Freitag, 30. März 2018

#freitagsgedanken – Leichte Panik


Leichte Panik

Eine Woche liegt noch vor mir. In einer Woche muss Teil 1 meiner Meeres-Trilogie fertig sein.

Was habe ich bis jetzt? Ein Kostüm, einen Plan für´s MakeUp, eine Idee für die Hintergrundsounds und etwa zwei Drittel des Textes in meinem Kopf.
Inszenierung bis jetzt? Null.
Und ich spüre eine leichte Panik in mir aufsteigen. Die Panik, die auch meine Kursteilnehmer regelmäßig wenige Wochen vor den Aufführungen spüren. Die "Wir haben NICHTS geschafft!"-Panik.

Und so unangenehm diese Panik auch ist, bin ich froh, sie mal wieder zu erleben. Mir genau den Stress zu machen, den sich meine Teilnehmer auch machen. Das Adrenalin ein bißchen aufputschen und endlich ins Machen kommen.
Denn schon länger stand ich nicht mehr auf der Bühne ... genaugenommen seit etwa einem dreiviertel Jahr!

Diese 15 Minuten, die ich gerade erarbeite, sind schwieriger als ich dachte. Der Text geht schwerer in den Kopf als angenommen. Die Sprache Fouqés macht mich fertig, die Füllsel-Wörter sind einfach nur beliebig im Text verteilt.

Doch das schöne ist: ich weiß, ich werde es schaffen.
Es gibt eine Deadline und deshalb keine Möglichkeit, auszuweichen. Es muss getan werden, was getan werden muss.
Und das ist auch irgendwie beruhigend. In gewisser Weise.

Ich werde allein auf der Bühne stehen.
Das habe ich das letzte Mal vor vier Jahren gemacht, in meinem Solostück "The Lost Companion". Damals habe ich gesagt, dass ich das nie wieder mache.
Und zack, hier bin ich und mache doch wieder ein Solo. Aber nur ein kleines Solo. Und eines, das mir niemand schlechtreden kann, eines, für das ich nicht gemobbt werde, eines, das keinen Shitstorm auslöst. Immerhin. Das gibt mir Entspannung, erhält mir die Freude an der Schaffenskraft.

Und die ist trotz nervigen Textes und Zeitdrucks noch immer da!
Schon jetzt schweife ich im Kopf immer wieder zu Teil 2 und 3 meiner Meeres-Trilogie ab, für die es noch gar keinen Text, aber schon viele Ideen gibt.
Ich zwinge mich in diesen Momenten zur Achtsamkeit, zum Hier-Sein, Im-Moment-Sein.

Gleich werde ich mich weiter an den Text setzen, weiter lernen und ihn immer und immer wieder wiederholen.
Damit ich euch in einer Woche ein wunderbar trauriges und mystisches Märchen erzählen kann.




Mittwoch, 28. März 2018

#monthlyfavourites – März-Lieblinge



Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im März! 




Zum Arbeiten

Endlich, endlich, endlich konnte ich mir Periodenunterwäsche von Thinx leisten!
Gerade für die Arbeit habe ich mir schon lange eine gut sitzende, bequeme Alternative zu Standard-Hygieneprodukten gewünscht. Und jetzt habe ich sie! Diesen Monat kam die Lieferung aus Amerika an und ich konnte sie ausgiebig testen. Die Slips sehen gut aus, passen perfekt und dienen quasi als Binden"ersatz". Sie sind mehrlagig mit einem saugfähigen Kern. Bei starker Blutung ist eine zusätzliche (Stoff-)Binde praktisch, weil ein häufiges Wechseln der Wäsche unterwegs eher lästig ist. Aber zu Hause sind sie auch solo perfekt, besonders ab Tag 3.
Nach dem Tragen braucht man sie nur unter kaltem Wasser ausspülen und kann sie dann in der nächsten Wäsche bei 30 Grad mitwaschen. Alternativ kann man sie natürlich auch nach dem Ausspülen per Handwäsche mit etwas Waschmittel richtig waschen und dann trocknen lassen (nicht in den Trockner!), um sie am nächsten Tag gleich wieder zu tragen. Ich besitze jetzt 5 Paar und die Handwaschmethode funktioniert gut, so habe ich immer mindestens ein paar saubere, trockene parat.
Zusätzlich habe ich mir noch Stoffbinden bestellt, die ich aber erst im nächsten Zyklus testen kann. Ich hoffe, somit endlich eine umweltschonende langfristige Variante für meine Periode gefunden zu haben, die keine Wegwerfprodukte beinhaltet. Und falls es jemand vorschlägt: Menstruationstassen mag ich nicht.;)

Vom Verlag "Ein guter Plan" sind außerdem neue Sticker (endlich auch viele ganz kleine!) und ein To-Do-Listen-Notizblock eingezogen.


