Freitag, 27. Mai 2022

Corona-Theatertagebuch – Woche 115



Montag:

Morgens war ich extrem aufgeregt, weil jetzt wieder eine Blutkontrolle bei mir ansteht. Habe die frühmorgendliche Blutabnahme überlebt und bin superstolz auf mich! Mein Puls war wieder außer Rand und Band, weil ich so aufgeregt war. Zuhause war er nach einer Weile Arbeit am Rechner wieder ganz ruhig. Morgen muss ich dann zur Besprechung der Blutwerte hin, auch das stresst mich ganz schön.

Durch das frühe Aufstehen und durchgearbeitete Wochenende schleiche ich etwas müde durch den Tag. Mittagessen am Hafen und ich will am liebsten ewig da rumhängen.
Am späten Nachmittag merke ich dann mal wieder, dass mein typisches Arbeitshoch gegen Abend beginnt. Ich glaube, mein Körper hat sich über all die Jahre Theaterarbeit darauf eingestellt. Nachmittags zwischen etwa 13 und 17 Uhr ist das totale Tief, danach kommt die Energie zurück.

Heute abend findet kein SNACK statt, dafür gehe ich später nochmal raus.


Dienstag:

Ich habe auch die Besprechung der Blutwerte überlebt! Sie sind besser geworden, wenn auch noch nicht perfekt. B12 und Eisen muss ich weiterhin zu mir nehmen.

Anschließend habe ich mit Nick zusammen wieder Schauspielstunde gehabt. Tanzsong dieses Mal:
https://youtu.be/BCoP7G2K7Hc

Viel gearbeitet habe ich heute. Die typische Zeit vor dem Sommer: Aufführungen stehen an, alle Leute wollen noch lauter Sachen vor dem Sommerloch und der Urlaubssaison organisieren, gleichzeitig sind Planungstreffen schwierig zu terminieren, weil jetzt so viele Feiertage stattfinden und die Leute oft verreist sind.


Mittwoch:

Auch heute ein voller Homeoffice-Tag.
Das Planungstreffen mit meinen beiden neuen Kolleginnen heute früh war wieder sehr enthusiatisch, auch wenn ich die Uhrzeit verpeilt habe.:D
Nachmittags dann Thema



Donnerstag:

Feiertag! Wie immer eine Sache, die ich schnell vergesse als Selbständige. Habe heute ein bißchen gearbeitet und vor einem Ausflug nach Schwerin gekniffen, weil ich bei starkem Wind ziemlich Angst vor dem Autofahren auf der Autobahn habe (als Beifahrerin, hab ja eh keinen Führerschein).

Aber wir hatten dafür einen entspannten Abend in Rostock und sind dort ins Kino gegangen (hätten wir in Schwerin auch gemacht), um "Leander Haußmanns Stasikomödie" anzugucken. Am Schluss war ich ganz nostalgisch drauf, fast schon melancholisch, weil das der dritte und letzte Teil seiner DDR-Trilogie war und ich "Sonnenallee" sehr liebe und damals in meiner Teeniezeit oft geguckt habe. Dann musste ich an die Jugend- und Jungerwachsenenzeit denken, an den Prenzlauer Berg der damaligen Zeit, an Schlaghosen-Revival, schmale Trainingsjacken, Secondhandläden und "Herr Lehmann" von Sven Regener. Ich bin kein Mensch, der seiner Jugendzeit hinterhertrauert. Ich genieße jede Lebensphase sehr. Aber ich erinnere mich gern zurück an all die schönen Lebensphasen, die ich schon hatte.




Freitag:


Ich hatte einen wirklich wunderschönen Morgen am stürmischen Meer, mit Frühstück vom Bäcker und meinem Mann, der mir am Strand vorgelesen hat.💗

Nachmittags noch Kostüm- und Technik-Besprechungen für die Vorspiel-Aufführungen. Sie rücken immer näher heran ...

Noch immer tue ich mich schwer mit dem Wegfall der Regeln. Die Hygieneregelungen der letzten Jahre haben mir eine klare Handlungsanweisung gegeben. Als Selbständige bin ich gewohnt, ständig Verantwortung zu tragen. Für mich, für mein Handeln, für meine Einkünfte, für meine Teilnehmenden und deren Handeln, für Probenräume, für Materialien, für sensible Themen, für ... alles halt. Ich mag es sehr, Verantwortung zu übernehmen. Aber jetzt mit dem Wegfall der Regeln ist es so schwer geworden, diese Eigenverantwortung zu tragen. Auch wenn andere nichts sagen, so macht mein Kopf aus der reinen Tatsache, dass sie gerne keine Masken mehr tragen, einen Vorwurf an mich. Der existiert nicht, das ist mir klar. Den Schuh zieh ich mir selber an. An den meisten Tagen kann ich gut damit leben, mache einfach mein Ding und gut ist. Aber manchmal gibt es Tage, da fühlt es sich schwer an, wenn sich alle freuen, dass keine Maskenpflicht mehr da ist, man selbst aber nicht. Man kommt sich asozial und lebensfern vor. Wie eine Spaßbremse. Dabei hab ich ja Spaß mit anderen – mir ist nur auch mein Eigenschutz wichtig.
Mein persönliches Distanzbedürfnis war die letzten Jahre übererfüllt. Ich war ein bißchen im Paradies, ich bin ganz ehrlich. Es gab klare Regeln, an die ich mich halten konnte. Für mich haben sie auch Sinn gemacht. Jetzt sind alle klaren Regeln weg und ich muss selbst jedes Mal neu entscheiden, wie ich mich verhalte und welche Schutzmaßnahmen ich ergreife. Und genau diese zusätzlichen Entscheidungen finde ich total anstrengend.
Ein anderer Punkt ist:
Wenn ich im Supermarkt fast alle ohne Maske sehe, frage ich mich, was jetzt die Menschen machen, die Vorerkrankungen haben oder Menschen mit Vorerkrankungen betreuen? Wann gehen sie einkaufen? Müssen sie jetzt alle Einkäufe bestellen und liefern lassen? Ganz normal im Laden einkaufen ist ja viel riskanter geworden.

Geht es anderen ähnlich wie mir?


Jetzt wünsche ich erstmal allen ein entspanntes Wochenende!


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