Freitag, 13. Oktober 2017

#freitagsgedanken – Was ist Theater?


Was ist Theater?

Wenn ein neuer Gruppendrang-Kurs startet, kommen Menschen zusammen, die Theater spielen wollen. Einige haben schon Erfahrungen gemacht, andere noch nicht. Aber jeder, der schon Theatererfahrung hat, hat andere Erfahrungen als die anderen.
Diese Erfahrungen prägen auch stets unsere Erwartungen. Entweder fanden wir die Erfahrungen nicht so gut und erwarten uns etwas Neues. Oder wir mochten die Erfahrungen und möchten genau so etwas noch einmal haben.

Nun sitzen diese Menschen zusammen und brainstormen, was sie gemeinsam für eine Inszenierung auf die Beine stellen könnten. Und beim Brainstormen zeigen sich dann nach und nach die Unterschiede in den Erwartungen.
Mein neuer Kurs wurde am Anfang quasi überrannt und dünnt sich nun nach und nach ein bißchen aus.
Das ist ganz natürlich und passiert jedes Mal, aber es ist gleichzeitig immer auch schade. Es ist für alle Seiten stets ein bißchen ernüchternd. Wie der Montagmorgen nach einem Partywochenende.

Je mehr man miteinander spricht, desto schneller erkennt man, ob man gemeinsam in eine Richtung marschiert. Manchmal ist das nicht der Fall. Dann muss man für sich entscheiden, ob man spontan in die andere Richtung mitmarschieren oder lieber umkehren oder sich einen eigenen Weg suchen will.

Mitte dieser Woche telefonierte ich mit einer Teilnehmerin meines Kurses, die auch wie ich theaterpädagogische Erfahrung und schon sehr viel mit anderen Menschen inszeniert und gespielt hat. Sie will kein Stück eines anderen Autoren spielen, im Kreis sitzen und Inszenierungsideen diskutieren. Sie will Aktion, Bewegung, Improvisation und die daraus entstehenden ganz eigenen Geschichten der Teilnehmer auf die Bühne bringen. Für sie ist genau das Theater. Und das finde ich wunderbar! Sie hat Recht, das ist Theater.

Für mich aber kann beides Theater sein. Für mich ist beides Theater.

Heute erreichte mich die eMail einer anderen Teilnehmerin, die doch lieber in Richtung Tanztheater gehen möchte. Auch das finde ich toll, kann ich aber selbst leider mangels Erfahrung nicht bieten. Aber auch das ist für mich Theater.

Dennoch hadere ich damit, einen Satz mit "Für mich ist Theater ..." zu beginnen. Denn Theater ist ein so unglaublich allgemeiner Begriff, dass alle möglichen Formen der Darstellung auf der Bühne mit hineingezählt werden können: Sprechtheater, Improvisation, Tanz, Gesang, Pantomime, Varieté, Revue, Schwank, Regietheater, Playbacktheater, Onlinebühnen, Figurentheater, Objekttheater, Drag ... die Liste ist lang und wird noch länger werden.

Während meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin leitete ich nebenbei mit meiner Kollegin unsere Freizeittheatergruppe. Wir machten klassisches Amateurtheater, das halbwegs textgetreu Stücke fremder Autoren inszenierte. Und wir haben es geliebt!
Unsere Dozenten waren nicht immer so begeistert davon. Sie erzählten in der Ausbildung kopfschüttelnd, dass Schüler immer Textauswendiglernen und Rollenverteilung erwarten, wenn von Theater die Rede ist. Dabei sei das doch kein Theater. Es sei doch deprimierend, dass das die einzige Vorstellung sei, die die Schüler von Theater haben.
Ich fand das nicht deprimierend, sondern ganz natürlich. Die Schüler haben doch Recht: das ist Theater.

Theater hat keine enge Definition, sondern eine ganz weite.
Genau deshalb habe ich für mich keine bestimmte Antwort auf die Frage "Was ist für dich Theater?". Ich will keine Definition für mich aufstellen und damit so vieles ausklammern.
In einer Welt, die ich mir voller Vielfalt und absolut gleichberechtigt wünsche, möchte ich für mich diese Definitionen meiden. Ich sage nicht mehr "Das ist für mich eine Frau." oder "Das ist für mich ein Mann." Und eben auch nicht "Das ist für mich Theater."


Wenn ihr jedoch wissen wollt, was ich zur Zeit für Theater mache – dann fragt mich gern. Oder schaut es euch einfach an.







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