Montag, 5. September 2016

Networking-Tipps für distanzierte Persönlichkeitstypen






Ein Netzwerk ist gerade für Freiberufler und Selbständige extrem wichtig. Über ein Netzwerk ist ein geschäftlicher Austausch möglich, die Reichweite erhöht sich enorm, es können neue Kunden gewonnen werden und man lernt Gleichgesinnte kennen, mit denen neue Projekte angegangen werden können.

Ich habe das jahrelang ignoriert. Oder sagen wir eher: absichtlich ausgeblendet.

Aus dem einfachen Grund, dass ich eher ein distanzierter Typ Mensch bin. Es gibt natürlich auch andere Persönlichkeitstypen, in der letzten Woche gab es dazu einen Blogartikel.
Ich bin eher auf der distanzierten Seite. Ich tue mich schwer mit Smalltalk und starte ein Gespräch mit Fremden gern auf einer sachbezogenen Ebene - wenn überhaupt. Ist die Hürde der ersten Kontaktaufnahme gebrochen, fällt mir das Gespräch leicht.
Aber besonders die Überwindung, überhaupt an einem Netzwerkevent teilzunehmen, ist enorm hoch.
Fremde Menschen anzusprechen, finde ich einfach extrem schwierig, wenn es kein Anliegen/Grund auf der Sachebene gibt, mit dem ich an die Person herantrete. Einfach so? Zum Kennenlernen? Warum? Ihr seht, keine einfache Sache mit mir.

Aber natürlich weiß ich, dass ein Netzwerk wichtig ist und deshalb hatte ich mir für dieses Jahr und besonders für diesen Sommer vorgenommen, an Netzwerkevents teilzunehmen und Neues auszuprobieren. Bis jetzt bin ich ziemlich gut dabei und suche mir immer wieder weitere Herausforderungen.

Mehrere Arten von Events habe ich besucht und mal zusammengefasst, worin die Vor- und Nachteile für eher distanziertere Charaktere liegen:


Barcamps
Schon letztes Jahr besuchte ich das Barcamp Arbeiten 4.0.
Dieses Jahr war ich beim Barcamp Berlin und von dem neuen Input begeistert. Natürlich war das Ansprechen anderer schwierig für mich. Also habe ich mich tapfer überwunden es natürlich auch nicht gemacht.
Ich habe mich morgens einfach an einen der langen Tische gesetzt, mit meinem Frühstück vor mir, und den Gesprächen um mich herum gelauscht. Und gewartet. Und irgendwann hat sich eine junge Frau zu mir gesetzt und mich angesprochen. Das war super!
So verlief auch der Rest des Tages: Menschen haben mich angesprochen und so kam es zu einem Austausch. Wenn ich dann schon jemanden kannte, war es easy für mich.
Das Barcamp-Format ist für distanziertere Menschen nicht ganz leicht. Wer nur Teilnehmer ist und in die Sessions als Zuhörer geht, kommt evt. nur mit sehr sehr wenigen oder gar keinen Menschen ins Gespräch.
Aber für uns distanzierte sachliebende Menschen gibt es ja die Möglichkeit selbst eine Session zu geben. Vorteil hier: es wird dich danach mit großer Garantie irgendeiner deiner Zuhörer ansprechen und mit dir in Kontakt kommen. Zudem rückst du über die Sachebene in den Fokus. Durch die morgendliche Vorstellung deiner Session stehst du vor allen auf der Bühne, erzählst kurz von dir und jeder hat zumindest schon mal dein Gesicht gesehen und eine Ahnung von deiner Tätigkeit. Bingo!

Fazit: Als Sessiongeber ein Gewinn, als Sessionnehmer zwar informativ, aber nicht gewinnbringend im Bezug auf´s Netzwerken. Die Ticketpreise liegen zwischen 20 und 200 €, aber dafür ist es auch gleichzeitig auch immer eine Art Fortbildung.



BNI - Business Network International

Jan Theofel, der Organisator des Barcamps Berlin lud mich als Gast zu einem BNI-Frühstückstreffen ein.
Darüber schrieb ich einen Bericht und muss sagen, dass es networkingtechnisch eine große Herausforderung ist. Wenn man selbst nicht so gern Leute anspricht, tut man sich schwer, denn Selbstinitiative ist durchaus gefragt. Als Gast wird man am Anfang mehreren Personen vorgestellt, das ist toll, aber beim Networking im Anschluss an die große Frühstücksrunde ist man auf sich allein gestellt.
Dafür hat man die Möglichkeit, sich in der Runde als Gast mit einem 30-Sekunden-Elevator-Pitch vorzustellen. So wissen immerhin alle, was man beruflich macht.
Ich hatte Glück und wurde danach von der lieben Bettina Scheer angesprochen und bin nun als Dozentin bei der neuen Speaker-Ausbildung von Norman Gräter und ihr dabei.

Fazit: Einmal als Gast hinzugehen lohnt sich, durch den Pitch in der großen Runde erfährt jeder Teilnehmer kurz etwas über die eigene Tätigkeit. Dennoch ist Mut zum persönlichen Ansprechen gewinnbringender. Zudem ist die Mitgliedschaft sehr kostenintensiv und es gibt eine Anwesenheitspflicht.



