Montag, 11. Oktober 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 82

 


 
Montag: 

Puuuh, dieser Tag war nicht leicht. Am Vormittag wurde in der Wohnung nochmal ordentlich gewerkelt und mittags ist mein Mann nach Rostock gezogen, um dort schon die ersten wichtigen Sachen (Internet etc.) in der neuen Wohnung zu organisieren.
Jetzt sitze ich hier allein in dieser kahlen Wohnung und komme darauf noch nicht ganz klar. Die Emotionen kicken jetzt erst rein und der Trauer- und Änderungsprozess bricht sich immer mal Bahn.

Abends gibt es einen Totalausfall von Facebook und WhatsApp, über mehrere Stunden. Somit ist bei dem Kollegialen Austausch auch nur die Mini-Belegschaft aus zwei Kolleg*innen und mir anwesend. Die beiden haben mich auf anderweitem Wege angeschrieben und nach dem Zoom-Link gefragt. Das war aber eine richtig, richtig schöne Runde. Mit den beiden quatsche ich einfach immer wahnsinnig gern.

Wie immer, wenn mein Mann nicht da ist, gehe ich viel zu spät schlafen. Um 1:30 Uhr nachts.😜





Dienstag:

Auch der heutige Tag war wieder emotional. Ich hatte meinen vorerst letzten analogen Termin mit Nick in Tegel. Gemeinsam mit meiner Kollegin, die die analogen Stunden bei ihm übernehmen wird, waren wir am Tegeler See und haben den Testlauf zu unserem neuen Audiowalk gemacht.
Nach einer weiteren spätabendlichen Session ist er nun auch online:
https://orangeplaty-berlin.blogspot.com/p/audiowalks.html
Enjoy!

Als wir dort am See standen, am Endpunkt des Audiowalks, kam ein kleines Rotkehlchen angeflogen, setzte sich auf einen Stein vor uns und schaute uns mit zur Seite gelegtem Kopf an. Was für faszinierende kleine Lebewesen.

Bei einer Spielerin meiner Mittwochsgruppe, die letzte Woche ja ihren letzten Termin mit mir hatten, habe ich das fertige Magazin zu ihrer Inszenierung abgeholt. So ein selbstgestaltetes Druckerzeugnis in den Händen zu halten, ist immer wieder total faszinierend.

Die Abschiede sind gerade alle sehr präsent. Es fühlt sich nicht wie ein Abschied von Berlin an, auch weil ich ja ständig hier sein werde. Es ist ein Abschied von einer Lebens- und Arbeitsweise, die ich über Jahre etabliert habe. Und dieser Wechsel ist so neu und ungewohnt. Aus den vertrauten Bahnen auszubrechen und sich an einem neuen Ort neu zu orientieren. Zumindest teilweise (ein großer Berlin-Arbeitsteil bleibt ja bestehen).

Freunde und Familie haben mir noch Hilfe für die letzten Tage angeboten, aber momentan ist das eher schwierig, weil ich mich gar nicht gut auf andere konzentrieren und schon gar nicht Aufgaben für sie aussuchen kann. Ich empfinde es gerade am einfachsten, mit den letzten ToDos allein zu sein.

Es ist ein komischer Zustand so kurz vor dem Umzug. Die Wohnung ist leer und total unwohnlich. So unwohnlich, dass es sich für mich anfühlt, als hätte ich gerade gar kein richtiges "Zuhause". Einfach weil es leer und abweisend ist. Einerseits macht es den Abschied leicht, weil man an diesen leeren Räumen nicht mehr hängt, andererseits ist es gleichzeitig auch kräftezehrend und auslaugend.
Morgen werden die Katzen abgeholt und ich möchte sie gar nicht gehen lassen. Ich weiß, ich sehe sie am Freitag wieder, aber man ... sie in ein fremdes Auto zu setzen und wegfahren zu lassen, fällt mir echt nicht leicht.




Mittwoch:

Die Katzen sind schnell und unkompliziert in Rostock angekommen und ich bin sehr, sehr erleichtert. Derweil räume und packe und schraube ich hier in der Wohnung rum.

Mittags gehe ich im Restaurant essen. Diese Pause brauche ich dringend.

