Freitag, 15. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 83


 

Montag: 

Ein Tag, an dem jetzt nicht allzuviel passiert ist. Morgendlicher Besuch am Hafen (unser neues Ritual), dann in der Wohnung "Tetris spielen" und Dinge in den Keller schaffen. Mittags Essen holen und abends Nils' und mein zweiter Fortbildungs-SNACK. Ich liebe dieses neue Format, das wir uns zu zweit erdacht haben. Kurz, knackig und voller praktisch anwendbarer Methoden und Übungen.
Einen Arbeitsplatz habe ich noch nicht, aber ich saß am Schreibtisch meines Mannes.







 
Dienstag:

Mit Nick fand die Probe heute per Handy in meinem mit Kisten und Taschen vollgestellten zukünftigen Arbeitszimmer statt. Kreatives Schreiben stand auf dem Programm und wir haben viel gelacht. Auch der "Song des Tages" ist wieder da, dieses Mal per Schallplatte.
Ich liebe meine Arbeit immer dann besonders, wenn ich kreativ spontan neue Lösungen erdenken kann. Und genau das ist ja auch eine Fähigkeit, die durch das Theaterspiel und besonders die theaterpädagogische Arbeit bei den Teilnehmenden geschult wird. Je öfter ich mit ungewohnten Situationen umgehen muss, desto mehr beginne ich, mir selbst zu vertrauen und die Angst vor der Ungewissheit zu verlieren.

Abends ging es nach Berlin und an der Bushaltestelle am ZOB Rostock habe ich endlich eine Krähe mit einer Erdnuss füttern können. Ich feier das total!


Mittwoch:

Morgens früh aufgestanden und in die alte Wohnung gefahren. Schlüsselübergabe an Maler: Check! Sperrmüllabholung: Check! Weitergabe der alten Balkonmöbel an meine Freundin: Check! Küche und erste Türen geputzt: Check! Neue Hose gekauft: Check!

Abends fuhr ich zurück in den Norden Berlins, wo ich während meiner Berlin-Aufenthalte bei meiner Mutter wohne, und ging direkt vom Bahnhof aus auf einen Messenger-Spaziergang mit meinem neuen Online-Basiskurs. In einer Signal-Gruppe checkten alle per Selfe ein und dann gingen wir gemeinsam jede*r in seiner/ihrer eigenen Umgebung spazieren – ob in Berlin oder Aachen oder ...
Während des Spaziergangs sendete ich kleine Aufgaben in den Chat, z.B. Worte sammeln, Fotos machen, Geräusche aufnehmen. Es war irgendwann saukalt, aber ein richtig schöner Abend. Die Gruppe hat sich auf dieses ungewöhnliche Format eingelassen und wir haben viel Material gesammelt, dass bei den zukünftigen Proben genutzt werden soll. Und darauf freue ich mich jetzt schon!


Donnerstag:

Vormittags ging es zu meiner Oma ins Heim. Vielleicht einer unserer letzten Besuche ...

Nachmittags dann wieder in die Wohnung, wieder putzen. Diesmal mit tatkräftiger Unterstützung meiner Freundin Carmen, die mir auch extrem schöne Geburtstagsgeschenke mitgebracht hat, die ihr hier im Blog bestimmt noch zu sehen bekommt.
Zwischendurch ein 20-Kilo-Paket Katzenfutter, das ich idiotischer Weise aus Versehen nach Berlin habe liefern lassen, zum Paketshop geschleppt, um es nach Rostock zu schicken.

Abends dann analoge Probe mit den Vorspielern. Da nur zwei Leute Zeit hatten, war es ein gemütlicher Termin im Restaurant gegenüber des Probenraums, aber nicht ohne lustige, technische Ideen für die Inszenierung.

Manchmal erschrecke ich über mich selbst, dass ich für Momente Corona vergesse. Das Ohne-Maske-drinnen-Sein passiert jetzt immer häufiger. Aber es gibt dann dennoch immer noch Situationen, wo ich mich ohne Maske dann doch unwohl fühle – im Flixbus, im Kino, im ÖPNV.

