Freitag, 28. Juli 2017

Offenheit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der fünfundsechzigste Wert ist:


OFFENHEIT

Wikipedia sagt:

Das Merkmal Offenheit für Erfahrungen bildet zusammen mit Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus die fünf Hauptdimensionen einer Persönlichkeit nach dem Fünf-Faktoren-Modell (Big Five). Offenheit wird als normalverteilt angenommen, sodass die meisten Menschen mittlere Ausprägungen aufweisen und extreme Werte selten sind.
Menschen mit viel Offenheit werden charakterisiert durch Adjektive (lexikalischer Ansatz) wie
  • einfallsreich, originell, erfinderisch, phantasievoll
  • intellektuell neugierig, offen für neue Ideen
  • interessiert an Ästhetischem wie Kunst, Musik und Poesie
  • mit Vorliebe für Abwechslung (statt Routine), Neigung zu neuen Aktivitäten, neuen Reisezielen, neuem Essen usw.
  • aufmerksam für eigene und fremde Emotionen
Am anderen Ende der Skala (wenig Offenheit) stehen Adjektive wie konservativ, konventionell, routiniert, uninteressiert usw.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Offenheit)


Offenheit ist einer meiner Lieblingswerte und die Voraussetzung für das Schaffen von Kunst und für die eigene Entwicklung. Die Voraussetzung für Fortschritt und neue Ideen.

Als halbwegs routinierte Theaterspielerin habe ich im Laufe der Jahre eine große Offenheit entwickelt, aber es gibt immer noch Situationen, die für mich unangenehm oder peinlich sind. Situationen, die Überwindung kosten.

Vor einem halben Jahr etwa wollten meine Mitspieler der "Genossenschaft" und ich gemeinsam zum Karaoke gehen.
Schon mit der Gruppe Vorspiel hatten wir nach einer Derniere gemeinsam in einer Kabine der Ichiban-Karaoke-Bar gefeiert. Damals war ich neugierig und unsicher, wie das ganze wird, aber in der Kabine, nur zusammen mit den Menschen, die ich schon so lange kenne, war es sofort eine losgelöste Atmosphäre und wir haben uns gemeinsam heiser gesungen.

Nun sollte es also wieder in besagte Karaoke-Bar gehen. Eine Kabine hatten wir vorher nicht reserviert und beschlossen, das spontan vor Ort zu machen.
Aus unserer illustren Gruppe von sechs Leuten waren an dem Abend nur noch drei übrig, aber wir ließen uns von unserem Plan nicht abbringen. Als wir in der Bar ankamen, gab es jedoch keine freie Kabine und uns wurde gesagt, dass wir in 1,5 bis 2 Stunden eine Kabine bekommen könnten. So lange wollten wir nicht warten, also gingen wir in den großen Raum zur Hauptbühne, auf der jeder singen kann – wenn er denn jemals dran kommt.

Ich hatte mir in dem Moment, in dem ich in meinem Leben das erste Mal von Karaoke hörte, eingeredet, dass das absolut nichts für mich ist. Singen an sich: ja, gern. Aber nicht vor fremden Menschen, einfach so, in einer Bar. Trotz Theatererfahrung war das für mich etwas anderes. Dort oben stehe ich als ich selbst, nicht in einer Rolle, hinter der ich mich verstecken kann.
Einen Teil dieser Scheu hatte ich mit dem Karaoke-Singen in der Kabine abgelegt. Das Vorhaben, auf einer Bühne vor Fremden auf keinen Fall zu singen, war aber geblieben.

Und nun standen wir da, vor dieser Bühne. Ich haderte mit mir. Meine Genossen sagten, dass wir natürlich zusammen singen können, wir müssten da ja nicht allein auftreten.
Das war der richtige Auslöser, den ich brauchte. In dem Moment beschloss ich: Jetzt aber richtig! Wenn ich schon vor Fremden singe, dann aber auch allein. Challenge accepted!
Ich wählte meinen Klassiker, einen Song, den ich auswendig kann und schon beim vorherigen Karaokebesuch gesungen hatte: "Touch-A, Touch-A, Touch me" aus dem Musical "The Rocky Horror Picture Show". Ich schrieb nur diesen Song auf einen kleinen Zettel und gab ihn beim DJ und Moderator ab. Mit meinen Genossen suchten wir noch weitere Songs aus, die wir zu zweit oder zu dritt singen wollten und gaben auch diese auf Wunschzetteln ab.
Wir warteten und warteten und überlegten schon, wie lange wir noch durchhalten. Und plötzlich wurde mein Name angesagt.
Da ich für mich selbst die Entscheidung getroffen hatte, mich der Herausforderung zu stellen, war ich ganz ruhig und präsentierte da oben den Song. Was ich auf der Bühne gemacht habe, weiß ich nicht mehr so genau. Ich habe auch meine eigene Stimme nicht hören können, sondern nur die Hintergrundmusik.
Ich ging von der Bühne und war einfach happy, weil ich die Offenheit hatte, es endlich auszuprobieren. Es war gar nicht schlimm.

Und ich wurde noch zusätzlich belohnt: der DJ fühlte sich durch den Song inspiriert, direkt nach mir selbst auf die Bühne zu gehen und "Sweet Transvestite" aus dem gleichen Musical zu performen – inklusive Striptease. Mehr kann man sich nun wirklich nicht wünschen!


Offenheit macht uns verletzlich. Wir zeigen uns, wir präsentieren unsere wunden Stellen. Gleichzeitig macht sie uns aber auch durchlässig und frei. Wenn wir uns öffnen, können wir neue Impulse aufnehmen und uns ganz auf neue Erfahrungen einlassen. Wir können Kind sein, können Eintauchen in unsere ganz eigenen Erlebniswelten.

Offenheit ist etwas wunderbares und für uns alle ein wichtiges Gut. Lasst sie uns bewahren – und in anderen Menschen wecken!

Am Schluss noch ein kleiner Tipp von Alexander Smith – diese Erfahrung habe ich nämlich auch gemacht:

Foto: "Republik Vineta", Theatergruppe Vorspiel: https://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel/

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