Freitag, 11. Juni 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 65




Montag:

Die Woche beginnt mit der Aufhebung der Impfpriorisierung! Ich habe mich heute früh eine Weile nervenaufreibend durchgeklickt und einen Impftermin ergattert. Am 21. Juli ist es soweit, kann es kaum glauben.
Gleichzeitig bin ich momentan sehr genervt von den ganzen Lockerungen und den Testpflichten etc. pp., die damit zusammenhängen. Ich verstehe, dass alle gern raus wollen, Menschen treffen und so. Aber ich muss das halt organisieren und abklären und alle informieren. Und mich natürlich dementsprechend auch selbst testen lassen. Von mir aus dürfte es gern alles online weitergehen, weil das soviel einfacher und entspannter ist. Aber das ist natürlich nicht in jedermans Interesse. Vielleicht will ich aber auch einfach nur rumnörgeln. ;)

Spontan habe ich mich heute noch mit meinem Freund Nils Holst zusammengezoomt und eine neue kleine Fortbildungsreihe geplant. Mehr dazu erfahrt ihr ganz bald.


Dienstag:

Der Tag begann analog (!) mit Nick in Tegel. Wir haben uns in den letzten Monaten an einem Krimi-Theaterstück abgearbeitet, ein bißchen Rollenarbeit gemacht und sind zu zweit das komplette Stück durchgegangen. Heute haben wir den Schluss gelesen, draußen am See, und im Anschluss als neues Projekt erste Ideen für unseren neuen Audiowalk gesammelt. Am Tegeler See gibt es übrigens kanadische Wildgänse, ich war ganz verliebt.

Meine Allergie macht mich derweil fertig, die Gräser stehen in voller Pollen-Blüte.

Abends steht ein weiterer Termin an, hybride Arbeit auf dem Tempelhofer Feld. Zwei LAG-Teilnehmende führen heute ihre eigene Anleitung durch. Da noch nicht alle analog dabei sind, arbeiten sie auch auf dem Feld hybrid. Bin ganz gespannt wie das abläuft und werde berichten.




Mittwoch:

Der gestrige Abend hat einfach GEKLAPPT! Wahnsinn! Ich bin ganz begeistert, auch diese Erfahrung gemacht zu haben. Außerdem durfte ich gestern mitspielen und habe meine Rolle (Peggy, 47, Ranch-Besitzerin, die in einer Bar arbeitet) sehr genossen.

Ich glaube nur, mein Körper war von der schlechten Ernährung des gestrigen Tages und der neuen analogen Situation, der Hitze etc. etwas überfordert und mein Darm hat heute den ganzen Tag rebelliert.
Es ist jetzt eine Phase der Umgewöhnung dran, sowohl an den Sommer, was mir körperlich immer schwerfällt, weil ich Hitze HASSE, als auch an die neue Arbeitssituation, die jetzt wieder viel analoger wird. Der heutige Tag ist sau-anstrengend und ich bin echt durch.

Heute ist aber nur Homeoffice angesagt, mit meiner Gruppe findet die Probe online statt und sie sind total lieb und akzeptieren, dass ich mich nach der WarmUp-Runde (die heute von zwei Gruppen-Teilnehmenden angeleitet wurde!) rausziehe.

Ein sehr interessanter Artikel über Erinnerungen:
https://www.nzz.ch/gesellschaft/wie-wir-uns-laufend-neu-erfinden-ld.1627838?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE





 
Donnerstag:

Boah, nach dem gestrigen Horror-Tag geht es mir heute so langsam wieder besser. Klopf auf Holz! Die Hitze macht mich auch wirklich richtig fertig. Hier ein passender Comic:
https://www.facebook.com/photo?fbid=331268358367823&set=a.219859032842090

Mittags ist partielle Sonnenfinsternis. Mein Mann hat in einen Pappkarton oben einige winzige Löcher gestochen. So können wir das Spektakel als kleines Bild auf der Innenseite des Kartons sehen.

Und ein interessanter Artikel zur aktuellen Gefühlslage:
https://www.spiegel.de/kultur/gegen-den-post-corona-burnout-a-23dad8e3-257c-49e5-b7ad-9d16bc6dfd9e
Mir geht es ja genauso, mir ist das alles noch zuviel. Ich will grad weder ins Freiluftkino, noch zu Theatervorstellungen, noch in Ausstellungen. Ich will grad keine Tests machen, um irgendwo reinzudürfen. Das ist mir alles zu anstrengend und aufwendig. Ich taste mich lieber ganz langsam voran. Morgen gehe ich mit meinem Mann in den Botanischen Garten. Dort spazieren und picknicken wir.

Wo wir bei Botanischer Garten sind: Ich habe ja überhaupt keinen grünen Daumen, aber fand diesen Artikel über Zimmerpflanzen sehr erhellend:
https://www.fluter.de/zimmerpflanze-geschichte-zeitstrahl
Schön ist aber, dass mein Mann totaler Pflanzenmensch ist, und wir auf dem Balkon eine Blumenwiese im Mini-Format haben. Außerdem wachsen gerade kleine Kürbisse und Tomaten heran und Kräuter gibt es auch jede Menge.
 
