Samstag, 3. November 2018

Theatertagebuch #7



Eine neue Woche, ein neues Theatertagebuch.


Montag:

Diese Woche stand im Zeichen meines Hamburg-Trips. Ich bin eigentlich kein Fan von Geschäftsreisen. Auf der einen Seite ist es zwar ein Kompliment, dass jemand möchte, dass ich extra anreise, um für ihn zu arbeiten, auf der anderen Seite ist es für mich Reisestress (Ja, Reisen sresst mich immer etwas, weil man an so viele Dinge denken muss.) und die Zeiten, die ich nicht zu Hause bin, aber auch nicht direkt beim Kunden arbeite, werden nicht bezahlt. Es ist für mich „gestohlene“ Zeit, die ich mit meinem Mann, meinen Katzen, meinen Freunden, meinen Hobbies verbringen könnte.
Deshalb habe ich mir die Regel gesetzt, dass ich nur ein- bis zweimal im Jahr Geschäftstrips mache ... wenn überhaupt.
Für Mark-Peter Althausen vom Althausen-Institut nahm ich die Reise gern auf mich. Ich arbeite einfach gern mit ihm zusammen und finde den Einsatz in Pflegeheimen extrem wichtig. Für Freitag war in einem Pflegeheim in Hamburg ein Ganztagsseminar zum Thema "Körpersprache" geplant – für die Pflegekräfte, die dort arbeiten.
Montag war ich also mit der Planung für dieses Seminar beschäftigt. Ein ganzer Tag Homeoffice mit Vorbereitungen und Organisation für den Kurztrip und meine Gruppen.

Nebenbei gab es einiges an Hick-Hack um den nächsten "Theater à la carte"-Termin, der eigentlich am 10. November stattfinden sollte und dann auf den 8. Dezember verschoben wurde, was aber auch nicht passte. Neuer Termin ist nun der 15. Dezember.


Dienstag:
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Vormittags war ich wieder beim Privatunterricht und ich merke, dass mein Privatschüler Nick Fortschritte gemacht hat. Das sind die Momente in meinem Job, in denen ich denke: Wow, da hat sich die Arbeit mal gelohnt.
Für das Seminar in Hamburg kaufte ich anschließend einen ganzen Haufen neuer Lippenstifte, denn von Herrn Althausen habe ich gelernt, dass Demenzerkrankte häufig Kontraste schlechter sehen können. Deshalb wäre es von Vorteil, wenn Pflege- und Betreuungskräfte, die sich um Demenzerkrankte kümmern, starkes MakeUp tragen würde, was die Mimik betont und mehr Kontraste im Gesicht schafft.
Den Rest des Tages arbeitete ich den Seminarablauf für Freitag fertig aus.



Mittwoch:

Heute schien die Sonne! Aber es war kalt draußen und nach einem kurzen Arztbesuch am Morgen nutzte ich den Tag, um nur entspannende, schöne Sachen zu machen. Ich kochte ein superleckeres Mittagessen und backte nachmittags Kuchen. Im Keller wühlte ich mich durch lauter Theaterwaffen auf der Suche nach Objekten für den nächsten Impromorgen im Meeet. Denn da kann ich endlich, endlich, endlich mal wieder Objekttheater machen. Ich liebe das Thema! Wenn ihr kommen wollt: Montag, 05. November, 10-12 Uhr im Meeet West. Kosten: 14-20 € (oder mehr :P), wie ihr wollt.

Ein bißchen Homeoffice war auch dran und abends ging es zur Probe von "Einigermaßen ansehnlich".
Rollenarbeit stand auf dem Plan und ich nutzte die Gelegenheit, das Riemann-Thomann-Modell vorzustellen, dass nicht nur für die Dynamik und den Umgang miteinander in der Gruppe interessant ist, sondern auch perfekt für die Rollen genutzt werden kann. Auch die lassen sich einem bestimmten Typ (oder mehreren) zuordnen.


Donnerstag:

Der Vormittag war entspannt und nach dem Mittagessen ging es auf in Richtung Hamburg. Dreieinhalb Stunden Busfahrt können sich extrem ziehen, aber mit Hörbuch im Ohr ging die Zeit einigermaßen gut rum.
Auf dem Weg checkte ich Mails und bekam die Info, dass in dem Pflegeheim wohl etwas Chaos herrscht und der Plan für den nächsten Tag etwas anders ist: deutlich weniger Teilnehmer, von denen einige das Grundseminar des Althausen-Instituts noch nicht besucht hatten, und evt. ein kleinerer Raum.
Mark-Peter und ich telefonierten, sobald ich in meinem Hotelzimmer in Hamburg angekommen war, und beschlossen, entspannt und gut gelaunt in den nächsten Tag zu gehen, komme was wolle.



Freitag:

Wir starteten unser Seminar mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Infos aus Mark-Peter Althausens Seminaren. Später übernahm ich und der Seminartag verlief recht entspannt und in sehr guter Zusammenarbeit, bei der wir uns gegenseitig die Bälle zuspielten.
Von den Übungen, die ich für den Tag geplant hatte, machte ich nur einen Bruchteil. Ich habe gemerkt, dass ich bei diesen Seminaren anders vorgehen muss. Ich bekomme so extrem theaterfremde Teilnehmer einfach nicht in die entsprechende Spiellaune. Sie waren auch anfangs ganz überrascht als ich ankündigte, dass wir praktisch arbeiten. Also musste ich ab und zu theoretische Teile einbauen, die mir ziemlich schwer fielen, weil ich sie improvisieren musste. Ich hatte nichts theoretisches vorbereitet, sondern – wie sonst auch immer in meinen Workshops – Übung an Übung an Übung gereiht. Aber genau das finde ich das interessante an solchen Aufträgen: man lernt neue Zielgruppen kennen, auf die man sich neu einstellen muss. Und mit jedem Seminar lernt man dazu, lernt die Menschen und ihre Bedürfnisse, ihre Bereitschaften und ihre Aufmerksamkeitsspanne kennen.
Wenn wir wieder ein gemeinsames Seminar machen, werde ich gewappnet sein und mehr in die Theorie gehen bzw. selbst mehr vormachen. Praktische Übungen wird es natürlich trotzdem geben, denn durch eigenes Ausprobieren lernt man einfach mehr als durch bloßes Zuhören und Zuschauen.
Ganze Seminartage empfinde ich auch jedes Mal als große Herausforderung. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Teilnehmer ist es anstrengend, sich so lange zu konzentrieren.
Meine eigenen Workshops sind deshalb normalerweise nur zwei bis drei Stunden lang. Längere Workshops sind für mich aber immer eine gute Herausforderung und eine Möglichkeit, dazuzulernen.
Toll fand ich übrigens, dass sich fast alle auf die Lippenstifte eingelassen haben!

Nach dem Seminar nutzte ich die letzten Stunden vor Sonnenuntergang, um in Hamburg zu den Landungsbrücken zu fahren und noch ein bißchen Zeit am Wasser zu genießen.
Die Rückfahrt schien mir auch wieder unendlich lang. Ich hatte ein ungewöhnlich starkes Mitteilungsbedürfnis und schrieb alle möglichen Freunde an, in der Hoffnung, ein bißchen kommunizieren zu können. Ich habe wieder gemerkt, dass mich lange Seminartage ganz schön schlauchen und ich direkt danach immer etwas Zeit und Ruhe für mich brauche. Sind dann aber ein paar Stunden vergangen, will alles Erlebte aus mir heraus.

Wie ist es bei euch, liebe Kollegen? Wie geht es euch bei Seminaren? Und was ist eure bevorzugte Seminar- oder Workshoplänge?

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