Freitag, 2. März 2018

#freitagsgedanken – Auffangbecken

 

Auffangbecken

Am Wochenende war Aufführungszeit.
Manchmal sind diese Tage locker und beschwingt, manchmal anstrengend und kräftezehrend, ganz oft beides auf einmal.

Aber immer sind Aufführungstage emotional.

Das Adrenalin putscht einen hoch und macht einen leistungsstark. Auch mit Erkältung schafft man auf diese Weise im Notfall eine abendfüllende Aufführung.
Ein Zaubermittel, das für unterschiedlichste Reaktionen sorgt. Manche fangen an zu Plappern, andere werden ganz ruhig, manche haben körperliche Aufregungssymptome, manche fühlen sich elend, manche aufgekratzt.

Das Adrenalin sorgt aber auch für Druck, die Nerven liegen schneller blank und sorgen mitunter für starke Reaktionen.
Es kann zu einer richtigen Partystimmung kommen, es können Streits entstehen und es können Tränen fließen.

Auch an diesem Wochenende war eine emotionale Zeit. Und als ich Trost spendete, war ich innerlich ganz ruhig und dachte: Das ist mein Job.


Theaterstücke inszenieren, Übungen und Spiele machen und Menschen auf die Bühne stellen – das ist das Bild, das nach außen sichtbar ist. Da bin ich auch stolz drauf, und meine Spieler ebenso.

Aber die eigentliche Arbeit und der eigentliche Gewinn für meine Spieler ist meine Funktion als Auffangbecken. Als Schwamm für all die Stimmungen, für die Missverständnisse, für Unzufriedenheiten, für Spaß, für Albernheiten, für Trauer, für Angst und für Verzweiflung.
Ich fange all das auf und gebe all dem Platz. All die Emotionen gehören zum Menschsein dazu und Theater bietet den Raum, die Maske des Alltags abzulegen und sich fallenzulassen.

Ich bin gern Auffangbecken. Denn die Natur hat mir ein Geschenk mit in die Wiege gelegt: eine unglaubliche Gelassenheit und Entspanntheit. Und somit ein riesiges Fassungsvermögen.
So kann ich der Fels in der Brandung sein.

Ich kann aber auch in das große Becken hineingreifen, wo alles gesammelt ist, was in der gemeinsamen Teamarbeit auftauchte, und immer genau das hinausreichen, was gerade gebraucht wurde. Ich kann Motivation und Sicherheit geben, ich kann Enthusiasmus schüren, aber auch Angst säen. Ich kann Druck nehmen und Druck aufbauen. Ich kann trösten und ich kann antreiben.

Wie ein Springbrunnen nehme ich auf und verteile neu – und sorge somit für Ausgeglichenheit im Team.
Ein toller Job!




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