Freitag, 20. April 2018

#freitagsgedanken – So viele Ideen ...


So viele Ideen ...

Kennt ihr dieses Gefühl des Inspirations-Overloads? Bei mir ist das oft der Fall, wenn gerade Projekte abgeschlossen sind und neue Projekte entstehen. Wenn neue Gruppen starten, wenn ein neues Theaterstück ausgewählt wurde, wenn ich einen neuen Kurs plane.
Dann dreht mein Kopf vollkommen am Rad.
Alles um mich herum ist Inspiration pur. Ich hänge den ganzen Tag auf Pinterest rum und lege neue Pinnwände an, durchstöbere alte Fotoalben und mein Bücherregal, will hier noch was machen und dort noch was und bin in null komma nix umgeben von 1000 angefangenen Sachen.

Und dann kommt der Moment, wo ich erst einmal durchatmen und mich und meine Ideen sortieren muss. Was will ich wirklich angehen?
Ist das wirklich wichtig?
Ist das JETZT wichtig?
Was davon ist eine Schnapsidee und was davon könnte wirklich toll werden?
Gibt es auch eine Idee, von der du dich mal verabschieden könntest?
Welcher Ballast ist noch da, der weg kann?

So ging es mir diese Woche und ich bin noch immer am Sortieren. Meine Vorspieler haben sich für ein neues Stück entschieden und ich freue mich sehr auf die Inszenierung, die wir planen. Wenn man nach unserem Plan geht, den wir beim Brainstorming entwickelt haben, wird sie ein absoluter Knaller. Und die Proben versprechen entsprechend aufregend und lustig zu werden.
Gleichzeitig fehlen aber noch Mitspieler im Team und wir sind noch auf Männersuche. Das ist etwas frustrierend und verpasst der Vorfreude einen zähen Anstrich.

Auch die Spielschauer haben ein neues Stück gefunden. Dienstagnachmittag habe ich mich mit einer Tasse Tee auf´s Bett gesetzt und es tatsächlich geschafft, das Stück in einem Rutsch durchzulesen. Und auch dieses Stück ist wirklich toll und wird sicherlich ganz fantastisch in der Umsetzung.

Mein erster Teil der Meeres-Trilogie hat Premiere gefeiert und ich bin etwas hibbelig, weil alles gerade so ein bißchen schwebt. Ich habe viele Ideen für Teil 2 und 3, aber die Textarbeit für den zweiten Teil wird lange dauern, da die Textvorlagen dicke Wälzer sind, die ich erstmal durchlesen oder als Hörbuch durchhören muss. Aber es ist gut, dass ich in dem Fall einen natürlichen Dämpfer habe, der mich ein bißchen runterbremst.

Mein aktueller Gruppendrang-Kurs alias die "Hütchenspieler" hat in zwei Tagen Premiere. Sie sind aufgeregt und ich bin so gespannt, wie das Stück dann auf der Bühne wirkt. Auch hier gibt es einen guten natürlichen Bremser für meinen Inspirationswahn. Bei anderen Gruppen würde mein Kopf schon arbeiten und überlegen, was sie als nächstes spielen. Hier werden wir erst einmal ausführlich reflektieren, wie die Inszenierung lief und schauen, ob die Gruppe weiter besteht – und wenn ja, in welcher Konstellation. Und DANN erst wird in Überlegungen für ein neues Stück gestartet.

Privat habe ich tausend Ideen, wie ich die Wohnung weiter gestalten kann. Hier gibt es noch unendlich viele Baustellen, die vor allen Dingen damit zusammenhängen, dass viel Müll einfach nur rumsteht, ohne je einen festen Platz zu haben. Einen ersten Schritt habe ich schon gemacht und neben meinem Schreibtisch einen Magazinständer für meine Arbeitsmaterialien und zwei schwebende Bücherregale für Fachliteratur und Notizbücher angebracht. Ich hoffe, ich kann mich aufraffen, noch mehr zu tun.

Und bei euch so? Wie ist es bei euch mit den Ideen?





Freitag, 13. April 2018

#freitagsgedanken – Fehler & Status


Fehler & Status

Wie auf Flügeln trug mich mein Auftritt am Samstag in diese Woche. Ich war stolz darauf, dieses Projekt wirklich geschafft zu haben, innerhalb von zwei Monaten dieses kleine Stückchen Märchen auf die Bühne gebracht zu haben. Ich hoffe, ich kann es noch öfter spielen, denn es liegt mir sehr am Herzen und macht einfach Spaß zu spielen.
Wenn ihr also Ideen für Auftrittsmöglichkeiten (z.B. Open Stages, bei denen auch 18-minütige Auftritte erlaubt sind) in Berlin habt: immer her damit!



Aber als ich so in die Woche hineinflog, kristallisierte sich ein Wochenthema heraus, das mir plötzlich jeden Tag in anderer Form begegnete und somit meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Nämlich das Thema "Fehler".

Fehlerkultur ist immer ein schwieriges Thema und irgendwie unangenehm. Es ist mit Schuldgefühlen und vor allem Schuldzuweisungen verbunden. Diese Woche habe ich drei wunderbare Beispiele dafür geliefert bekommen ... und dazu noch eines, wie es denn im Optimalfall läuft.

1)
Am Dienstag traf ich mich mit Business Coach Michael Weyl. Ich kenne ihn seit meinem ersten LifeWorkCamp und wir haben uns sofort gut verstanden.
Michael war beruflich in Berlin und die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt für ein Treffen im schönen Kreuzberg. Wir saßen in der Sonne und erzählten uns Geschichten von unserer Arbeit. Die Gemeinsamkeiten in den Gruppen, mit denen wir arbeiten, waren wieder verblüffend und ich sage es ja immer wieder: ob Projektteam in einer Firma oder Amateur-Theatergruppe – die Strukturen, Konflikte und die Gruppendynamik sind gleich.
Michael erzählte mir von einem Fall, den ich dann unter Status-Gesichtspunkten analysierte. Es ging nicht direkt um einen Fehler, aber darum, das Selbstvertrauen zu haben, um zuzugeben, dass man etwas nicht versteht und jemand anderen um Hilfe bittet. Aber da wir mit solch einem Eingeständnis des Nicht-Verstehens unseren eigenen Status massiv senken, fällt uns das enorm schwer. Vor allem, wenn uns das Gegenüber sowieso in einer Art natürlichem Hochstatus gegenüber steht.

2)
Perfider wurde es in Fall Nummer 2. Auf Facebook folge ich seit längerer Zeit PR Coach Marike Frick. Sie gibt tolle Webinare und Online-Kurse zum Thema PR-Arbeit. Ich finde sie sehr kompetent und mag ihre Arbeit.
Marike hat es jedoch gewagt, ein Bild zu posten, auf dem sie in einer Weinbar sitzt, und darunter schreibt, dass diese Bar teuer war und sie es genossen hat, auf einer ebenfalls teuren Reise sich so etwas gönnen zu können – sowie neue Kleider und teure Coachings dazu. Sie sagte, vor ein paar Jahren hätte sie sich das niemals leisten können, aber jetzt ist sie stolz auf das Erreichte und genießt es.
Zu Recht, wie ich finde!
Die Kommentare waren jedoch zwiegespalten: neben begeistertem Feedback gab es so einige negative Meinungen. Hier ein paar Beispiele:

"Buah...geht es nur um Zahlen, Leute? Schade..!"

"Bin ich der Einzige, dem dieses Posting ein wenig "großkotzig" vorkommt? Ich bitte den etwas vulgären Ausdruck zu entschuldigen, aber das trifft es einfach am Besten!
Bislang habe ich mir ihre Postings immer gerne angeschaut..."
"Ich kenne dich nicht also werde ich auch nicht über dich urteilen....Doch "anziehen" tut mich dieses Statement nicht...
Werde ich deshalb "arm sein" ?
Bestimmt nicht...Denn ich folge meinem Herzen und das führt mich zu den "richtigen" Menschen für mich.
Und so werde ich mich von deiner Seite wieder entfernen....Dennoch alles Gute auf deinem Weg."  
"Klar...Wenn sich genug blöde Tüffel finden,die dir in "Webinaren" die Kohle für nix nachwerfen,kannste auch weiterhin die Gräfin Rotz von Kaloderma raushängen,während man dir Tafellambrusko zu überhöhten Preisen undn Woolworth Fetzen mit Nobeletikett andreht..
Ohne mit der Wimper zu zucken "

