Freitag, 30. Juni 2017

Sicherheit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der einundsechzigste Wert ist:


SICHERHEIT

Wikipedia sagt:
Sicherheit (lateinisch sēcūritās zurückgehend auf sēcūrus „sorglos“, aus sēd „ohne“ und cūra „(Für-)Sorge“) bezeichnet einen Zustand, der frei von unvertretbaren Risiken ist oder als gefahrenfrei angesehen wird. Mit dieser Definition ist Sicherheit sowohl auf ein einzelnes Individuum als auch auf andere Lebewesen, auf unbelebte reale Objekte oder Systeme wie auch auf abstrakte Gegenstände bezogen.[...] (https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheit)

Heute hat die Mehrheit im Bundestag für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. Diese Entscheidung war lange überfällig und ich bin wahnsinnig froh, dass nun alle die Möglichkeit haben, mit ihrem Partner/ihrer Partnerin eine Ehe einzugehen.
Die Ehe hat einen romantischen Ruf, ist aber in erster Linie gesetzliche Regelung einer Verbindung zweier Menschen. Ich wollte früher nie heiraten, ich fand das spießig und überflüssig. Meine Eltern waren nicht verheiratet und ich hatte auch nur sehr kurze Partnerschaften gehabt, die gar nicht für eine Ehe in Frage kamen.
Dann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und wir waren uns beide sofort einig, dass wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen wollen. Dieser Fakt sorgte dafür, dass der Gedanke an eine Ehe auf einmal nicht mehr abwegig war und einige Vorteile mit sich brachte. Mir war es wichtig, rechtlich abgesichert zu meinem Partner zu gehören, Entscheidungsbefugnisse im Notfall zu haben – und ja, auch Steuereinsparungen zu nutzen.
In dem Moment als ich den Ehevertrag unterschrieben habe, fühlte ich ein warmes und beruhigendes Gefühl der Sicherheit. Ich hatte vorher keine Angst, dass mein Partner mich verlassen könnte, die Partnerschaft war genauso fest wie jetzt die Ehe. Aber die Eheschließung gab mir die Sicherheit, auch vor allen anderen Menschen als Partner anerkannt zu werden. Sie schweißte uns ganz offiziell enger zusammen.

Ich denke nicht, dass die Ehe besonders wichtig oder heilig ist. Auch ohne Institution Ehe könnten wir sehr gut leben. Aber heute, an diesem doch auch historischen Tag, passte die Erinnerung an meine Eheschließung perfekt zum heutigen Wert.

Sicherheit ist etwas, was der Mensch instinktiv anstrebt. Wir wollen Rückhalt, ein Netz, das uns auffängt. Wir wollen Regeln, die uns helfen, uns Orientierung geben.
Manche Menschen brauchen von dieser Sicherheit sehr viel, andere können gut mit sehr wenig Sicherheit auskommen, je nach Persönlichkeitstyp.

Das blöde im Leben ist: wir haben diese Sicherheit selten. Es kann jederzeit alles den Bach runtergehen, Unerwartetes über uns hereinbrechen oder wie es Frau Gabor im Stück "Frühlings Erwachen" so schön sagt:

"Sind wir denn für den Zufall verantwortlich?!"

Nein, sind wir nicht. Und genau das macht uns Sorge. Doch wenn wir alles im Leben beeinflussen könnten – und wir können ja schon ziemlich viel beeinflussen –, dann gäbe es gar keine Überraschungen mehr. Keine negativen, aber eben auch keine positiven. Uns würde nichts mehr passieren, was neue Horizonte eröffnet, wir würden nicht unerwartet in eine neue Richtung geschubst werden.

Diese neuen, unerwarteten Impulse brauchen wir aber für unsere Weiterentwicklung, für Fortschritt, für neue Ideen.

Im Alltag können wir mit kleineren Überraschungen meist gut umgehen, haben aber dennoch oft Angst vor Spontanität. Wenn wir unsere Kindheit hinter uns lassen, wächst unsere Scham und unsere Furcht vor Fehlern. Wir wollen uns nicht blamieren, nicht als dumm dastehen, nicht inkompetent wirken, nicht zuviel von uns verraten.
Dadurch verlieren wir etwas: Leichtigkeit und Abenteuer.

Der Meister des Improvisationstheaters Keith Johnstone hat dazu gesagt:

“Those who say ‘Yes’ are rewarded by the adventures they have, and those who say ‘No’ are rewarded by the safety they attain.”

Diese Angst vor´m Blamieren, vor Fehlern und vor fehlendem Perfektionismus habe ich im Laufe meiner Ausbildung abgelegt. Was hat mir dabei geholfen? Eben besagtes Improvisationstheater. Jede Woche mussten wir uns spontan Geschichten überlegen, jede Woche vor unseren Kollegen Szenen ohne (große) Vorbereitung spielen. Und mit jeder Woche wurden wir sicherer und entspannter, machten uns weniger Sorgen darüber, was die anderen denken, sondern hatten einfach nur Spaß am Sein, am Spiel und an der eigenen Schaffenskraft.

Sicherheit ist wichtig. Leider können wir uns nicht darauf verlassen. Denn Sicherheit ist immer ein Wunsch, aber nie ein Fakt. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.
Aber wir können lernen, mit Unsicherheit umzugehen. Lasst es uns wagen!

Joachim Ringelnatz sagt es ganz nonchalant:

Foto: "Wer zuletzt lacht", Theatergruppe GROBKOST: https://www.facebook.com/grobkost/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen