Mittwoch, 14. November 2018

#theaterunterwegs – Meine Geschäftsreisen-Essentials

 

Wie ich in meinem Theatertagebuch beschrieben habe, bin ich eigenlich kein großer Fan von Geschäftsreisen. Aber manchmal ist das Thema toll oder die Gelegenheit so passend, dass ich mich doch entschließe, auf Reisen zu gehen. Zwei Kurztrips habe ich dieses Jahr schon hinter mir, der dritte steht nun nächsten Freitag an.

Weil ich es selbst immer interessant finde zu sehen, was andere Menschen so alles mit auf Reisen nehmen und welche Materialien sie für ihre Arbeit nutzen, habe ich beim Packen der Reisetasche mal ein Foto von meinen wichtigsten Utensilien für eine Geschäftsreise gemacht.

Folgende Dinge habe ich mit im Gepäck:

  • Flyer
    Man weiß nie, wem man begegnet auf Reisen. Also habe ich immer ein paar meiner Flyer (oder Visitenkarten) mit im Gepäck. Auch für die Teilnehmer des Workshops oder Seminars, das ich gebe, ist es super, wenn ich bei Interesse einfach einen Flyer mit meinen Website-Adressen rausgeben kann.
  • Notizbuch & Stifte
    Für Kooperationen habe ich ein eigenes Notizbuch, in dem ich den Workshopablauf plane und notiere. Das ist natürlich mit am Start. Stifte gehören selbstverständlich dazu.
  • Handy, Ladekabel & Powerbank
    Unterwegs in fremden Städten leistet mir das Handy perfekte Dienste als Stadtplan und tatsächlich ausnahmsweise mal als Telefon für den Kontakt mit meinen Kooperationspartnern. Zudem kann ich so auch von unterwegs meine Mails checken.
  • dicke Socken & Poncho
    In Bus oder Zug wird mir schnell kalt, besonders an den Füßen und den Schultern. Also habe ich immer dicke Socken dabei, so dass ich meine Schuhe ausziehen und meine Füße in Wärme baden kann. Der Poncho ist quasi meine Decke für unterwegs.
  • Lesestoff
    Abends in der Unterkunft oder unterwegs lese ich gern ein bißchen. Was würde sich da besser eignen als ein Reclam-Buch. Klein, leicht und nicht zu umfangreich.
  • privates Notizbüchlein
    Für Gedanken und Ideen, die nichts mit dem Workshop zu tun haben, den ich vor Ort gebe, habe ich immer noch ein schmales Extra-Notizbuch dabei.
  • Hörbücher
    Im Bus wird mir beim Lesen und beim ständigen Auf's-Handy-Gucken übel, deshalb bevorzuge ich an Unterhaltung alles, was ich hören kann – am liebsten Hörbücher & Musik. Ich habe zwei kleine iPod Shuffle, die mich auf Reisen begleiten (einer mit Musik, einer mit Hörbüchern), dazu natürlich Kopfhörer, mal kleine Ohrstöpsel, mal große Bügelkopfhörer – je nach Laune.
  • Wasser & Proviant
    An Apple a day keeps the doctor away. Deshalb habe ich auch immer welche im Reisegepäck. Dazu gern Schokolade oder Kekse und unbedingt Chips irgendwelcher Art, denn die sind das einzige, was mir bei Übelkeit im Bus hilft. Wasser ist natürlich immer am Start.
  • Häkelzeug
    Ich mache ja gern Dinge mit den Händen und es gibt kaum etwas tolleres als die Kombination aus Hörbuch und Häkeln. Ein Wollknäuel, eine Häkelnadel und eine kleine Schere sind auch so leicht, dass sie das Gepäck nicht unnötig beschweren.
  • Einkaufsbeutel
    Ein zusammenfaltbarer Einkaufsbeutel ist immer dabei,  falls ich auf Reisen im Supermarkt einkaufen will oder etwas shoppe, was auf der Rückfahrt nicht mehr in die Reisetasche passt.
Hinzu kommen Kleidung, Pyjama und Kosmetik.

Und ihr so? Seid ihr gern auf Geschäftsreise? Was habt ihr immer dabei?

Freitag, 9. November 2018

Theatertagebuch #8



Eine neue Woche, ein neues Theatertagebuch.


Montag:

Nach dem Hamburg-Trip war ich Montag sehr lustlos und etwas kränkelnd. Aber der Impro-Morgen im Meeet war dran mit einem Thema, auf das ich mich eigentlich freute: Objekttheater. Ich schnappt mir also meine Tüte voller Gegenstände und machte mich auf zum Meeet, dass zum Glück nur ein 15 min zu Fuß entfernt ist.
Leider waren nur zwei Teilnehmer vor Ort und erst ab vier Teilnehmern ist so ein Workshops eigentlich möglich. Manchmal lasse ich mich auch bei drei Teilnehmern breitschlagen oder mache dann nur eine statt zwei Stunden. Aber zwei Leute waren leider einfach zu wenig. Ich sagte den Workshop ab und vertröstete die Teilnehmer auf den 10. Dezember, an dem ich zum letzten Mal den Impro-Morgen im Meeet leite. Aber ich werde dann auch wieder meine Gegenstände im Gepäck haben und mit euch Objekttheater spielen. Also kommt vorbei!

Auf Arbeit hatte ich danach erst recht keine Lust und verlagerte das Homeoffice leicht kränkelnd und sehr halbherzig ins Bett.