Das Putzen und viele Herumfahren in Berlin erschöpfen mich total. Abends schlafe ich ein wie ein Stein.


Freitag:

Heimweg nach Rostock. Klingt noch etwas komisch, wenn man das so schreibt. Die Busfahrt war dieses Mal wunderbar. Ich habe unzählige Kraniche gesehen, einen Raubvogel (Bussard oder Habicht, ich weiß es nicht), eventuell einen Raben im Flug (das wäre unglaublich!), Rehe, Kühe, Krähen und einen großen Schwarm kleiner Zugvögel. Diese Fülle an Natureindrücken hat mich richtig überwältigt und staunen lassen. Dazu habe ich Folgen vom "Gut zu Vögeln"-Podcast gehört:
https://open.spotify.com/show/7GAKLARXiDgFm8dwNYZsf4


Bei meiner Ankunft holte mein Mann mich am ZOB ab und wir waren in einem wunderschönen Restaurant.  Nach einem abendlichen Hafenspaziergang bin ich sehr müde und erledigt und spüre jeden Knochen.

Zeit für's Wochenende!
 

 

Montag, 11. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 82

 


 
Montag: 

Puuuh, dieser Tag war nicht leicht. Am Vormittag wurde in der Wohnung nochmal ordentlich gewerkelt und mittags ist mein Mann nach Rostock gezogen, um dort schon die ersten wichtigen Sachen (Internet etc.) in der neuen Wohnung zu organisieren.
Jetzt sitze ich hier allein in dieser kahlen Wohnung und komme darauf noch nicht ganz klar. Die Emotionen kicken jetzt erst rein und der Trauer- und Änderungsprozess bricht sich immer mal Bahn.

Abends gibt es einen Totalausfall von Facebook und WhatsApp, über mehrere Stunden. Somit ist bei dem Kollegialen Austausch auch nur die Mini-Belegschaft aus zwei Kolleg*innen und mir anwesend. Die beiden haben mich auf anderweitem Wege angeschrieben und nach dem Zoom-Link gefragt. Das war aber eine richtig, richtig schöne Runde. Mit den beiden quatsche ich einfach immer wahnsinnig gern.

Wie immer, wenn mein Mann nicht da ist, gehe ich viel zu spät schlafen. Um 1:30 Uhr nachts.😜





Dienstag:

Auch der heutige Tag war wieder emotional. Ich hatte meinen vorerst letzten analogen Termin mit Nick in Tegel. Gemeinsam mit meiner Kollegin, die die analogen Stunden bei ihm übernehmen wird, waren wir am Tegeler See und haben den Testlauf zu unserem neuen Audiowalk gemacht.
Nach einer weiteren spätabendlichen Session ist er nun auch online:
https://orangeplaty-berlin.blogspot.com/p/audiowalks.html
Enjoy!

Als wir dort am See standen, am Endpunkt des Audiowalks, kam ein kleines Rotkehlchen angeflogen, setzte sich auf einen Stein vor uns und schaute uns mit zur Seite gelegtem Kopf an. Was für faszinierende kleine Lebewesen.

Bei einer Spielerin meiner Mittwochsgruppe, die letzte Woche ja ihren letzten Termin mit mir hatten, habe ich das fertige Magazin zu ihrer Inszenierung abgeholt. So ein selbstgestaltetes Druckerzeugnis in den Händen zu halten, ist immer wieder total faszinierend.

Die Abschiede sind gerade alle sehr präsent. Es fühlt sich nicht wie ein Abschied von Berlin an, auch weil ich ja ständig hier sein werde. Es ist ein Abschied von einer Lebens- und Arbeitsweise, die ich über Jahre etabliert habe. Und dieser Wechsel ist so neu und ungewohnt. Aus den vertrauten Bahnen auszubrechen und sich an einem neuen Ort neu zu orientieren. Zumindest teilweise (ein großer Berlin-Arbeitsteil bleibt ja bestehen).

