Sonntag, 17. Juli 2022

Corona-Theatertagebuch – Woche 122


Montag:

Der Kräuterspaziergang war super interessant und es war schön, seit Ewigkeiten mal wieder im Wald zu sein. Er fand im Hütter Wohld nahe Rostock statt, in Parkentin.
Einen Tipp will ich euch gleich weitergeben, weil ja gerade Sommer und dadurch Stechmückenzeit ist: Die Blätter vom Spitzwegerich (wächst auf fast jeder Wiese) könnt ihr zwischen den Fingern zerreiben und zerquetschen und dann mit dem Blättermatsch Insektenstiche (z.B. Mückenstiche) einreiben. Es kühlt sofort und lindert durch die Inhaltsstoffe den Juckreiz. So sieht Spitzwegerich aus: Klick!

Sonntag früh waren wir am stürmischen Meer. Es war kalt und sehr windig und ich war total im Herbstfeeling.

Und ja, ich habe viel geschwiegen am Wochenende und mein Hals ist ein minibißchen besser.

Nachmittags endlich mal wieder auf dem Wasser unterwegs: mit der Fähre flink rüber ans Gehlsdorfer Ufer und dort im Schatten eine Baumes chillen, Kalimba spielen und auf's Wasser gucken.

Abends gucke ich noch einmal die Online-Inszenierung "möwe.live", zusammen mit ein paar Leuten aus meiner Online-Theatergruppe.




Dienstag:

Nick hatte heute überraschend doch Zeit für eine gemeinsame Stunde. Also Einstieg mit Harry Belafonte:
https://youtu.be/QGm6rcUmkkE
Im Anschluss ein paar Übungen und als Finale wieder Postkarten improvisieren, jeder ein Wort. Hier unsere Ergebnisse:

"Lieber Herr Rechtsanwalt,
ich habe das gestern getan, was Sie mir verboten haben. Wie wollen Sie es wieder rückgängig machen? Denn Sie können ja auch nicht mehr zaubern. Damals, als Sie zaubern konnten, war ich viel bei Lord Albany zuhause, wo ich ganz viele Insekten getötet habe. Sie hatten mich genau dort stehen lassen. Manchmal habe ich Angst vor den ganzen fabelhaften Menschen, die Sie immer mitbringen. Albus Albany ist mir sehr unsympathisch, aber wenn Sie ihn gerne küssen wollen, kann ich damit klar kommen.
Grüßen Sie mir Albus Albany,
Ihre Minerva, Hexe McGonagall"

"Guten Morgen Herr Andriani,
Ihre Schwester ist kacke. Wäre Sie nicht Ihre Schwester, könnte ich sie erwürfen. Das tue ich aber nicht, da Sie mir etwas bedeuten. Dies sind meine Abschiedsworte, denn ich werde mich verdünnisieren. In der Abwesenheit erwarte ich, dass Sie Ihre Schwester töten. Sie können mich jederzeit kontaktieren, wenn Sie Hllfe beim Morden benötigen. Ich werde Sie finden, indem Sie Ihre Haus verwanzen. Sterben ist eine schöne Angelegenheit.
Machen Sie es gut,
ich auch, aber noch leben wir ja noch,
auf Wiedersehen,
Ihr Ingolf"


Hals ist so mittel, ich glaube, ich sollte doch nochmal zum HNO, um es abklären zu lassen. ICH WILL NICHT!



Mittwoch:

Nach vielen Tränen gestern abend (ja, meine Arztangst ist noch da), bin ich heute früh zu einer HNO-Praxis gefahren, mit der Überweisung im Gepäck.
Trotz krass überfüllter Praxis und langer Wartezeit kam ich dann doch noch dran (traurig aber wahr: Privatpatienten-Status zieht immer) und war bei einer ganz lieben Ärztin, die meinte, dass diese anhaltende Halsentzündung mit den dicken Mandeln durchaus mit der Corona-Erkrankung vor wenigen Wochen zusammenhängen kann. Der Körper braucht teilweise Wochen oder Monate, um mit dem Virus fertig zu werden.
Das ist zwar keine schöne Aussicht, aber ich bin dennoch erleichtert und fühle mich deutlich befreiter.





Donnerstag:

Morgens als erstes ganz früh ans Meer gedüst, sich mit Sand panieren lassen und am Strand rumliegen. Jetzt im Sommer macht es wirklich am meisten Sinn, schon morgens um 8 Uhr in Warnemünde zu sein. Oder auch schon früher, wenn man es schafft. Ab 9 Uhr kommen scharenweise Touristen und dann wird es sehr voll.
Nächste Woche soll es ausnahmsweise mal heiß werden in Rostock (max. 35 Grad), da könnte ich mir vorstellen, endlich mal im Meer zu baden. Das habe ich dieses Jahr noch nicht gemacht und es wird mal Zeit.

Auf dem Heimweg habe ich gedacht, was für einen geilen Beruf ich doch habe. Im Laufe des Tages werde ich weiter das Theaterwochenende vorbereiten, indem ich Texte zusammenstelle und ausdrucke, mir die letzten Übungen überlege und Postkarten bastle, die die Teilnehmenden am Schluss an sich selbst schreiben können (ich verschicke sie dann wenige Wochen später an die Teilnehmenden). Gleichzeitig habe ich Zeit, einfach mal so ans Meer zu fahren und einen Vormittag "zu verplempern". Der Beruf ist so vielseitig in seinen Tätigkeiten, komplett frei gestaltbar und flexibel. Das genieße ich sehr. Der Verdienst könnte deutlich besser sein, gerade wenn man für Institutionen arbeitet und nicht für selbst organisierte Veranstaltungen.

Die Aufregung auf mein erstes Theaterwochenende hier in Rostock steigt auf jeden Fall.
Heute habe ich eine Mail bekommen mit der Nachfrage, warum ich gesunde, ungeimpfte Menschen nicht mitmachen lasse. Der Grund ist, dass ich seeehr vorsichtig bin und als Veranstalterin selbst festlegen darf, mit welchen Hygienemaßnahmen ich arbeiten will. Das ist ein Luxus, das ist mir bewusst. Ich wollte gern, dass die Teilnehmenden ohne Maske spielen können. Ich selbst fühle mich dann sicherer, wenn ich weiß, dass alle a) geimpft und b) negativ getestet sind. Und ja, auch dann kann ich mich anstecken, das ist mir ja in Berlin passiert. Aber dennoch ist die Ansteckungsgefahr geringer, je mehr Maßnahmen man ergreift.

Mittags Hafenspaziergang mit meiner Nachbarin Marie, die ich schon ewig nicht mehr getroffen habe. Noch nicht mal zufällig, was sonst eher Standard war. Irgendwie sind unsere Rausgeh-Zeiten gerade sehr diametral.


Freitag:

Meine Freundin  – und für dieses Wochenende Kollegin – Carmen kam heute in Rostock an und wir sind aufgeregt und vorfreudig wegen morgen. Leider gab es in den letzten Tagen zwei Absagen – Corona. Das Virus ist ein Biest.


Samstag:

THE DAY HAS COME! Mein erstes offenes Theaterwochenende in Rostock! Mit Teilnehmenden aus Berlin, Rostock, Dresden, Nürnberg und Wien!
So ein langer analoger Tag haut ganz schön rein! Aber ich genieße es sehr, die Teilnehmenden hier in meiner neuen Heimat begrüßen zu können. Die Gruppe versteht sich gut und ist ganz entspannt. Es macht Freude, sie beim Spielen zu beobachten. Die Yoga-Einheiten sind auch für mich eine willkommene Gelegenheit, mich mal wieder ein bißchen zu bewegen. Besonders die Yin-Yoga-Übungen am Abend habe ich sehr genossen.

Nach Feierabend ein Hafenspaziergang mit Carmen und meinem Mann, ein Rest CSD-Stimmung (den habe ich leider verpasst, weil er genau heute stattfand) und ein leckeres Tapas-Abendessen im "Besitos" am Hafen (kleiner Tipp für den nächsten Rostock-Urlaub ;) ).


Sonntag:

Der zweite Tag war sehr berührend, denn heute wurde es nach einem Yoga-WarmUp biografischer und die Teilnehmenden teilten eigene Geschichten miteinander und setzten diese in Szenen um.
Auch heute dachte ich wieder, dass ich eigentlich den für mich schönsten Job der Welt habe. Ich kann kreativ-künstlerisch arbeiten, sehr viele Witze machen, viel Lachen und anderen dabei zuschauen, wie sie ihre Kreativität entfalten und gemeinsam Neues erschaffen. Das berührt mich sehr.

Die Teilnehmenden hatten Spaß miteinander und haben sich wohl gefühlt. Das ist für mich das wichtigste. Ich freue mich über solch einen entspannten Einstand in Rostock und bin gespannt, wie es im Herbst wird.

Für alle, die auch an so einem Wochenende teilnehmen möchten:
Am 22. & 23. Oktober 2022 findet das nächste Theaterwochenende in Rostock statt, dann zu der Geschichte "Das Feuerschiff" von Siegfried Lenz. Klick!
 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen