Freitag, 5. Februar 2021

Corona-Theatertagebuch – Woche 47





Montag:

Und eine weitere Woche beginnt. Natürlich noch immer Lockdown.
Ich gehe irgendwie durch mehrere Phasen. Momentan bin ich wieder relativ gut im Lockdown angekommen und kann damit entspannt leben. War am Wochenende jeden Tag spazieren, habe leckeren Kuchen gegessen und mich von meinem Mann schminken lassen.

Heute bei meiner Freundin zu Besuch gewesen. Wir haben eine recht unterirdische Verfilmung von "Krieg & Frieden" geguckt. Also nur den ersten Teil, mehr ging nicht. Ich habe es vor wenigen Jahren mal als Hörbuch angefangen und sollte es mal weiterhören. Mochte es eigentlich ziemlich gern.

Abends Kollegialer Austausch. Die Hütte war voll und ich überlege, die Sprechzeit zu begrenzen. Finde das gar nicht so einfach zu händeln, gerade im digitalen Raum, in dem lange Erzählungen anstrengender zum Zuhören sind. Muss ich nächsten Monat mal mit den Kolleg:innen besprechen.


Dienstag:

Wie jeden Dienstag begann der Tag mit einer Theaterstunde mit Nick. Heutiger Tanzsong:
https://www.youtube.com/watch?v=cbB3iGRHtqA

Auch diese Woche bin ich noch nicht zur Tanzaufgabe des Digitalen Tanzlabors gekommen. Aber wird noch.

Hier eine sehr unterhaltsame Podcastfolge mit Harald Schmidt:
https://www.youtube.com/watch?v=l8B2quk6_uE
Ich mag seine Arroganz, aber gleichzeitig Wachheit und Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Veränderungen. Er weiß, dass er ein "alter weißer Mann" ist, und kann damit irgendwie umgehen. 

Am späten Nachmittag dann nochmal mein Workshop "digital theatral" für die Schauspieldozent:innen der Theaterakademie Köln. Ich war ehrlich gesagt erst ein wenig eingeschüchtert, also "nur" Theaterpädagogin ein Seminar für die Schauspieldozent:innen zu geben. Aber sooo unterschiedlich arbeiten wir gar nicht und es war dann doch ein entspanntes Seminar mit vielen interessanten Ideen. Auch ich nehme jedes Mal neue Impulse mit. Danke!


Mittwoch:

Wunderbarer Tag. Homeoffice, leckeres Essen, Mini-Spaziergang, Nachmittagspause mit einer Folge "Voyager" und abends eine Probe mit meinem neuen Theatergruppenkurs. Wir haben nochmal etwas ausführlicher über die Rollen im Stück gesprochen und viel gelacht. Als WarmUp und CoolDown gab es mal wieder Atemübungen nach MargolisMethod und am Schluss unterhielten wir uns noch kurz über das Thema Nacktheit auf der Bühne.
Ich habe vor wenigen Jahren einen interessanten Vortrag zum Thema Intimacy Coaching besucht, zu dem ich damals auch einen Blogartikel geschrieben habe. Hier ist er:
https://theaterberlin.blogspot.com/2019/03/intimacy-on-set-vortrag-von-intimacy.html
Und hier noch ein passendes Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=vXPe4OLeUCE


Donnerstag:

Ich frage mich, wieso ich dauernd aufschreibe, dass ich im Homeoffice bin. Ist ja logisch. Wo auch sonst???

Der Tag begann mit Yoga und im Anschluss einer sich etwas verlierenden Recherche zu der Eso-Methode "CQM". Hatte das auf Facebook bei einer Person gelesen und hab mich gefragt, was das sein soll. Für alle, die NICHT esomäßig drauf sind (so wie ich :P): Es lohnt sich nicht, es zu recherchieren. Irgendeine "Energiemethode", um Menschen zu heilen, ihnen Geldregen zukommen zu lassen oder was auch immer man sich wünscht. Bißchen wie Handauflegen, aber ohne Anfassen. Man findet wenig konkretes dazu, was daran liegt, dass es eine Art Multilevel-Marketing-Modell ist, um Menschen abzuzocken. Traumhaft.
Womit man sich so beschäftigt ... muss der Lockdown-Koller sein ...

Wir kommen voran bei den Vorspielern. Bald können wir in die Tonaufnahmen starten ... vermutlich jede:r für sich zuhause unter der Bettdecke. War auf jeden Fall eine entspannte, fröhliche Probe.

Mein Kollege hat vorhin erwähnt, dass evt. nächste Woche wieder Präsenz-Proben (in Nordrhein-Westfalen) möglich sein könnten. War im ersten Moment total irritiert, weil in meinem Kopf schon abgespeichert ist, dass ich bis mind. Ende März online arbeite. Erscheint mir so abwegig, dass sich vorher etwas ändert. Aber ich freue mich natürlich für jede:n, der wieder in Präsenz arbeiten kann. Ich habe für mich gemerkt, dass mir die Proben mit Abstand und Maske deutlich weniger Freude bereiten als Draußen-Proben oder digitale Proben. Oder anders gesagt: Ich probe gern freiwillig online solange man noch nicht nach draußen kann, weil mir die ganzen Hygienemaßnahmen in geschlossenen Räumen schlicht zu anstrengend sind. Und extra Tests möchte ich dafür auch nicht machen (müssen).


Freitag:

Superfrüher Tagesbeginn, denn ich war wieder um 8 Uhr mit einer Bekannten aus dem Kollegialen Austausch spazieren. Ich mag es, den Tag gleich mit einem Spaziergang zu beginnen ... kann mich aber selten dazu aufraffen.

Vormittags ein fröhlicher Workshop "digital theatral", den ich ordentlich überzogen habe. Aber es gab viele interessierte Fragen, da muss das sein.

Was mich heute sehr bewegt, ist die Initiative #actout. 185 Schauspieler:innen haben sich im SZ-Magazin für die Öffentlichkeit und vor allem für die Branche und die Entscheider:innen geoutet. Mich bewegt das sehr und macht mich total glücklich. Es muss sich in der Film- & Theaterlandschaft unbedingt etwas ändern!
https://sz-magazin.sueddeutsche.de/kunst/schauspielerinnen-schauspieler-coming-out-89811
 
Abends ein ganz entspannter, stímmungsvoller Vorglühen-Workshop, der uns am Schluss per Geräuschkulisse in den Urlaub entführt hat.
So starte ich doch gern ins Wochenende.

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