Corona-Theatertagebuch – Woche 46





 

Montag:

Guten Morgen!
Ich wollte den Tag ganz fröhlich tanzend verbringen, denn ich bin ja beim digitalen Tanzlabor dabei. Nach 2,5 Songs war der Akku von meinem Bluetooth-Kopfhörer alle. Of course. Also lade ich den jetzt erstmal auf und sitze im Homeoffice. Obwohl ich mir den Tag freigehalten hatte. Weiß aber auch grad nix anderes mit mir anzufangen.
Hab grad mal in den Kalender geschaut: Seit etwa einem Vierteljahr arbeite ich nur noch online. Krass. Seit Anfang November hatte ich keine Präsenz-Arbeitstermine mehr.
Privat ging und gehe ich ab und zu mit jemandem spazieren, gehe etwa zweimal die Woche in den Supermarkt und/oder zur Drogerie (Katzenstreu ... der Krampf der Nation!). Ein Weltwunder war das Gebärdensprach-Wochenende Mitte November, das als Präsenzveranstaltung stattfand.
Bis etwa Mitte Dezember konnte ich meine Oma noch im Heim besuchen. Könnte ich jetzt zwar auch (wenn ich mich vorher testen lasse), aber der Weg durch die Stadt ist super weit, ich will nicht so lang mit den Öffentlichen fahren und ich habe auch Schiss vor dem Test, denn der soll ja sehr unangenehm sein (meine Arztangst und so ...). Meine Mutter ist aber regelmäßig dort. Die habe ich auch ein paar Mal besucht in den letzten Monaten. Und meinen Vater.
Mittlerweile finde ich den Lockdown deutlich anstrengender, so nach einem Vierteljahr. Am meisten vermisse ich es, mit Freunden im Restaurant zu sitzen. Kino vermisse ich auch (mehr als Theaterbesuche ... sorryyyy!). Und CSD wär toll. So eine richtige Riesenveranstaltung mit tausenden Menschen.

So viele Tote mittlerweile. Der Tagesspiegel hat eine Gedenkseite gestaltet:
https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/den-toten-der-coronapandemie/?fbclid=IwAR2cJOCnDbdv69t-56cKpSmZj42yuToAGU_cfT0yucsybvef3Bv6xsgU668

Nachmittags hatte ich heute ein unglaubliches Tief. Vom Wochenende, an dem ich gerade mal 4 oder 5 große Kleidertaschen aus dem Keller geholt, sortiert und wieder runtergebracht habe, habe ich Muskelkater in den Oberarmen. Und ab 15 Uhr heute war irgendwie die Luft raus. Mir tat gefühlt alles weh und ich wollte gar nichts. Nicht arbeiten, nicht essen, nicht online sein, nicht basteln, nicht lesen, nicht stehen, nicht tanzen, nicht spazieren ... nichts. Mein Mann kam aus dem Wohnzimmer und ihm ging es ganz genauso. Also haben wir uns ins Bett gekuschelt und sind für ein Stündchen eingeschlummert. Danach war ein winziger Funken mehr Energie da. Schwarzer Tee, Apfel und Schokomandeln sowie eine Folge "The Pottery Throw Down" sorgten dafür, dass überhaupt wieder irgendwas ging.
Und dann hatte ich noch einen gemütlichen Abend mit meiner Freundin Carmen. Per Zoom haben wir zusammen den Film "Emma" geguckt. Eines der Dinge, die man aus der Ferne zusammen machen kann.


Dienstag:

Morgens wieder Unterricht mit Nick. Heutiger Tanz-Song:
https://www.youtube.com/watch?v=GtUVQei3nX4

By the way: ich habe es immer noch nicht geschafft, die Tanzaufgabe des Tanzprojekts zu erfüllen. Fühle mich heute schlapp und kränklich. Immerhin scheint die Sonne.

Abends: Basis-Seminar mit meinen Kolleg:innen Marion und Michael.


Mittwoch:

So langsam werde ich wieder etwas entspannter. Das könnte mit dem Sonnenschein zusammenhängen, der jetzt ab und zu mal da ist.

Spazieren war ich heut, und es kamen zwei Päckchen mit Dingen, die ich mir bei Etsy gekauft habe. Konsum ist keine Lösung, aber dennoch manchmal einfach schön.

Getanzt habe ich heute auch, ihr wisst ja, das digitale Tanzlabor.

Abends Probe mit meiner neuen Gruppe. Nächste Woche verteilen wir die Rollen. Whoop whoop!


Donnerstag:

Meine neue Theatergruppe ist sehr süß. Sie fühlen sich wohl miteinander und sind glücklich, dass es die Gruppe gibt. Das freut mich wahnsinnig. Gerade jetzt in der Krise ist so eine feste soziale Gemeinschaft echt wichtig. Ich bin gespannt, wie sich die Rollenverteilung in der nächsten Woche gestaltet. Vielleicht gibt es da ein paar Knirschereien. Wär ja auch spannend.

Die Probe mit den Vorspielern fällt heut aus.



Freitag:

Motivation is rising. Habe mich sogar geschminkt!

Werde vormittags Mark Kitzig für seinen Podcast interviewen und abends findet wieder unser Basis-Seminar "Theaterpädagogik ONLINE" statt.

Hab mal wieder nur "Kanadisches" Katzenstreu mit Babypuder-Duft bekommen. WTF??? Wieso ist es kaum noch möglich, normales Klumpstreu zu kaufen?

Und ich habe heute eine Buch zuende gelesen. Kann es kaum fassen. Es ist "Der futurologische Kongress" von Stanislaw Lem. Abgefahren, seeeehr abgefahren. Ein reiner Drogentrip.

Zum Abschluss des Tages mal wieder unser Basis-Seminar "Theaterpädagogik ONLINE".

Morgen tagsüber LAG, aber dann – dann! – Wochenende!

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