Dienstag:

Vormittags war ich wieder beim Privatunterricht und wir beschäftigten uns in dieser Stunde mit den Basisemotionen des Menschens und wie sie in der Mimik erkennbar sind. Welche Muskeln im Gesicht spannen sich an, was machen Augen, Augenbrauen Mund und Kinn? Das Thema hatte ich auch bei meinem Körpersprache-Seminar in Hamburg und ich merke, dass es zu den absoluten Schauspiel-Basics gehört, die ich öfter in meine Arbeit einbauten sollte.

Der Rest des Tages gehörte wieder dem Homeoffice im Bett und ich schickte das obige Selfie als Einladungsfoto an meine Kontakte herum. Denn dort oben seht ihr mich als Captain "Nehab", meiner neuen Rolle aus meinem zweiten Teil der der Meeres-Trilogie. Am 15. Dezember ist es nun soweit, da werde ich bei Theater à la carte auftreten.



Mittwoch:

Auch heute bevorzugte ich noch das Bett, auch wenn ich eigentlich gar nicht mehr kränklich war. Aber es ist so gemütlich und manchmal habe ich solche Phasen, auch wenn mein Rücken es mir wirklich nicht dankt.
In meinem neuen Feierabendkurs sagten drei Teilnehmer ab und ich ruderte, um spontan noch Interessenten von der Warteliste einzuladen. Die berüchtigte Krise, die ich auf meiner Gruppendrang-Website zu jeder Gruppe notiere, ist bei dieser Gruppe also schon ganz am Anfang.
Wenn ihr noch auf der Suche nach einem tollen Abendevent seid: ein neuer Blogartikel mit einer Veranstaltungsempfehlung ging ebenfalls online, Klick!



Donnerstag:

Es wurde Zeit, mal wieder aus der Betthölle aufzustehen, auch wenn wie gerufen Periodenschmerzen am Start waren. Aber zum Glück hatte ich eine Wärmflasche und für meine Kurse am Abend Livia.
Im Laufe des Tages gab es noch eine vierte Absage, aber dafür bei der Probe des Feierabendkurses neue Interessenten, von denen zumindest eine Person direkt zusagte.
Die Vorspiel-Probe fand in kleiner Besetzung statt, aber wir spielten den ganzen 4. Akt der aktuellen Inszenierung und auch kleine Szenen mit Musik. So langsam wird es ernst, denn in 12 Wochen finden die Aufführungen statt.
Als ich nach den Proben noch einmal meine Mails checkte, hatte ich die fünfte Absage für den Feierabendkurs im Posteingang. Die dieses Mal auf den ersten vier Absagen gründete, da sich nun die Gruppenzusammensetzung geändert hatte. Und ich kann es verstehen. Man kommt in eine Gruppe, weil man sich dort wohlfühlt und mit den anderen Teilnehmern gut versteht. Wenn diese dann doch nicht teilnehmen und stattdessen neue Menschen dazukommen, mit denen man nicht so viele Gemeinsamkeiten hat, ändert sich die ganze Gruppencharakter und dann passt es evt. nicht mehr für einen selbst.
Es wird also noch ein bißchen dauern, bis die neue Gruppe komplett ist. Dennoch werden wir gemeinsam schon in die Stücksuche starten.

Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Macht es euch fertig, wenn so viele Absagen kommen? Ich merke bei mir, dass es mich immer ein wenig "auslaugt", wegen der vielen Kommunikation, die dann nötig ist, wegen des Wartens auf die Antworten von neuen Interessenten, der Extra-Organisation. Emotional bin ich aber in der Regel recht entspannt, weil mein Optimismus immer sagt: "Ich finde schon eine Lösung!".



Freitag:

Ein ganzer Tag Homeoffice ... das ist schon fast wie Wochenende. Der Plan für heute: Blogartikel vorbereiten und wieder ein bißchen mit den Händen arbeiten.

Ich wünsche euch einen guten Wochenausklang!

Mittwoch, 7. November 2018

"CIRCA'S PEEPSHOW" - Chamaeleon Variete Berlin

Foto / Bildquelle: www.chamaeleonberlin.com



Es ist schon Jahre her, dass ich das letzte Mal im Zirkus war ... irgendwann als Kind oder Jugendliche. Neben dem klassischen Zirkus war ich auch einmal im Leben im Cirque de Soleil und dann vor einigen Jahren mal bei der Langen Nacht der Theater bei einer kleinen Show in der Artistenschule Berlin.
Obwohl es mir manchmal schwerfällt, bei akrobatischen Kunststücken hinzuschauen (Nervenkitzel ist nicht so meins), finde ich Artistik immer wieder faszinierend.
Sie hat eine ganz eigene Ästhetik und haut einen aus den Socken.

Zum Geburtstag schenkte mir mein Vater einen gemeinsamen Besuch im Chamaeleon Berlin, in dem gerade die Gruppe CIRCA gastiert.
Das Theater ist hübsch, wenn auch die Sitzsituation an 4er-Tischen etwas ungünstig ist, denn alle Zuschauer sitzen zu ebener Erde und wenn jemand größeres vor dir sitzt ... ihr wisst, was ich meine.

Dennoch war ich total gespannt und hatte vorher auch gar nicht recherchiert oder Bilder angeguckt, weil ich mich komplett überraschen lassen wollte.

