Freitag, 5. Mai 2017

Aufregung - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der dreiundfünzigste Wert ist:


AUFREGUNG

Wiktionary sagt:
Gefühl der Anspannung und Unruhe [...] (https://de.wiktionary.org/wiki/Aufregung)

Wie viele Menschen nennen Aufregung als wichtigen Wert im Leben? Vermutlich diejenigen, die eher abwechslungsliebende Persönlichkeitstypen sind. Aufregung ist ein Wert, der aber eigentlich für jeden von uns wichtig ist ... doch für jeden in anderem Maße.

Aufregung heißt Unruhe. Unruhe ist die Ausgangsbasis für eine neue Handlung. Wenn wir nicht in unserer inneren Ruhe sind, dann wollen wir etwas tun, um sie wieder herzustellen. Wir wollen etwas herstellen, was für uns ein angenehmer Zustand ist.
Dieser angenehme Zustand ist aber bei den Menschen unterschiedlich. Manche fühlen sich am wohlsten, wenn sich nichts verändert. Andere brauchen stetige Veränderung als Wohlfühlfaktor.
In "Das Feuerschiff" sagt Caspary: "Es gibt auch Leute, die ein Verlangen nach Unsicherheit haben."

In jedem von uns stecken beide Sehnsüchte, die nach Sicherheit und Gewohnheit sowie die nach Aufregung und Abwechslung.
Aber es dauert oft lang bis wir genau benennen können, was uns fehlt. In der Regel fehlt uns genau das, was wir aktuell nicht haben (können). Sind wir gerade in einer Phase des Umbruchs, sehnen wir uns nach mehr Ruhe, nach Angekommensein. Die Aufregung ist dann in ihrer großen Masse fast erdrückend, sie überwältigt uns. Sind wir schon lange im gleichen Zustand, kitzelt uns der Wunsch nach Aufregung, nach etwas Neuem, was unsere Routine durchbricht.

Die schwerste Aufgabe ist, selbst aktiv einen Ausgleich zwischen Aufregung und Gewohnheit herzustellen. In stressigen Zeiten Gewohnheiten zu etablieren und in ruhigen Zeiten aktiv Aufregung zu suchen.
Wie machen wir das? Ohne Selbstdisziplin schaffen wir es nicht. Zu lange wurde uns das Gegenteil antrainiert, das Leiden unter den Umständen, das Kapitulieren unter dem, was da ist.
Änderungen - in beide Richtungen - brauchen Kraft.
Am einfachsten ist es, wenn wir uns von außen einen Zwang suchen, eine Person, Gruppe oder Institution, die uns regelmäßig zur Entspannung oder Aufregung zwingt.

Ich bin kein Sportmensch, weiß aber, dass mir Bewegung gut tut. Zu Hause raffe ich mich nicht auf, etwas zu tun, und wenn dann viel zu kurz. Ich weiß, dass ich Aufregung und Herausforderung brauche, aber in meinem gewohnten Umfeld tue ich nichts dafür.
Seitdem ich einmal in der Woche zum Rücken-Yoga-Kurs gehe, habe ich einen Zwang. Noch besser: mein Mann kommt mit und wir motivieren uns gegenseitig, wirklich hinzugehen.
Manchmal ist es entspannend, manchmal schweißtreibend und anstrengend. Dann gucke ich zwischendurch auf die Wanduhr und hoffe, dass die Stunde schnellstmöglich mit der Tiefenentspannung endet. Allerdings merke ich dgerade an diesen Tagen, dass mein Körper diese Anstrengung braucht.

In meinem Beruf als Theaterpädagogin realisierte ich im Laufe der Jahre, dass eine der Hauptaufgaben, die die Teilnehmer an mir schätzen, genau der Zwang ist: der Zwang zur Ruhe und der Zwang zur Aufregung, der Zwang zur Regelmäßigkeit und Gewohnheit sowie der Zwang zur Abwechslung und Herausforderung. Ich helfe, ihrem Leben genau die Elemente hinzuzufügen, die sie benötigen - und das in einem einzigen Kurs, an einem einzigen Termin.
Diejenigen, die einen Beruf haben, der mit viel Terminen, Aufregung und Stress verbunden ist, sehen den wöchentlichen Abendtermin als Pool der Entspannung, als angenehm-wohlige Gewohnheit, als ihre Clique zum Treibenlassen, ohne Druck.
Für die Homeworker, die nicht viel rauskommen, die viel allein sind, die einen ruhigen Job haben, die vielleicht auch das Rauskommen mit ängstlichen Gefühlen verbinden, ist der wöchentliche Probentermin die Portion Herausforderung, die Prise Aufregung, die sie zum Ausgleich brauchen.

Jeder von uns kennt beide Seiten des Lebens. Und so wunderbar ein regelmäßiger Rhythmus und das Angekommensein ist, so wichtig ist auch eine ordentliche Menge Aufregung im Leben.

William James sagt es wunderbar einfach:


Foto: "Suite Dreams", Theatergruppe Tiger Alien K(r)uh: https://www.facebook.com/tigeralienkruh

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