Freitag, 9. April 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 56

 



Dienstag:

Einen wunderbaren Wochenstart an alle! Die Sonne scheint und es ist saukalt. Der heutige Tag ist voll mit Terminen und die Umsatzsteuervoranmeldung scharrt auch ungeduldig mit den Hufen, die muss bis Ende der Woche erledigt sein.
Die letzten Tage waren sehr entspannend, mit einzelnen Familienbesuchen und dazugehörigem erstem Schnelltest-Ausprobieren, mit langen und superkurzen Spaziergängen, mit leckerem Essen, Schokoeiern und Mandalorian-Bingewatching.
Die Auszeit habe ich gebraucht und bin jetzt ziemlich fit und motiviert für die kommende Zeit.

Heute habe ich mit Nick wieder getanzt:
https://www.youtube.com/watch?v=X70VMrH3yBg

Abends hatte ich wieder meine beiden Gruppendynamik-Workshops in kleiner, gemütlicher Runde, in ganz entspanntem Tempo. Dieses Jahr möchte ich diese Reihe noch weiter aufstocken und noch Workshops zu Konflikten, Rollen und Entscheidungsformen anbieten.
Gerade diese "Meta"-Themen lassen sich im digitalen Raum sinnvoll vermitteln, ohne zu trocken zu sein.



Mittwoch:

Der Tag startet grau und mit tanzenden Schneeflocken. Ich genieße gerade die Homeoffice-Zeit und die wenigen Termine, denn heute und morgen arbeite ich nur abends und dann kommt auch schon so langsam wieder das Wochenende.
 
Wie gehts denn allen gerade im #BrückenLockdown? Irgendwie fühlt sich alles gleich an, das ist ja jetzt wohl erstmal der dauerhafte Normalzustand. Irgendwie kann ich damit leben, aber so richtig geil ist es nicht.

Habe ganz entzückende Osterpost von Freund:innen bekommen. Danke!!!

Abends eine Probe mit dem neuen Theatergruppenkurs (Vielleicht sollte ich mal aufhören, von "neu" zu sprechen ... immerhin gibt es sie schon seit einem halben Jahr.), voller unterschiedlicher Aktivitäten: Tanzen, Spielen, Schreiben, Zeichnen ... alles dabei. Ich hoffe sehr darauf, dass einige Zeichnungen in das gemeinsame Magazin wandern.




Donnerstag:

Der Enthusiasmus des Wochenanfangs schwindet so langsam.
ABER: Ich habe meine Umsatzsteuervoranmeldung inklusive zusammenfassender Meldung gemacht. Bin so stolz auf mich! Durch die Online-Arbeit habe ich mittlerweile auch Teilnehmende aus anderen (EU-)Ländern und das erfordert auf einmal mitunter andere Rechnungsstellungen. Hat man ja auch nicht unbedingt auf dem Schirm.

Die Vorspiel-Probe war heute laut, lustig, verwirrend, albern und ganz großes Kino. Wir hatten ein paar momentan pausierende Vorspieler als Gäste dabei, die uns für ein paar Stellen im Hörspiel ihre Stimmen geliehen haben. Am Schluss haben wir uns dann noch eine Weile über unsere unfähige Politik aufgeregt. Es herrscht bei allen eine große Erschöpfung. Man kann keine Strategie erkennen und die meisten sind #mütend.
Ich merke das nicht nur in meinen Gruppen, sondern generell bei den meisten, mit denen ich zu tun habe. Die Menschen können nicht mehr.



Freitag:

In einer langen Besprechung haben wir heute die nächsten LAG-Termine geplant und ich freue mich schon total auf hybride Spaziergänge und Telegram-Games.
Zwischendrin brachte der Postbote das nächste VR-Kit vom Staatstheater Augsburg. Am Wochenende kann ich mir also wieder eine Inszenierung anschauen!

Abends hatte ich ein Fotoshooting mit meinem Bruder, der neue Bewerbungsbilder brauchte. Am Kudamm war die passende Abendstimmung und Kulisse und anschließend hat er mich zum Essen eingeladen. Das war ein perfekter Wochenabschluss.

Und jetzt freue ich mich krass auf ein freies Wochenende.

Mittwoch, 7. April 2021

Liebesbriefe an Serien: "Doctor Who"

Bildquelle: https://www.hitchecker.de/media/k2/items/cache/jodiewhittaker_L.jpg




 
Liebstes "Doctor Who",
 
ich liebe dich einfach, ich sage es gleich. Damit keine Zweifel aufkommen. Denn du bemühst dich durchaus immer mal wieder, mich an dieser Liebe zweifeln zu lassen. Doch es wird dir nicht gelingen. Punkt.

