Montag, 10. Dezember 2018

Ausstellung "Ödön von Horváth und das Theater" – Theatermuseum Wien



Vor einigen Jahren machte ich im Rahmen meiner theaterpädagogischen Ausbildung einen Sommer lang Theaterpraktika in Wien. Eine Woche verbrachte ich in einem kleinen Theater und betreute Kinder bei einer Theater-Freizeit. An einem der Tage stand ein Besuch im Theatermuseum Wien auf dem Plan und das war unser erstes Date.

Jahre später folgte das zweite Date mit dem Theatermuseum. Und dieses Jahr das dritte. Ihr seht, die Beziehung zwischen mir und dem Theatermuseum Wien bahnt sich zu einer festeren Sache an.
Aber es passt auch einfach gut zwischen uns. Wir haben gleiche Interessen und ich lerne viel in dieser Beziehung. Ich werde zum Staunen und zum Lachen gebracht und verliebe mich jedes Mal neu.


Unser neuestes Date fand im Rahmen der Ausstellung "Ödön von Horváth und das Theater" statt. Den Namen hatte ich schon gehört, aber ich hatte nie ein Stück von Horváth gelesen oder auf der Bühne gesehen. Schon Wochen vor der Reise hatte ich mir deshalb bei ebay gebrauchte Bücher mit Horváth-Stücken bestellt und bereits zwei davon gelesen. Sie gefielen mir und ich war angefixt. Ja, ich MUSSTe die Ausstellung besuchen. Das dritte Buch nahm ich mir mit auf die Reise nach Wien.

Wie immer war die Ausstellung wunderschön gestaltet. Das Theatermuseum überrascht mich immer wieder mit seinen fantasievollen Ausstellungskonzepten, mit der Inszenierung der Objekte und der absolut genialen Raumgestaltung. Die Ausstellungsräume der Sonderausstellungen sind an sich schon Bühnenbilder voller Requisiten, die einen in eine andere Welt treten lassen.


Im Foyer gibt es anhand von Fotos und Briefen einen ersten Kurzeinstieg in Ödön von Horváths Biografie, quasi als Basis für die Reise in seine Literatur.
Im Innenhof wurde eine Luftschaukel aufgebaut, als Remineszenz an sein Theaterstück "Kasimir und Karoline", das im ersten Ausstellungsraum genauer vorgestellt wurde. Und da sind wir auch schon bei dem Konzept der Ausstellung. Drei seiner Stücke wurden exemplarisch herausgepickt und in jeweils einem passend gestalteten Ausstellungsraum erläutert, mit Hintergrundinfos unterfüttert und angrenzenden Themen aus Horváths Leben bereichert.

"Kasimir und Karoline" spielt auf dem Wiener Prater, einem großen Rummel. Der Ausstellungsraum wurde passend mit Lichtern, Bänken, Holzverschlägen und – ja, wirklich! – einem halben Kettenkarussell ausgestattet. Sogar mit passender Geräuschkulisse und der Möglichkeit per Kopfhörern verschiedene Textausschnitte zu hören.


Der zweite, kleinere Ausstellungsraum bildet eine Metzgerei ab, wie sie in "Geschichten aus dem Wiener Wald" vorkommt. Eine geniale Idee und auch vom Licht her wunderbar kühl beleuchtet.






Der letzte Raum ist ein Wirtshaus, in dem ordentlich randaliert wurde. Scherben von Bierkrügen, abgerissene Dekoration und umgekippte Bierbänke machten das Durchlaufen des Raumes schwierig und interessant zugleich. Tolles Detail: die Bierkrüge und Bierdeckel wurden mit Zitaten bedruckt.
Als Stückvorlage diente "Italienische Nacht", das übrigens gerade in der Schaubühne Berlin gezeigt wird. Ich habe es noch nicht gesehen, aber es steht auf meiner "Guck-Liste".





Und mein Fazit? Ich bin Horváth-Fan geworden, definitiv. Ich mag seinen Schreibstil, unaufgeregt gesellschaftskritisch (eigentlich hasse ich dieses Wort, aber es passt so gut), witzig, mit absolut österreichischem Humor, der oft heftig und boshaft ist und immer mit einer Vorliebe für das Thema Tod jongliert.
Übrigens hat sich mein aktueller Gruppendrang-Kurs gerade für ein Stück entschieden – und es ist "Hin und Her" von Horváth! Und ja, der Stückvorschlag kam von mir ... hehe.


