Samstag, 6. März 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 51




Montag:

Willkommen in der neuen Woche! Nach einer Woche ohne Workshops war es ganz ungewohnt, heute wieder mal "digital theatral" zu veranstalten. Ich war richtig aufgeregt. Aber jetzt bin ich wieder "in the game" und bereit für den Rest der Woche.

Hier ein interessantes Interview mit der Digitalbeauftragten des Staatstheaters Augsburg, Tina Lorenz:
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/tina-lorenz-ueber-die-digitale-zukunft-des-theaters-17218045.html?GEPC=s9&fbclid=IwAR2qQ7d94DUQ3V9D-BprWkoLzAVX6LB_wZ15ha33Nnci5vGBBe395_b_0h8
Als ich den Kommentar darunter gelesen habe, dass man diesen "Unfug verhindern" soll, ist mir ein bißchen schlecht geworden vor Schreck. Ich bin so dankbar für die Möglichkeit des digitalen Theaters und so glücklich, dass sich Theater auch endlich mehr in den digitalen Raum erweitert, dass sich so ein Kommentar wie ein persönlicher Angriff anfühlt. Ich kann die Emotionen dahinter verstehen und natürlich ist hautnah erlebtes Theater grandios. Aber sich vor der Digitalität zu verschließen, wo uns das Internet nun doch schon seit fast einem halben Jahrhundert verbindet ... das kommt mir sehr hinterwäldlerisch vor.
Die Welt verändert sich, und genau wie Tina Lorenz es in dem Interview sagt, hat Theater schon immer auf neue Technik und neue Erfindungen zugegriffen und sowieso immer am Puls der Zeit gearbeitet. Da gehört Digitalität dazu. Und auch die Verschmelzung verschiedener Künste und Medien. Denn genau das ist ja auch das, was die letzten Jahrzehnte passiert ist und immer weiter passiert. Grenzen verschwimmen und Performance trifft auf Musik trifft auf Theater trifft auf Malerei trifft auf Tanz trifft auf ... Unendliche Überschneidungen sind möglich. Das heißt ja nicht, dass es das "klassische" Theater nicht mehr geben soll. Wie auch immer man "klassisch" definieren möchte. Aber Veränderung und Digitalität gehört zu einer Arbeit am Puls der Zeit dazu. Und wenn es Menschen stört, dass wir das dann Theater nennen, dann finden wir einfach einen anderen Begriff dafür.
Für mich lebt Theater vom Live-Moment, vom gemeinsamen Teilen eines Raumes. Ob das ein digitaler oder analoger Raum ist, ist für mich zweitrangig.
Und ich bin auch zusehends davon genervt, wenn Leute mit Wörtern wie "real" oder "live" um sich schmeißen, als Gegenstück zu digitalem Theater. Wenn ich zuhause vor dem Rechner sitze und einer Zoom-Inszenierung beiwohne, bin ich trotzdem ein realer Mensch. Auch die Darstellenden sind reale Menschen. Wenn ich in dem Moment zuschaue, in dem sie spielen, dann ist das live.
Ich weiß, wie die Leute es eigentlich meinen, aber es gibt doch ein Wort dafür: analog. Wir können von analogen Aufführungen, analogen Proben, analogen Veranstaltungen sprechen. Das ist dann das passende Gegenstück zum Wort "digital". Aber geht es vielleicht gar nicht um ein passendes Wort ...?! Immerhin kann man mit einer Wortwahl wie "real", "echt" oder "live" das analoge Theater geschickt auf- und das digitale Theater abwerten.
So, das war mein Rant des Tages.

Ich war heut sogar mal wieder spazieren und habe einen Reiher beobachtet und dabei im Hintergrund Gitarrenmusik gelauscht. Highlight des Tages.

Freue mich jetzt auf den Kollegialen Austausch mit meinen Kolleg:innen. Krass, daran merkt man immer, dass schon wieder ein Monat um ist.



Dienstag:

Heute wieder Theaterstunde mit Nick. Heutiger Tanzsong:

https://www.youtube.com/watch?v=o3UHMV3jrZk

Irgendwie fühlt sich der heutige Tag an, als sei es schon Donnerstag. Aber es ist erst Dienstag. Bin durcheinander und müde und die Augen jucken wegen des Heuschnupfens.

Finde dieses interaktive Video total süß:
https://www.youtube.com/watch?v=ygAzZsb6evE
Aber ich mag auch den Herrn Dr. Wimmer sehr ...😏


Mittwoch:

Juten Morgen! Sonne scheint und ich bin zwar müde, aber halbwegs motiviert.
Gerade ist ein neuer "Liebesbrief an Serien" online gegangen:
https://theaterberlin.blogspot.com/2021/03/liebesbriefe-serien-rita.html

Lese gerade diesen Artikel darüber, wie Unternehmen Bewerber:innen mit Behinderung finden können:
https://jobinklusive.org/2021/02/25/7-tipps-bewerberinnen-behinderung/
Und auch wenn ich selbst keinen Job zu vergeben habe, finde ich es interessant und muss mir selbst an die eigene Nase fassen, z.B. beim Thema Rechtschreibung. Als Tochter einer Deutschlehrerin bin ich da schon immer recht penibel gewesen, auch wenn ich selbst natürlich ständig in meinen Blogartikeln Fehler mache.😅 Aber sich von dem Bild fehlerfreier Sprache als Zeichen von Kompetenz zu verabschieden, ist echt schwer, weil es so tief eingegraben ist. Ich arbeite dran.
Aber auch Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema. Als Unternehmerin miete ich mir für meine Kurse Probenräume. Ich habe verschiedene Kriterien wie Lage, Wohlfühlfaktor (z.B. angenehmer Bodenbelag), Erreichbarkeit und natürlich Preis, die ich bei der Auswahl einbeziehe. Und ganz klar auch Verfügbarkeit zu den Zeiten, in denen ich den Raum nutzen möchte. Barrierefreiheit hatte ich ich nur weit im Hinterkopf auf dem Schirm und habe es bisher angenehm verdrängt. Sollte ich irgendwann in Rostock auf Raumsuche sein, möchte ich das mitbedenken.

--> Dieses Uralt-GIF (heißen die eigentlich so?) hat mir meine Kollegin Marion geschickt. Jetzt bin ich richtig nostalgisch drauf. Danke!

Die abendliche Probe mit meinem neuen Theatergruppenkurs ließ uns mit fragenden Gesichtern zurück, weil grundsätzliche Fragen aufgeploppt sind, denen wir uns in der nächsten Probe widmen werden. So ist das manchmal. Vieles, was man anfangs noch offen gelassen hat, kommt dann irgendwann auf den Tisch und muss geklärt werden bevor es weitergehen kann.



Donnerstag:

Boah, war ich heut früh müde beim Aufwachen. Seit Ewigkeiten mal wieder früh um 7 Uhr aufgestanden und bei meiner Freundin Eva Yoga mitgemacht.

Um 11 gab's dann wieder einen Live-Talk mit Mark Kitzig, nachmittags Planungstreffen mit Marion und Michael wegen des Aufbau-Seminars und am Abend werden die Vorspieler und ich zusammen werther.live gucken. Whoop whoop!

Die letzte Regierungskonferenz hat interessante Regelungen erstellt, eine Art "wenn-dann"-Stufen-Plan. Ich hab dazu irgendwie keine Meinung und gehe bei der Planung momentan immer nur vom Ist-Zustand aus. Also was kann ich JETZT machen bzw. unter den aktuellen Umständen. Über Lockerungen, Draußen-Workshops etc. kann ich mich immer noch freuen, wenn es irgendwann soweit sein sollte.




Freitag:

Heute ist richtig viel Sonnenschein. Fühle sofort Druck, irgendwie rausgehen zu müssen. Mal abwarten, vielleicht legt sich der Druck wieder ...

Der Druck hat sich gelegt. Alles gut.

Habe diese Woche die Wochenaufgabe vom Digitalen Tanzlabor sehr genossen: Playlist hören und dazu tanzen und die Bilder, die dabei vor dem inneren Auge entstehen, malen. Habe es mit zwei verschiedenen Playlists gemacht, die Ergebnisse seht ihr oben. Ich merke, dass mir der künstlerische Ausdruck des Zeichnens noch viel mehr bringt als das Tanzen. Der Tanz ist für mich einfach Freude an der Bewegung, aber nicht meine künstlerische Ausdrucksform. Auch eine wichtige Erkenntnis.

Habe mir für Ende März ein Ticket für ein VR-Theaterstück mit Zusendung der entsprechenenden VR-Brille beim Staatstheater Ausgburg bestellt. Wenn das auch jemanden interessiert, einmal hier entlang:
https://staatstheater-augsburg.de/vr_theater_at_home



Samstag:

Heute gab es noch ein Event mit den Vorspielern: Krimidinner! Wir spielten "Fremde Welten" von dieser Seite hier: https://www.mordsnacht.de/
War lustig und überaschend schnell vorbei. Geplant waren 4-5 Stunden, nach 3,5 Stunden waren wir aber schon durch. Ist ja auch ganz schön.

Und jetzt: Wochenendeeeee!


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