Sonntag, 20. Juni 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 66




Sonntag:


Eigentlich hätte ich das Tagebuch der letzten Woche heute enden lassen können. Oder das neue gestern starten können. Egal. Ich entscheide mich diesmal für den Sonntag als Beginn der Woche, weil ich heute gearbeitet habe. Gestern auch, aber heute noch mehr.
Das Magazin für die "neue" Theatergruppe und das Hörspiel der Vorspieler sind gerade die Haupt-Themen im Homeoffice ... neben Emails, Workshopplanung, Absprachen etc.
Mit dem Hörspiel bin ich fast fertig. Die Kapitel habe ich alle einzeln geschnitten, um sie ggf. einfach korrigieren oder überarbeiten zu können. Eine riesige Monsterdatei wäre mir einfach zu viel.
Für das Magazin sind die Steckbrief-Vorlagen für die einzelnen Rollen fertig geworden. Sagt euch jetzt nichts, aber ihr werdet es sehen, wenn es soweit ist.
Die kommende Woche wird ziemlich aufregend. Ich treffe meinen Theatergruppenkurs zum allerersten Mal analog (was absolut CRAZY ist!!!) und die Vorspieler seit vielen Monaten auch endlich wieder. Außerdem die ganze LAG-Gruppe ... vermutlich. Falls wir nicht doch mit einem Teil der Gruppe online sind. Ich weiß es grad nicht, was das Wochenende bringen wird.
Ich weiß aber, dass die Woche ab der Hälfte wahnsinnig heiß wird. Da habe ich jetzt schon Angst vor. Das klingt vermutlich albern, aber Hitze finde ich wirklich sehr anstrengend und belastend. Also versuche ich mich mental schonmal auf die kommende – sehr volle – Woche einzustimmen. Ich werde kein Wochenende haben, aber dafür war ich heute vormittag am Wannsee, was sehr kalt und windig, aber superschön war. Ich komme wieder! Es scheint dort einen Kleist-Audioparcours zu geben. Aber momentan wohl nicht anhörbar:
https://www.hoerspielpark.de/website/titel/kleist-denkmal

Momentan tasten wir uns alle ja wieder an analoge Treffen heran, und manche überfordert das mehr als andere. Hier ein passender Artikel dazu:
https://witanddelight.com/2021/06/returning-to-the-richness-of-gathering/



Montag:

Der Morgen beginnt wie jeder Morgen der letzten zwei Wochen mit entzückendem Niesen (Allergie olé!).

Ich habe gestern abend wirklich allen Ernstes alle Kapitel für das Hörspiel der Vorspieler fertig geschnitten! Vielleicht kommen noch Korrekturen, und ich muss es auch noch zu einem Gesamtwerk zusammenpacken, ABER alle Kapitel sind durch. Jetzt muss ich mir noch ein Plakat- bzw. Cover-Motiv überlegen ...

Nach einem Spaziergang mit meiner Kollegin ist abends noch einmal der Workshop "Laufen, Hören, Sehen – Audio- und Videowalks auf die einfache Art" dran. Erst mit drei Teilnehmden, nach einer Stunde dann wegen eines Notfalls mit zweien. Aber es geht auch in kleiner Runde und ich tippe das hier, während die beiden Teilnehmenden in einem Breakout-Room einen eigenen Audiowalk kreieren.



Dienstag:

Die Hitze schleicht sich ganz langsam heran und die Allergie rastet aus.

Meine Kollegin Vera und ich planen vormittags die nächsten LAG-Termine und am späten Nachmittag finden die letzten Online-Workshops für diesen Sommer statt, zu den Phasen der Gruppendynamik und dem Riemann-Thomann-Modell. Auch hier bröckelt es mit den Teilnehmenden, man merkt also, dass das Sommerloch da ist und der analoge Stress zurückkehrt.




Mittwoch:

Praktischerweise werde ich vormittags im Pflegeheim getestet, beim Besuch meiner Oma. Somit bin ich gerüstet für den Abendtermin.

