Freitag, 14. September 2018

Theatertagebuch #1



Los geht's mit einer neuen Blogreihe: dem Theatertagebuch.

Beim Netzwerken werde ich oft gefragt, was ich in meinem Beruf eigentlich genau mache und ich denke, es ist Zeit, mal etwas ausführlicher zu erzählen, wie ich als Theaterpädagogin die Woche über so arbeite.

Nach dem #wertekatalog und den #freitagsgedanken werde ich also nun jeden Freitag von meiner Theaterarbeit berichten – von Proben, Aufführungen, Workshops, Fortbildungen, Gedanken, Erlebnissen und Erkenntnissen.


Montag:

Einmal pro Monat bin ich montagmorgens im Coworking Space Meeet West und leite dort den "Impromorgen", einen zweistündigen Impro-Workshop für jeden, der montags um 10 Uhr Zeit und Bock für Impro hat.
Das Thema diesmal "Impro ohne Worte". Wie immer war ich ca. 15 Minuten vor Beginn da, aber dieses Mal noch keine Teilnehmer. Und erschreckt stellte die Mitarbeiterin vom Meeet fest, dass gar kein Raum reserviert wurde und auch keiner frei war. Mistikack. Also ging es wieder nach Hause, zum Glück nur 15 Minuten Laufweg entfernt.
Was macht man mit so einem angefangenen Tag, der nicht so abläuft wie geplant? Erstmal Home Office ...
Nachmittags telefonierte ich mit einem Xing-Kontakt. Eine Frau hatte mich angeschrieben und wollte mich und meine Arbeit kennenlernen – ob wir mal telefonieren könnten.
Tjaaaaa ... Telefonieren und ich ... das ist immer so eine Sache. Ich telefoniere ja äußerst ungern mit fremden Menschen, das kostet mich immer Überwindung. Aber hey, Überwindung gehört zum Leben dazu. Es war ein angenehmes und fröhliches Gespräch und wir tauschten uns über unsere Arbeit aus, fanden Schnittstellen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Dabei kam das Thema auf eine Sache, die für mich immer wieder sehr interessant ist: Wie stehe ich zu reinen Frauengruppen? Female Empowerment und weitere Schlagwörter fallen mir da ein und meist geht es dabei darum, dass Frauen sich untereinander stärken. Ich weiß, dass viele Frauen sich in reinen Frauengruppen viel leichter öffnen und mehr "sie selbst" sind (was auch immer das heißt ... aber das ist ein anderes Thema). Sie fühlen sich unter Frauen geborgener, geschützter und mutiger.
Ich nicht.
Das liegt daran, dass mir die Geschlechtertrennung immer Unbehagen bereitet. Ich möchte nicht nach Geschlecht trennen. Ich sehe uns alle in erster Linie als Menschen und ich finde, Menschen können mit Menschen wunderbar zusammenarbeiten, unabhängig vom Geschlecht. Oder eben auch überhaupt nicht miteinander klarkommen, unabhängig vom Geschlecht. Hier habe ich schon einmal darüber geschrieben: "Ich bin kein Sexist, aber ..."

Wie geht es euch damit? Wie steht ihr zu geschlechtergetrennten Gruppen?

Weil ich mich mit der Trennung nicht anfreunden kann, meide ich geschlechtergetrennte Gruppen. Ich gehe nicht (mehr) zu reinen Frauennetzwerken, nicht zu "Mädelsabenden", nicht zu Frauen-Gesprächsrunden. Ich leite auch keine Frauen-Theatergruppen (es sei denn, es ergibt sich zufällig, weil sich keine Männer anmelden).
Aber nur weil ich das nicht mache, heißt es nicht, dass es nicht wichtig ist. Das ist es sehr wohl!
Es braucht (noch?) den Raum für die Geschlechter, unter ihresgleichen zu sein. Das merke ich immer wieder, in Gesprächen mit Frauen und Männern.
Vermutlich bin ich in meinem Kopf wie immer viel zu weit weg in einer weit in der Zukunft liegenden Fantasiewelt. Aber das ist okay, man kennt mich dort.
Mir ist bewusst, dass wir das nicht einfach so erreichen. Vielleicht auch nie ...

P.S.: "Impro ohne Worte" gibt's dann nächsten Monat, am 08.10. im Meeet West.


Dienstag:

