Freitag, 18. März 2022

Corona-Theatertagebuch – Woche 105



Montag:

Die Woche startete mit dem Abschied von meiner Freundin Carmen, die über das Wochenende zu Besuch bei mir war. Ein bißchen wehmütig, aber sehr glücklich, dass sie da war. Wir hatten ein wirklich schönes, entspanntes Wochenende mit viel Wasser und leckerem Essen und langen Gesprächen.
Spontan entscheiden wir uns mittags gegen die Reise nach Berlin. Wir haben seit 2019 Karten für die Show von Sasha Velour im Admiralspalast, aber wir sind nicht in der richtigen Stimmung und auch nicht fit genug für diese vielen Stunden Fahrt und Show und nachts dann zurück.
Die Karten verschenke ich an eine Teilnehmerin der letzten LAG-Ausbildung, die sich riesig freut.
Abends machen wir es uns gemütlich und gucken den Film "Silent Running", der mich sehr zu einem neuen Solo-Theaterprojekt inspiriert.
Immer öfter begegnet mir jetzt Inspiration und es beginnt in mir zu arbeiten. Das finde ich richtig schön.


Dienstag:

Heute hänge ich dagegen total in den Seilen. Am Wochenende habe ich plötzlich meine Periode bekommen, viel zu früh. Mein Zyklus muss sich wohl nach der Endometriose-OP erstmal wieder darauf einstellen. Mal sehen, wieviele Monate das dauert bis wieder ein Rhythmus erkennbar ist.
Müde und mit Wärmflasche schlepp ich mich durch den Tag.
Viel schaffe ich heute nicht, aber ich komme mit der Textformatierung für meine Online-Theatergruppe voran. Wenn man Texte von Projekt Gutenberg kopiert, ist oft die Formatierung futsch und die Rollennamen sind z.B. nicht mehr fett.

Tanzsong mit Nick:
https://www.youtube.com/watch?v=N3oCS85HvpY


Mittwoch:

Ich beginne den Tag sehr dekadent mit einem Snickers-Eis zum Frühstück.

Die Tage verlaufen zurzeit sehr unspektakulär. Ich bin die ganze Zeit im Homeoffice und habe meine üblichen Online-Termine. Heute ein LAG-Planungstreffen mit meinen neuen Kolleg*innen und abends bei der Probe mit der Online-Theatergruppe sind wir mit ersten Übungen in das neue Stück gestartet.
Und jetzt verrate ich auch, was die Gruppe spielt: "Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen!


Ich bin motiviert für meine Inszenierungen und immer mal wieder kommen interessante Ideen in meinen Kopf, die aber noch zu schwach sind, um sie wirklich anzugehen. In Bewegung fühle ich mich nicht, eher noch in einem Faultier-Zustand.
Ist es die Gesamtsituation im Moment? Ich kann es schwer sagen.


Donnerstag:


Heute früh war ich zufällig wach als die Sonne aufging – und es war wunderschön!

Um nicht morgens immer als erstes auf's Handy zu schauen, habe ich seit einigen Tagen etabliert, dass ich morgens erstmal ein paar Seiten im jeweils aktuellen Buch lese. Das ist ein deutlich entspannterer Start in den Tag und Nachrichten, Mails und Chats kann ich auch später checken.
Gestern abend hatten wir auch in der Online-Theatergruppe über Psycho-Hygiene gesprochen. Über die Notwendigkeit, ab und zu einfach gar keine Nachrichten zu lesen. Ich glaube, dass auch die Stückwahl noch zu einigen interessanten gesellschaftspolitischen Gesprächen führen wird und bin schon sehr gespannt auf die gemeinsame Inszenierungszeit.

Nachmittags hatte ich sehr erfreuende Post im Briefkasten. Einen Brief von einer neuen "Brieffreundin" (vielleicht ist das zu hoch gegriffen, da wir erst 2 Briefe miteinander ausgetauscht haben, aber ich freue mich wie ein Schnitzel über Post von ihr) und dieses Buch:
https://www.dorlingkindersley.de/buch/lilla-boelecz-boldizsar-m-nagymaerchenland-fuer-alle-9783831045099
Kurz danach kam auch noch die neue Büchergilde Abobox. Fühle mich reich beschenkt, obwohl ich die Sachen ja selbst gekauft habe.