In der größten Hitze mache ich jetzt schon mal Werbung für eine Winter-Veranstaltung. Ich habe die Ehre, Anfang Dezember für das Multiplik-Fortbildungsprogramm des Bundesverbandes Theaterpädagogik (BuT) ein Workshop-Wochenende zu geben. Rein digital (ihr könnt also von überall aus teilnehmen – juhuuu!) und zum Thema "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens. Ich freu mich drauf und fänd es grandios, wenn viele von euch Lust haben, dabei zu sein. Anmelden könnt ihr euch hier:
https://www.butinfo.de/fortbildung/6-die-geister-die-ich-nicht-rief-eine-weihnachtsgeschichte-in-zoom

Nachricht des Tages: Der Veranstaltungsort für unsere Abschlussinszenierung der LAG steht fest! Ich freu mich total auf den Ort und werde noch mehr berichten.




 


Freitag:


Die Freuden der Selbständigkeit: sich vormittags eine Auszeit im Botanischen Garten nehmen können. Momentan kommt man nur mit Terminvereinbarung rein und hat dann ein Zeitfenster von vier Stunden. Dadurch ist es gerade wunderbar leer. Große Empfehlung!

Zum Arbeiten war es dann aber eigentlich auch zu warm. Ich habe nur Kleinigkeiten im Homeoffice erledigt und ansonsten gelesen.

Am Wochenende soll es kühler werden, da will ich dann einiges nachholen, für das die Hitze die letzten Tage zu groß war. Magazin und Hörspiel stehen weiterhin auf dem Plan.

Ich wünsche euch ein entspanntes Wochenende!



Freitag, 4. Juni 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 64


 

 

Montag:

Ich beginne diesen Tagebucheintrag direkt am Abend, denn heute ist Grund zum Feiern: mein Kollege und einer meiner engsten Freunde Nils Holst und ich haben endlich zum ersten mal zusammen gearbeitet. Heute fand unser Workshop "Immer, Nie und Sowieso! – Status meets Transaktionsanalyse" statt. Wir hatten eine lustige, fröhliche Gruppe am Start und hatten wirklich viel Freude mit den Teilnehmenden und miteinander. Wir wollen den Workshop gern nach dem Sommer wieder online anbieten, dann aber etwas länger, weil wir gestern gemerkt haben, dass die Zeit wahnsinnig schnell verflogen ist und wir eigentlich gern noch mehr mit den Teilnehmenden ausprobieren möchten.
Einer der größten Gewinne der digitalen Theaterarbeit ist für mich (und für die Teilnehmenden, denn das melden sie auch zurück) die Möglichkeit sehr unkompliziert überregional und sogar international zu arbeiten. Gestern trafen sich im Workshop der Raum Kassel mit Köln, Peine und Berlin. Wann fährt man in echt mal eben durch Deutschland, um für 3 Stunden an einem Workshop teilzunehmen? Seltenst. Ist ja auch sehr zeitaufwendig und klimatechnisch auch eher suboptimal.
Ich genieße es also sehr, den digitalen Raum nun zusätzlich (!) zum analogen Raum zu haben. Der eine ersetzt nicht den anderen, sondern vergrößert den allgemeinen Spielraum.


Dienstag:

Wo es gestern um den digitalen Raum ging, ging es heute um den analogen. Meine Kollegin Vera und ich haben heute gemeinsam die erste Räumlichkeit besichtigt, die evt. für unsere Abschlussinszenierung bei der LAG in Frage kommt. So einen Termin, die vor Corona standard war, hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Es hat Spaß gemacht, auch der gemeinsame Spaziergang danach, auf dem wir uns noch weiter austauschen konnten.

Jetzt bin ich müde und kann mich nur schwer zum Homeoffice aufraffen. Aber ein bißchen was möchte ich heute noch an dem Magazin werkeln, das meine Theatergruppe gerade gestaltet. Bzw. eigentlich ist das Magazin ein bißchen auf einen Nebenplatz gerückt, denn die Gruppe hat sich ja für eine Online-Inszenierung entschieden. Dennoch ist das Magazin als Begleitung zum Stück gedacht, als eine Art umfangreicheres "Programmheft", das der Gruppe Raum für kleine künstlerische Spielereien gibt, die mit ihren Rollen im Stück zu tun haben.