Was sich durch alle diese Kommentare zieht: der Drang, Marikes Status zu senken und den eigenen gleichzeitig zu erhöhen. Eine natürliche Reaktion, die im Alltag oft vorkommt, aber in den sozialen Medien noch viel öfter.
Mein Lieblingsbeispiel war aber dieser schöne Verlauf:

Person A: "Diesen Erfolg gönnt Dir jeder. Du hast Dir das, wo Du jetzt stehst, hart erarbeitet.
Diesen Erfolg jedoch in diesem Postings mit dieser Art von Formulierung zu verarbeiten, ist auch meine Sache nicht. Es klingt auch mir ein Stück zu abgehoben und dabei ist mir egal, wie oft Du so etwas im Jahr machst, was der Wein genau kostet und wie viele Kleider Du in den letzten drei Wochen gekauft hast.„Was kostet die Welt? Wer hat der kann - und ich kann Dank Euch, die ihr fleißig meine Webinare bezahlt“ hat doch ein wenig Beigeschmack..."
Marike: "Meine Webinare sind kostenlos."

Person A: "Marike - da musste ich kurz überlegen, ob ich antworte 🤔 Okay, ich mach’s: Also streiche das Wort Webinare und setze genau das Wort - an EXAKT dieser Stelle ein - mit dem Du bei Deinen Kunden Geld verdienst 🙄 Puh..."

Marike: "Passt schon :-D Wer fleißig meine Kurse bezahlt, bekommt ja auch viel dafür. Jedenfalls sind meine Kunden sehr zufrieden. Dass die "Was kostet die Welt"-Attitüde nicht jedermanns Ding ist, habe ich aber deutlich gemerkt und werde ich auf mich wirken lassen.
Danke jedenfalls an alle, die sich hier (wie du) um echte Debattenbeiträge bemühen. Es nervt, wenn mir einfach nur Geldgier unterstellt wird. So isses nämlich nicht.
"
Ein beispielhaftes Statusspiel, was hier gespielt wurde:
Person A hat erst Marikes Status erniedrigt, dabei aber einen sachlichen Fehler gemacht (das Wort "Webinar" für die zahlungspflichtigen Dienstleistungen benutzt), den Marike sofort genutzt hat, um den Status von Person A durch eine Richtigstellung zu senken.
Person A MUSS nun natürlich den eigenen Status wieder erhöhen ("da musste ich überlegen, ob ich antworte" + "Puh").
Und Marike hebt geschickt ihren eigenen Status ("Wer fleißig meine Kurse bezahlt, bekommt ja auch viel dafür.") und senkt ihn gleich danach, indem sie den von Person A und anderen hebt ("Dass die "Was kostet die Welt"-Attitüde nicht jedermanns Ding ist, habe ich aber deutlich gemerkt und werde ich auf mich wirken lassen. Danke jedenfalls an alle, die sich hier (wie du) um echte Debattenbeiträge bemühen.").
Am Schluss hebt sie aber wieder den eigenen Status aktiv ("Es nervt, wenn mir einfach nur Geldgier unterstellt wird. So isses nämlich nicht."). So eine gute Status-Spielerin! Chapeau!


3)
In meinen Gruppendrang-Kursen bleiben Konflikte natürlich nicht aus, die gehören zur Gruppenarbeit – besonders in der Entstehungsphase – einfach dazu.
Am Mittwoch gab es ein Gespräch mit zwei Gruppenteilnehmern, in dem es auch um das Thema Schuld ging. Wenn ich etwas in guter Absicht tue, sich andere dadurch aber nicht so gut fühlen wie gehofft, bin ich dann Schuld am Unwohlsein der anderen? Wenn man Schuld als ein objektives Wort benutzt: ja, natürlich. 

Aber leider ist Schuld ein extrem negativ behaftetes Wort. Und deshalb meide ich es gern, denn es trägt nicht gerade zu Problemlösungen bei.
Denn es ist doch eigentlich so, dass wir alle Dinge tun, die mal klappen und mal nicht. Das ist normal, das ist natürlich, das nennt man Entwicklung. Und es ist vor allen Dingen enorm wichtig, dass Dinge schief laufen – für alle Beteiligten. Denn nur so kann eine Veränderung stattfinden, nur so können Bedürfnisse erkannt und kommuniziert werden. 




4)
Wie gerufen kam da die Star Trek Folge "Disaster" aus der 5. Staffel von "The Next Generation". Nach einem Notfall und Ausfall des Computers sind die Crew-Mitglieder in verschiedenen Teilen des Raumschiffes "gefangen". Plötzlich müssen sie Posten und Rollen übernehmen, die für sie neu und ungewohnt sind. 

Zwei Frauen geraten aneinander, weil eine den Chefposten inne hat, aber darin unerfahren ist, die andere jedoch Schwierigkeiten mit Autoritäten hat. 
Diejenige mit dem Chefposten trifft eine Entscheidung, die die andere nicht gutheißt. 
Am Schluss stellt sich aber diese Entscheidung als genau die richtige heraus.
Anstatt beleidigt zu sein, weil sie Unrecht hatte, springt die Unterlegene über ihren Schatten und sagt: 

"I´m sorry, I´ve been wrong."
Und anstatt den eigenen Hochstatus auszukosten und ihn zu untermauern, sagt die Chefin:
"You could have easily been right."

Diese simplen zwei Sätze fand ich so wunderschön, dass ich sie mit euch teilen musste.

Wir müssen nicht um unseren Status kämpfen. Wir können auch einfach anderen mal einen hohen Status gönnen. Uns wird dadurch nichts kaputtgemacht, wenn wir auch mal Schwächen und Fehler zugeben und unseren Status senken. 
Im Gegenteil: diese Fähigkeit ist für uns und den anderen ein unglaubliches Geschenk.




Freitag, 6. April 2018

"Tropfen auf heiße Steine" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Viktor Reim, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de

"Ich weiß nicht ..."

So ein kleines, feines Theaterstück! So perfekt für einen kleinen, feinen, entspannt-unterhaltsam-verstörenden Theaterabend ... wie man ihn liebt.

Ein schlichter, schwarzer Raum, dessen Raffinesse sich erst zu Beginn des Stückes offenbart und einen Staunen lässt.
Kostüme in schwarz-weißer Stummfilm-Ästhetik, die zum intensiven Kammerspiel-Charakter passen. Die beiden Haupt-Charaktere tänzeln am Anfang umeinander, Leopold lüstern und willig, Franz zurückhaltend und unsicher. Besonders diese Unsicherheit spielt Daniel Hoevels fantastisch, alles wird in Frage gestellt, keine Entscheidung so richtig getroffen. Er ist ein Blatt im Wind des Lebens, das sich einfach mitwehen lässt, wohin auch immer die Reise geht.
Leopold hingegen ist klar und stringent und entpuppt sich schnell als Tyrann. Die Beziehung der beiden ist deprimierend schrecklich.

In einer knappen Stunde spitzt sich diese eigenartige Beziehung zu, verläuft im Zeitraffer vor dem Publikum. Am Schluss erreicht alles seinen Höhepunkt, wenn die Verlobte und die Ex-Frau der beiden Männer auftauchen.

Neben der Optik begeistert mich am meisten die Geschlossenheit des Stückes. Es ist aus einem Guss, in sich stimmig und kompakt.
Mit einer Stunde Spielzeit dazu auch optimal für einen Abend, der danach noch in Restaurant oder Kneipe ausklingen soll.

Wer es anspruchsvoll und einfach zugleich liebt – für den ist diese feine Fassbinder-Inszenierung von "Tropfen auf heiße Steine" genau das richtige!




Mittwoch, 4. April 2018

Recap/Preview #11



Der Frühling ist da! Zeit für Recap #11!

Premiere, Premiere!
Die Hütchenspieler bibbern schon, denn die Premiere ist nah! Am 20., 21. und 22. April werden sie auf der Bühne stehen und uns in einen spannenden Krimi entführen. Für den Sonntag gibt es noch ganz wenige Plätze, also haut rein!

Und auch ich feiere Premiere: diesen Samstag, 07. April, bei "Theater à la carte" in der WerkStadt. Was ich spiele? Den ersten Teil meiner Meeres-Trilogie, ein kleines Mini-Solo-Stück. Es geht um Unterwasserwelten und Meerjungfrauen. Also mystisch, geheimnisvoll ... und traurig.


