Freitag, 29. Juni 2018

#freitagsgedanken – Zeitfresser Social Media


Zeitfresser Social Media

In der letzten Woche hatte ich Facebook-frei. Neun Tage lang ging ich nicht auf auf Facebook online. Auch nicht auf Twitter oder Instagram (wo ich sowieso nur sehr selten unterwegs bin).

Es waren die produktivsten neun Tage seit langer Zeit.
Am Anfang war es noch ungewohnt. Ich erschrack, wenn ich morgens nach dem Abrufen der Mails automatisch Facebook im Browser öffnete. Zum Glück hatte ich mich zu Beginn der Woche ausgeloggt. Immerhin eine kleine Barriere, die mich immer wieder erkennen ließ, was ich da gerade gemacht habe.
Nach ein paar Tagen war dieser Impuls weg.

Auch und vor allem, weil ich andere (bessere) Beschäftigungen gefunden hatte. Denn ich fing wieder an, richtig mit den Händen zu arbeiten. Ich startete mit Stempelschnitzen und saß stundenlang am Tisch, friemelte an meinem Stempelgummi herum und freute mich wie ein Kleinkind, wenn das Ergebnis so wurde wie gewünscht. Ich kaufte neue Stempelkissen und war in meinem Reich.

Bis ich keine Lust mehr hatte, mich im Zimmer umschaute und anfing, die Wohnung auf Vordermann zu bringen.
Ich sortierte meine komplette Theaterliteratur, schmiss extrem viele alte Unterlagen weg und archivierte vergangene Stücke und Projekte. Weiter ging es mit Rezepten, die bei mir – herausgerissen aus unzähligen Zeitschriften – lose herumflogen. Jedes Rezept wanderte durch meine Hände und von den großen Stapeln blieb nur ein kleines Häufchen übrig, das im Rezeptordner abgeheftet wurde.

Der Flur war inzwischen leergeräumt und der Katzenkratzbaum zog an einen neuen Ort um. Ein Regal für Kochbücher wurde angebracht und Schuhe und Ohrringe repariert. Der Bastelschrank wurde aus- und wieder eingeräumt. Brownies wurden gebacken.
Und das krasseste und für mich absolut untypischste: ich fing an, sofort aufzuräumen, nachdem ich etwas benutzt hatte. Die Ordnung gefiel mir so gut, dass ich ständig den Geschirrspüler ein- und ausräumte, Wäsche wusch und alles wegräumte, was irgendwo liegenblieb.

Einen Teil dieser neuen Routine konnte ich mir retten. Aber jetzt, wo ich wieder auf Facebook aktiv bin, Werbung mache und auf meine Fanseite poste, merke ich wieder, wie die Energie abgesaugt wird. Wie unglaublich schnell ich wieder in den passiven Konsum-Modus verfalle, in dem ich einfach nur müde und wie getrieben zwischen verschiedenen Tabs hin- und herklicke.

Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mir mehr Momente ohne Social Media beizubehalten. Ein paar Versuche habe ich bereits gemacht:
Am Montag und Dienstag der aktuellen Woche legte ich am Rechner richtig los, postete Bilder und arbeitete exzessiv an meinem neuen Spielzeitmagazin, das im August online gehen soll.
Mittwoch aber war es Zeit für eine Pause. Ursprünglich wollte ich ganz für mich allein in die Eva-Lichtspiele gehen und einen alten, deutschen Film gucken. Aber das Geld war knapp und außerdem hatte ich beim Sortieren ein lange verschollenes Keksrezept wiedergefunden, das ich unbedingt wieder nachbacken musste.
Den gleichen Film, der an diesem Tag im Kino lief, fand ich auf Youtube ("Der schüchterne Casanova") und guckte ihn nebenbei beim Plätzchenbacken. Das Handy wurde weggelegt, so dass ich nicht verführt werden konnte von der Online-Welt. So gewann ich ein paar ruhige, entspannte Stunden.

Ich will diese online-freien Routinen weiter beibehalten. Wer macht mit?

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