Montag, 10. Juli 2017

Fehler, die ich in der Teamleitung gemacht habe: #1 Unehrlichkeit



Aus Fehlern lernt der Mensch und ich habe davon so einige gemacht in meiner beruflichen Laufbahn ... und ich mache damit fleißig weiter, denn man lernt nie aus.
Dennoch gibt es Fehler, die ich mir hätte sparen können, wenn ich vorher an meiner eigenen Einstellung und den eigenen Prinzipien gearbeitet hätte. Aber diese Dinge habe ich erst durch meine Arbeit gelernt.

Die fünf größten Fehler in der Gruppenleitung der vergangenen Jahre möchte ich in den nächsten Wochen gern mit euch teilen.
Den Anfang macht heute:


#1 Unehrlichkeit

Als ich anfing zu arbeiten, fiel es mir schwer, ehrlich zu sein. Ich konnte schwer Fehler zugeben, habe eher versucht, sie zu vertuschen oder zu verheimlichen oder wenigstens im Nachhinein schönzureden.

Wenn ich eine bestimmte Idee hatte, habe ich versucht, durch Trickserei und geschickt platziertes Vorbringen der Idee bei bestimmten Leuten die Chancen zu erhöhen, diese Idee durchzusetzen.

So etablierte ich eine Natur der Geheimniskrämerei und Unehrlichkeit, die mir anfangs gar nicht so bewusst war, doch nach und nach immer öfter auf die Füße fiel. Wenn ich unbedingt ein bestimmtes Stück durchsetzen wollte, machte ich Abstimmungen sehr schnell und traf in Zweifelsfällen Entscheidungen ohne die Gruppe zu berücksichtigen. Wenn ich eine bestimmte Art der Inszenierung wollte, lenkte ich Gespräche immer wieder auf meine Ideen ohne auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zu achten.

Ich hatte Schwierigkeiten offen über Geldthemen zu sprechen, machte das gern nur auf schriftlichem Wege, weil es mir peinlich war, dass ich für meine Arbeit Geld verlange. Es war mir peinlich, weil ich an meinen eigenen Fähigkeiten zweifelte. Und ich zweifelte an meinen Fähigkeiten, weil ich eigentlich im Inneren wusste, dass ich mich anders verhalten müsste.

Zu Beginn meiner Selbständigkeit und während meiner Ausbildung habe ich des öfteren in Teams gearbeitet. Teamarbeit kann auch mit Unehrlichkeit funktionieren, macht aber dann keinen Spaß. Und es hat wirklich keinen Spaß gemacht.
In einem Team zu arbeiten bedeutet, dass Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Ideen gemeinsam auf ein Ziel zusteuern. Dabei muss ein Austausch stattfinden und es müssen gute Kompromisse oder ganz neue individuelle Lösungen gefunden werden, hinter denen alle Teammitglieder stehen.
Hat ein Teammitglied, mit dem ich Schwierigkeiten hatte, mal bei einer Probe gefehlt, habe ich gern spontan mit den Teilnehmern Entscheidungen getroffen, die nicht im Sinne des anderen Teammitglieds waren. Einfach aus Angst vor der Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber.
Meinungsverschiedenheiten führen oft zu einem (kurzfristigen) Machtverlust, den ich unbedingt verhindern wollte. Unehrlichkeit war dabei mein Mittel der Wahl.

Über die Jahre merkte ich, dass die Unzufriedenheit in meinen Gruppen und Anleiterteams wächst. Mühsam zwang ich mich zu mehr Offenheit, zu Diskussionen und dazu, die Teilnehmer und Teammitglieder in Entscheidungen einzubeziehen. Mehr noch: nur noch gemeinsame Entscheidungen mit ihnen zu treffen.
Was mich am Anfang Überwindung kostete, überraschte mich mit wunderbaren Ergebnissen. Je ehrlicher ich mit meinen Mitmenschen umging, desto besser funktionierte die Arbeit. Aus der Überwindung wurde Normalität, ja sogar Freude an der Offenheit.

Mittlerweile ist es für mich normal, offen und ehrlich zu antworten und mit meinem Gegenüber das Gespräch zu suchen, wenn es ein Problem gibt. Eine Lernerfahrung, für die ich sehr dankbar bin.

Wie sind eure Erfahrungen mit Ehrlichkeit und Unehrlichkeit?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen