Montag, 8. Juni 2020

Corona-Theatertagebuch – Montag, 08. Juni 2020




12:32
Uhr:

So richtig weiß ich gar nicht, wie ich in das heutige Tagebuch einsteigen soll. Mein Kopf ist voller Eindrücke und To Do's.

Am Wochenende habe ich das erste Mal seit langer Zeit als Co-Dozentin ein PRÄSENZ(!!!)-Seminar begleitet. Am Samstag war der Start noch sehr ungewohnt. Ein großer Raum, gefüllt mit 17 Menschen. Wir hatten den ganzen Tag alle Fenster auf, haben in den schmalen Fluren und Umkleiden Masken getragen und den Mindestabstand eingehalten. So unterschiedlich die Teilnehmenden der aktuellen Spielleiter*innen-Ausbildung sind, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse. Manche wünschen sich mehr Nähe, andere ängstigt es, mit so vielen in einem Raum zu sein. Auch ich habe sehr oft meinen Mund-Nase-Schutz getragen. Ich fühle mich damit sehr wohl, es ist wie eine zweite Haut geworden. Im Laufe der zwei Tage wurden aber auch alle entspannter und lockerer im Umgang miteinander. Theatral geht so einiges auch mit Mindestabstand.
Gestern haben wir die Teilnehmenden dann rausgeschickt zu kleinen Theater-Aktionen im öffentlichen Raum. Eigentlich ist Berlin eine Stadt, in der das normalerweise nicht viel Aufmerksamtkeit auf sich zieht. Doch in Zeiten von Corona fühlte es sich anders an. Die Blicke der vorbeilaufenden Menschen waren anders, schätzen ein, ob wir auch die korrekten Abstände einhalten und uns da überhaupt versammeln dürfen. Das hatte eine ganz andere Atmosphäre. Manche haben die Aktionen draußen geliebt, andere waren damit weit außerhalb ihrer Komfortzone. Auch das gehört zur Beschäftigung mit dem Theaterspiel – das Herausfinden und auch Stretchen oder manchmal Übertreten des eigenen Wohlfühlbereichs.

Morgen werde ich mit meinem Privatschüler Nick wieder am Tegeler See zum Thema Audiowalk arbeiten, am Donnerstag geht es mit den Vorspielern raus und bei der LAG findet die nächste Veranstaltung vermutlich auch wieder draußen statt. So viel habe ich schon lange nicht mehr an der frischen Luft gearbeitet. Ich bin überrascht, wieviel Freude mir das macht. Vorausgesetzt, es gibt in der Umgebung eine Toilette ... und Schatten. :D


12.44 Uhr:

Für die morgige Audiowalk-Probe suche ich nach passenden Texten auf Projekt Gutenberg. Googelt ihr Autoren, über die ihr nichts wisst, auch immer erstmal online? Ich will immer zumindest ansatzweise einen Eindruck haben, was für ein Typ Mensch das war und ob ich für mich ethisch vertreten kann, den Text zu benutzen.


12:59 Uhr:


Endlich widme ich mich wieder dem Gucken dieser Inszenierung. Unbedingt anschauen, nur noch bis Donnerstag online!
https://www.youtube.com/watch?v=XHqkEruwBT0&t=1s


17:18 Uhr:

Ich habe drei schöne alte Texte gefunden. Zwei Texte über Berlin-Tegel und einen kurzen Märchentext über Schwäne (von denen es reichlich viele in Tegel gibt). Bin gespannt, was Nick morgen dazu sagt.

Außerdem endlich meine iPods mal wieder mit neuen (sommerlichen) Songs bespielt. Jetzt wo ich arbeitsbedingt öfter mal wieder draußen unterwegs bin, macht das Sinn.


22:11 Uhr:

Hatte wieder eine schöne Zeit mit meiner Montags-Clique im Kollegialen Austausch. Und es waren sogar neue Menschen dabei!

Feierabend.

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