 
Zum Aufhübschen


Anfang März war ich mit Mutter und Bruder für ein Wochenende in Rom. Neben ausgiebigem Sightseeing und Essen wurde viel geshoppt. Mein Bruder stockte seine Garderobe ordentlich auf und ich suchte mir einfach die gleiche Hose aus, die er auch kaufte. Jetzt können wir im Partnerlook laufen. Besonders toll an der Hose: da sie für Männer geschnitten ist, sind die Taschen endlich mal so groß, dass die Hände wirklich reinpassen – und auch andere Dinge!

Mein Bruder kaufte sich und mir dann noch dieses geniale Sonnenbrillenmodell. Jetzt in den ersten Frühlingssonnenstrahlen das perfekte Accessoire!

Für´s Handgepäck suchte ich nach einer handlichen Variante eines Stylingproduktes für die Haare. Mehr als 100 ml durfte nicht in der Tasche dabei sein und meine vorherige Stylingcreme war ziemlich ausgetrocknet, weil ich sie aus Versehen offen gelassen hatte.
Von dieser von Syoss hier bin ich sehr begeistert. Man sieht nichts, sie riecht gut, klebt nicht und gibt einen leichten Halt, Struktur und einen natürlichen Look. Gibt´s in der Drogerie.

 

Zum Lesen

Die Hauptlektüre in den letzten Wochen ist der Text zu Teil 1 meiner Meeres-Trilogie. Es sind insgesamt etwa 3,5 Din A4-Seiten und ich verzweifle etwas am Auswendiglernen, weil der Text nicht gerade leicht in den Kopf geht. Dafür ist die märchenhafte Sprache aber wirklich wunderschön.

Zwischendurch habe ich dann in CORD gelesen, quasi dem neuen Männermagazin der Zeitschrift Flow. Die Idee ist nett, das Heft richtig schön gestaltet, die Artikel unterhaltsam – aber ich würde mir jetzt eine Zeitschrift wünschen, die wie flow und CORD zusammen ist. Was soll immer diese Trennung in Geschlechter? Eine Zeitung für Menschen reicht doch auch, oder?!



Zum Essen

Anfang März hat es mich gleich erwischt und ich lag erstmal mit einer Erkältung flach. Der Husten hat sich lange hartnäckig gehalten. Jetzt ist er so ziemlich weg, aber in der Zwischenzeit habe ich mehrere Packungen Kinder Em-eukal aufgebraucht.



Zum Stöbern

Habt ihr schon die Seite der Hütchenspieler gesehen? Sie sind die Gruppe, die in meinem aktuellen Kurs entstanden ist und haben eine tolle Facebookseite, auf der sie seit einiger Zeit ihre einzelnen Mitglieder vorstellen. Schaut unbedingt rein:
https://www.facebook.com/H%C3%BCtchenspieler-1889221407786114/




Zum Hören

Nach Italien hat mich auf meinem iPod eine Playlist mit italienischen Songs begleitet. Hier ein paar meiner Favoriten:












Zum Anschauen


Zuerst mal: Geht ins Theater!!! Diesen Monat habe ich zwei geniale Inszenierungen gesehen. Die erste war sehr lang und sehr mitreißend: "Sommergäste" im Deutschen Theater.





Viel kurzweiliger, aber dafür nicht weniger unterhaltsam und von den Figuren her höchst interessant ist "Tropfen auf heiße Steine" von Rainer Werner Fassbinder, ebenfalls im Deutschen Theater. Hier ein paar Worte von Schauspieler Bernd Moss über das Stück:




Und natürlich war diesen Monat Jessica Jones dran! Die neue Staffel war überraschend gut und gefällt mir von allen bisher am besten. Auch wenn Trish mich wahnsinnig genervt hat.





Im Kino war ich diesen Monat auch, und zwar in "The Shape of Water" – wunderschöner Film, einfach ein Augenschmaus!





Zum Schluss mal wieder BBC. Es gibt auf Netflix eine neue Reihe von "The world´s most extraordinary homes" und dieses hier ist nur eines davon:

Mittwoch, 21. März 2018

"Sommergäste" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de



"Du bist so brutal!"

Uff! Ein riesiges Ensemble-Stück von einem russischen Autor. Das klingt nach Unterhaltung, nach Drama und gleichzeitig Belanglosigkeit. Also genau das richtige für mich.
Ich kaufte eine Karte und schaute nicht drauf. Und dann las ich irgendwo etwas von 4 Stunden. Und ich dachte: Ach du scheiße, was habe ich getan?!

Aber man muss sich Herausforderungen stellen. Ich habe schon mal 6 Stunden Theater geschafft, da sollten auch 4 Stunden und 15 Minuten zu schaffen sein.

Machen wir es kurz: es waren die besten 4 Stunden und 15 Minuten, die ich seit langem auf der Theaterbühne gesehen habe.
Wegen des Bühnenbildes? Nein. Wegen der Musik? Nein. Wegen der Kostüme? Nein.
Wegen des Schauspiels!
Die 15 Schauspieler ziehen einen die ganze Zeit in ihren Bann, mit einer Intensität und Spiellust, die ihresgleichen sucht. Die Charaktere entfalten mit jeder Minute eine größere Komplexität und mit jedem Satz wechseln meine Sympathien zwischen den Figuren.

Wie eine Soap breitet sich dieses Theaterstück aus, wie die ganze Staffel einer geliebten Netflix-Serie. Wir Zuschauer lernen die Figuren intensiv kennen. So intensiv, dass unsere Zuneigung zu bestimmten Figuren wächst, dass wir die Augen verdrehen, wenn sie dumme Entscheidungen treffen, und dass gleichzeitig andere Figuren immer unbeliebter werden. Wir nehmen einige in Gedanken in Schutz und verurteilen die anderen.
Und merken irgendwann, dass jede dieser Figuren im Eimer ist. Unzufrieden, unglücklich und gefangen in der eigenen Handlungsunfähigkeit.
Die beiden jungen Menschen Sonja und Semin strahlen eine Leichtigkeit aus, die erfrischt und fast ein bißchen Hoffnung gibt ... aber nur fast.

Während ich in diesem langen Stück in der dritten Reihe sitze, entsteht eine unglaubliche Spiellust. Der Wunsch ebenso tief in Emotionen abzutauchen. Der Wunsch, mit diesem Ensemble zu leiden.

Die Schönheit und Frische des Stückbeginns ist am Ende aus den Gesichtern verschwunden. Das Ensemble sieht abgekämpft aus, verweint, verquollen und müde. Und genau dafür liebt man sie. Weil sie all das für einen erlitten und einem diese wunderbaren Stunden geschenkt haben. Danke!


Freitag, 16. März 2018

#freitagsgedanken – Freunde? Muss nicht sein.


Freunde? Muss nicht sein.

Teamarbeit ist ein Thema, das mich seit vielen Jahren begleitet. Im Alltag natürlich schon mein ganzes Leben, aber beruflich ist es wichtiges Thema seitdem ich als Theaterpädagogin selbständig bin.

Ich hab ein Herz für die Teamarbeit. Im Team kann man so geniale Ideen erdenken UND umsetzen, die man allein nicht unbedingt schafft.
Dafür braucht man natürlich ein gut funktionierendes Team. Aber was ist ein gut funktionierendes Team? Ich finde, das ist eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist.
Zumindest ahne ich so langsam, dass diese Frage der Grundstein vieler Teamprobleme ist.
Wann zum Teufel ist man in einem guten Team?

Für mich ist das wichtigste: a good team gets shit done!
Man arbeitet in einem Team, um ein Ergebnis zu erzielen, ein Projekt auf die Beine zu stellen, gemeinsam etwas umzusetzen. Wenn dabei ein gutes Ergebnis rauskommt, ist das auf jeden Fall schon mal mindestens die halbe Miete.
Wenn am Schluss dann auch noch alle am Leben gelieben sind und nicht die Hälfte des Teams flöten gegangen ist, umso besser.

Meine Ansprüche an ein Team sind über die Jahre realistischer geworden. Es haben sich ein paar Werte herauskristallisiert, die ich versuche vorzuleben und meinen Gruppen zu vermitteln:
Wertschätzung untereinander, Respekt, Freundlichkeit, Offenheit, Transparenz, Spaß, Vertrauen, Informationsteilung und individuelle Aufgabenverteilung.
Mit diesen Werten kann ein Team angenehm, befriedigend und gewinnbringend zusammen arbeiten.

Was nicht in der Liste auftaucht: Freundschaft.
In all den Jahren, in denen ich selbst in Teams war, habe ich gemerkt, dass Freundschaft absolut kein Indikator für ein gut funktionierendes Team ist. Freundschaft kann für eine tolle Stimmung in der Gruppe sorgen, aber hat in der Regel keinen Einfluss auf die Arbeitsleistung. Manchmal ist der Einfluss sogar negativ, weil Arbeit liegen bleibt oder verschoben wird, weil keine Ergebnisse gefordert werden, weil keine Konsequenzen durchgesetzt werden.

