Montag, 18. März 2019

#theaterunterwegs – Meine Notizbücher und ich




Als ich mit meiner Theaterarbeit vor 10 Jahren begann, plante ich meine Workshops und Proben am Rechner. Ich legte Dokumente an, schrieb mir Ablauf und Übungen auf und druckte die Zettel aus.
Bei den Proben machte ich mir Notizen auf lose (Schmier-)Blätter und alles zusammen wurde in dicken Ordnern abgeheftet. So richtig praktisch war das nicht.

Irgendwann stand ich – damals wohnten wir noch im Wedding – in einem Bürobedarf-Laden Nähe Amrumer Straße und schaute mir Notizbücher an. Schon seit meiner Kindheit war ich Fan von Notizbüchern jeglicher Art, verewigte darin Picknicklisten, Outfit-Ideen, Bastel-Inspirationen, Rezepte und mehr.
Ein schwarzes, stabil gearbeitetes Notizbuch der Marke Clairefontaine fiel mir in die Hände – und eine neue Arbeitsweise war geboren.
Ich kaufte erst eines dieser Notizbücher, dann ein zweites, dann ein drittes, dann noch mehr.

Für jeden Kurs und jede Workshopreihe legte ich ein schmales oder dickeres Notizbuch an. Um sie voneinander zu unterscheiden, beklebte ich die Front mit ausgedruckten, schwarz-weißen Grafiken, die immer assoziativ mit dem jeweiligen Thema oder den verschiedenen Projekten in diesem Notizbuch verbunden waren, beispielsweise eine Bienenwabe für Kooperationen oder auf einem der Vorspiel-Notizbücher eine Katze für "Meister & Margarita", ein Krug für "Mirandolina", ein telefonierender Mann für "Top Dogs", ein Dino für "Wir sind noch einmal davongekommen" und eine Teetasse für "Ernst".
Auf die Buchrücken habe ich mit Prägeband schmale Klebestreifen mit den Themen des Buches erstellt, allerdings haften sie nicht auf jedem Buch gut, was einfach an der Benutzung und Biegung des Buchrückens liegt.

Das Praktische: Je nachdem, zu welcher Probe oder welchem Event ich unterwegs bin, kann ich einfach das entsprechende Notizbuch mitnehmen.

Die Notizbücher bieten mir mehrere Vorteile:
  • ich schreibe weniger auf und reduziere mich mehr auf's Wesentliche
  • ich habe alle Notizen zu einer Gruppe/einem Projekt beieinander und brauche nur zurückzublättern, wenn ich etwas suche
  • ich drucke nicht mehr soviel aus
  • die Bücher sind mit dem A5-Format handlicher als A4-Blätter in einem Ordner



Über die Jahre ist meine Sammlung schwarzer Notizbücher (ich bin Clairefontaine treu geblieben) auf über 10 Stück angewachsen. Manche sind schon komplett vollgeschrieben, andere beinhalten nur ein einziges Projekt.
Mit der Zeit kamen auch weitere Themenkomplexe hinzu. Somit habe ich mittlerweile für folgende Themenfelder jeweils mind. ein Notizbuch:

  • Theatergruppe Vorspiel
    Tatsächlich sind es hier schon 2 Notizbücher, die prall gefüllt mit Probenplanung, Notizen und Organisatorischem gefüllt sind.
    Von der Grundstruktur her schreibe ich als Überschrift das Probendatum und daneben die Teilnehmer auf, die an dem Abend fehlen. Darunter sind Notizen zum Ablauf des Abends (WarmUp-Übungen, zu probende Szenen, organisatorische Themen ...) und dahinter wird alles geschrieben, was an diesem Abend notierenswert ist.
  • Frühere Gruppen
    Manche Theatergruppen gibt es nicht mehr oder ich betreue sie nicht mehr, z.B. die Großstadtfenster und die Spielschauer. Aber von den Notizbüchern habe ich mich noch nicht getrennt, da sie immer noch ein wichtiges Nachschlagewerk sind.
  • GRUPPENDRANG Abend- und Feierabendkurse
    In ein Notizbuch passen etwa drei Kurse. Da die Gruppen sich sehr stark selbst organisieren müssen, nehmen im Laufe des Kurses die Notizen immer mehr ab und am Ende bei der Auswertung dann schlagartig wieder zu.
  • Kooperationen
    Ein Notizbuch für gemeinsame Projekte mit Kollegen oder Netzwerkkontakten sowie Seminare, die ich für "externe" Kunden gebe, wie z.B. meine Zusammenarbeit mit dem Adolf-Althausen-Institut oder die Workshops für intrinsify.me.
  • Workshopreihen & GRUPPENDRANG Basiskurs
    Um die Kurse voneinander zu trennen, gibt es z.B. für den Basiskurs ein anderes Notizbuch als für meine Abendkurse, in denen eine Inszenierung erarbeitet wird.
  • VORGLÜHEN-Workshops
    Bei den Workshops sind die Seiten etwas anders gefüllt: anfangs notiere ich ganz allgemein Übungsideen zum Workshopthema und schiebe sie im Kopf hin und her bis ich dann einen festen Ablauf aufschreibe. Dazu kommt dann noch eine numerierte Liste aller Teilnehmer, um am jeweiligen Workshopabend im Blick behalten zu können, wer von den angemeldeten Personen schon da ist und wer nicht.
  • Privatunterricht / Theater-Coaching
    Normalerweise arbeite ich mit Gruppen, aber ganz manchmal kommt es vor, dass ich Menschen einzeln coache und sie z.B. bei einem Solo-Theaterprojekt als Regie unterstütze oder einfach allgemein Theaterübungen mit ihnen mache.
  • Networking
    Ein Notizbuch, das ich bei Theater Meet Ups und anderen Netzwerktreffen oder Barcamps bei mir habe, und neue Kontakte und Erkenntnisse eintrage.
  • Freizeit-Theaterprojekte
    In meiner Freizeit stehe ich selbst auf der Bühne und für diese Theaterprojekte brauchte ich unbedingt ein eigenes Buch. Dort finden sich Probennotizen zu allen Projekten mit der "Genossenschaft" und auch noch zu "Weiße Katze" ... man merkt, da schreibe ich nicht allzuviel.;)
  • Solo-Theater
    Mit "The Lost Companion" fing vor einigen Jahren das Interesse an Solo-Theater an. Es ruhte lange, aber mit "Orangeplaty" und meiner Meeres-Trilogie ist es wieder auferstanden.

Vielleicht ist die Notizbuch-Methode auch für euch und eure Arbeit passend? Wie plant und organisiert ihr? Ich bin gespannt!

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