Mittwoch, 25. Januar 2017

"Biografie: Ein Spiel" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de


"Yoga - das machen viele Leute heutzutage, die an einer banalen Lebensgeschichte leiden."

Max Frisch gehört für mich zu den Autoren, dessen Stücke eine gewisse Einfachheit haben, einen Pragmatismus, den ich sehr mag. Negative Emotionen und schwere Schicksalsschläge werden als Faktum hingestellt. Sie sind nicht dramatisch oder schrecklich - sie SIND einfach. Aber sie haben Folgen.
In seinem Stück "Biografie: Ein Spiel" sind genau diese Folgen auch ein Thema. Wenn ich in meinem Leben zurückgehen und etwas ändern könnte - was würde das für die Gegenwart bedeuten? Hätte sich etwas verändert? Und wenn ja, was? Und bin ich überhaupt in der Lage eine Entscheidung zu treffen?

Ich kannte dieses Stück von Max Frisch gar nicht, aber da ich den Autor mag und Hans Löw mitspielte, den ich schon in "Das Feuerschiff" sehr mochte, war die Entscheidung schnell getroffen.
Das Glück war auf meiner Seite und ich ergatterte Karten in der ersten Reihe, was bei diesem Bühnenbild besonders förderlich war.
Dieses Bühnenbild ist es auch, was mich als erstes begeistert. Eine kleine sich drehende Rundbühne, zylinderartig umgeben von schmalen Wänden. Daneben auf einem kleinen Tisch diese Drehbühne als kleines Modell, schräg gegenüber eine Kamera, die die sich drehenden Wände des Modells aufnimmt und die Bilder auf die großen Wände überträgt. Es funktioniert und sieht fantastisch aus. Die Änderung des Bühnenbildes liegt also in den Händen derer, die die "Wände" des kleinen Modells auswechseln - und das sind die Schauspieler.
Ich liebe es, wenn alles miteinander agiert, wenn die Schauspieler nicht nur spielen, sondern auch die Bühne gestalten, wenn ein großer kreativer Prozess beobachtbar ist.
Durch die Wände ist der Zuschauerblick auf das Geschehen innerhalb der Drehbühne eingeschränkt. Um es immer sichtbar zu machen, nimmt es eine Kamera von oben auf und überträgt es auf eine breite Leinwand über der Bühne. Diese Leinwand betrachte ich nie, ich bin gefesselt zwischen den Wänden hindurchzulugen und auch zu ertragen, wenn ich für ein paar Sekunden nur höre, was gesagt wird.
Von hinten ist der Zuschauer jedoch mehr auf die Bildübertragung angewiesen, zu klein ist die Drehbühne, zu groß der Abstand.

Die Inszenierung ist ruhig und dennoch spannend. Immer wieder geht die Hauptfigur im Leben zurück, um Geschehenes ungeschehen zu machen, um Fakten der Vergangenheit zu ändern. Immer wieder geht das schief, nur wenig entwickelt sich anders. Warum? Vielleicht kann er gar keine richtigen Entscheidungen treffen ...

Mehr verrate ich nicht, ich will nicht spoilern. Wer intensive Stücke und/oder Max Frisch mag, wird begeistert sein! So wie ich!


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