Freunde und Familie haben mir noch Hilfe für die letzten Tage angeboten, aber momentan ist das eher schwierig, weil ich mich gar nicht gut auf andere konzentrieren und schon gar nicht Aufgaben für sie aussuchen kann. Ich empfinde es gerade am einfachsten, mit den letzten ToDos allein zu sein.

Es ist ein komischer Zustand so kurz vor dem Umzug. Die Wohnung ist leer und total unwohnlich. So unwohnlich, dass es sich für mich anfühlt, als hätte ich gerade gar kein richtiges "Zuhause". Einfach weil es leer und abweisend ist. Einerseits macht es den Abschied leicht, weil man an diesen leeren Räumen nicht mehr hängt, andererseits ist es gleichzeitig auch kräftezehrend und auslaugend.
Morgen werden die Katzen abgeholt und ich möchte sie gar nicht gehen lassen. Ich weiß, ich sehe sie am Freitag wieder, aber man ... sie in ein fremdes Auto zu setzen und wegfahren zu lassen, fällt mir echt nicht leicht.




Mittwoch:

Die Katzen sind schnell und unkompliziert in Rostock angekommen und ich bin sehr, sehr erleichtert. Derweil räume und packe und schraube ich hier in der Wohnung rum.

Mittags gehe ich im Restaurant essen. Diese Pause brauche ich dringend.

Der Gedanke, abends einfach wieder einen entspannten Online-Kurstermin zu haben, macht mich richtig happy. Gerade in Momenten wie diesen ist das in einer Stadt wie Berlin, in der die Wege sehr lang sind, eine ungeheure Zeitersparnis.

In meinem neuen Basiskurs kommen die Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands. Wie cool ist das bitte? Sie hätten sich vermutlich sonst nie kennengelernt. Ich freu mich darauf, in den nächsten Wochen mit ihnen viel ausprobieren zu können.


Donnerstag:

Theater ist immer wieder eine Quelle der Freude und des "Upliftings". Nachdem ich gestern abend mit dem Kurstermin fertig war, habe ich noch kurz mit einem teilnehmenden Freund gequatscht und wir waren beide fasziniert davon, wie auch online gemeinsame Bilder und Miteinander entstehen können. Das hat mich richtig gehoben und fröhlich gemacht. Und bereit für den morgigen Tag.

Tagsüber habe ich heute alles in der Wohnung fertig gemacht, was vor dem Umzug noch zu tun war. Und jetzt mag ich für die nächsten 10 Jahre eigentlich nichts mehr putzen.

Die abendliche Vorspiel-Probe findet ebenfalls über Zoom statt, weil viele heute keine Zeit haben und sich der Remote-Abend dann gar nicht lohnt.


Freitag:

ICH BIN DA!!!!
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

ICH BIN IN ROSTOCK!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der Tag war nervenaufreibend und wahnsinnig anstrengend. Aber nach vielem Bangen und Warten ist alles angekommen. Nicht alles ganz heil, aber alles ist da. Und ich bin auch endlich da, nach einer ewig langen Busfahrt mit viel Verspätung und viel Stau.

Eigenartig. Hier wohne ich jetzt. Verrückt! Es fühlt sich gleichzeitig total normal und total abwegig an.




Samstag:

Heute ist der erste komplette Tag in Rostock.
Er beginnt mit Frühstück am Hafen. Das darf gern jeden Tag so sein. Mal sehen, ob wir den morgendlichen Hafenbesuch als Ritual etablieren können. Der Weg ist auch wirklich kurz.

Merke: Mittags haben am Wochenende nicht so viele Restaurants auf.

Viel, viel gelaufen sind wir heute. Durch unseren Bezirk und am Hafen entlang.
Um uns in der Wohnung überhaupt irgendwie bewegen zu können (wir sind ja in eine Wohnung gezogen, die ein Drittel so groß ist wie unsere vorherige), tragen wir gerade ganz viel Kram in den Keller, den wir jetzt nicht sofort brauchen.
Merke: Wenn man handwerkliche Hobbies hat, füllt man damit unzählige Umzugskisten.