Vorspiel-Probe ist heute per Zoom und bis dahin widme ich mich meinem Spielzeit-Magazin.


Freitag:

Heute ist es sonnig und warm. Arbeit durfte heute ein bißchen ruhen, dafür war ich in der Kunsthalle und natürlich wieder am Hafen spazieren.
Als ich nach etwa 15 Minuten die Kunsthalle wieder verlassen habe, bemerkte die Einlasserin, dass das ja sehr schnell ging und im oberen Stock auch noch eine Ausstellung sei. Ich sagte ihr, dass ich auch diese angeguckt habe und eben eine schnelle Ausstellungsbesucherin bin. Und das ist bei mir wirklich so. Wenn mich nicht Bilder total "catchen", bin ich in 10-15 min einmal durch. Deshalb habe ich mir ja auch eine Jahreskarte geholt, dann fühlt sich das nicht so nach Geldverschwendung an, wenn ich nur kurz durchhusche. Bildende Kunst berührt mich selten tief. Weder Malerei noch Skulpturen. Wenn dann eher Fotografie. Vermutlich hat jede Person eine andere Kunstart, die einen anspricht. Mir ist das Theater näher. Am meisten Emotionen lösen aber Filme und Musik bei mir aus. Eine weitere alltägliche Kunst, die ich genieße, ist die Literatur. Seit ich wieder ins Lese-Game eingestiegen bin, bin ich im Bücherrausch. Sie kommen und gehen in großen Mengen und diesen Monat habe ich schon einiges weggelesen. Zwar kleine, dünne Bücher, aber verschieden und jedes auf seine Art für mich interessant. Mehr dazu gibt es dann in den Monthly Favourites.
So gern wie ich gerade lese, so gern verschenke ich auch Bücher weiter. Wenn ich ein Buch lese, überlege ich schon immer, für wen das ebenfalls interessant sein könnte. Manchmal frage ich die Person, ob sie es haben möchte, manchmal verschicke ich es aber auch einfach so als Geschenk. Die jeweiligen Personen sind natürlich frei, damit zu machen, was sie wollen. Lesen, wegwerfen, weiterverschenken ... alles möglich. Wenn mir niemand spezifisches einfällt, dann bringe ich die Bücher in einen öffentlichen Bücherschrank ... wo ich dann meistens auch gleich wieder eines mitnehme.

Momentan ist gerade eine kleine Welle an Fluktuation in meinen Gruppen. Eine Vorspielerin ist nicht mehr dabei, in meiner Online-Theatergruppe ist eine Teilnehmerin ausgetreten und in unserer Ausbildungsgruppe bei der LAG haben wir auch zwei Teilnehmende weniger. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es ist keine klassische Traurigkeit und kein Schmerz, sondern fast ein winziger Anflug von Angst. Als wäre im Hinterkopf die Frage: Oh Gott, wieviele gehen noch? Aber eigentlich weiß ich, dass solche Phasen immer vorkommen, dafür mache ich den Job ja schon lange genug. Also übe ich mich in meinem inneren Zen-Zustand und warte einfach mal ab, was passiert.

Dieser Artikel hier ist ganz entzückend: https://www.theguardian.com/culture/2022/mar/16/i-thought-i-was-past-teenage-crushes-then-i-saw-benedict-cumberbatch
Ich stehe null auf Benedict Cumberbatch, aber auch ich kann für Prominente schwärmen und mag die Art, wie sie diesen Zustand beschreibt.

Irgendwie ist ansonsten gerade so eine Nicht-Stimmung. Geht es euch auch so? Ich fühle mich ein bißchen entrückt vom Weltgeschehen und bin höchst irritiert, dass Ende der Woche wohl so einige Corona-Maßnahmen wegfallen sollen, trotz hoher Zahlen. Irgendwie kommt das in meinem Kopf gar nicht an. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, plötzlich ohne Maske irgendwo aufzukreuzen. In der Ausbildungsgruppe und bei den Vorspielern und jetzt auch in meiner Familie kommen ständig Corona-Fälle vor und plötzlich sollen Maßnahmen wegfallen? WTF? Ich bin doch bis jetzt ohne Erkrankung durch die Pandemie gekommen. Ich will es wirklich, wirklich nicht haben.

Allen, die gerade erkrankt sind, wünsche ich baldige Genesung und möglichst geringe Symptome. Und natürlich ein entspanntes Wochenende.



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