Freitag, 14. Juli 2017

Entwicklung - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der dreiundsechzigste Wert ist:


ENTWICKLUNG

Wikipedia sagt:
die körperliche und seelische Entwicklung im Zuge des individuellen Lebens, siehe Ontogenese(https://de.wiktionary.org/wiki/Entwicklung)

Entwicklung, wie wunderbar! Entwicklung ist nicht nur ein Wert, nach dem man leben kann, es ist zugleich etwas, was im Leben ganz automatisch passiert.
Das ist einerseits entspannend, andererseits aber auch schwierig. Dass wir uns entwickeln, steht außer Frage, aber zu was entwickeln wir uns? Inwiefern? Und wohin?

Wenn wir uns entwickeln, heißt das nicht automatisch, dass wir uns verbessern. Wobei man natürlich auch erst einmal definieren müsste, was für einen selbst persönlich "Verbesserung" bedeutet.
Für mich bedeutet eine Verbesserung, dass ich in einem Aspekt, einer Geisteshaltung, einer Verhaltensweise oder einer Tätigkeit vorankomme, sicherer bin und perfektere Ergebnisse erziele.
Wenn ich mein erstes Strickstück mit der Mütze vergleiche, die ich vor kurzem gestrickt habe, sehe ich eine Verbesserung. Und zugleich eine Entwicklung: von einem Anfänger habe ich mich zu einem ... fortgeschrittenen Anfänger entwickelt. Immerhin.
In anderen Gebieten habe ich schon einen größeren Schub in der Entwicklung vollzogen. Dabei habe ich gemerkt, dass Entwicklung immer auf Zeit beruht.
Je intensiver ich meine Zeit für eine Aufgabe einsetze, desto mehr entwickle ich mich vorwärts, ich verbessere mich. Je weniger Zeit ich investiere, desto langsamer geht es vorwärts. Oder sogar rückwärts, denn eine Entwicklung kann auch eine Verschlechterung sein.

Als Lebens-Wert ist vermutlich eine Entwicklung zum Besseren gemeint. Eine positive Weiterentwicklung des eigenen Charakters, der eigenen Fähigkeiten, des eigenen Selbstvertrauens.

In meinem Job habe ich den wunderbaren Luxus, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Vielleicht auch sie ab und zu voranzutreiben.
Aber vor allen Dingen: sie zu beobachten.
Wenn ich eine Theatergruppe über mehrere Jahre begleite, bin ich immer wieder erstaunt, wie deutlich Entwicklungen zu beobachten sind. Dabei gehen die persönlichen Entwicklungen mit den schauspielerischen Hand in Hand.
Mit jeder neuen Rolle, die innerhalb eines halben bis dreiviertel Jahres einstudiert wird, wird die Person herausgefordert. Sie muss sich eine neue Sprechweise antrainieren oder neue Bewegungsmuster aneignen. Solch ein anderes Verhalten in den Körper zu transportieren ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe. Umso größer ist die Freude, wenn genau das gelingt.
Oft habe ich erlebt, dass die Entwicklung einer Figur während der Proben stagnierte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Anforderungen, die die Rolle stellt, einfach zu hoch sind, vielleicht unschaffbar. Doch plötzlich, bei der Premiere, mit der Energie, die die Bühne und das Publikum einem geben, wurde diese Rolle lebendig. Ich wurde umgehauen mit einer neuen Spielweise, die Monate lang versteckt war.
Vielleicht aus Unsicherheit. Vielleicht aus Scham. Vielleicht aus Abneigung gegen die Rolle. Vielleicht, weil die Bühnensituation gefehlt hat. Die Gründe sind so vielfältig und individuell wie die Spieler.

Aber mit jeder neuen Rolle entwickelten sich die einzelnen Menschen auch auf persönlicher Ebene weiter. Mit jedem Notfall, mit jeder Herausforderung, mit jeder Katastrophe und mit jedem Freudenjubel über das gemeinsam erreichte Finale gewinnt jeder einzelne ein Stück mehr Freiheit.

Die Freiheit, eigene Facetten zu leben. So wie ein Baum im Laufe seines Lebens wächst, Äste ausbildet, aus denen wiederum kleinere Äste und daraus kleine Zweige entstehen, an denen Blätter, Blüten und Früchte wachsen, so entwickeln auch wir uns erst in die Höhe und dann - im Optimalfall - immer weiter in die Breite. Wir lernen und probieren Neues aus, wir werden in manchen Bereichen stärker und gefestigter und entwickeln auf dieser Basis neue Interessen, um in andere Höhen vorzustoßen.

Oft ist einem diese Entwicklung gar nicht gewahr. Wir können einfach öfter mal innehalten und zurückblicken. Einen gedanklichen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und unser altes Selbst betrachten. Dann merken wir plötzlich: wow, so weit bin ich schon gekommen!

Mit jeder Herausforderung, die wir annehmen, mit allem Neuem, dem wir uns stellen, setzen wir die Weichen für die eigene Entwicklung.

Auch wenn er letzte Woche schon zu Wort kam, konnte ich diesem Zitat von Henry Ford nicht widerstehen:

Foto: "Wir sind noch einmal davongekommen", Theatergruppe Vorspiel: https://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel/

Keine Kommentare:

Kommentar posten