Abends gehe ich nochmal einkaufen (wir haben einen Supermarkt hinter dem Haus ... LUXUS!) und nehme Erdnüsse in der Schale mit – weil sie lecker sind und wegen dieses Artikels, der mich zu einem anderen Artikel geführt hat, indem gesagt wird, dass Erdnüsse ein Top-Nahrungsmittel für Krähen sind:
https://bigthink.com/neuropsych/crows-higher-intelligence/#Echobox=1633408590
Und Krähen finde ich ziemlich großartig!


Sonntag:

Heute ging es dann doch nochmal ein bißchen um's Thema Theater, denn nach dem morgendlichen Hafenbesuch (dieses Mal eine ganz andere Ecke), hatte ich online das Planungstreffen mit meinem Kollegen Nils für unseren morgigen SNACK-Workshop zum Thema "Namens- und Kennenlernspiele". By the way: Es gibt noch freie Plätze:
https://www.nilsholst.de/fortbildungs-snacks

Ich kann natürlich noch nicht sagen, ich sei "angekommen", aber ich fühle mich richtig wohl hier. Zum Sonnenuntergang waren wir heute endlich am Meer. Das war traumhaft schön und hat mir wieder gezeigt, warum ich hierher wollte. Und wir hatten eine Möwe zu Besuch, die sogar eine Erdnuss gegessen hat. Aber nur geschält und ohne Haut. Ziemlich picky.;)

Morgen startet wieder eine volle Woche, in der ich nach Berlin fahren und in der alten Wohnung putzen muss. Die Vorfreude auf die komplette Abgabe der Wohnung Ende Oktober ist SEHR groß. Und dann wird eine neue Arbeits- und Lebensroutine etabliert.



Freitag, 1. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 81



 
Montag: 

Super, bin erkältet.😐  Brauch ich genau jetzt im Endspurt vor dem Umzug. Habe mich schon zweimal selbst getestet. Wohl kein Corona.
Passend dazu meine Periode. Wow. Ganz großes Kino.

Der Tag ist voller ebay-Kleinanzeigen-Abholungen und abends treffe ich mich mit meinem Papa, der mit mir zu irgendeinem Event gehen will, das ich noch nicht wissen darf.


Dienstag:

Gestern Abend war ich erstmalig IM Theater seit Beginn der Corona-Krise. Mein Vater hat mich als nachträgliche Geburtstagsüberraschung zu "Die Dreigroschenoper" ins Berliner Ensemble eingeladen. Es war zunächst mal sehr eng und warm und es bestand Maskenpflicht, die ich mir
sowieso selbst auferlegt hätte bei den Sitzverhältnissen.
Aber die Inszenierung hat Spaß gemacht (auch wenn ich mir irgendwie einen charmanteren Mackie Messer gewünscht hätte) und ich möchte endlich auch mal ein Stück mit Glitzervorhang inszenieren. Muss ich mit den Vorspielern machen!
Und ich hab jetzt eben auch endlich mal die Dreigroschenoper gesehen. Nach 37 Lebenjahren in Berlin.😂

Habe einen interessanten Artikel entdeckt:
https://www.spektrum.de/news/interozeption-signale-aus-dem-koerperinneren/1916227?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Rest des Tages: Homeoffice im Bett und viele Kleinanzeigen-Abholungen. Die Wohnung leert sich stetig.


Mittwoch:

So laaaangsam geht's hier gesundheitlich wieder entspannter zu. Der Tag begann mit einer ebay-Kleinanzeigen-Abholerin, die mir als Dankeschön Donuts mitgebracht hat. Wie geil ist das denn!!! Ich war begeistert.:)

Der rote Küchenschrank, der uns seit unserer ersten gemeinsamen Wohnung begleitet, wurde heute zusammen mit zwei unserer Barcelona-Möbelstücke abgeholt und zu meiner Mutter gebracht. Also irgendwie ein Abschied und ein bißchen traurig, aber es bleibt in der Familie und wird von mir dann ja alle paar Wochen besucht.