Dienstag war Fun-Tag! Dienstags bin ich meist in Tegel und gebe dort eine Stunde privaten Theaterunterricht. Dieses Mal waren es sogar zwei Stunden am Stück und wir nutzten die Zeit, um raus an den Tegeler See zu gehen.
Man kann nämlich auch draußen unter Menschen super Theaterspielen. Sogar so, dass es wenig auffällt. Zuerst gab's eine kleine theoretische Mini-Einführung ins Unsichtbare Theater. Mein Plan war nicht, ein Stück in der Öffentlichkeit zu spielen, sondern kleine Übungen zu machen. Wir liefen nebeneinander durch die Fußgängerzone und gaben uns gegenseitig Anweisungen wie wir laufen, z.B. humpelnd, wie ein Rentner, besonders gerade mit durchgestrecktem Rücken.
Dann wechselten wir zu Betonungen und Sprechweisen, z.B. grinsend, traurig, ernst.
Vor einem Schild blieben wir stehen und lasen die Anweisungen für die Besucher der Promenade wie eine Trauerrede bei einer Beerdigung.
Am Wasser machten wir dann ein paar Videoaufnahmen, denn mein Schüler überlegt, sich bei der Plattform Rollenfang zu bewerben.
Auf dem Rückweg wurde wieder improvisiert (vornehme Sprechweise!) und es entstand ein lustiges Gespräch zwischen dem Ehepaar Friedbald und Gerlinde. Und zack war der Entschluss da: zu den beiden Figuren schreiben wir gemeinsam eine Szene.
Es war so schön, die Entwicklung zu sehen, die in den letzten Monaten gemacht wurde. Jetzt bin ich gespannt auf alle weiteren Schritte, die noch kommen.

Nachmittags traf ich mich mit Lydia von Büronymus. Wir haben uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und dementsprechend lange gequatscht. Es ist mir immer wieder ein Vergnügen mit ihr. Ich hoffe, dass wir bald mal gemeinsam etwas starten, egal ob Theaterstück, Workshop, Ausstellung etc.
Wer ihren Blog noch nicht kennt: husch rüber und lesen! Sie hat mich auch mal interviewt:
"Auf der Arbeit darf man nicht spielen"
Und es gibt ein Interview mit ihr auf meinem Blog:
"Die Arbeitswelt ist völlig anders als die Welt da draußen"


Mittwoch:

Tagsüber Hoffice mit meiner Freundin Carmen und abends Gruppendrang-Probe.
Mittwochabends findet immer der Gruppendrang-Abendkurs statt. Der aktuelle Kurs startete Anfang Juli und seitdem treffen sich die Teilnehmer jeden Mittwochabend unter meiner Leitung, um gemeinsam ein Stück zu erarbeiten.
Am Kursanfang machen wir viele Theaterübungen und -spiele und dann wird es immer etwas orga-lastig: ein Stück muss ausgewählt werden, Teams werden gebildet (für Regie, Dramaturgie, Kostüm, Bühnenbild, PR ...), Aufführungsort und Termine müssen gefunden werden sowie ein passender Gruppenname. All das hat die Gruppe erstaunlich schnell in den ersten Wochen erledigt, doch dann hingen wir etwas fest.
Als Stück wurde "Alice im Wunderland" ausgewählt, das viel Spielraum bietet. Nicht nur für Albernheiten auf der Bühne, sondern auch für die Interpretation. Und bei 12 Teilnehmern ist es gar nicht so einfach sich zu einigen, was denn nun beim Publikum rüberkommen soll.
Wollen wir eine Botschaft in das Stück packen?
Soll das Stück modernisiert werden?
Wenn ja, wie?
Es prallten verschiedene Meinungen aufeinander und so eine richtige Lösung war noch nicht gefunden.
Ich wollte eigentlich nach Plan vorgehen und erstmal das Stück komplett gemeinsam lesen, um danach zu entscheiden, wie es weitergeht. Aber die letzten Proben merkte ich, dass das wohl diesmal keine gute Vorgehensweise ist. Immer wieder kamen Diskussionen zum Thema Interpretation und Botschaft auf und deshalb haben wir am Mittwoch das Thema zu Ende diskutiert und Lösungen gefunden. Welche es sind, verrate ich nicht, ich will ja nichts spoilern.
Aber es war ein sehr befriedigendes Gefühl – ich glaube für alle –, am Ende der Probe diesen Streitpunkt gelöst zu haben. 

By the way: Die Gruppe heißt "Einigermaßen ansehnlich" und die Aufführungen sind am 01./02. und 22./23. März 2019!


Donnerstag:

Bald wird der Donnerstag mein vollster Tag der Woche, denn ab Oktober startet der Feierabendkurs. Ab da werde ich dann vormittags brav zum Yoga gehen, am späten Nachmittag den Feierabendkurs und direkt danach die Vorspieler-Proben leiten.
Also habe ich es diese Woche genossen, dass es noch nicht soweit ist und nach dem Yoga nachmittags entspannt rumgedümpelt.
Die Probe der Gruppe Vorspiel (meine langjährige Theatergruppe, in der ich Regie und Orga mache) fand dieses Mal in sehr kleiner Runde statt, es waren nur 4 Leute da. Dafür sind wir gut vorangekommen und haben eine Szene ganz neu und fertig einstudiert, eine andere zu Ende ausgearbeitet. Und natürlich wie fast immer: Text gekürzt.
Ich liebe ja Textkürzungen, besonders wenn sie sehr großzügig sind. Es gibt kaum ein befriedigenderes Gefühl als einfach eine halbe oder ganze Seite durchzustreichen. Yes!


Freitag:

Hey, endlich mal wieder ein Freitag ohne Termin. Zeit für Home-Office und den ersten Eintrag des Theatertagebuchs!

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