Noch ganz genau erinnere ich mich an den Moment, an dem ich dich kennengelernt habe. Vor über zehn Jahren feiertest du dein 50-jähriges Jubiläum (ja, du bist eine sehr alte Serie!) und mein Mann und ich waren für ein paar Tage im Urlaub in London. Abends saßen wir in unserer Ferienwohnung, schalteten den Fernseher ein und es lief eine Sendung zum Jubiläum. Ich war gerade aus der Dusche gekommen und stand – noch in Handtücher gehüllt – mind. zehn Minuten einfach im Türrahmen und habe gelauscht. Es wurden nur Ausschnitte gezeigt, aber ich war gefangen. Gefangen von einer Serie, die schon so lange im Fernsehen läuft und soviel durchgemacht hat.
Zurück in Berlin begannen wir mit "New Who", also allen Staffeln, die seit 2005 liefen. Zwischen den 1980er Jahren und den 00er-Jahren warst du nämlich – unterbrochen von einem Film – sehr lange im Dornröschenschlaf. Den hast du glaube ich auch gebraucht, um dich neu zu erfinden und uns mit frischem Geist mitzureißen. Und WIE du mich mitgerissen hast! So sehr, dass ich sogar ein Solo-Theaterstück geschrieben hab, inspiriert und angelehnt an dich.

Ich will ehrlich sein: von deinen alten Staffeln habe ich nur einzelne Folge gesehen. Die damalige Sehgeschwindigkeit war eine andere, und auch wenn viele Folgen durchaus charmant sind, ist es doch schwierig, sich für lange Zeit (es sind sooo viele Folgen) auf dieses langsame Tempo einzulassen.

Du zeigst uns einen Reisenden, einen Timelord. Er ist ein Alien (mit menschlichem Äußeren), das mit seinem Raumschiff durch Raum und Zeit unterwegs ist. Eigenartigerweise hauptsächlich auf der Erde, bevorzugt in Großbritannien ... was aber natürlich daran liegen könnte, dass du eine britische Serie bist, nicht wahr?! ;)
Meist hat dieses Alien mit dem Namen "The Doctor" noch mindestens ein(e) Begleiter:in mit an Bord seines Raumschiffs ("T.A.R.D.I.S." genannt). Zusammen erleben sie mal auf fremden Planeten, aber eben meist auf der Erde in unterschiedlichen Zeitaltern unterschiedliche Dinge.
Als Familien-Serie geht es bei dir immer auch um moralische Werte, um Menschlichkeit und Vorbild-Funktion. Deshalb liebe ich dich so sehr. Auf eine einfache und wunderschöne Weise stellst du ein Idealbild dar, was ein Vorbild für's Leben ist. Man möchte entweder der Doctor selbst oder seine Begleitung sein.
Mit dir habe ich soviel durchgemacht. Du raffiniertes Ding hast dir damals, in den 1960ern, mit einem Hauptdarsteller, der irgendwann erste Demenz-Symptome zeigte, überlegt, dass du deine Hauptdarsteller einfach austauschst. Der Doctor stirbt nicht, sondern er regeneriert in einen neuen Körper. Und das schon seit Generationen. Mittlerweile hast du den 13. Doctor, aktuell zum ersten Mal in einem weiblichen Körper. Du bist unglaublich!

Regelmäßig schickst du mich durch emotionale Achterbahnen. Ich habe so viele Stunden geweint – vor Glück, vor Freude, vor Trauer und zum Abschied. Immer wieder zum Abschied, denn es gibt so viele Abschiede bei dir. Doch anschließend geht es immer neu weiter. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, das wissen wir ja.

Du bist die obsessive On-Off-Beziehung, die nie richtig funktionieren wird, weil die andere Person zu freiheitsliebend ist, aber gleichzeitig so unglaublich anziehend und perfekt und großartig, dass man sich immer wieder und wieder emotional darauf einlässt, sich verletzen lässt und wieder neu verliebt. Ein ewiger Kreislauf, mit unterschiedlichsten Phasen. Manchmal schläft diese Beziehung vor Erschöpfung ein bißchen ein, wird langweilig. Aber was soll ich sagen: "Doctor Who" ist wie Sex oder Pizza. Auch wenn's schlecht ist, ist es immer noch "Doctor Who".

Danke! Ich liebe dich!


Deine Sarah



Steckbrief


Titel:
"Doctor Who"

Erscheinungsjahr: 1963

Staffeln: bisher 38 + viele Specials + 1 Film


Lieblingsfiguren:
  • The Doctor
  • Captain Jack
  • The Master & Missy
  • Rose
  • Donna
  • Wilf
  • Bill 
  • ... und viele mehr


Donnerstag, 1. April 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 55




Montag:

Wie ist bei euch die Stimmung im Lockdown? Ich merke, dass ich neue Impulse brauche, neue Umgebungen und Erfahrungen. Was mir sehr viel gegeben und mich berührt hat, war die VR-Inszenierung "14 Vorhänge" vom Staatstheater Augsburg. Man kann sich dort VR-Brillen leihen, die per DHL zugesandt werden. Nach 2 Tagen müssen sie wieder zurückgeschickt werden. Auf den Brillen ist die gewünschte Inszenierung bereits aufgespielt, es kann also sofort losgehen. Ihr braucht nur ein paar Kopfhörer, am besten kleine In-Ear-Kopfhörer, weil die Brille ja schon recht groß ist. Also wenn auch ihr einen Umgebungswechsel und ein Theatererlebnis haben wollt, das sich analoger anfühlt als eine Zoom-Sitzung, solltet ihr die VR-Inszenierungen unbedingt ausprobieren. Das Erlebnis ist nicht ganz günstig, denn wenn man nicht gerade im Raum Augsburg wohnt, ist der Versand teurer, aber für mich hat es sich absolut gelohnt und ich habe mir für nächste Woche schon eine weitere Inszenierung bestellt. Das andere Päckchen geht heute auf die Heimreise.
Ansonsten habe ich das Wochenende versucht mit allem zu füllen, was Freude macht und Abwechslung bringt: Samstag Filmabend und Pizzaessen mit einer Freundin und Sonntag ein Spaziergang zu einem mir vorher noch unbekannten kleinen See, an dem ich Reiher, Blässhühner und Enten beobachten konnte, selbstgebackene Zimtschnecken und Tee in der Thermoskanne inklusive. Ich habe ein bißchen gelesen und sehr geweint bei der Voyager-Folge, in der Neelix das Schiff verlässt.

Jetzt bin ich bereit für eine neue – recht kurze – Woche.


Dienstag:

Gestern abend habe ich "Voyager" zuende geguckt, natürlich wieder geweint, aber auch viel neuen Elan gefasst. Eine Figur aus der Serie hat in der letzten Folge gesagt:

"But when I think about everything we’ve been through together, maybe it’s not the destination that matters, maybe it’s the journey. If that journey takes a little longer, so we can do something we all believe in, I can’t think of any place I’d rather be or any people I’d rather be with."

Mich hat dieses Zitat gepackt und motiviert. So wie die Crew von Voyager sind auch wir alle gerade auf einer Reise, die länger dauert als wir dachten. Wir wissen nicht wie lang, aber wir können nicht einfach nur warten. Es geht um die Reise, nicht um das Ziel. Die Pandemie ist endlich, das ist einfach logisch gar nicht anders möglich. Aber bis dahin bleibt das Leben nicht stehen. Wir sollten die gemeinsame Reise genießen und weiter leben – in dem Rahmen wie es uns möglich ist. Wege und Möglichkeiten der Gemeinsamkeit finden (unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen), Neues ausprobieren und uns gegenseitig stärken.

Nicks heutiger Musikwunsch war ein Flashback in meine Jugendzeit. Whoop whoop!
https://www.youtube.com/watch?v=SBClImpnfAg

Ein wichtiger Artikel:
https://sz-magazin.sueddeutsche.de/abschiedskolumne/sexismus-rassismus-vietdeutsch-90025?fbclid=IwAR3xHkZQ1K-Z8sR-Cd-mstdfoS2VGvEsw-k9jDb-PMme2GpZN81GzLd4jow

Abends fand noch einmal das Aufbau-Seminar mit meinen Kolleg:innen Marion und Michael statt. Im Anschluss habe ich noch ganz berührende Nachrichten bekommen und freue mich, dass unsere Seminare und meine Workshops andere Kolleg:innen inspirieren und ihnen wieder die Freude an ihrer Arbeit – trotz Pandemie – zurückgeben.


Mittwoch:

In Berlin ist es (ZU!) warm und die Sonne scheint. Es fühlt sich mehr nach Sommer als nach Ostern an und mein Körper muss damit erstmal klarkommen. Habe einen kleinen Spaziergang gemacht und ein paar Ostergeschenke besorgt.

Abends wieder Probe mit meiner neuen Theatergruppe. Der Wunsch nach analogen Proben ist groß und ich glaube, viele sind gerade zoom-müde. Und vielleicht auch #mütend. Aber irgendwann wird es so weit sein. Wir brauchen noch ein Weilchen Geduld.




Donnerstag:

Am Vormittag wohnte ich der Online-Theaterpremiere meiner Kollegin Susanna Quandt bei.
Die Teilnehmenden und sie haben viel Herzblut und Arbeit in die Inszenierung gesteckt und die Dankesworte am Schluss waren sehr berührend.

Im Anschluss ein Live-Talk mit Mark Kitzig, dieses Mal stellten wir Bücher zu Zirkus und Theater vor!
https://www.facebook.com/Zirkusundtheaterpaedagogik/videos/267585898343112

Zum Abschalten dann noch ein langer Spaziergang und abends wieder Vorspiel-Probe mit Aufnahmen für unser Hörspiel. Wir überlegen – sofern es möglich sein sollte – im Spätsommer eine Live-Hörspiel-Variante analog aufzuführen, irgendwo draußen. Wenn jemand einen tollen Ort in Berlin kennt, wo wir sehr günstig auftreten könnten und vielleicht auch die Möglichkeit hätten, die Zuschauenden ein bißchen herum zu führen à la Stationentheater, gebt mir Bescheid! Das wäre fantastico!

Und diese Woche endet einen Tag früher. Ich wünsche fantastische Ostertage!