Und es war wunderbar! Absolut wunderbar!
Das Ensemble ist unglaublich bezaubernd und charmant, sie bauen sofort einen tollen Kontakt zum Publikum auf und man möchte am liebsten mit ihnen befreundet sein. Das schaffen sie nur durch ihre Blicke und ihre Präsenz, ganz ohne Worte.
Die Akrobatik ist schön, sehr ästhetisch und manchmal atemberaubend.
Besonders gefallen hat mir das Bühnenbild, bestehend aus einem silbernen Glitzervorhang und einem riesigen Neonschriftzug, der öfter mal die Farbe wechselte oder nur einzelne Buchstaben beleuchtet ließ.
Auch die simplen Kostüme, die anfangs an Cabaret und später an einen Clubabend erinnerten, waren genial.
Alles in allem ein Abend, der mich mitgerissen und in eine ganze neue Welt entführt hat, die ich persönlich schon ewig nicht mehr auf der Bühne gesehen habe.
Wenn auch ihr Lust habt: bis ca. Februar gastiert die Gruppe CIRCA noch mit ihrer Show im Chamaeleon. Es lohnt sich!

Hier findet ihr einen ganz wunderbaren Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=xVCSIrFSucQ

Samstag, 3. November 2018

Theatertagebuch #7



Eine neue Woche, ein neues Theatertagebuch.


Montag:

Diese Woche stand im Zeichen meines Hamburg-Trips. Ich bin eigentlich kein Fan von Geschäftsreisen. Auf der einen Seite ist es zwar ein Kompliment, dass jemand möchte, dass ich extra anreise, um für ihn zu arbeiten, auf der anderen Seite ist es für mich Reisestress (Ja, Reisen sresst mich immer etwas, weil man an so viele Dinge denken muss.) und die Zeiten, die ich nicht zu Hause bin, aber auch nicht direkt beim Kunden arbeite, werden nicht bezahlt. Es ist für mich „gestohlene“ Zeit, die ich mit meinem Mann, meinen Katzen, meinen Freunden, meinen Hobbies verbringen könnte.
Deshalb habe ich mir die Regel gesetzt, dass ich nur ein- bis zweimal im Jahr Geschäftstrips mache ... wenn überhaupt.
Für Mark-Peter Althausen vom Althausen-Institut nahm ich die Reise gern auf mich. Ich arbeite einfach gern mit ihm zusammen und finde den Einsatz in Pflegeheimen extrem wichtig. Für Freitag war in einem Pflegeheim in Hamburg ein Ganztagsseminar zum Thema "Körpersprache" geplant – für die Pflegekräfte, die dort arbeiten.
Montag war ich also mit der Planung für dieses Seminar beschäftigt. Ein ganzer Tag Homeoffice mit Vorbereitungen und Organisation für den Kurztrip und meine Gruppen.

Nebenbei gab es einiges an Hick-Hack um den nächsten "Theater à la carte"-Termin, der eigentlich am 10. November stattfinden sollte und dann auf den 8. Dezember verschoben wurde, was aber auch nicht passte. Neuer Termin ist nun der 15. Dezember.


Dienstag:
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Vormittags war ich wieder beim Privatunterricht und ich merke, dass mein Privatschüler Nick Fortschritte gemacht hat. Das sind die Momente in meinem Job, in denen ich denke: Wow, da hat sich die Arbeit mal gelohnt.
Für das Seminar in Hamburg kaufte ich anschließend einen ganzen Haufen neuer Lippenstifte, denn von Herrn Althausen habe ich gelernt, dass Demenzerkrankte häufig Kontraste schlechter sehen können. Deshalb wäre es von Vorteil, wenn Pflege- und Betreuungskräfte, die sich um Demenzerkrankte kümmern, starkes MakeUp tragen würde, was die Mimik betont und mehr Kontraste im Gesicht schafft.
Den Rest des Tages arbeitete ich den Seminarablauf für Freitag fertig aus.



Mittwoch:

Heute schien die Sonne! Aber es war kalt draußen und nach einem kurzen Arztbesuch am Morgen nutzte ich den Tag, um nur entspannende, schöne Sachen zu machen. Ich kochte ein superleckeres Mittagessen und backte nachmittags Kuchen. Im Keller wühlte ich mich durch lauter Theaterwaffen auf der Suche nach Objekten für den nächsten Impromorgen im Meeet. Denn da kann ich endlich, endlich, endlich mal wieder Objekttheater machen. Ich liebe das Thema! Wenn ihr kommen wollt: Montag, 05. November, 10-12 Uhr im Meeet West. Kosten: 14-20 € (oder mehr :P), wie ihr wollt.

Ein bißchen Homeoffice war auch dran und abends ging es zur Probe von "Einigermaßen ansehnlich".
Rollenarbeit stand auf dem Plan und ich nutzte die Gelegenheit, das Riemann-Thomann-Modell vorzustellen, dass nicht nur für die Dynamik und den Umgang miteinander in der Gruppe interessant ist, sondern auch perfekt für die Rollen genutzt werden kann. Auch die lassen sich einem bestimmten Typ (oder mehreren) zuordnen.