Auch heute abend stehen Neuanfang und Abschied nebeneinander. Es findet der Schnuppertermin für meinen neuen Online-Basiskurs statt, und danach verabschiede ich meine Mittwochsgruppe, die letzte Woche ihre Online-Inszenierung aufgeführt hat. Ob und wie sie jetzt ohne mich (oder mit gelegentlicher Unterstützung von mir?) weitermachen, wird heute besprochen.


Donnerstag:

Ach Mensch, schön war's gestern. Ein sehr entspannter, angenehmer Abend. Ich bin noch ein bißchen ... hm ... wehmütig, dass die Mittwochsgruppe jetzt nicht mehr "meine" Gruppe ist. Es war wirklich schön mit ihnen. Aber wer weiß, was sie jetzt gemeinsam auf die Beine stellen. Da wird sich was finden.
Und der neue Kurs war auch sehr lustig. Da hoffe ich, dass genügend Menschen weitermachen wollen. Wobei ich auch gewillt bin, einfach mit einer sehr kleinen Gruppe zu starten.


Freitag:

Mit den Vorspielern war es sehr lustig, wir waren vorher noch zum Abschiedsessen im Restaurant gegenüber vom Probenraum. Wir haben den Großteil der Zeit mit dem Versuch verbracht, irgendeinen Videochat mit einer JBL-Bluetooth-Box zu koppeln. Ging nicht. Why???? Wenn jemand einen Tipp hat, her damit. Wir haben es jedoch nur mit mobilen Endgeräten (Tablet und Handy) probiert. Muss ich mal recherchieren.
Ansonsten fühlen sich die Proben so komplett ungeimpft und ohne Maske wieder ziemlich "normal" an. Was jedoch verschwunden ist: Wir umarmen uns nicht mehr alle zu Begrüßung und Abschied. Aber irgendwann kommt das bestimmt auch wieder.

Fühle mich heute nach dem Aufstehen immer noch ziemlich zerknickt und angekränkelt. Lese zum Einstieg in den Tag diesen interessanten Artikel von einem Legastheniker:

https://www.stern.de/familie/leben/tag-der-legasthenie--erfahrungen-eines-22-jaehrigen-mit-lese-rechtschreib-schwaeche-30728424.html
In dem Abschnitt, in dem er über Sprachunterricht in der Schule schreibt, und wie er gezwungen wurde, Latein statt Französisch zu wählen, dachte ich wieder, dass wir Deutsche Gebärdensprache unbedingt mit in den Schulunterricht aufnehmen sollten. Sie ist so wichtig und praktisch. Einfach eine andere Form auf Deutsch miteinander zu kommunizieren.
Denn damit ist es wie mit dem Rest der Barrierefreiheit: sie nutzt nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern allen. Wie cool ist es, in einer Gesprächsrunde ohne Unterbrechung jemanden still nach einem Stift zu fragen? Oder immer noch Gespräche führen zu können, selbst wenn man so erkältet und heiser ist, dass man nicht mehr Lautsprache sprechen kann. Oder während eines Lockdowns von Fenster zu Fenster zu kommunizieren ohne den Innenhof zuzubrüllen.
Als ich nachmittags mit meiner Mutter telefoniert habe, die als Lehrerin an einer Gesamtschule arbeitet, haben wir genau darüber auch gesprochen. Dass es einfach wichtig ist, allen Lernenden soviel Zeit zu geben wie sie brauchen. Sie ist die einzige Lehrerin an ihrer Schule, die den Schüler*innen einfach länger Zeit gibt, wenn diese sie benötigen. Und die Schüler*innen können im Theaterunterricht z.B. auch gern in ihrer Muttersprache sprechen, was gerade bei Familienszenen zu einem viel authentischeren Spiel führt. Die Schüler*innen sind deshalb immer ganz überrascht, weil sie das bei den anderen Lehrkräften nicht dürfen. Aber das ist doch genau das, was Inklusion bedeutet. Was ist denn los an den Schulen? Leute!

Jetzt geht's ins Wochenende, wobei da nicht gechillt, sondern in der Wohnung nochmal richtig rangeklotzt wird. Endspurt!