Montag, 17. Januar 2022

Corona-Theatertagebuch – Woche 96

Montag:

Müde bin ich. Aufgestanden um 5:30 (die übliche Zeit, zu der die Katzen uns momentan wecken) und dann kurz nach 7 mit meinem Kater zur Untersuchung in die Tierklinik gefahren. Die Blutwerte sind deutlich(!) besser! Ich freu mich so! Die Antibiotika werden in etwa 1,5 Wochen aufgebraucht sein, dann gibt es nur noch das Leber-Medikament.
Als ich gerade bezahlte und einen neuen Termin ausmachte, kam eine andere Frau mit ihrer Katze. Sie stand in der Tür und weinte und ich hatte sofort auch Tränen in den Augen. Es war wohl ein Notfall, sie hatte vorher angerufen, eine Schilddrüsenerkrankung und die Katze hatte morgens nicht das Medikament angenommen.

Der momentane Quasi-Lockdown macht so einen müden Tag nicht gerade weniger müde. So langsam hätte ich mal wieder Lust auf eine Ausstellung oder einen Kinobesuch, aber in Rostock ist alles außer Gastro und Einzelhandel zu. Kaufen will ich grad nicht viel, hab eh momentan nicht viel Geld und brauche wenig. Neue Periodenslips habe ich aber bestellt. Nach ein paar Jahren funktionieren sie halt leider nicht mehr und sind irgendwann abgetragen.
Ins Theater mag ich zurzeit nicht (davon abgesehen, dass das in Rostock auch geschlossen ist), die BE-Erfahrung vom September hängt mir noch nach. Dicht an dicht ohne Abstände ... da hab ich mich echt nicht wohl gefühlt. Wie geht's euch denn damit?

Abends wieder Fortbildungs-SNACK mit Nils, Thema "Energizer"! Energetisch und lustig war's. Ich arbeite super gern mit ihm zusammen ... und das sage ich nicht nur, weil er einer meiner besten Freunde ist.;)
 

Dienstag:

Morgens Online-Stunde mit Nick, unser heutiger Tanzsong:
https://www.youtube.com/watch?v=23V0wgVTrTs

Kam heute auch nicht so richtig aus den Puschen. Diesmal viel zu lang geschlafen (nach dem üblichen Fütter-Break).

Mit meiner Kollegin Vera noch das kommende LAG-Wochenende geplant.



Mittwoch:

Als mein Mann und ich nach Rostock gezogen sind, haben wir immer wieder gesagt: Hier sitzen wir erstmal die Pandemie aus. Jetzt, wo wir hier sind, ist klar, dass wir gar nicht mehr wegwollen.
Einfach aus dem Grund, dass man eben so mal an einem Mittwochvormittag um 11 Uhr in die S-Bahn steigen und ans Meer fahren kann und um halb zwei wieder zuhause ist zum Mittagessen.

Nachmittags war ich heute sehr unmotiviert und müde, auch weil die Probenplanung mit meiner Theatergruppe Vorspiel gerade schwierig ist. Also nicht nur gerade, sondern schon lange, aber momentan noch stärker. Die Pandemie ist eine Extremsituation, die psychisch und physisch erschöpft und für alle die Prioritäten verschiebt. Und die liegen nunmal eben momentan eher bei Überleben statt bei Theaterspielen. Und ich kann es verstehen. Ob eine Pause sinnvoll wäre? Ich weiß es nicht.
Mal sehen, wie die nächsten Tage werden. Morgen geht es voraussichtlich wieder nach Berlin ... vielleicht aber auch erst am Freitag.

Abends große Premiere: Der erste Schnuppertermin für meine neue Online-Theatergruppe fand statt! Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine wirklich reine Online-Theatergruppe zu gründen, am liebsten mit Menschen aus unterschiedlichsten Ecken Deutschlands (oder darüber hinaus).
Die Teilnehmenden hatten viel Spaß und waren engagiert dabei. Sechs Personen haben direkt für den Kurs zugesagt, die Mindestteilnehmendenzahl ist also schon erreicht. Ich freue mich sehr, sehr, sehr!


Donnerstag:

Ich fahre doch erst morgen nach Berlin.
Heute am Morgen Yoga, tagsüber Homeoffice, abends Online-Probe mit den Vorspielern. Ein harter kleiner Kern ist gerade aktiv, so etwa 60 % der Gruppe. Der Rest kann zurzeit aus verschiedenen Gründen nicht teilnehmen.

Es geht den Menschen nicht gut. Und ich kann nicht viel machen. Außer weiterhin Angebote machen.



Freitag:

Die Fahrt nach Berlin war sehr entspannt, die Regionalbahn sehr leer. Nach einem Mittagessen mit der Familie habe ich seit langen Zeiten endlich mal wieder meinen Freund Michael analog getroffen. Michael hat vor ein paar Jahren auch bei ein paar meiner Inszenierungen die Technik gefahren. Wir hatten lange Gespräche und waren zusammen spazieren und im Restaurant ... und ein bißchen fühlte es sich an wie vor Corona.