Und nochmal zurück zum digitalen Raum:
Im Dezember (ich weiß, eeeeeewig hin!) habe ich die Ehre einen Wochenend-Workshop für das Multiplik-Programm vom Bundesverband Theaterpädagogik (BuT) zu leiten.
Das tolle daran: Es können auch Nicht-BuT-Mitglieder teilnehmen (wie ich z.B. ... hihi) und es wird ein Wochenende lang gespielt. Wir haben uns für ein Format entschieden, bei dem die Selbsterfahrung, also des Selbst-Spielen und Ausprobieren im Fokus steht. Menschen, die im Bereich Theaterpädagagogik arbeiten, nehmen natürlich aus dem Wochenende lauter Spielideen mit, die sie in ihrer eigenen Arbeit umsetzen können. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Das allertollste ist, dass es an dem Wochenende um "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens geht. Es können also alle schauspielerisch in die Geisterwelt der Weihnachtsgeschichte eintauchen. Woohooo! Ich freue mich sehr drauf, auch wenn es noch ewig hin ist.
Und wenn ihr interessiert seid, könnt ihr euch hier dafür anmelden. Vorerfahrung braucht ihr nicht, es sind alle willkommen:
https://www.butinfo.de/fortbildung/6-die-geister-die-ich-nicht-rief-eine-weihnachtsgeschichte-in-zoom



Mittwoch:

Gestern abend habe ich noch bei der ersten Forrest-Yoga-Stunde von Marie-Theres Schwinn geschwitzt. Herausfordernd, aber auch gut. Ich drücke mich ja meist vor sportlicher Betätigung und war dann am Schluss doch stolz, dass ich mitgemacht habe. Wenn ihr auch Lust habt – hier entlang:
https://www.unterhaltungsmatrosin.de/yoga/

Diese Woche ist voll, voll, voll. Heute vormittags bei meiner Oma im Heim gewesen. Habe ihr aus dem neuen Roman vorgelesen, den ich gerade angefangen habe: "Manhattan Beach" von Jennifer Egan. Mal wieder ein Buch einer AutorIN, was bei mir wirklich selten war bisher. Nicht absichtlich, aber männliche Autoren fallen eben eher in den Blick, leider. Dieses Buch hat mir meine Mutter geliehen, schon vor 2 Jahren oder so. Jetzt endlich habe ich angefangen. Die Geschichte hat mich richtig gepackt, ich freue mich total auf alles, was darin noch passieren mag. Es ist ein richtig dicker Wälzer und ich bin ganz froh, dass ich die deutsche Übersetzung lese, das geht mir dann doch leichter von der Hand. Mit der Buch-Challenge (jeden Monat mind. ein Buch) komme ich voran und habe es bis jetzt jeden Monat geschafft. Manchmal waren es sogar zwei Bücher. 

Abends mit der Theatergruppe Magazin-Update (es wird, es wird) und Diskussionen über die Art wie die Geschworenen in der Online-Inszenierung abstimmen. Denn es gibt ein paar Personen, die im Stück zwei Rollen spielen, also bei Abstimmungsrunden sich rein theoretisch zweimal melden müssen. Ist noch nicht ganz geklärt, aber es wurden alle möglichen Optionen durchgesprochen.


Donnerstag:

Der vollste Tag der Woche: Yoga, Live-Talk auf Facebook (hier geht's lang: ), Besichtigung eines möglichen Spielortes für die Abschlussinszenierung der LAG, kurzer Besuch bei meiner Freundin, die neben diesem Spielort wohnt, Telefonat und dann Theatergruppe Vorspiel.
Solche Tage mag ich aber auch ganz gern, wenn ich mir gleich von vornherein klar mache, dass ich Homeoffice-Aufgaben gar nicht erst anfangen brauche.

Der besichtigte Spielort war ein Traum und danach saßen meine Kollegin und ich noch lange auf der Terrasse meiner Freundin Eva und quatschten über Theater und gemeinsame Kontakte. Das habe ich sehr genossen, mal wieder Zeit dafür zu haben und dank niedriger Inzidenzen, ersten Impfungen und einem negativen Testergebnis am Tag vorher deutlich entspannter miteinander umzugehen.

So langsam drängt es alle Gruppen nach draußen, auch mit den Vorspielern und der "neuen" Theatergruppe geht es in den nächsten Wochen raus.
 
 
Freitag:

Der Tag heute ist größtenteils Freizeit. Ich habe meine Freundin Katja besucht, mit ihr draußen bei Flammkuchen und Kokos-Schoko-Tarte vor einem Café gesessen und auf der langen S-Bahn-Fahrt viel gelesen.

Zuhause angekommen, muss noch einiges im Homeoffice erledigt werden. Durch die Lockerungen entsteht gerade ganz viel Organisationsarbeit. Wann besichtigt man was? Wann gehen wir raus? Was sind die aktuellen Bestimmungen? Wer bringt was mit? Was kommt alles ins Magazin? Haben wir schon alle Kapitel für's Hörbuch aufgenommen? Welche Möbel und Gegenstände will ich loswerden? Warum sind die Menschen bei ebay-Kleinanzeigen so anstrengend? ... usw.

Noch bin ich ein bißchen im Lockdown-Kokon, aus dem ich mich nur langsam herauswage. Mir ist noch gar nicht nach vielen Unternehmungen. Auch das Testen schreckt mich ehrlich gesagt ab. Ich habe zwar Selbsttests zuhause, aber für die habe ich ja keinen Nachweis. Das heißt, ich müsste in ein Testcenter, aber da reiße ich mich auch nicht so drum. Das ist irgendwie alles so umständlich, "nur" für ein kulturelles Event. Wie geht es euch damit?

Weiter darüber sinnierend gehe ich so langsam ins Wochenende, das dieses Mal frei ist. Juhuu!