Mittwoch, 9. November 2016

"Meteoriten" - Maxim Gorki Theater Berlin

Foto: © Ute Langkafel MAIFOTO
Bildquelle: www.gorki.de


Nach Gritty Glamour im Frühjahr wurde es mal wieder Zeit für ein weiteres Stück, das sich mit der LGBTQIA-Szene beschäftigt: Meteoriten im Maxim Gorki Theater Berlin.

Meine Freundin Anne aus meinem Hörspiel-Quartett "Die Genossenschaft" hatte mir zum Geburtstag einen Theaterbesuch geschenkt. Um nicht standardmäßig wie immer ins DT zu gehen, wurde diesmal das Gorki ausgewählt. Ich stöberte durch das Programm voller sehr aktueller Stücke, teilweise etwas hilflos, da eine Stückauswahl schwerer fällt, wenn man kaum eines der Stücke kennt.
Aber bei "Meteoriten" gefiel mir die Beschreibung sehr: Eine Geschichte über queere Charaktere, gemischt mit Ovids Metamorphosen. Das klang großartig.

Und ja, das ist es auch! Sowohl das junge Ensemble als auch der Text sind beeindruckend, authentisch und mitreißend. Die Figuren kämpfen mit- und umeinander, aber sind doch größtenteils zu gefangen in ihrer aktuellen Entwicklung, in ihrem Kampf mit sich selbst, um einem anderen wirklich gerecht werden zu können.
Am meisten geht mir die Geschichte von Kato ans Herz. Er ist im falschen Körper geboren und startet gerade mit seiner Transition. Diese Zeit ist eine ungemein schwierige Phase. Der Körper macht eine zweite Pubertät durch und steht durch seine Veränderung stets im Mittelpunkt. Gleichzeitig ist da der Wunsch nach Nähe und Liebe, aber wie soll man sie selbst geben, wenn man sich gerade so sehr verändert?
Die Inszenierung wechselt zwischen Dialogszenen, Tanz- und Gesangsnummern und Monologen, die über eine Kamera auf die Bühnenwand projiziert werden. Das schlichte Bühnenbild, zwei leere Räume darstellend, fast wie ein Baugerüst, passt zur Stimmung der Charaktere. Es sind Räume, die (noch) nicht gefüllt sind, quasi Platzhalter für eine Lücke im Leben, die noch geschlossen werden muss ... oder auch nicht.
Zwischendrin werden Ausschnitte aus den Metamorphosen von Ovid erzählt und diese klassische Sprache verträgt sich hervorragend mit dem modernen Text.

Ein Satz von Kato geht mir am meisten unter die Haut:


"Warum verrate ich alle, wenn ich einfach ich bin?"

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