Donnerstag:

Der Vormittag war entspannt und nach dem Mittagessen ging es auf in Richtung Hamburg. Dreieinhalb Stunden Busfahrt können sich extrem ziehen, aber mit Hörbuch im Ohr ging die Zeit einigermaßen gut rum.
Auf dem Weg checkte ich Mails und bekam die Info, dass in dem Pflegeheim wohl etwas Chaos herrscht und der Plan für den nächsten Tag etwas anders ist: deutlich weniger Teilnehmer, von denen einige das Grundseminar des Althausen-Instituts noch nicht besucht hatten, und evt. ein kleinerer Raum.
Mark-Peter und ich telefonierten, sobald ich in meinem Hotelzimmer in Hamburg angekommen war, und beschlossen, entspannt und gut gelaunt in den nächsten Tag zu gehen, komme was wolle.



Freitag:

Wir starteten unser Seminar mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Infos aus Mark-Peter Althausens Seminaren. Später übernahm ich und der Seminartag verlief recht entspannt und in sehr guter Zusammenarbeit, bei der wir uns gegenseitig die Bälle zuspielten.
Von den Übungen, die ich für den Tag geplant hatte, machte ich nur einen Bruchteil. Ich habe gemerkt, dass ich bei diesen Seminaren anders vorgehen muss. Ich bekomme so extrem theaterfremde Teilnehmer einfach nicht in die entsprechende Spiellaune. Sie waren auch anfangs ganz überrascht als ich ankündigte, dass wir praktisch arbeiten. Also musste ich ab und zu theoretische Teile einbauen, die mir ziemlich schwer fielen, weil ich sie improvisieren musste. Ich hatte nichts theoretisches vorbereitet, sondern – wie sonst auch immer in meinen Workshops – Übung an Übung an Übung gereiht. Aber genau das finde ich das interessante an solchen Aufträgen: man lernt neue Zielgruppen kennen, auf die man sich neu einstellen muss. Und mit jedem Seminar lernt man dazu, lernt die Menschen und ihre Bedürfnisse, ihre Bereitschaften und ihre Aufmerksamkeitsspanne kennen.
Wenn wir wieder ein gemeinsames Seminar machen, werde ich gewappnet sein und mehr in die Theorie gehen bzw. selbst mehr vormachen. Praktische Übungen wird es natürlich trotzdem geben, denn durch eigenes Ausprobieren lernt man einfach mehr als durch bloßes Zuhören und Zuschauen.
Ganze Seminartage empfinde ich auch jedes Mal als große Herausforderung. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Teilnehmer ist es anstrengend, sich so lange zu konzentrieren.
Meine eigenen Workshops sind deshalb normalerweise nur zwei bis drei Stunden lang. Längere Workshops sind für mich aber immer eine gute Herausforderung und eine Möglichkeit, dazuzulernen.
Toll fand ich übrigens, dass sich fast alle auf die Lippenstifte eingelassen haben!

Nach dem Seminar nutzte ich die letzten Stunden vor Sonnenuntergang, um in Hamburg zu den Landungsbrücken zu fahren und noch ein bißchen Zeit am Wasser zu genießen.
Die Rückfahrt schien mir auch wieder unendlich lang. Ich hatte ein ungewöhnlich starkes Mitteilungsbedürfnis und schrieb alle möglichen Freunde an, in der Hoffnung, ein bißchen kommunizieren zu können. Ich habe wieder gemerkt, dass mich lange Seminartage ganz schön schlauchen und ich direkt danach immer etwas Zeit und Ruhe für mich brauche. Sind dann aber ein paar Stunden vergangen, will alles Erlebte aus mir heraus.

Wie ist es bei euch, liebe Kollegen? Wie geht es euch bei Seminaren? Und was ist eure bevorzugte Seminar- oder Workshoplänge?

Freitag, 26. Oktober 2018

Theatertagebuch #6



Eine neue Woche, ein neues Theatertagebuch.



Freitag:

Ich war in Wien im Urlaub und ein bißchen Arbeit durfte gern dabei sein – in Form von Weiterbildung durch den Besuch des Theatermuseums. Ein Extra-Blogartikel dazu kommt noch.

Abends war ich wie in den letzten Jahren im Konzert "Hollywood in Vienna" im Wiener Konzerthaus. Geehrt wurde in diesem Jahr Filmkomponist Hans Zimmer. Und obwohl ich Jahre darauf gefiebert habe, dass endlich ER eingeladen wird, riss mich der Abend nicht mal ansatzweise so mit wie die Konzerte in früheren Jahren. Es ist nicht mehr das ursprüngliche Hollywood in Vienna, sondern hat sich gewandelt (und preis fast verdoppelt). Das ist okay, aber 2019 wird es erstmalig Zeit für eine Pause vom jährlichen Wiener Konzertbesuch. Dafür geht es mit Freunden nächsten Herbst an die Ostsee. Juhuuu!


Montag:

Es war ein dunkler, trüber Tag und beim Business Netzwerken in der Berliner Kaffeerösterei wollte es in dem sowieso schwach beleuchteten Raum gar nicht hell werden. Es waren eher weniger Teilnehmer vor Ort, was vielleicht an eben diesem Wetter liegt.
Dafür hatte ich einen sehr coolen Pitch vorbereitet, indem ich am Anfang mit voller Bühnenstimme aus meinem neuen Theaterstück "Nehab" zitierte. Da gab es so einige überraschte Gesichter und einige Komplimente, was mich total gefreut hat.

Den Rest des Tages war Home Office angesagt mit Shooting für die Monthly Favourites und Vorbereitung einiger neuer Blogartikel.