Übrigens sind auch die Dauerausstellungen sehr schön. Ich bin überall einmal durchgeflitzt, denn ich habe sie bei meinen vorherigen Besuchen schon gesehen. Besonders entzückend ist eine Sammlung feiner Marionettenfiguren, mit denen wohl auch ab und zu kleine Stücke gespielt werden. Hier der Raum, in dem sie ausgestellt sind:







Das Theatermuseum und ich, wir werden noch weitere Dates haben. Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber doch immer wieder. Da bin ich mir sicher.

Solltet ihr mal in Wien sein und Lust auf einen Museumsbesuch haben, wisst ihr jetzt, wo ihr hin müsst. Und gebt dem Theatermuseum einen dicken Kuss von mir!


Montag, 3. Dezember 2018

So wirst du der perfekte Zuschauer! – 8 Tipps





Es ist Theatersaison und Theaterinteressierte im ganzen Land sitzen eingequetscht zwischen vielen anderen Menschen in großen und kleinen Sälen. Auch und gerade in Amateurtheater-Aufführungen.
Manchmal voller Freude, manchmal eher aus Pflichtgefühl, manchmal überrascht, manchmal gelangweilt.

Im Amateurtheater habe ich viel Kontakt zu den Zuschauern, spreche mit einigen Besuchern, stehe als Darstellerin selbst auf der Bühne und sitze als Regie selbst im Publikum und als Technik noch ein Stückchen weiter hinten.
So konnte ich über die Jahre positive und weniger positive Erfahrungen mit Zuschauern sammeln und habe mal extra für euch eine To-Do-Liste erstellt, wie ihr der perfekte Zuschauer werdet. Denn die lieben wir Theaterleute! ;)

Als kleiner Anstups, den Amateurtheaterbesuch für dich selbst schöner und gewinnbringender zu gestalten – und für die Schauspieler natürlich auch.


1. Sei pünktlich!

Es gilt nicht nur für Bewerbungsgespräche, sondern auch bei Veranstaltungen: seid pünktlich! Nicht nur, weil ihr dann die Schauspieler nicht mitten im 1. Akt stört, sondern weil ihr euch sonst selbst die Chance nehmt, entspannt und offen in die Inszenierung zu gehen.
Wenn ihr 15 bis 30 Minuten vor Beginn der Aufführung da seid, könnt ihr euch noch mit eurer Begleitung austauschen, die Toilette aufsuchen, ein Getränk zu euch nehmen und einen schönen Platz im Saal suchen. Euer Kopf schaltet bereits in den Theatermodus um und ist bereit, die Geschichte aufzunehmen, die euch gleich auf der Bühne präsentiert wird.


2. Setz dich nach vorn!

Gerade, wenn die Zuschauerzahl eher überaschaubar ist, tendieren alle dazu, sich in die mittleren und hinteren Reihen zu setzen. Die erste Reihe wird sowieso meist wie die Pest gemieden. Manche können von hinten besser sehen, andere haben einfach gern den Überblick.
Aber oft steckt die Angst dahinter, Teil der Inszenierung zu werden, in irgendeiner Form mitmachen zu müssen. Keine Sorge, das ist nur extrem selten der Fall. Ein mitdenkendes und gutes Theaterteam wird Zuschauer niemals bloßstellen oder vorführen.
Also traut euch! Der Vorteil der ersten Reihe ist ein ganz gewaltiger: ihr könnt unmittelbar an der Geschichte teilnehmen ohne von anderen Zuschauern abgelenkt zu werden. Ihr seht jede Regung im Gesicht der Schauspieler, seid zum Anfassen nah dabei. Das ermöglicht euch ein ganz besonders tiefes Eintauchen ins Bühnengeschehen.
Und gut zu wissen: für die Schauspieler ist es enorm wichtig, dass die vordersten Reihen voll besetzt sind, denn die hinteren sehen sie durch die Scheinwerfer gar nicht. Sind die vorderen Reihen leer, wirkt es, als wäre überhaupt kein Zuschauer da.


