Samstag, 13. März 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 52





Montag:

Ein entspannter Sonntag liegt hinter mir. Ich habe "Der mit dem Wolf tanzt" in Originalversion geguckt, allerdings nur die 3-Stunden-Version. Als Kind war ich jedes Mal genervt, wenn meine Familie mit Blick in die Fernsehzeitung begeistert "Oh, 'Der mit dem Wolf tanzt' kommt. Den gucken wir natürlich." gerufen hat. Und dann fanden Stunden über Stunden Langeweile statt. Zumindest kam es mir damals so vor.
Aber jetzt fand ich ihn richtig toll. Irgendwann gucke ich auch mal die lange Version.

Heute ist in Berlin übrigens Feiertag, was ich erst am Samstag erfahren habe. Ich krieg ja nix mit. Als Selbständige im Homeoffice ist das eh irrelevant. Ich arbeite heute wie sonst auch.
Und warum auch nicht. Hier übrigens ein guter Artikel zu diesem Feiertag:
https://www.amazedmag.de/fakten-diskriminierung-frauen/?fbclid=IwAR1WmGrw8bzR_6i2L5_kYqmMmcOAld7tZW9gpLlwln0LZzRPa3npL25Wjzw

Zum Frauentag auch noch einer meiner Lieblings-Podcasts in einer Art "Live-Folge", die ihr bei Youtube angucken könnt:
https://www.youtube.com/watch?v=NWrBIKZcnwU&t=525s



Dienstag:

Superfrüh aufgestanden, um pünktlich um 8 Uhr bei meiner Zahnärztin im Wedding zu sein. Da ich empfindliche Zähne habe, finde ich die Prophylaxe-Behandlung immer ziemlich schmerzhaft. Geht es anderen genauso? Mache es trotzdem ca. alle neun Monate.
Die Zahnarzthelferin hat mit erzählt, dass sie endlich heiraten will. Hatte es schon letztes Jahr vor, aber da ging es nicht. Ich hab ihr viel Glück für dieses Jahr gewünscht, kann es mir aber ehrlich gesagt noch nicht so vorstellen, dass demnächst große Familienfeiern möglich sein werden.

Wie jeden Dienstag im Anschluss Theaterstunde mit Nick. Heutiger Tanzsong:
https://www.youtube.com/watch?v=64FrYGRrKVY

Das frühe Aufstehen macht mich wahnsinnig müde.

Für alle Trekkies ein schöner Artikel:
https://intl.startrek.com/news/how-barclay-changed-starfleet-for-the-better?fbclid=IwAR3LoME5QIyVG1mtvWNjz4yeuNBImqL0Gb01a5qxx7MI5xa3Bv_2v9YHTjg

Bin heut ziemlich aufgeregt, weil abends zum ersten Mal unser Aufbau-Seminar stattfindet. Lausche meiner Kollegin und freue mich gleichzeitig auf meinen Block.


Mittwoch:


Sehr zufrieden mit unserer gestrigen Seminar-Premiere.

Heute ist der letzte Tag Sonnenschein bevor es dann eine Woche lang regnen soll. Also steht natürlich noch mal ein Spaziergang auf dem heutigen Plan.

Die Leute sind schon wieder so drauf als sei die Pandemie vorbei. Musste gestern wieder Katzenstreu kaufen und da der Rossmann bei mir in der Nähe zugemacht hat, ist der Weg jetzt etwas weiter. Die Menschen standen alle so dicht an mir dran ... Kriseee!

Mein Projekt "Jeden Monat mind. ein Buch" geht gut voran. Lese gerade ein kleines Büchlein über das Verhalten von Graugänsen (Super interessant, wenn man Status-Fan ist! Hab ich in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden.) und mit meinem Mann zusammen Marie-Theres Schwinns Buch über ihre Zeit als Unterhaltungsmatrosin auf einem Kreuzfahrtschiff. Jeden Abend liest einer von uns beidem dem anderen ein Kapitel vor und im Anschluss haben wir oft erkenntnisreiche Gespräche. Danke dafür, liebe Marie!


Hab ich erwähnt, dass ich die ganzen Kund*innen, die seit dem ersten Lockdown bei mir Gutschriften für schon bezahlte Kurse und Workshops hatten, angeschrieben hab, um das Geld zurückzuzahlen? Bin damit fast durch und es fühlt sich gut an, fast keine Gutschriften mehr "herumliegen" zu haben.


Donnerstag:

Der Tag beginnt mit Regen und ich habe momentan wieder das Gefühl, alle Tage verschwimmen ineinander. Ich vergesse ständig, welcher Wochentag gerade ist ... obwohl ich meine Theatergruppen als "Marker" habe.

Lydia von Büronymus hat wieder einen grandiosen Artikel geschrieben:
https://www.bueronymus.de/meinung-vs-bildung/?fbclid=IwAR0cZ59PdeP0dDz7cmxyfgI1aoRpZo2QVCQ-J9oV-CkdcmJE_9ju0S85yCs

Die aktuellen Lockerungen fühlen sich etwas anders an als letztes Jahr im Frühsommer. Irgendwo nicht-existent und gleichzeitig mit neuen Bedingungen. Medizinische Masken sind mittlerweile Standard und Schnelltests werden zum Türöffner. Man Mann war heute das erste Mal in einem Testzentrum, um einen Termin zur Bartbehandlung wahrnehmen zu können.



Freitag:

Habe gestern dieses Interview gelesen und bin geplättet von diesem wunderschönen Hausboot:
https://femtastics.com/stories/homestory-hausboot/?fbclid=IwAR2i9zlyS5Zgw8I_qjGBzLIAirgTqFi_ggHpD20zZAAa5Uq79f4dlvrPCGk
Jetzt würde ich gern dorthin fahren und einen Schuh-Workshop besuchen. Das wär der Knaller!

Überhaupt hätte ich gern mal wieder Lust auf handwerkliches. Das Töpfern an der Drehscheibe vermisse ich auch sehr. Vielleicht ist es ja dieses Jahr wieder möglich.

Wisst ihr was heute ist? Vor einem Jahr hat Angela Merkel gesagt, dass alle Veranstaltungen, die nicht zwingend nötig sind, nicht stattfinden sollen. Am späten Abend, als ich zusammen mit einer Vorspielerin im Restaurant saß, weil viele an dem Abend nicht konnten und keine Probe stattfand.
Das war irgendwie surreal und erschreckend und – ehrlich gesagt – faszinierend und herausfordernd zugleich. Mir hat dieses Verbot so einen Aufschwung an Arbeitseifer und Kreativität gegeben, mit dem ich nicht gerechnet hätte.
Ich hatte keine Ahnung, wie das mit der Theaterpädagogik digital klappen kann, aber ich hatte wahnsinnig große Lust, es auszuprobieren. Hatte ich schon lange, aber es gab nie einen triftigen Grund. Es musste anscheinend erst eine Not-Situation kommen.
Monatelang habe ich Videochat-Tools getestet und Übungen gesammelt und Methoden ausprobiert. Mein erster Online-Workshop hatte 2 Teilnehmende. Und das war okay. Der digitale Zoom-Raum ist immer voll, egal wie Menschen anwesend sind ... ganz anders als im Präsenz-Raum. Ein leerer Probenraum wirkt schnell einschüchternd, wenn man da zu dritt verloren rumsteht.
Und jetzt? Fast ein Jahr später gebe ich selbst Fortbildungs-Seminare zum Online-Theaterunterricht. Ich habe die Möglichkeit, Kolleg:innen zu helfen und sie für die eigene Arbeit zu inspirieren. Gleichzeitig ist das auch noch mein aktueller Job, mit dem ich auch Geld verdiene. Crazy, oder?
Zusätzlich habe ich noch immer meine treue, liebe Vorspiel-Gruppe, meinen Privatschüler Nick und die LAG, mit denen ich schon alle Phasen durchgemacht habe: von Online-Unterricht zu Draußen-Unterricht zu Innen-Unterricht zu Online-Unterricht. Und bald geht das bestimmt wieder von vorne los. Ob es im Herbst wieder im Online-Unterricht endet? Wer weiß ... Ich vermute, dass es so sein wird, aber jetzt bin ich gerüstet.
Meinen neuen Theatergruppenkurs kenne ich seit Oktober und habe ins sofort ins Herz geschlossen. Analog getroffen habe ich den Kurs noch nicht, keine*n der Teilnehmenden. Darauf freue ich mich ganz besonders, diese Menschen irgendwann im analogen Raum zu sehen.
Also harre ich der Dinge und weiß: irgendwie kommen wir da zusammen durch. Nicht ohne Verluste, aber auch mit neuen Erkenntnissen. Und unser theaterpädagogisches Zuhause hat einen neuen Anbau bekommen: den digitalen Raum.

Abends Besuch der Inszenierung "Challenge Accepted: Ich bin" von und mit Jana Zöll, präsentiert vom Theater der Jungen Welt Leipzig. Ich mag das knackige Format und die Möglichkeit der Partizipation. Sehr empfehlenswert!

Achja, und ich habe mir einen Teil meiner Haare pink gefärbt. Also momentan ist es eher ein verwaschenes Flamingo-Rosa ... aber wird noch. Es ist ein Prozess ...


Samstag:

Heute vor einem Jahr habe ich mit diesem Corona-Tagebuch begonnen. What a ride!!! Hier der erste Eintrag:
https://theaterberlin.blogspot.com/2020/03/corona-theatertagebuch-freitag-13-marz.html

Jetzt besuche ich meine Freundin und Vorspielerin Anne, die ich auch schon seit bestimmt mindestens einem Jahr nicht mehr getroffen habe.

Wochenendeeee!

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