Dienstag:

Ein weiterer dunkler Tag im Home Office. Ein Tag, an dem der Kopf auf tausend Baustellen gleichzeitig wird, abgelenkt, verwirrrt, unkonzentriert hoch 10. Am Nachmittag gab es dann einen produktiven Moment, in dem ich meine Laterne für die "Nehab"-Inszenierung fertigbastelte und auch Fotos machte für einen passenden Blogbeitrag. Ihr könnt euch also auf ein neues #theatreDIY freuen.
Insgesamt ein anstrengender Tag, an dem der Wetterumschwung stimmungsmäßig deutlich wurde.



Mittwoch:

Die Sonne schien wieder und sofort hellte sich auch die Stimmung auf. Die Arbeit am Schreibtisch war produktiver und mittags ging es raus ins Meeet zu "Salz in der Suppe", einem superangenehmen, entspannten Netzwerkformat, bei man zusammen in der Küche sitzt, Suppe isst und quatscht. Wenn ihr auch mal kommen wollt, schaut hier mal rein: https://meeet.de/salz-in-der-suppe/

Am Abend war wieder Probe von "Einigermaßen ansehnlich" und die aktuellsten Orga-Sachen wurden besprochen, Eintrittspreise für die Aufführungen festgelegt und das Regie-Dramaturgie-Team hat ordentlich vorgelegt mit ihrer Arbeit. Die letzte halbe Stunde starteten wir noch mit ein paar Übungen in die Rollenarbeit und knüpfen nächste Woche dort an.
Was heißt Rollenarbeit? Dass man sich überlegt, wie die Figur, die man auf der Bühne spielt, gestaltet ist. Was denkt sie, wie ist sie drauf, was hat sie für eine Vergangenheit und Gegenwart, was für Beziehungen hat sie mit den anderen Figuren und ganz wichtig: wie bewegt sie sich, wie spricht sie, wie kommuniziert sie?



Donnerstag:

Seitdem es den neuen Feierabendkurs gibt, ist der Donnerstag der vollste Tag der Woche. Mein Plan für das kommende Jahr: den Donnerstag immer gut vorbereiten, um am Donnerstag selbst Homeoffice soweit wie möglich zu vermeiden und die wenige freie Zeit an dem Tag für mich selbst nutzen.
Das habe ich gestern erstaunlicherweise sogar halbwegs geschafft. Vormittags war ich beim Yoga, das das perfekte WarmUp für meine anschließende "Nehab"-Probe war. "Nehab" probe ich allein zu Hause, deshalb war es praktisch, dass ich an dem Tag sturmfreie Bude hatte und im Wohnzimmer rumschreien konnte.
Am späten Nachmittag war dann der erste offizielle Termin des neuen Feierabendkurses und es schnupperten noch vier neue Leute rein. Mal sehen, wer von denen beim Kurs fest mitmacht.
Am Abend waren dann die Vorspieler dran, in etwas kleinerer Besetzung, aber dafür recht produktiv. Es wurde nochmal seeeehr großzügig gestrichen und jetzt sind wir mit allen Streichungen im Stück durch. Juhuuu! Ich hoffe, dass sich das sehr positiv auf die Stücklänge auswirkt.



Freitag:

Der Vormittag war gefüllt mit einem wunderbaren Business Meet Up bei Barbara Fischer & Friends. Es waren viele Leute da, die ich kenne und schätze und auch neue beeindruckende Menschen. So liebe ich das Netzwerken!
Den Nachmittag verbrachte ich mit Vorbereitungen für mein Seminar zum Thema Körpersprache, dass ich nächsten Freitag in Kooperation mit dem Adolf-Althausen-Verein in einem Pflegeheim in Hamburg geben werde. Also Fachlektüre lesen, Übungen überlegen und zusammenstellen, passende Videos und Filme gucken.
Plan für den Abend: Probe und Mini-Fotoshooting für meine Premiere von "Nehab".




Mittwoch, 24. Oktober 2018

#monthlyfavourites – Oktober-Lieblinge



Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im Oktober! 




Zum Arbeiten & Urlauben

Es wurde so langsam Zeit für einen neuen Kalender, denn jetzt beginnt die Terminplanung für's nächste Jahr. Die letzten Jahre war "Ein guter Plan Pro" mein treuer Begleiter, aber leider haben sie das Design geändert, so dass ich dieses Mal etwas neues probierte und mir selbst einen Kalender auf mein-taschenkalender.com designte. Das Designen macht großen Spaß, weil man viele verschiedene Elemente auswählen kann, und das tollste ist, dass man eigene Bilder hochladen kann. Ich habe für Vorder- und Rückseite zwei verschiedene Schwarz-Weiß-Fotos ausgewählt, die ich letztes Jahr in Wien mit meiner Analogkamera geknipst habe. Und somit ist auch quasi das Thema dieser Monatsfavoriten eingeleitet: Wien.

In meinem Schminkkoffer für die Arbeit ist das Narbenmaterial zu Ende gegangen und deshalb sind eine neue Dose Tuplast (mit der man eher wulstige Narben kreiert) und zum ersten Mal Collodium eingezogen. Letzteres zieht die Haut zusammen und erschafft so die Optik alter, leicht eingesunkener Narben. Eines von beiden Produkten wird auch bei meiner "Nehab"-Premiere am 10. November zum Einsatz kommen ... seid gespannt.

 

Zum Aufhübschen


Es wird kalt und somit ist es Zeit für kuschelige Pullover. Zwei neue Exemplare von H&M sind bei mir eingezogen, ein grünes Modell mit V-Ausschnitt und ein beiges mit riesigem Rollkragen, beide weit geschnitten.

Der beige Pullover hat mich auch auf meinen Wien-Urlaub begleitet, zusammen mit diesen großen neuen Ohrringen (auf ebay gefunden) und dem bunt gewebten Wollschal, den mir meine Mutter zum Geburtstag geschenkt hat.


Achja, und dieses Paar Ohrringe hat den Ruf verpasst und den Fototermin einfach verschlafen. Inspiriert von einem Modeblogfoto habe ich sie selbstgebastelt und trage sie momentan besonders gern in Kombination mit den obigen Pullovern und der orangen Hose aus den September-Favoriten.



Zum Lesen

Mit dem Lesen geht es weiter voran. Auf dem Weg zur Probe fand ich vor einiger Zeit das Tschechow-Buch am Wegesrand und war von den kurzen Einaktern sehr amüsiert. Defintiv eine tolle Spieloption für die nächsten Gruppen oder die Vorspieler.

Letzten Monat fing ich mit Horváth-Lektüre an, diesen Monat folgte noch "Der jüngste Tag", das bei mir zwischen "Glaube Liebe Hoffnung" und "Geschichten aus dem Wiener Wald" rangiert. Passend dazu war ich in Wien in der Horváth-Ausstellung im Theatermuseum, aber dazu in einem Extra-Blogpost mehr.

Im Sommer habe ich eine Biografie über Djuna Barnes gelesen und mir daraufhin einen ihrer bekanntesten Romane – "Nightwood" – gebraucht gekauft. Das Englisch ist nicht grad leicht, aber dafür sehr intellektuell. Ich habe das Buch gerade erst angefangen und werde mich tapfer mit einigen Blicken ins Wörterbuch durchkämpfen.




Zum Essen

Aus Wien mitgebracht wurden die extrem leckeren Dragee Keksi, kleine Kekse mit Schokolade umhüllt.
Weitere Favoriten sind diesen Monat Hefebrötchen mit Schokoladenfüllung, die mein Mann gebacken hat.
Die österreichische Schokolade habe ich allerdings hier gekauft, nach dem Netzwerken in der Kaffeerösterei Berlin, in der es viele schokoladige Leckereien gibt. Sie ist noch nicht angebrochen, ich bin gespannt, wie sie schmeckt.




Zum Stöbern

Wie immer ein paar tolle Artikel, die mich diesen Monat begeistert haben:



Zum Hören

In Wien habe ich im Kino "The Incredibles 2" gesehen und der Soundtrack ist einfach supergut:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLiNVoBckLqLns39fRqmL-ZqUTX3EMALIl




Zum Anschauen


Wie bereits erwähnt: "The Incredibles 2" ist nicht nur musikalisch hörens-, sondern vor allem auch sehenswert. Am Puls der Zeit und endlich mal eine coole weibliche Bösewichtin, die nicht Königin oder Fee ist:
https://www.youtube.com/watch?v=i5qOzqD9Rms

Das allerwichtigste Highlight diesen Monat: die neue Staffel "Doctor Who" – mit neuem Doctor (Jodie Whittaker) und neuer Tardis und neuen Companions und und und ... einfach nur absolut grandios. Das Fanherz schlägt wieder höher:
https://www.youtube.com/watch?v=FEc-OQ_oqDk

Auf Netflix gibt es auch noch sehr schöne Sachen. Zum einen die britische Kurzserie "Collateral":
https://www.youtube.com/watch?v=gJmjKv7WP7U

Zum anderen eine neue Staffel "Chef's Table". Juhuuuuu!
https://www.youtube.com/watch?v=FWDF4uTlOto

Zum Weinen gebracht hat mich dieses unglaublich berührende Comedyprogramm, passend zum oben verlinkten Artikel über Gay Loneliness:
https://www.youtube.com/watch?v=5aE29fiatQ0

Samstag, 13. Oktober 2018

Theatertagebuch #5



Eine neue Woche, ein neues Theatertagebuch.



Montag:

Die Woche begann mit einem Impromorgen im Meeet. Da es beim letzten Mal aufgrund Raummangels ausfiel, nahm ich einfach das gleiche Thema wieder: "Impro ohne Worte". Es kamen nur drei Teilnehmer, die aber seeehr gewillt waren, ganze zwei Stunden Theater zu spielen. So sei es. Ich selbst habe dann auch ab und zu mitgespielt, einfach weil noch jemand gebraucht wurde, und das war auch mal wieder ganz schön.
Ich kann hier übrigens schonmal ankündigen, dass ich den Impromorgen nur noch bis Ende des Jahres mache, danach wird es jemand neues übernehmen – und natürlich weiterhin Claudia Hoppe. Ich hoffe natürlich, dann auch öfter mal selbst teilzunehmen.

Nachmittags wurde Bastelmaterial für einen Fascinator geshoppt, denn ein Teilnehmer und mittlerweile guter Bekannter der Gruppe Grobkost (da war doch was mit Freunden und Kunden ...) hat auf eine Party mit eben diesem Thema, "Fascinator", geladen.