Wo sind all die Männer hin?
fragen sich die Spieler der Theatergruppe Vorspiel. Die Antwort: Sie pausieren gerade und somit brauchen die Vorspieler noch männlichen Zuwachs. Wenn ihr Lust auf eine wilde, alberne Gruppe mit versautem Humor habt, dann seid ihr vielleicht genau richtig. Meldet euch!


Mit großer Macht geht große Verantwortung einher ...
... und das ist immer wieder Thema in meinen Status-Workshops.
Nun könnt auch ihr wieder in den Genuss kommen, nämlich Ende April bei meinem Workshop mit Business-Fokus für´s structura.lab, zu dem ihr herzlich eingeladen seid. Er findet am 27. April nachmittags in  Kreuzberg statt, alle Infos und Anmeldung hier: Klick!
Außerdem warten noch andere tolle Workshops auf euch.

Wenn ihr abends mehr Zeit habt, gibt es auch noch einen offenen Machtspielchen-Workshop am Freitag, 25. Mai. Es gibt noch freie Plätze, hier sind die Infos: Klick!


Texte lernen? Kann ich nicht!
Oh doch, das kannst du! Es reicht ja ein einziger Satz ... denn den werden wir beim nächsten Impro-Morgen im Meeet brauchen, bei dem das Thema lautet: "Wie wär´s mit einem Textbuch?"
Wer also montags früh ab und zu mit Impro in die Woche starten will, sollte sich den Impro-Morgen vormerken!

Ebenfalls mit Texten beschäftigen sich die Teilnehmer am 13. April im Vorglühen-Workshop "Text & Stimme". Er ist leider schon ausgebucht, aber das nächste Mal wird im Juni vorgeglüht – mit Impro!







Freitag, 30. März 2018

#freitagsgedanken – Leichte Panik


Leichte Panik

Eine Woche liegt noch vor mir. In einer Woche muss Teil 1 meiner Meeres-Trilogie fertig sein.

Was habe ich bis jetzt? Ein Kostüm, einen Plan für´s MakeUp, eine Idee für die Hintergrundsounds und etwa zwei Drittel des Textes in meinem Kopf.
Inszenierung bis jetzt? Null.
Und ich spüre eine leichte Panik in mir aufsteigen. Die Panik, die auch meine Kursteilnehmer regelmäßig wenige Wochen vor den Aufführungen spüren. Die "Wir haben NICHTS geschafft!"-Panik.

Und so unangenehm diese Panik auch ist, bin ich froh, sie mal wieder zu erleben. Mir genau den Stress zu machen, den sich meine Teilnehmer auch machen. Das Adrenalin ein bißchen aufputschen und endlich ins Machen kommen.
Denn schon länger stand ich nicht mehr auf der Bühne ... genaugenommen seit etwa einem dreiviertel Jahr!

Diese 15 Minuten, die ich gerade erarbeite, sind schwieriger als ich dachte. Der Text geht schwerer in den Kopf als angenommen. Die Sprache Fouqés macht mich fertig, die Füllsel-Wörter sind einfach nur beliebig im Text verteilt.

Doch das schöne ist: ich weiß, ich werde es schaffen.
Es gibt eine Deadline und deshalb keine Möglichkeit, auszuweichen. Es muss getan werden, was getan werden muss.
Und das ist auch irgendwie beruhigend. In gewisser Weise.

Ich werde allein auf der Bühne stehen.
Das habe ich das letzte Mal vor vier Jahren gemacht, in meinem Solostück "The Lost Companion". Damals habe ich gesagt, dass ich das nie wieder mache.
Und zack, hier bin ich und mache doch wieder ein Solo. Aber nur ein kleines Solo. Und eines, das mir niemand schlechtreden kann, eines, für das ich nicht gemobbt werde, eines, das keinen Shitstorm auslöst. Immerhin. Das gibt mir Entspannung, erhält mir die Freude an der Schaffenskraft.

Und die ist trotz nervigen Textes und Zeitdrucks noch immer da!
Schon jetzt schweife ich im Kopf immer wieder zu Teil 2 und 3 meiner Meeres-Trilogie ab, für die es noch gar keinen Text, aber schon viele Ideen gibt.
Ich zwinge mich in diesen Momenten zur Achtsamkeit, zum Hier-Sein, Im-Moment-Sein.