Auf den langen Bahnfahrten zum Heim hin und zurück lese ich den Roman "Manhattan Beach" zuende. Whoop whoop! Das Ende ist mir fast zu realistisch, ich wollte irgendein kitschig-unrealistisches Filmende. Aber wer hört schon auf mich?

Abends treffe ich zum ersten Mal meine "neue" Theatergruppe analog. Auf dem Weg zu dem kleinen Park, in dem wir proben wollen, habe ich Flashbacks zu meiner Zeit des Online-Datings. Genauso fühlt es sich nämlich an. Das sagen dann vor Ort lustigerweise fast alle. Etwas ungläubig haben wir uns angestarrt, aber eigentlich beschämt, weil man das Gegenüber nicht mustern will. Eine absurde und lustige Situation. Wir hatten auf jeden Fall einen lustigen Abend und werden auch nächste Woche draußen proben.
Auf dem Rückweg habe ich Kopfschmerzen und merke, wie sehr mich der Einstieg in die analoge Arbeit anstrengt. Letztes Jahr ging das recht entspannt, weil es nur 2 Monate Lockdown und Online-Arbeit waren. Dieses Mal waren es aber 7 Monate ... das ist eine ganz andere Hausnummer! Plötzlich nimmt man die Menschen wieder in Gänze war, und damit auch alle Emotionen und kleinen Regungen und Äußerungen. Man muss viel aufmerksamer sein, die Antennen ausfahren. Und das ist – zumindest für mich – erstaunlich anstrengend.


 
Donnerstag:

Jetzt wird die Hitze immer stärker und mein Hirn schmilzt dahin, kann kaum noch klare Gedanken fassen. Bemühe mich am späten Nachmittag zumindest für eine Weile am Netzwerktreffen des Mecklenburgischen Staatstheaters teilzunehmen, das auch sehr viel Spaß macht.

Abend geht es dann auf's Tempelhofer Feld, erstes analoges Treffen mit den Vorspielern seit Oktober. Krass, krass, krass. Aber mit den Vorspielern ist es sofort wieder vertraut, wir kennen uns ja auch schon so viele Jahre.
Gemeinsam beschließen wir eine Live-Lesung von "Das Gespenst von Canterville", draußen im Grünen ... vorausgesetzt, das ist dann möglich.



Freitag:


Zum Planungstreffen mit meiner Kollegin Vera sitze ich heute im Bad, der einzige Raum, der noch annehmbar ist von der Temperatur her.
Ich zerfließe.

Am späten Nachmittag geht eine Ära zuende: Ich gebe den Raumschlüssel für das "Studio in Bewegung" ab und kündige den Mietvertrag. Mehrere Jahre habe ich dort bis zu drei Kurse pro Woche gehabt, sowie immer mal wieder kleine Workshops oder Extra-Proben. Ich liebe den Raum noch immer, aber er ist seit Corona-Beginn einfach viel zu klein für meine Gruppengrößen. Da ich wegziehen möchte, weiß ich auch nicht, wann ich den Raum wieder brauche. Das war jetzt einfach die sinnvollste Entscheidung.

Abends noch ein kurzer Austausch mit dem Magazin-Team der neuen Theatergruppe. Wir sind beide Dachgeschoss-Bewohner*innen.

Achso: Gucke seit Tagen die letzten beiden Staffeln DRUCK. Die Serie ist einfach Hammer. Warum gab es die noch nicht als ich Teenie war? ... achja, da gab's ja auch noch kein Youtube.;)



Samstag:


Es ist HEISSSSSSSSS!!!
Der lange Tag mit der LAG war anstrengend, aber auch sehr interessant. Mehr kann ich nicht sagen. Muss ins Wasser.



Sonntag:


Wieder Hardcore-Hitze, dazu Müdigkeit.
Der heutige LAG-Tag hat uns einen großen Schritt weitergebracht und Vera und ich haben der Gruppe gegen Ende unsere Idee für einen dramaturgischen Bogen vorgestellt, in dem wir die Ideen und Wünsche der Gruppe eingearbeitet haben. Excited!

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