Der Gedanke, abends einfach wieder einen entspannten Online-Kurstermin zu haben, macht mich richtig happy. Gerade in Momenten wie diesen ist das in einer Stadt wie Berlin, in der die Wege sehr lang sind, eine ungeheure Zeitersparnis.

In meinem neuen Basiskurs kommen die Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands. Wie cool ist das bitte? Sie hätten sich vermutlich sonst nie kennengelernt. Ich freu mich darauf, in den nächsten Wochen mit ihnen viel ausprobieren zu können.


Donnerstag:

Theater ist immer wieder eine Quelle der Freude und des "Upliftings". Nachdem ich gestern abend mit dem Kurstermin fertig war, habe ich noch kurz mit einem teilnehmenden Freund gequatscht und wir waren beide fasziniert davon, wie auch online gemeinsame Bilder und Miteinander entstehen können. Das hat mich richtig gehoben und fröhlich gemacht. Und bereit für den morgigen Tag.

Tagsüber habe ich heute alles in der Wohnung fertig gemacht, was vor dem Umzug noch zu tun war. Und jetzt mag ich für die nächsten 10 Jahre eigentlich nichts mehr putzen.

Die abendliche Vorspiel-Probe findet ebenfalls über Zoom statt, weil viele heute keine Zeit haben und sich der Remote-Abend dann gar nicht lohnt.


Freitag:

ICH BIN DA!!!!
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

ICH BIN IN ROSTOCK!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der Tag war nervenaufreibend und wahnsinnig anstrengend. Aber nach vielem Bangen und Warten ist alles angekommen. Nicht alles ganz heil, aber alles ist da. Und ich bin auch endlich da, nach einer ewig langen Busfahrt mit viel Verspätung und viel Stau.

Eigenartig. Hier wohne ich jetzt. Verrückt! Es fühlt sich gleichzeitig total normal und total abwegig an.




Samstag:

Heute ist der erste komplette Tag in Rostock.
Er beginnt mit Frühstück am Hafen. Das darf gern jeden Tag so sein. Mal sehen, ob wir den morgendlichen Hafenbesuch als Ritual etablieren können. Der Weg ist auch wirklich kurz.

Merke: Mittags haben am Wochenende nicht so viele Restaurants auf.

Viel, viel gelaufen sind wir heute. Durch unseren Bezirk und am Hafen entlang.
Um uns in der Wohnung überhaupt irgendwie bewegen zu können (wir sind ja in eine Wohnung gezogen, die ein Drittel so groß ist wie unsere vorherige), tragen wir gerade ganz viel Kram in den Keller, den wir jetzt nicht sofort brauchen.
Merke: Wenn man handwerkliche Hobbies hat, füllt man damit unzählige Umzugskisten.

Abends gehe ich nochmal einkaufen (wir haben einen Supermarkt hinter dem Haus ... LUXUS!) und nehme Erdnüsse in der Schale mit – weil sie lecker sind und wegen dieses Artikels, der mich zu einem anderen Artikel geführt hat, indem gesagt wird, dass Erdnüsse ein Top-Nahrungsmittel für Krähen sind:
https://bigthink.com/neuropsych/crows-higher-intelligence/#Echobox=1633408590
Und Krähen finde ich ziemlich großartig!


Sonntag:

Heute ging es dann doch nochmal ein bißchen um's Thema Theater, denn nach dem morgendlichen Hafenbesuch (dieses Mal eine ganz andere Ecke), hatte ich online das Planungstreffen mit meinem Kollegen Nils für unseren morgigen SNACK-Workshop zum Thema "Namens- und Kennenlernspiele". By the way: Es gibt noch freie Plätze:
https://www.nilsholst.de/fortbildungs-snacks

Ich kann natürlich noch nicht sagen, ich sei "angekommen", aber ich fühle mich richtig wohl hier. Zum Sonnenuntergang waren wir heute endlich am Meer. Das war traumhaft schön und hat mir wieder gezeigt, warum ich hierher wollte. Und wir hatten eine Möwe zu Besuch, die sogar eine Erdnuss gegessen hat. Aber nur geschält und ohne Haut. Ziemlich picky.;)

Morgen startet wieder eine volle Woche, in der ich nach Berlin fahren und in der alten Wohnung putzen muss. Die Vorfreude auf die komplette Abgabe der Wohnung Ende Oktober ist SEHR groß. Und dann wird eine neue Arbeits- und Lebensroutine etabliert.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen