Freitag, 15. Mai 2020

Corona-Theatertagebuch – Freitag, 15. Mai 2020



10:52
Uhr:

Starte den Tag entspannt nach Lust und Laune. Habe Postkarten aus meiner Sammlung aussortiert (habe jahrelang in Cafés immer interessante Postkarten mitgenommen), dann welche für Freunde und Familie bereitgelegt, ein Bad genommen und es mir dann mit Häkelzeug vor dem Rechner gemütlich gemacht. Gucke die wunderbare Inszenierung "Die Pest" vom DT Heimspiel. Schauspieler Božidar Kocevski liebe ich sowieso und freue mich, dass er spielt. Mir gefällt die simple und gleichzeitig spannende Reise durch das Deutsche Theater. Ich verbinde viel mit diesem Theater. Es ist mein Lieblingstheater, schon sehr lange. So viele schöne, kleine und große Erlebnisse hatte ich dort.


11:28
Uhr:

"Die Pest" war bis jetzt meine intensivste und beeindruckendste Theatererfahrung während Corona. Der Audiowalk am Mittwoch die sinnlichste. Ich freue mich auf alles, was noch kommt.

15:53 Uhr:

Auf Nachtkritik (Warum lese ich das eigentlich? Die Seite regt mich dauernd auf.) lese ich in einem Kommentar, dass die Theater sich "gefährlich weit im Ausnahmezustand" einrichten. Und dass der Zustand jetzt ja eben keine Normalität sei und auch nicht so behandelt werden solle.
Ähm ... doch. Das ist jetzt die neue Normalität. Wir kehren ja nicht in eine Welt vor Corona zurück, sondern gehen in eine Welt nach Corona. Und in dieser Welt hat Corona bereits stattgefunden und die Menschen, die Wirtschaft, die Umgangsformen und die Gesellschaft verändert – mal mehr, mal weniger. Zudem besteht ja immer die Möglichkeit für weitere Wellen oder neue Pandemien. Ich denke, da wird es eine Art neuer Sensibilität für geben. Zumindest hoffe ich das. Ignorieren sollte man es zumindest nicht. Die Zeit jetzt beeinflusst die Zukunft. So wie das immer der Fall ist, nur jetzt noch stärker. Auch wenn es sich momentan grad eher anfühlt, als wäre die Welt angehalten. Aber das ist sie nicht, es geht alles weiter ... nur eben anders.
Was ich persönlich mir wünsche für die Nach-Corona-Zeit (wenn es sie denn geben sollte):
  • weiterhin Vernetzung unter Theaterpädagog*innen ... zumindest unter ein paar von ihnen, denn ich sehe da die anfängliche, zaghafte Vernetzungsbereitschaft schon wieder dahinschwinden
  • mehr digitale Kulturangebote, die optimalerweise als Selbstverständlichkeit zu den Präsenzveranstaltungen als Option dazukommen und somit Kultur inklusiver machen (das darf und soll natürlich auch Geld kosten)
  • mehr digitale Fortbildungsangebote, gern auch simple Mitschnitte von Workshops ... oder sogar die Möglichkeit, per Live-Stream an einem Präsenzworkshop als Zuhörende dabei zu sein
  • Solidarität
  • mehr Abstand und Rücksichtnahme in öffentlichen Räumen
  • weniger Vorbehalte gegen die digitale Welt
  • Offenheit für spontane Umdispositionen ins Digitale, z.B. wenn Proben aus Raumgründen etc. nicht stattfinden können 
  • besseres Internet, überall


18:41 Uhr:

Der Tag war arbeitsmäßig gar nicht so produktiv, aber ich habe mehrere Videos geguckt und viele Karten und Briefe an Freunde, Bekannte, Verwandte (leider auch Beileidskarten) geschrieben, die morgen auf Reisen gehen.
Und noch ein süßes Video zum Abend für alle "The Office"-Fans:
https://www.youtube.com/watch?v=NDjNX3nEfYo

Feierabend.


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