Mittwoch, 6. Juli 2016

"Das Feuerschiff" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de

"Es gibt auch Leute, die ein Verlangen
nach Unsicherheit haben!"

Manchmal treffe ich Entscheidungen, in welches Theaterstück ich als nächstes gehe, sehr einfach. So war es auch in diesem Fall. Ich lese die Worte "Schiff" und "Kapitän" und weiß: das will ich sehen!
Ich mag Geschichten, die auf Schiffen spielen, ich mag die Stimmung, das offene Meer, die Einsamkeit, ich mag Jules Verne. Es wäre kein Leben für mich, aber es fasziniert mich sehr.
"Das Feuerschiff" basiert auf einer Erzählung von Siegfried Lenz und ich muss zu meiner Schande gestehen, nie etwas von ihm gelesen zu haben. Aber gut, dann eben auf der Bühne, macht es noch einfacher.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Kapitän Freytag nimmt auf seinem Feuerschiff (Fixpunkt in schwierigen Gewässern) Schiffbrüchige auf, die sich jedoch als Kriminelle auf der Flucht erweisen. Sie sind bewaffnet und wollen mit dem Feuerschiff weiter, doch das Feuerschiff darf seine Position nicht verlassen. Verschiedene Interessen prallen aufeinander, es geht um die ganz großen Themen:
Chaos vs. Sicherheit, Egoismus vs. Verantwortung, Alt vs. Jung.

Ich hatte eine Ahnung, wie die Inszenierung sein würde: still, kühl, simpel.
All das traf auch zu, aber sie war noch besser als ich es erwartet habe. Sie war unglaublich ruhig, aber dennoch dicht, mit einem simplen, aber umso effektiveren Bühnenbild, bestehend aus einer aufgestockten Bühne mit Licht von unten, vier Bildschirmen im Hintergrund, auf denen die Meeresoberfläche und Bilder von Überwachungskameras zu sehen waren. Die Musik schaffte eine spannungsgeladene Stimmung und ich blieb dran, die Inszenierung war ein spannender Film, der vor meinen Augen ablief.
Die Schauspieler waren brilliant und nahmen mich ein, nahmen mich mit in ihre Geschichten, in ihre Vergangenheit.

Es überrascht vielleicht, dass gerade ich, die sonst auf Action auf der Bühne steht, von einem so ruhigen Stück so begeistert bin. Aber es enthielt soviel simple Wahrheit und eine wunderbare Dichte, komprimiert auf knackige 70 Minuten Spielzeit - das mag ich sehr! Unbedingt anschauen!


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