Dienstag:

Nach dem wöchentlichen Privatunterricht in Tegel traf ich mich mit Freundin und Kollegin Katja Lohmann und wir tauschten uns bei einem Mittagessen in der Sonne über die Arbeit und die Welt aus.
In Momenten wie diesen bin ich besonders dankbar für meinen Job. Nicht nur, weil er einfach viel Spaß macht, sondern auch, weil er mir viele Freiheiten in der Zeiteinteilung lässt. So kann ich tagsüber oft Treffen mit Freunden und Kollegen einschieben oder mich dem Netzwerken widmen, während ich an den Abenden direkt vor Ort arbeite. Solange das so funktioniert, genieße ich es sehr.

Danach war noch ein bißchen Homeoffice angesagt ... die Umsatzsteuervoranmeldung eben.



Mittwoch:

Einen ganzen Tag Homeoffice und abends wieder Probe mit "Einigermaßen ansehnlich." Es gab bei den Impros viel zu lachen und wir haben es reeelativ reibungslos geschafft, die Rollen zu verteilen. Jetzt kann's endlich so richtig losgehen!
Wie bei den Vorspielern ist auch diese Gruppe immer besorgt um das leibliche Wohl der anderen und versorgt sich gegenseitig mit Snacks und Süßem. Oben das Beweisbild!



Donnerstag:

Meine Güte, das war der Scheiß-Tag der Woche.
Yoga habe ich ausfallen lassen und mittags ging es zum Friseur. So ganz wusste ich im Salon nicht, ob mir die Frisur gefällt, auf dem Heimweg wurde ich dann immer unzufriedener und zu Hause weinte ich sehr, weil mir der Schnitt (der an sich gut geschnitten war) einfach gar nicht stand. Ich wusch mir die Haare und schnitt sie selber neu und jetzt geht es einigermaßen, auch wenn ich der Länge hinterhertrauere, die ich vorher hatte. Shit happens und da muss ich jetzt durch, auch wenn's bitter ist.
Am Vorabend habe ich einem der "Einigermaßen ansehnlich"en den Schlüssel für den Probenraum gegeben, weil ich nächste Woche im Urlaub bin. So kann die Gruppe zum ersten Mal ohne mich proben. Was ich nicht bedacht habe: dass ich heute und morgen noch Termine im Probenraum hab. Das fiel mir natürlich auch erst kurz vor dem Schnuppertermin auf, der um 17:25 Uhr starten sollte. Ich rief also beim vorübergehenden Schlüsselinhaber Hagen an und er ist mein Held der Woche, denn er brachte mir den Schlüssel im Laufe des Workshops vorbei! Denn – oh glückliche Fügung – vor mir war ein Kurs dran und ich konnte in den Raum rein und später dank des zurückerhaltenen Schlüssels auch wieder abschließen.

Der Schnuppertermin war energievoll und lustig und ich hoffe, dass möglichst viele der Teilnehmer fest in der Gruppe dabei sind. Die Rückmeldungen erhalte ich in den nächsten Tagen.


Bei den Vorspielern war wie immer eine feuchtfröhliche Stimmung (ohne Alkohol!) und wir haben sogar neue Szenen geprobt. Der Druck der gar nicht mehr so weit entfernten Aufführungen nimmt zu.



Freitag:

Der Tag begann mit meinem Satz der Woche, der mich richtig glücklich gemacht hat. Ein Teilnehmer des Schnuppertermins schickte mir eine Absage, weil er eine Kursteilnahme zeitlich nicht schafft. Aber er leitete die Mail ein mit:

"Ich hatte so eine gute Zeit gestern!"

Ein simpler Satz, der für mich ein wahnsinnig großes Kompliment darstellt. Hach, schöööön!
Ansonsten war es ein Tag im Homeoffice mit Mittagsunterbrechung, um mich mit einer Freundin zu treffen.
Der abendliche Vorglühen-Workshop stand heut in der Vorbereitung im Fokus und ich habe es abends zum ersten Mal erlebt, dass alle angemeldeten Teilnehmer vollzählig UND pünktlich auftauchten. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
Ich hatte mich schon den ganzen Tag auf den Workshop gefreut, einfach wegen der Übungen, die ich geplant hatte. Es ist schön, wenn die Ideen dann auch aufgehen.
Mit dabei war eine Freundin aus Teeniezeiten und ich habe mich sehr über das Wiedersehen gefreut. Willkommen in Berlin, meine Namensvetterin!


Mittwoch, 10. Oktober 2018

Freundschaft mit Kunden?

Die Genossenschaft: früher Kunden, jetzt beste Freundes-Clique ever!


Als Theaterpädagogin arbeite ich in einem sehr sozialen Beruf. Da meine Zielgruppe Erwachsene sind, findet die Arbeit meist auf einem lockeren Level statt.

Man spielt gemeinsam, macht Witze, hat Spaß und plant gemeinsame Projekte. So entsteht schnell Sympathie und ein Gruppengefühl.
Dieses Gruppengefühl ist wichtig, um das gemeinsame Projekt – ein Theaterstück – auf die Beine stellen zu können.

Doch Gruppengefühl bedeutet nicht immer gleich Freundschaft.
Aber manchmal eben doch ...

Leider gibt es für Freundschaft keine eindeutige Definition, was sie zu einem schwer zu fassenden Thema macht.
Manch einer sieht seinen Arbeitskollegen als Freund, weil man mittags zusammen in der Kantine isst. Ein anderer würde diesen Kollegen noch nicht einmal als Bekannten bezeichnen.

Das Google Wörterbuch sagt über Freundschaft:

"1. eine Beziehung zwischen Menschen, die auf gegenseitiger vertrauensvoller Zuneigung beruht."

Wenn ich Wikipedia nach einer Definition frage, erhalte ich folgende Antwort:

"Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende Person bezeichnet man als Freund oder Freundin. Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften. Schon antike Philosophen wie Aristoteles und Cicero haben sich mit der Freundschaft auseinandergesetzt."

Der Grundstein einer Freundschaft ist zweifelsohne Sympathie. Mit jemandem, den ich nicht leiden kann, möchte ich auch nicht befreundet sein.
Sympathie entsteht durch Gemeinsamkeiten: je ähnlicher uns ein Mensch ist und je mehr Interessen und Werte uns miteinander verbinden, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir miteinander befreundet sein wollen.
Mit einer Person, die uns ähnlich ist, verbringen wir gern Zeit.

Andere Personen, die uns nicht so nahe stehen, bezeichnen wir eher als Bekannte. Bekannte müssen uns nicht sonderlich sympathisch sein, aber man kennt die Person eben und weiß ein bißchen etwas über sie.
Bekannte im beruflichen oder schulischen Umfeld, werden meist als Kollegen, Kommilitonen, Mitschüler o.ä. bezeichnen.

Diese Definitionen sind leider recht allgemein. Genau das ist das Problem: Freundschaft definiert jeder für sich selbst.

Ich bin dann mit jemandem befreundet, wenn folgende Punkte erfüllt sind:
  • Für mich ist jemand ein Freund, den ich wirklich sehr gern habe. Dafür spielt Körperchemie eine wichtige Rolle, eine gewisse "Anziehung" muss da sein, wir müssen uns also "gut riechen können".
  • Ich muss gern mit der Person Zeit verbringen und wir müssen auf jeden Fall einen ähnlichen Humor haben. Die gemeinsame Zeit soll für beide ein Gewinn sein – an Spaß, an neuen Erkenntnissen, an Austausch, an Trost, an gemeinsam Erschaffenem.
  • Ich muss an dem anderen interessiert sein und er an mir – und das auch zeigen.
  • Ich muss dem anderen vertrauen können und er mir.
  • Hinzu kommt die gemeinsame Wellenlänge. Die entsteht dann, wenn ich mit dem anderen ein entspanntes Status-Spiel spielen kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass keiner den anderen als Bedrohung sieht und gern bereit ist, im Status zu wechseln, wenn man miteinander kommuniziert.
Wenn alle diese Punkte zutreffen, entscheide ich für mich, ob ich den anderen als Freund sehe. Wie der andere unsere Beziehung definiert, weiß ich dann noch nicht unbedingt, aber das merkt man dann irgendwann schon oder es wird mal ausgesprochen. Oder man fragt einfach nach.

Im Laufe meines Lebens sind einige Freunde gekommen und gegangen. Manchmal hat es nur für eine bestimmte Lebensphase gepasst, manchmal deutlich länger.
In den letzten Jahren sind neue Freunde in meinem Leben dazugekommen, über die ich mich wahnsinnig freue. Ein paar davon sind oder waren Kunden von mir.

Aber kann das funktionieren? Freundschaft mit Kunden?
Ja, es kann. Es funktioniert dann, wenn beide Seiten zwischen Geschäftsperson und Privatmensch trennen können.
Die Freunde, die auch meine Kunden sind, können meine Arbeit wertschätzen und wissen, dass ich Dienstleistungen, die meine Arbeit betreffen, nicht verschenken kann. Und – und das finde ich das wichtigste – sie wollen das auch gar nicht.
Da meine Arbeit möglichst basisdemokratisch stattfindet, kann und will ich in Proben und Workshops niemanden anders oder bevorzugt behandeln, nur weil wir befreundet sind. Jeder Teilnehmer hat die gleichen Rechte und Pflichten und den gleichen Stellenwert.

Ich bemühe mich, sorgsam mit meinen Kunden-Freundschaften umzugehen, besonders bei der Arbeit. Nicht ständig private Anspielungen machen, nicht klüngeln, keine Insider-Witze (wenn man sie nicht auch für alle erklärt).
Das funktioniert bis jetzt ziemlich gut.

Schwieriger kann es sein, sich abzugrenzen, wenn Teilnehmer, mit denen ich nicht befreundet bin, mein offenes und lockeres Verhalten als Freundschaft interpretieren. Oder vielleicht selbst eine andere Freundschaftsdefinition haben und den Kontakt als viel enger empfinden als ich.
Auch diese Momente gab es und dann muss ich ehrlich sagen, wie ich den Status sehe und mich gegebenenfalls stärker abgrenzen.

Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Fehler in meiner Arbeit gemacht, die viel mit Distanz und Nähe und meiner Einstellung zu tun hatten. Nachlesen könnt ihr sie hier:

Aber gleichzeitig habe ich es irgendwann geschafft, dass sich aus manchen Kundenbeziehungen ganz wunderbare Freundschaften entwickeln. Theater bringt eben Menschen zusammen, auf einem sehr persönlichen Level. Und dafür bin ich dankbar!

Wenn ihr also mit Freundschaften zu euren Kunden hadert: Probiert es aus!
Es kann zwar schiefgehen, aber ihr könnt unglaublich viel gewinnen!