Gleich werde ich mich weiter an den Text setzen, weiter lernen und ihn immer und immer wieder wiederholen.
Damit ich euch in einer Woche ein wunderbar trauriges und mystisches Märchen erzählen kann.




Mittwoch, 28. März 2018

#monthlyfavourites – März-Lieblinge



Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im März! 




Zum Arbeiten

Endlich, endlich, endlich konnte ich mir Periodenunterwäsche von Thinx leisten!
Gerade für die Arbeit habe ich mir schon lange eine gut sitzende, bequeme Alternative zu Standard-Hygieneprodukten gewünscht. Und jetzt habe ich sie! Diesen Monat kam die Lieferung aus Amerika an und ich konnte sie ausgiebig testen. Die Slips sehen gut aus, passen perfekt und dienen quasi als Binden"ersatz". Sie sind mehrlagig mit einem saugfähigen Kern. Bei starker Blutung ist eine zusätzliche (Stoff-)Binde praktisch, weil ein häufiges Wechseln der Wäsche unterwegs eher lästig ist. Aber zu Hause sind sie auch solo perfekt, besonders ab Tag 3.
Nach dem Tragen braucht man sie nur unter kaltem Wasser ausspülen und kann sie dann in der nächsten Wäsche bei 30 Grad mitwaschen. Alternativ kann man sie natürlich auch nach dem Ausspülen per Handwäsche mit etwas Waschmittel richtig waschen und dann trocknen lassen (nicht in den Trockner!), um sie am nächsten Tag gleich wieder zu tragen. Ich besitze jetzt 5 Paar und die Handwaschmethode funktioniert gut, so habe ich immer mindestens ein paar saubere, trockene parat.
Zusätzlich habe ich mir noch Stoffbinden bestellt, die ich aber erst im nächsten Zyklus testen kann. Ich hoffe, somit endlich eine umweltschonende langfristige Variante für meine Periode gefunden zu haben, die keine Wegwerfprodukte beinhaltet. Und falls es jemand vorschlägt: Menstruationstassen mag ich nicht.;)

Vom Verlag "Ein guter Plan" sind außerdem neue Sticker (endlich auch viele ganz kleine!) und ein To-Do-Listen-Notizblock eingezogen.


 
Zum Aufhübschen


Anfang März war ich mit Mutter und Bruder für ein Wochenende in Rom. Neben ausgiebigem Sightseeing und Essen wurde viel geshoppt. Mein Bruder stockte seine Garderobe ordentlich auf und ich suchte mir einfach die gleiche Hose aus, die er auch kaufte. Jetzt können wir im Partnerlook laufen. Besonders toll an der Hose: da sie für Männer geschnitten ist, sind die Taschen endlich mal so groß, dass die Hände wirklich reinpassen – und auch andere Dinge!

Mein Bruder kaufte sich und mir dann noch dieses geniale Sonnenbrillenmodell. Jetzt in den ersten Frühlingssonnenstrahlen das perfekte Accessoire!

Für´s Handgepäck suchte ich nach einer handlichen Variante eines Stylingproduktes für die Haare. Mehr als 100 ml durfte nicht in der Tasche dabei sein und meine vorherige Stylingcreme war ziemlich ausgetrocknet, weil ich sie aus Versehen offen gelassen hatte.
Von dieser von Syoss hier bin ich sehr begeistert. Man sieht nichts, sie riecht gut, klebt nicht und gibt einen leichten Halt, Struktur und einen natürlichen Look. Gibt´s in der Drogerie.

 

Zum Lesen

Die Hauptlektüre in den letzten Wochen ist der Text zu Teil 1 meiner Meeres-Trilogie. Es sind insgesamt etwa 3,5 Din A4-Seiten und ich verzweifle etwas am Auswendiglernen, weil der Text nicht gerade leicht in den Kopf geht. Dafür ist die märchenhafte Sprache aber wirklich wunderschön.

Zwischendurch habe ich dann in CORD gelesen, quasi dem neuen Männermagazin der Zeitschrift Flow. Die Idee ist nett, das Heft richtig schön gestaltet, die Artikel unterhaltsam – aber ich würde mir jetzt eine Zeitschrift wünschen, die wie flow und CORD zusammen ist. Was soll immer diese Trennung in Geschlechter? Eine Zeitung für Menschen reicht doch auch, oder?!



