Freitag, 3. November 2017

#freitagsgedanken – Endlich kalt.


Endlich kalt.

Am Montag war es plötzlich kalt. Ich fuhr nach Tegel, wo ich einmal wöchentlich bei einem ehemaligen Gruppenmitglied Schauspielunterricht gebe, bekam zum Abschied selbstgemachten Nusskaramell geschenkt, konnte deshalb meine Handstulpen nicht anziehen und stand an der Bushaltestelle, die Hände frei im Wind. Und diese Hände waren binnen Sekunden saukalt.

Wo andere jedoch in Depressionen versinken, weil jetzt die kalte Jahreszeit beginnt, verfiel ich innerlich in Jubel. Endlich! Endlich beginnt so langsam meine liebste Jahreszeit: der Winter!

Ja, es ist noch Herbst, und auch der ist toll, aber das wichtigste ist: es wird kalt. Ich mag es, wenn es kalt ist. Wenn irgendwann der Moment gekommen ist, an dem man zum ersten Mal die Kälte richtig spürt, weiß ich: Miss Winter is coming ...

Ich mag die leicht melancholische Stimmung, die kahler werdenden Bäume, den Wind, die leeren Straßen. Das graue, trostlose und gerade dadurch auf ganz eigene Art wunderschöne Berlin.

Ich liebe die Kälte, weil ich in ihr nicht schwitze.
Endlich weiß ich, was ich anziehen soll: etwas Warmes. In der Übergangszeit ist man ständig zu warm oder zu kalt angezogen, im Hochsommer ist jedes Kleidungsstück sowieso zu viel. Aber im Winter ist es einfach: so warm wie möglich.
Und das kann ich. Wenn es eines gibt, was ich kann, dann ist es warm anziehen.

Die Wintermode finde ich auch immer viel schöner als die Sommermode. Man kann einfach so viel mehr Kleidungsstücke tragen. Modisches Kombinieren bekommt eine völlig neue Bedeutung: das Drinnenoutfit muss zur Draußenkleidung passen, zu jedem Outfit muss die passende Jacke oder der passende Mantel, sowie Handschuhe, Schal, Mütze und Schuhe herausgesucht werden. Eine fantastische Aufgabe!
Endlich kann ich mich auch wieder schminken. Was im Sommer einfach verläuft, bleibt nun endlich im Gesicht haften – und das den ganzen Tag.

Wenn es kalt wird, gehe ich auch öfter raus. Sogar gerne. Ich mag dann Spaziergänge durch die Stadt, eine abendliche Runde am Kudamm entlang und in der Mittagssonne auf einer Bank sitzen.

Mit der Kälte kommt auch wieder die Lust auf Kultur, auf Theater und Museen, auf Kino und Filmabende mit Freunden.

Neue Musik ist auf meinen iPod gewandert. Musik, die zur Dunkelheit passt, jazzige und herbstliche Töne wie "Element of Crime" oder Frank Sinatra.
Auch good old Robbie Williams mit seinen Sinatra-Covern ist dabei.

Und wenn ich im Dunkeln, einpackt in Mantel und Schal, die Straße entlanglaufe und dabei "One for my baby" in meinen Ohren klingt, blühe ich auf. Jetzt beginnt MEINE Zeit im Jahr.


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