Früher dachte ich, dass alle Teammitglieder befreundet sein müssen, besonders in einer Freizeitgruppe. Ein fataler Denkfehler. In meiner Freizeitgruppe wollte ich mit allen irgendwie befreundet sein. Das Bemühen um ein freundschaftliches Verhältnis mit meinen Mitspielern hat die Arbeit jedoch enorm erschwert, weil auf einmal private Entscheidungen mit Gruppenentscheidungen kollidierten und Gruppenprozesse extrem verkomplizierten.
In meiner Ausbildung lernte ich dann, dass eine gute Zusammenarbeit auch mit Menschen stattfinden kann, die man doof findet. Ein extrem wichtiges Aha-Erlebnis!

In einem guten Team müssen nicht alle befreundet sein. Das ist auch kaum möglich, denn es kommen nie nur Leute eines bestimmten Typs zusammen. Oft sind sogar sehr unterschiedliche Menschen in einem Team. Mit vielen harmoniert man einfach nicht auf einer persönlichen Ebene. Muss man auch nicht. Respekt und eine gute Aufgabenverteilung – mehr braucht es kaum.
Jeder sollte sich für seine Arbeit gewertschätzt fühlen und die anderen für ihre Arbeit wertschätzen. Mit dieser Wertschätzung ist die Grundstimmung innerhalb der Gruppe positiv und sorgt dafür, dass sich alle angenommen fühlen.
Freundschaften entstehen meist trotzdem – aber sie müssen nicht sein.




Freitag, 9. März 2018

#freitagsgedanken – Mein Bett, meine Liebe


Mein Bett, meine Liebe

Ich liebe mein Bett!
Schon immer habe ich mein Bett geliebt.

Als Kind hatte ich ein Einzelbett, zusammen in einem Zimmer mit meinem Bruder. Mein Bett stand an der rechten Wand, das meines Bruders an der linken. Manchmal hat sich einer von uns abends zum anderen mit ins Bett gelegt zum Kuscheln ... oder zum Kloppen, je nachdem. Das ging ja auch irgendwie stets ineinander über.

Später hatte ich ein Hochbett, eines von der großen Sorte. Darauf lag eine schmale Matratze und ein Teppich und jede Menge Kram, den ich hochgeschleppt habe: Kuscheltiere, Bücher, Süßigkeiten, Walkman, Discman, Puppen, Taschentücher ... Ich war eingehüllt in ein Meer der Wonne und des Mülls.

Später wurde es wieder ein Einzelbett, da war dann nicht soviel Platz für Kram neben mir. Eine Auszeit in meiner intensiven Bett-Liebe.

Als Jugendliche wünschte ich mir dann ein Doppelbett. Ein Ausklappsofa von IKEA sollte es werden, und ich habe es geliebt. Wenn nicht gerade Freunde, Partner oder irgendwelche Dates darin mit mir übernachteten, war auch diese Fläche von 1,40 x 2,00 m vollgeräumt mit allem, was man zum Überleben braucht. Ich lag in der Mitte oder am Rand und suhlte mich in dieser Dekadenz der Lethargie.

In der ersten WG war dieses Sofa mit im Gepäck. Hier wurde es fast noch schlimmer. Mein Zimmer war ein schmaler Schlauch von 12 qm und ich beschloss das Sofa an die linke Wand zu stellen. Wenn ich das Bett nun ausklappte, stand es einfach quer im Raum. Um den hinteren Teil des Raumes betreten zu können, musste ich über das Bett rübersteigen. Selbstredend wurde der hintere Zimmerteil dadurch eher selten genutzt.
Ohne Waschmaschine war das Leben in diesem Bett eher muffiger Natur. Zusätzlich hatte ich eine Katze, die mit mir in diesem Zimmer wohnte. Und einen Nebenjob, der größtenteils aus Nachtschichten im Homeoffice bestand ... alias mein Bett und mein Laptop.
Zusammen mit meiner Katze eingekuschelt in versiffter Bettwäsche, mit Chips, Schoki, Zeitschriften, Pizza, Döner, Cola und Tee um mich herum, saß ich dann dort bis in die frühen Morgenstunden. Zwischendurch fiel ich in den Sekundenschlaf und brachte mich somit meist um den eh schon viel zu geringen Verdienst.

Dann lernte ich online meinen Mann kennen. Er liebte mich trotz meiner engen Liebe zu meinem Bett und schaffte es, mich davon loszueisen.
Besagtes Sofa ging in der WG kaputt und die Matratze, auf der ich dann einfach auf dem Boden schlief, wurde beim Auszug entsorgt. Sein Bett zog als unser Bett ein und ich liebte es heiß und innig. Sofort wurde es wieder zu meinem Bett.

In unseren gemeinsamen Wohnungen gab es immer wieder Phasen, in denen ich weiterhin viel auf dem Bett rumhing. Immer wenn diese Phasen überhand nahmen, wies mein Mann mich darauf hin und ich kam zurück in die Zivilisation.

Mittlerweile ist das Rumlungern auf dem Bett eine Seltenheit geworden. Tagsüber gern mal kurz zum Kuscheln mit den Katzen, aber dann auch nur kurz.
Um ein Versacken zu verhindern, räumen wir das Bett einfach jeden Morgen leer. Wo keine verknautschten Decken rumliegen, neigt man auch nicht dazu, sich zu verkriechen.

Aber wenn ich krank bin, dann ist das Bett wieder meine stetige Heimat.
Diese Woche war ich krank und habe tagelang im Bett gelegen. Heute ist der letzte Tag des Bettliegens und ich bin ein bißchen traurig. Die Liebe zu diesem Bett zieht mich wie ein Magnet an der Matratze fest. Ich komme kaum davon los.
Doch die Bettwäsche ist gewechselt, der Krankheitsvibe aus dem Schlafzimmer entfernt und das Bett leer.
Diese #freitagsgedanken schreibe ich trotzdem noch vom Bett aus. Zwar vom gemachten Bett aus, aber zumindest noch im Pyjama. Yes!

Die Liebe zu meinem Bett wird nie sterben. Aber ab und zu am Schreibtisch sitzen – das ist gar nicht so übel. Und besser für den Rücken.



Freitag, 2. März 2018

#freitagsgedanken – Auffangbecken

 

Auffangbecken

Am Wochenende war Aufführungszeit.
Manchmal sind diese Tage locker und beschwingt, manchmal anstrengend und kräftezehrend, ganz oft beides auf einmal.

Aber immer sind Aufführungstage emotional.

Das Adrenalin putscht einen hoch und macht einen leistungsstark. Auch mit Erkältung schafft man auf diese Weise im Notfall eine abendfüllende Aufführung.
Ein Zaubermittel, das für unterschiedlichste Reaktionen sorgt. Manche fangen an zu Plappern, andere werden ganz ruhig, manche haben körperliche Aufregungssymptome, manche fühlen sich elend, manche aufgekratzt.

Das Adrenalin sorgt aber auch für Druck, die Nerven liegen schneller blank und sorgen mitunter für starke Reaktionen.
Es kann zu einer richtigen Partystimmung kommen, es können Streits entstehen und es können Tränen fließen.

Auch an diesem Wochenende war eine emotionale Zeit. Und als ich Trost spendete, war ich innerlich ganz ruhig und dachte: Das ist mein Job.


Theaterstücke inszenieren, Übungen und Spiele machen und Menschen auf die Bühne stellen – das ist das Bild, das nach außen sichtbar ist. Da bin ich auch stolz drauf, und meine Spieler ebenso.

Aber die eigentliche Arbeit und der eigentliche Gewinn für meine Spieler ist meine Funktion als Auffangbecken. Als Schwamm für all die Stimmungen, für die Missverständnisse, für Unzufriedenheiten, für Spaß, für Albernheiten, für Trauer, für Angst und für Verzweiflung.
Ich fange all das auf und gebe all dem Platz. All die Emotionen gehören zum Menschsein dazu und Theater bietet den Raum, die Maske des Alltags abzulegen und sich fallenzulassen.

Ich bin gern Auffangbecken. Denn die Natur hat mir ein Geschenk mit in die Wiege gelegt: eine unglaubliche Gelassenheit und Entspanntheit. Und somit ein riesiges Fassungsvermögen.
So kann ich der Fels in der Brandung sein.

Ich kann aber auch in das große Becken hineingreifen, wo alles gesammelt ist, was in der gemeinsamen Teamarbeit auftauchte, und immer genau das hinausreichen, was gerade gebraucht wurde. Ich kann Motivation und Sicherheit geben, ich kann Enthusiasmus schüren, aber auch Angst säen. Ich kann Druck nehmen und Druck aufbauen. Ich kann trösten und ich kann antreiben.

Wie ein Springbrunnen nehme ich auf und verteile neu – und sorge somit für Ausgeglichenheit im Team.
Ein toller Job!