Zum Essen

Anfang März hat es mich gleich erwischt und ich lag erstmal mit einer Erkältung flach. Der Husten hat sich lange hartnäckig gehalten. Jetzt ist er so ziemlich weg, aber in der Zwischenzeit habe ich mehrere Packungen Kinder Em-eukal aufgebraucht.



Zum Stöbern

Habt ihr schon die Seite der Hütchenspieler gesehen? Sie sind die Gruppe, die in meinem aktuellen Kurs entstanden ist und haben eine tolle Facebookseite, auf der sie seit einiger Zeit ihre einzelnen Mitglieder vorstellen. Schaut unbedingt rein:
https://www.facebook.com/H%C3%BCtchenspieler-1889221407786114/




Zum Hören

Nach Italien hat mich auf meinem iPod eine Playlist mit italienischen Songs begleitet. Hier ein paar meiner Favoriten:












Zum Anschauen


Zuerst mal: Geht ins Theater!!! Diesen Monat habe ich zwei geniale Inszenierungen gesehen. Die erste war sehr lang und sehr mitreißend: "Sommergäste" im Deutschen Theater.





Viel kurzweiliger, aber dafür nicht weniger unterhaltsam und von den Figuren her höchst interessant ist "Tropfen auf heiße Steine" von Rainer Werner Fassbinder, ebenfalls im Deutschen Theater. Hier ein paar Worte von Schauspieler Bernd Moss über das Stück:




Und natürlich war diesen Monat Jessica Jones dran! Die neue Staffel war überraschend gut und gefällt mir von allen bisher am besten. Auch wenn Trish mich wahnsinnig genervt hat.





Im Kino war ich diesen Monat auch, und zwar in "The Shape of Water" – wunderschöner Film, einfach ein Augenschmaus!





Zum Schluss mal wieder BBC. Es gibt auf Netflix eine neue Reihe von "The world´s most extraordinary homes" und dieses hier ist nur eines davon:

Mittwoch, 21. März 2018

"Sommergäste" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de



"Du bist so brutal!"

Uff! Ein riesiges Ensemble-Stück von einem russischen Autor. Das klingt nach Unterhaltung, nach Drama und gleichzeitig Belanglosigkeit. Also genau das richtige für mich.
Ich kaufte eine Karte und schaute nicht drauf. Und dann las ich irgendwo etwas von 4 Stunden. Und ich dachte: Ach du scheiße, was habe ich getan?!

Aber man muss sich Herausforderungen stellen. Ich habe schon mal 6 Stunden Theater geschafft, da sollten auch 4 Stunden und 15 Minuten zu schaffen sein.

Machen wir es kurz: es waren die besten 4 Stunden und 15 Minuten, die ich seit langem auf der Theaterbühne gesehen habe.
Wegen des Bühnenbildes? Nein. Wegen der Musik? Nein. Wegen der Kostüme? Nein.
Wegen des Schauspiels!
Die 15 Schauspieler ziehen einen die ganze Zeit in ihren Bann, mit einer Intensität und Spiellust, die ihresgleichen sucht. Die Charaktere entfalten mit jeder Minute eine größere Komplexität und mit jedem Satz wechseln meine Sympathien zwischen den Figuren.

Wie eine Soap breitet sich dieses Theaterstück aus, wie die ganze Staffel einer geliebten Netflix-Serie. Wir Zuschauer lernen die Figuren intensiv kennen. So intensiv, dass unsere Zuneigung zu bestimmten Figuren wächst, dass wir die Augen verdrehen, wenn sie dumme Entscheidungen treffen, und dass gleichzeitig andere Figuren immer unbeliebter werden. Wir nehmen einige in Gedanken in Schutz und verurteilen die anderen.
Und merken irgendwann, dass jede dieser Figuren im Eimer ist. Unzufrieden, unglücklich und gefangen in der eigenen Handlungsunfähigkeit.
Die beiden jungen Menschen Sonja und Semin strahlen eine Leichtigkeit aus, die erfrischt und fast ein bißchen Hoffnung gibt ... aber nur fast.

Während ich in diesem langen Stück in der dritten Reihe sitze, entsteht eine unglaubliche Spiellust. Der Wunsch ebenso tief in Emotionen abzutauchen. Der Wunsch, mit diesem Ensemble zu leiden.