Online Kongress

Mit dem Online Selbstbewusstsein Kongress habe ich es mir leicht gemacht, denn online traue ich mich jeden anzusprechen, weil es eben nur auf schriftlichem Wege und nicht in real passiert.
Ein Online Kongress ist eigentlich kein Networking Event, sondern eine Gelegenheit, auf kostenlosem Wege viele Experteninterviews und Input zu einem bestimmten Thema zu bekommen. In diesem Fall war es "Selbstbewusstsein" - ich habe darüber zweimal berichtet: hier und hier.
Aber mit der passenden Facebook-Community gab es die Möglichkeit sich mit anderen Menschen auszutauschen und das ist ja irgendwie auch immer eine Form des Netzwerkens.
Weil die Community so sympathisch war und weil ich natürlich auch auf meine Arbeit aufmerksam machen wollte, veranstaltete ich auf der Facebook-Seite ein Gewinnspiel. Der Andrang war nicht groß, aber es war eine Möglichkeit, meine Arbeit zu teilen.
Der persönliche Gewinn durch den Kongress war natürlich deutlich größer und hat mir auch wieder Mut zugesprochen mit dem Networking weiterzumachen.

Fazit: Wenn man mit Anschreiben, Chatten und Posten keine Probleme und eine Social-Media-Affinität hat, ist es eine entspannte Austausch-Möglichkeit. Der Netzwerkfaktor ist eher gering, aber dafür ist es kostenlos.



Lokale Business-Netzwerke

Neben so großen Organistionen wie BNI gibt es natürlich auch unzählige kleine Business-Netzwerke. Ihr findet sie auf Google und Facebook und es gibt sie für unterschiedlichste Berufsrichtungen.
Vor kurzem war ich als Gast beim powerfrauen@berlin-Frühstück, mittlerweile bin ich schon Mitglied.
Das Netzwerk ist - wie der Name sagt - für Frauen, und zwar aus beratenden und kreativen Berufen.
Passt für meinen Job also perfekt und ich war sehr angetan von der netten Runde. Die Mitgliedschaft im Netzwerk ist kostenlos, es ist nur eine einmalige Gebühr zu zahlen, um auf der Website aufgelistet zu werden. Man kann aber auch als Nicht-Mitglied zu den Treffen kommen und sich vernetzen.
Zweimal im Monat gibt es Treffen, einmal ein Frühstückstreffen in einem Café, einmal ein Abendessen in einem Restaurant. Es gibt keine Anwesenheitspflicht (im Gegensatz zu BNI) und es ist sehr locker, offen und persönlich. Je nach Anzahl der Teilnehmer beim jeweiligen Treffen hat man natürlich auch deutlich mehr Zeit, um sich vorzustellen und von seiner Tätigkeit zu erzählen.
Und hier sind wir auch schon beim Vorteil: durch die ausführliche Vorstellungsrunde kommst du automatisch mit den Menschen ins Gespräch, auf sachbezogener und privater Ebene. Sehr praktisch!

Fazit: Perfekt! Kaum Smalltalk, dafür intensiver Austausch und nette Kontakte in der eigenen Stadt. Zudem kostengünstig, da man nur bezahlt, was man vor Ort isst/trinkt.



Xing-Events

Die Welt der Xing-Events habe ich noch nicht so ganz durchleuchtet, war aber auf ein paar wenigen. Es gibt viele Menschen auf Xing, die Events organisieren, einfach mal nach euren Interessen oder in eurer Stadt suchen.
In Berlin gehe ich gern zu Events im Kleinen Theater, organisiert von Vera Samusch, die dort arbeitet. Wir können dann bei einer Hauptprobe zuschauen, zahlen nur 10 € Eintritt und gehen anschließend gemeinsam etwas essen. Im Schnitt sind ca. 7-10 Personen dabei, leider allerdings bei gleicher Veranstaltungsart immer wieder die gleichen. Der Networking-Effekt ist also nicht ganz so groß. Aber sich umsehen und auf verschiedene Veranstaltungen gehen, ist eine gute Möglichkeit. Zudem kann man so immer mal an tollen, kulturellen Events zu einem günstigeren Eintrittspreis teilnehmen.

Fazit: Eine gute Möglichkeit, um mit Menschen aus der gleichen Umgebung in Kontakt zu kommen. Eigener Einsatz ist allerdings gefragt, denn es gibt meist keine Vorstellungsrunden. Dafür hat man durch die Veranstaltung schon Gesprächsstoff. Die Kosten hängen vom jeweiligen Event ab (Theaterbesuch, Restaurant, Bowling ...).



Eigene Netzwerkevents

Und natürlich gibt es noch die Möglichkeit, selbst ein Event auf die Beine zu stellen. Vorteil: man selbst ist der Gastgeber, spricht also in der Regel automatisch mit jedem, der sich anmeldet. Man kennt im Vornherein evt. schon die Namen und vielleicht auch den Beruf, hat also sofort einen Gesprächeinstieg.
Zudem kann man den Abend so gestalten, wie es einem gefällt.
Ich habe vor 2 Jahren das Schnellzünder Theater Meet Up gestartet, das vierteljährlich stattfindet.
Weil ich es gut finde, wenn jeder von jedem einen Eindruck hat, starte ich mit einer Vorstellungsrunde und gebe die Möglichkeit, bestimmte Anliegen in großer Runde zu erzählen (Fragen, Gesuche, ...). Anschließend kann frei untereinander genetzwerkt werden.
Zudem bitte ich auch ausdrücklich um Flyer und Visitenkarten, auch wenn bei Theaterpädagogen soviel Werbung nicht immer Usus ist oder manchmal die Werbematerialien auch gar nicht vorhanden sind.
Toll finde ich, wenn sich verschiedene Berufsgruppen anmelden und auch Leute vorbeischauen, die nicht im Theaterbereich arbeiten.

Fazit: Sehr gute Networking-Möglichkeiten, wenn es gelingt, genügend Leute zu versammeln. Allerdings ist viel Eigeninitiative nötig.



Das waren meine ersten Tipps, ich werde eifrig weiter Networking-Events besuchen und sicherlich gibt es irgendwann ein Update.

Habt ihr noch Tipps? Besonders für Events in Berlin?

Foto: "Weiße Katze": https://www.facebook.com/weissekatzetheater

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