Samstag:

Der längste Tag. Tagsüber LAG, abends Krimidinner mit den Vorspielern, was sehr lustig und fröhlich war. Ohne Maske (aber doppelt geimpft, teilweise geboostert, + zusätzlichem Test) fühlte sich für mich etwas ungewohnt an, aber irgendwann war da ein Jetzt-ist-es-auch-egal-Gefühl. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich gar nicht sagen. Auf jeden Fall war es ein super Abend.

Abends lese ich auf Facebook, dass die Freundin einer Freundin gestorben ist, die ich auch kannte und sehr mochte. Ich bin erschüttert.


Sonntag:

Zweiter Tag LAG. Heute gefühlt etwas weniger kalt. Dieses Wochenende war das Thema "Kontaktperson" sehr drängend. Viele Diskussionen hatten wir zu einzelnen Fällen. Der nächste LAG-Dienstag findet erstmal geteilt statt, eine Gruppenhälfte online, die andere offline. So haben wir zwei Räume, je nach Situation der einzelnen Personen. Omikron verbreitet sich rasant und es kann sein, dass wir es bald alle mal hatten. Ich will nicht!

Samstag, 8. Januar 2022

Corona-Theatertagebuch – Woche 95

 



Sonntag:

Ja, die Woche hat noch nicht begonnen, aber ich sitze schon heute am Rechner und starte langsam in die Arbeit.
Die Zeit zwischen den Jahren war entspannt und ruhig. So hatte ich es mir gewünscht, aber dennoch war die Zeit gefühlt superschnell vorbei. Ich war mehrmals am Meer und am Hafen, in Berlin und viel in meiner Wohnung. Mein Arbeitszimmer ist jetzt schon sehr nah an der vorläufigen Fertigstellung, nervige Unterlagen-Sortiererei und weiteres Aussortieren liegen noch vor mir.

Ich habe das Gefühl, dass in dieser Pandemie und gleichzeitig mit dem Älterwerden das Thema Tod und Krankheit immer näher an mich heranrückt. Wie Bombeneinschläge. Das eigene Haus ist noch halbwegs verschont, aber in der Nachbarschaft stürzen immer mehr Häuser ein oder werden beschädigt. Ein bißchen macht mir das Angst, aber auf jeden Fall macht es mich sehr nervös. Mit jeder traurigen Geschichte, die ich aus dem nahen und fernen Bekannten- und Freundeskreis höre, wird es krasser. Es ist erstaunlich und faszinierend, dass wir Menschen die Fähigkeiten haben, mit solchem Verlust und Unglück umgehen zu können. Trauern, Leiden, Verarbeiten und Weiterleben. Wir können das irgendwie. Angst macht es trotzdem. Jeden Tag gucke ich meinen Mann, meinen immer fitteren Kater und meine Katze an, atme die Seeluft und denke: Genieße es, solange du kannst.
Diese Gedanken hatte ich früher nicht. Aber so eine Krisenzeit setzt andere Prioritäten, konfrontiert mich (/uns?) mit der Endlichkeit des Lebens und der großen Gewissheit, dass es jeden Moment anders sein kann.

Immerhin: Die Arbeit, die mir Freude bereitet, habe ich auf jeden Fall gefunden. Momentan fällt die Motivation mitunter schwer, das Anfangen, Verantwortung übernehmen. Bin ich dann drin, ist es gut und inspirierend. Ich denke, der Quasi-Lockdown hinterlässt seine Spuren, ganz dezent, ganz leise im Hintergrund. Saugt Energie und Motivation ab, in kleinen Häppchen. Ich brauche Zeit, um auch wieder selbst künstlerisch tätig zu werden.
Vorsätze für dieses Jahr habe ich nicht wirklich gefasst. Ich möchte mit meiner Buch-Challenge weitermachen, weiterhin mindestens ein Buch pro Monat lesen. Nachdem ich kurz vor Jahresende noch an einem Fortbildungs-Workshop teilgenommen habe, merke ich, dass ich auch das wieder mehr machen möchte: lernen, mich weiterbilden, wieder öfter Teilnehmende statt Anleitende sein.
 
Ansonsten bin ich weiterhin dran, eine neue Alltags-Routine zu entwickeln. Das dauert länger als ich dachte. 





Montag:

Ich bin heute entspannter als gestern, was ich gar nicht erwartet hätte. Gerade kam ich vom morgendlichen Hafenspaziergang zurück und gechillt in den Tag.
Eine Routine, die hier definitv anders ist: der Tag fängt später an, meist erst gegen Mittag, weil ich durch die nervigen Aufwachzeiten der Katzen zurzeit nach einer Wachphase von etwa 5:30 bis 6:30 Uhr nochmal Schlaf brauche. Irgendwas muss ich mir einfallen lassen. Vielleicht früher Schlafengehen und nochmal richtig füttern, dann im Bett abwarten bis sie auf Klo waren und DANN hoffentlich länger durchschlafen.

Nachmittags mache ich mich zu Fuß nochmal auf zur Tierklinik, um Anitbiotika für meinen Kater zu holen. Ein wirklich schöner Spaziergang, bei dem ich ein paar Fotos mache. Ist diese bemalte Hauswand nicht großartig?

Gegen Abend habe ich mit einem guten Freund gevideochattet, den ich schon ewig nicht mehr gesprochen habe. Zufällig sind wir nächste Woche beide in Berlin und können uns dann endlich mal wieder analog sehen (das haben wir das letzte Mal glaube ich 2019, vor Corona).

Abends noch Kollegialer Austausch in kleiner, aber sehr interessanter Runde.

 

Dienstag:

Morgens Online-Stunde mit Nick, unser heutiger Tanzsong:
https://www.youtube.com/watch?v=X2LcVwRfH-w

Bisher war ich heute noch nicht draußen, jetzt ist es dunkel. Ich weiß noch gar nicht, ob ich nochmal raus will. Habe mir glaube ich die Blase verkühlt und mag es grad drinnen in der Wärme sehr gern.:D

Momentan bin ich in der Jahresplanung, also suche neue Termine für Online-Workshops raus und übertrage sie auf alle Websites und Kalender.



Mittwoch:

Es ist grau und nieselig, aber wir haben trotzdem den Hafenspaziergang gemacht und wurden von der Ostseewelle für's Radio interviewt.:D

Irgendwie kriege ich heute überhaupt nicht hin, was ich alles vorhatte. Aber es ist mitten am Nachmittag, der Tag hat ja noch einige Stunden.

Aber ich habe eine interessante Doku über das Thema "Impfgegner" für euch. Es geht allgemein um das Thema und deren Proviteure, nicht nur um Corona.
https://www.arte.tv/de/videos/103025-000-A/impfgegner-wer-profitiert-von-der-angst/?fbclid=IwAR3ByFikuzvwfZqjKEN7FHYW8vmg8ExfRdWm2xLnyraHUJ22nxbtSlQH2HQ

Letztes Jahr war ich ja schon großer Fan der VR-Inszenierungen des Staatstheaters Augsburg, jetzt hat das Puppentheater Zwickau auch welche im Angebot. Da werde ich sicherlich auch bestellen:
https://www.puppentheater-zwickau.de/virtual-puppetry/

Und noch ein interessanter Artikel:
https://t3n.de/magazin/bildungsurlaub-persoenlichkeitsentwicklung-251364/

Immerhin heute geschafft: Krimidinner für die Vorspieler gekauft, die Rollen ausgelost und verschickt. Wenn ich nächste Woche in Berlin bin, werden wir das erste Mal analog ein Krimidinner spielen – mit Pizza in meinem Lieblings-Probenraum. Ich freu mich sehr drauf, bin aber generell gerade recht angespannt wegen der nächsten Berlin-Reise, weil Omikron jetzt gerade in Berlin sehr verbreitungsfreudig ist. Ich bin noch nicht geboostert und werde schon wieder so viele (immerhin alles geimpfte) Menschen treffen. Puuuhh ...

Auch noch geschafft: Buchungen für Oktober (Umsatzsteuervoranmeldung für's letzte Quartal steht wieder an).



Donnerstag:

Ein Tag voller Termine. Nach Yoga, Live-Talk und Planungstreffen für die Fortbildungs-SNACKS war ich dann am Nachmittag zum Sonnenuntergang doch noch schnell draußen, habe zwei Päckchen weggebracht (und in der Zwischenzeit zuhause eines von meiner lieben Freundin Katja bekommen!), ein in eine Buchhandlung bestelltes Buch abgeholt und einen Hanseaten-Keks am Hafen gegessen.

Mit den Vorspielern abends eine produktive Zoom-Probe. Nächste Woche bin ich wieder vor Ort und man ... die Omikron-Zahlen in Berlin sind schon heftig. Vielleicht trage ich die ganze Zeit Maske, mal schauen ...



Freitag:

Huch, schon letzter Tag der Arbeitswoche. Wie konnte das so schnell sein? Gefühlt habe ich NICHTS geschafft. Ist natürlich nicht so, aber fühlt sich so an.
Für alle, die sich mit Sport genauso schwer tun wie ich, habe ich diesen interessanten Artikel gefunden:
https://www.nzz.ch/wissenschaft/die-kunst-bewegung-lieben-zu-lernen-ld.1660014?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Mein Wochenende ist schon wieder voller Pläne: ans Meer fahren, Kekse backen, neues Handy einrichten (ich bekomme das meines Mannes, weil er sich ein ganz neues gekauft hat). Wahrscheinlich mach ich nichts davon.😂 Dem NABU bei der Vogelzählung helfen, wäre auch toll: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/mitmachen/index.html

Egal: Los geht's!