Maske angesagt, es sei denn, man sitzt an einem festen Platz mit Abstand zueinander.


Mittwoch:

Ich verstehe nicht, wieso heute schon Mittwoch ist.
Mein Papa versteht nicht, wie man aus Berlin wegziehen kann.
Aber seine gestrige Geburtstagsfeier war sehr schön, mit Lagerfeuer und Gitarrenmusik und leckerem Essen. Besser geht's ja nun wirklich nicht.

Habe heute die Maklerin angerufen, die sich um die Vermittlung der aktuellen Wohnung kümmern wird, und sie fragte ganz vorwurfsvoll, wieso wir denn unsere Wohnung gekündigt haben. Als ich meinte, dass wir nach Rostock ziehen, meinte sie: "Ach, bestimmt wegen eines Jobs!". Und ich: "Nein, wegen des Meeres." Und sie daraufhin: "Ach nein, jetzt machen Sie mich mal nicht neidisch." 😃 Ich liebe diese Frau, wir hatten damals vor sechs Jahren auch viel Spaß mit ihr bei der Besichtigung dieser Wohnung.
Und ja, ich finde den Abschied von dieser Wohnung auch nicht leicht. Ich liebe sie wirklich sehr, hab mich hier immer extrem wohl gefühlt (außer bei Hitzewellen). Aber wenn jetzt nebenan ein Gebäude abgerissen und ein Bürokomplex gebaut wird, ist es hier sowieso nicht mehr schön.

Ab dem 13. September verschenke ich übrigens meinen Fundus. An alle Berliner*innen, die Lust haben zu stöbern und sich mitzunehmen, was ihnen gefällt: Schreibt mir!


Donnerstag:

Morgens Yoga, danach Live-Talk mit Mark und der Tag begann eigentlich ganz motiviert. Aber als ich dann nachmittags nur 2 Kisten aus dem Keller geholt habe, war ich schon fertig. Und da warten gefühlt noch 1000 Kisten und Taschen auf mich. Oh man, ich HASSE Umzüge.

Aber: abends ist nochmal Draußen-Probe mit den Vorspielern, das Wetter ist super.

Und da ich morgen Geburtstag hab, verabschiede ich mich schon mal ins Wochenende. Byeeeee!