Montag, 3. Oktober 2016

Status - Was ist das?





Zwei Menschen kommen auf der Straße aufeinander zu. Einer muss ausweichen ...


Im August entschied ich mich, meinen beruflichen Fokus stärker auf´s Status-Training zu richten. Und sobald ich jemandem sage, dass ich Status-Trainerin bin, kommt die Frage: "Status, was ist das?" 
Wo könnte man die Frage schöner beantworten als in einem Blogbeitrag?!
Also gibt es heute eine kurze Einführung in den Begriff "Status".


Was ist Status?

Wir Menschen haben alle eine Vorstellung im Kopf, wenn wir den Begriff Status hören. Diese Vorstellung ist in der Regel mit dem gesellschaftlichen Status einer Person verbunden. Der gesellschaftliche Status wird stark durch den Beruf und die berufliche Position eines Menschen definiert. Ein CEO eines StartUps hat also einen höheren Status als ein Handwerker. Der Handwerker wiederum hat aber einen höheren Status als eine Hausfrau. Der Status wird unterstützt durch zusätzliche Merkmale, die wir dieser Position zuschreiben: Kleidung, Fortbewegungsmittel, Hobbies usw.
All diese Elemente helfen uns, den Status einer Person schnell festzustellen. Aber warum ist uns das so wichtig? Weil wir wissen wollen, wer der Stärkere ist. Wir wollen wissen, wer mehr Macht hat.
Und hier wird es spannend: all diese Symbole wie Kleidung und Beruf definieren das Bild, das wir von einem bestimmten Status haben. Dennoch kann sich der Status, den wir einer Person aufgrund ihres Äußeren oder dem, was wir über sie wissen, sofort verändern, wenn das Verhalten nicht diesem äußeren Bild entspricht.
Zu unserer Status-Wahrnehmung gehört also noch mehr. Wir achten auf Mimik, Gestik, Bewegung, Körperhaltung, Wortwahl und Tonfall des Gegenübers. Und diese Elemente wirken unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild.
Wären wir alle nackt, könnten wir anhand dieser Beobachtungen trotzdem in Sekundenschnelle festlegen, wer einen hohen und wer einen niedrigen Status hat.

Dadurch, dass wir den Begriff "Status" oft mit Äußerlichkeiten und weniger mit Verhalten verbinden, wirkt es meist irritierend, wenn ich von Status-Training spreche.
Eigentlich kann man das Verhalten am besten mit Dominanz und Unterwerfung beschreiben, doch diese Begriffe sind in unserem Sprachraum recht negativ geprägt.
Keith Johnstone, der Begründer des modernen Improvisationstheaters, hat für dieses Machtverhalten den Begriff "Status" geprägt und er ist sehr passend, denn Menschen verbinden intuitiv bestimmte Verhaltensweisen mit dem Wort.
Johnstone war in den 60ern Schauspiellehrer und wollte auf der Bühne eine realistischere Kommunikation darstellen. Er analysierte, wie genau wir uns einem Kommunikationspartner gegenüber verhalten und fand heraus, dass unsere Erscheinung, Körperhaltung, Gestik, Mimik und Stimme uns mal mehr, mal weniger Macht geben.
Mal sind wir oben, mal sind wir unten, also mal im Hoch- und mal im Tiefstatus. Dieses Machtgefälle funktioniert unabhängig vom gesellschaftlichen Status und wird jeden Tag von uns in unterschiedlichsten Varianten erlebt - mal bewusst, mal unbewusst, mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen und Fremden. Mit jeder Person, der wir begegnen, verhandeln wir ständig den Status neu aus.

Status ist also nicht statisch, im Gegenteil: er wechselt ständig - von Satz zu Satz, von Geste zu Geste, von Blick zu Blick.

Unsere Haltung zeigt sich stets in einem nach außen gezeigten Status und wirkt zusammen mit unserem inneren Status, unserem Selbstwert. So spielen äußerer und innerer Status zusammen und beeinflussen unsere Wirkung beim Gegenüber.
Im Gegensatz zu unserem gesellschaftlichen Status, der durch unsere Lebensumstände geprägt und oft relativ feststehend ist, haben wir den Vorteil, dass wir den Verhaltens-Status jederzeit ändern, damit spielen und auf diese Weise authentischer, offener und selbstbewusster mit anderen umgehen können.
Je flexibler wir in unserem Status-Verhalten sind, desto einfacher wird unsere Kommunikation und desto unnötiger werden Status-"Kämpfe" oder Machtspielchen.


Können wir Status-Verhalten lernen?
Status-Verhalten ist keine Methode, die wir erlernen können. Wir können es bereits, es gehört zu unserer Persönlichkeit. Allerdings ist uns dieses Können nur selten bewusst.
Wir können aber ein Bewusstsein schaffen, Status-Verhalten wahrzunehmen, zu beobachten und den eigenen Handlungspielraum zu erweitern.
Für eine entspanntere, leichtere und zielführendere Kommunikation und ein gesteigertes Selbstwertgefühl.


Foto: "Meister und Margarita", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel

Kommentare:

  1. Sehr spannend! Gerade die Situation mit zwei Menschen auf der Straße, wo einer ausweichen muss - ich war schon tausend mal in dieser situation und habe mir jedesmal einige gedanken gemacht. Sehr interessant, diese nonverbale Kommuniktaion!
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

    AntwortenLöschen
  2. Ja, eine klassische Situation. Mich fasziniert das Thema auch immer wieder. Im Herbst gibt es dazu auch wieder einen Workshop.:)

    lg,
    Sarah

    AntwortenLöschen