3. Zeig Emotionen!

Wenn du etwas lustig findest, dann lache! Egal, ob du der einzige im Raum bist. Wenn du begeistert bist, dann johle oder klatsche zwischendurch. Wenn du erschrickst, dann zeig es ruhig. Und wenn dich etwas rührt, dann darfst du weinen. Wenn du dich ärgerst, dann mecker einfach. Wenn es dir nicht gefällt, darfst du jederzeit gehen.
Je mehr Reaktionen die Schauspieler aus dem Publikum hören und spüren, desto leichter fällt das Spiel auf der Bühne. Das gilt natürlich vor allem für positive Reaktionen wie Lachen, Applaus und Jubeln. Wenn ihr eure Freunde auf der Bühne unterstützen wollt, dann fiebert einfach eifrig mit und zeigt ihnen, wenn es euch gefällt (aber nur, wenn das wirklich der Fall ist!).
Ich verspreche euch: ihr werdet durch kraftvolles und unterhaltsames Spiel belohnt! Denn je mehr ihr euch traut, desto mehr trauen sich die Schauspieler. Für ihr Spiel brauchen sie nämlich die Energie aus dem Publikum.


5. Bleib entspannt!

Beim Amateurtheater läuft nicht immer alles wie am Schnürchen. Oft beginnt die Vorstellung verspätet, mal sind die Pausen länger als angekündigt, mal spricht ein Schauspieler zu leise, mal geht auf der Bühne etwas schief, mal vergisst jemand seinen Text.
Da sind alles nur Menschen, die kein Geld dafür kriegen und ihr ganzes Herzblut in die Aufführung stecken. Dein kritisches Auge ist für uns wichtig, aber dass alles so perfekt läuft wie am Stadttheater, ist eher unwahrscheinlich.
Wenn du dem ganzen Geschehen entspannt gegenüber stehst, kannst du innerlich auch einfach drüber lachen, wenn etwas schiefläuft.


6. Sei freundlich und höflich!

Vermutlich bist du hier, weil ein Freund oder Familienmitglied auftritt. Also hast du schon mal eine positive Verbindung zur Gruppe. Also ist Freundlichkeit eigentlich selbstverständlich, oder? Sei freundlich und höflich zu den Schauspielern, dem Theaterpersonal und deinen Mit-Zuschauern. Natürlich so lange die auch alle freundlich zu dir sind, ist klar, ne?
Achso: bitte schalte dein Handy aus, wenn du den Zuschauerraum betrittst und bitte stelle weder deine Füße noch deine Getränke auf dem Bühnenrand ab! Thanks!


7. Gib Feedback! 

Auch Amateurtheater hat einen künstlerischen Anspruch (oder zumindest einen Anspruch an den Unterhaltungswert) und die Spieler freuen sich über konstruktive Kritik.
Das wichtigste ist aber: Sag deine Meinung nur, wenn du auch danach gefragt wirst!
Besonders nach einer Premiere ist die Stimmung sehr euphorisch und die Spieler sind dadurch auch sehr verletzlich. Wenn du jemandem jetzt ungefragt deine negativen Eindrücke vor den Latz knallst, macht ihn das ganz schön fertig. Also immer warten, ob du auch wirklich nach der Meinung gefragt wirst.
Ist es etwas wirklich dringendes, was für das Wohlergehen aller Zuschauer wichtig ist und unbedingt bis zur nächsten Aufführung geändert werden sollte, kann und muss es natürlich gesagt werden, auch ungefragt.
Falls du dir unsicher bist, was du denn nun überhaupt sagen sollst oder darfst, lies mal in diesen Artikel rein:
https://theaterberlin.blogspot.com/2017/08/ehrlichkeit-blogreihe-wertekatalog.html


8. Erzähl davon!

Amateurtheater lebt (auch) von Empfehlungen. Erzähle doch bitte weiter, ob und wie es dir gefallen hat. Poste etwas in den sozialen Medien (ein Bild auf Facebook, ein Zitat auf Twitter ...) und mache somit ein bißchen Werbung für die Gruppe! Schreib einen Blogartikel oder berichte in deinem Podcast. Oder lade dir sogar welche von den Mitspielern für ein Interview ein, wenn es dich absolut umgehauen hat.
Erzähle Freunden und Familie davon und bringe beim nächsten Mal doch einfach noch jemanden mit. Wir freuen uns!