Freitag, 19. Mai 2017

Dankbarkeit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der fünfundfünzigste Wert ist:


DANKBARKEIT

Wikipedia sagt:
Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird. Man kann dem Göttlichen, den Menschen oder sogar dem Sein gegenüber dankbar sein, oder allen zugleich. [...] (https://de.wikipedia.org/wiki/Dankbarkeit)

Dankbarkeit ist komischerweise ein Begriff, der in meinen Ohren oft einen abschreckenden Beiklang hat. Das liegt daran, dass Dankbarkeit gern gefordert wird.
Im Internet wird in vielen Kommentaren oder Online-Foren zu allen möglichen Themen mit der Forderung nach Dankbarkeit um sich geschmissen. Am liebsten begleitet mit der genauso vehementen Forderung nach Demut.
Egal, ob es um Flüchtlinge, Arbeitslose, Arbeithabende, Alleinerziehende, Familien, Kinder, Feministen, Frauen, Männer, Menschen oder ... geht: es sollen doch bitte alle erstmal dankbar sein.

Auch ich finde, dass die Fähigkeit zur Dankbarkeit eine wichtige ist. Wenn wir aus tiefem Herzen dankbar sein können, zeigen wir Größe und Selbstbewusstsein.

Aber Dankbarkeit ist kein Automatismus. Um dankbar zu sein, muss man etwas erhalten, was einem einen Dank wert ist. Das kann Aufmerksamkeit, Zuneigung, Lob, Anerkennung, materielle Geschenke oder Zeit sein.

Die nächste Frage ist: wem gegenüber bin ich dankbar? Wer hat mir etwas ermöglicht? Zu oft habe ich den Eindruck, man solle einem "Schicksal" oder irgendeiner "übergeordneten Kraft" dankbar sein, wenn doch die eigentliche Person, die die Voraussetzungen für den Wert / das Geschenk / die Leistung geschaffen hat, wir selbst sind.
Warum sollen wir uns bei einem diffusen, fremden Äußeren für etwas bedanken, was wir uns selbst zu verdanken haben?
Das eigentlich angemessenere Gefühl wäre Stolz: auf sich sich selbst, das eigene Verhalten, die eigene Leistung, die eigene Fantasie, die eigene Kreativität, die eigene Kraft, das eigene Engagement.

Aber Stolz ist nicht gern gesehen. Vor allen Dingen nicht Stolz auf sich selbst. Auf die Kinder darf man stolz sein, auf den Partner auch. Vielleicht auch auf die eigenen Eltern. Aber auf sich selbst? Das wird schnell als Arroganz abgetan, es gehört sich nicht.
Wer auf sich selbst stolz ist, hebt seinen Status. Wer dankbar ist, erniedrigt ihn. Beides ist absolut legitim, aber wird oft miteinander vertauscht.



Wenn wir etwas aus eigener Kraft schaffen, dürfen wir uns selbst danken.
Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wird, ist dabei das Futter, dass die Dankbarkeit uns selbst gegenüber nährt. Wir brauchen unseren gegenseitigen Dank, um weiterhin schaffend und auf soziale Weise füreinander tätig zu sein.
Diesen Dank, wenn er empfunden wird, dem Gegenüber so auszudrücken, dass es bei ihm ankommt, ist eine wichtige Aufgabe, der wir uns mit Freude widmen sollten, ohne Scham. Egal, ob der Dank einem anderen oder uns selbst gilt. Um das zu differenzieren, müssen wir uns nur die Mühe machen, genau hinzugucken.

Einander danken ist etwas wunderbares ... wir dürfen dabei nur uns selbst nicht vergessen.


Ein schöner Satz dazu stammt von Ernst R. Hauschka:

Foto: "Wer zuletzt lacht", Theatergruppe GROBKOST: https://www.facebook.com/grobkost/

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