Die Schönheit und Frische des Stückbeginns ist am Ende aus den Gesichtern verschwunden. Das Ensemble sieht abgekämpft aus, verweint, verquollen und müde. Und genau dafür liebt man sie. Weil sie all das für einen erlitten und einem diese wunderbaren Stunden geschenkt haben. Danke!


Freitag, 16. März 2018

#freitagsgedanken – Freunde? Muss nicht sein.


Freunde? Muss nicht sein.

Teamarbeit ist ein Thema, das mich seit vielen Jahren begleitet. Im Alltag natürlich schon mein ganzes Leben, aber beruflich ist es wichtiges Thema seitdem ich als Theaterpädagogin selbständig bin.

Ich hab ein Herz für die Teamarbeit. Im Team kann man so geniale Ideen erdenken UND umsetzen, die man allein nicht unbedingt schafft.
Dafür braucht man natürlich ein gut funktionierendes Team. Aber was ist ein gut funktionierendes Team? Ich finde, das ist eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist.
Zumindest ahne ich so langsam, dass diese Frage der Grundstein vieler Teamprobleme ist.
Wann zum Teufel ist man in einem guten Team?

Für mich ist das wichtigste: a good team gets shit done!
Man arbeitet in einem Team, um ein Ergebnis zu erzielen, ein Projekt auf die Beine zu stellen, gemeinsam etwas umzusetzen. Wenn dabei ein gutes Ergebnis rauskommt, ist das auf jeden Fall schon mal mindestens die halbe Miete.
Wenn am Schluss dann auch noch alle am Leben gelieben sind und nicht die Hälfte des Teams flöten gegangen ist, umso besser.

Meine Ansprüche an ein Team sind über die Jahre realistischer geworden. Es haben sich ein paar Werte herauskristallisiert, die ich versuche vorzuleben und meinen Gruppen zu vermitteln:
Wertschätzung untereinander, Respekt, Freundlichkeit, Offenheit, Transparenz, Spaß, Vertrauen, Informationsteilung und individuelle Aufgabenverteilung.
Mit diesen Werten kann ein Team angenehm, befriedigend und gewinnbringend zusammen arbeiten.

Was nicht in der Liste auftaucht: Freundschaft.
In all den Jahren, in denen ich selbst in Teams war, habe ich gemerkt, dass Freundschaft absolut kein Indikator für ein gut funktionierendes Team ist. Freundschaft kann für eine tolle Stimmung in der Gruppe sorgen, aber hat in der Regel keinen Einfluss auf die Arbeitsleistung. Manchmal ist der Einfluss sogar negativ, weil Arbeit liegen bleibt oder verschoben wird, weil keine Ergebnisse gefordert werden, weil keine Konsequenzen durchgesetzt werden.

Früher dachte ich, dass alle Teammitglieder befreundet sein müssen, besonders in einer Freizeitgruppe. Ein fataler Denkfehler. In meiner Freizeitgruppe wollte ich mit allen irgendwie befreundet sein. Das Bemühen um ein freundschaftliches Verhältnis mit meinen Mitspielern hat die Arbeit jedoch enorm erschwert, weil auf einmal private Entscheidungen mit Gruppenentscheidungen kollidierten und Gruppenprozesse extrem verkomplizierten.
In meiner Ausbildung lernte ich dann, dass eine gute Zusammenarbeit auch mit Menschen stattfinden kann, die man doof findet. Ein extrem wichtiges Aha-Erlebnis!

In einem guten Team müssen nicht alle befreundet sein. Das ist auch kaum möglich, denn es kommen nie nur Leute eines bestimmten Typs zusammen. Oft sind sogar sehr unterschiedliche Menschen in einem Team. Mit vielen harmoniert man einfach nicht auf einer persönlichen Ebene. Muss man auch nicht. Respekt und eine gute Aufgabenverteilung – mehr braucht es kaum.
Jeder sollte sich für seine Arbeit gewertschätzt fühlen und die anderen für ihre Arbeit wertschätzen. Mit dieser Wertschätzung ist die Grundstimmung innerhalb der Gruppe positiv und sorgt dafür, dass sich alle angenommen fühlen.
Freundschaften entstehen meist trotzdem – aber sie müssen nicht sein.