Freitag, 24. März 2017

Gerechtigkeit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der siebenundvierzigste Wert ist:


GERECHTIGKEIT


Wikipedia sagt:
Der Begriff der Gerechtigkeit (griechisch: διϰαιοσύνη dikaiosýne, lateinisch: iustitia, englisch und französisch: justice) bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt.[...] (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit)
Gerechtigkeit gehört wohl mit zu den schwersten Werten überhaupt. Gerechtigkeit zu leben, erfordert eine Menge Disziplin und  - vor allen Dingen - Neutralität.
Was uns am meisten im Weg steht, ist unser Streben nach Macht und Überlegenheit. Das ist wahnsinnig tief in uns verankert. Wir wollen andere so gern dominieren, weil es sich einfach gut anfühlt.
Aber das macht Gerechtigkeit schwieriger. Um gerecht zu sein, müssen wir uns und unsere Interessen auch mal anderen unterordnen können, großzügig sein.

In meiner Arbeit ist Gerechtigkeit eine der größten und schwierigsten Aufgaben. Jedem muss die gleiche Aufmerksamkeit gewährt sein, jeder soll die gleichen Chancen haben, jeder soll sich auf gleiche Weise einbringen dürfen und auch müssen.
Bei Konflikten muss ich eine für beide Seiten faire Lösung finden. Ich darf nicht nach Zuneigung oder eigenem Geschmack entscheiden, sondern muss immer wieder eine neutrale Position einnehmen.
Der Fokus liegt darauf, was für die Gruppe UND für den einzelnen am besten ist.

Wenn ich eine Entscheidung im Sinne der Gruppe treffe, ist sie gerecht dem Einzelnen gegenüber? Und kann ich diese Entscheidung erklären?
Kann ich eine Entscheidung im Sinne des Einzelnen treffen, die für die Gruppe gerecht ist?

Da viele Entscheidungen in der Gruppe basisdemokratisch getroffen werden, bin ich stets Moderator und Richter zugleich. Ein Posten, der manchmal angenehm und manchmal schwierig ist. Zum Beispiel bei Abstimmungen, die einen Gleichstand ergeben. Da muss ich das Zünglein an der Waage sein und im Kopf entscheiden, welche die gerechteste Wahl ist.

Als die Vorspieler in der letzten Saison nach Stücken gesucht haben, gab es am Schluss ein Stechen zwischen Kästners "Schule der Diktatoren" und dem chinesischen Trash-Film "Personal Tailor".
Ich stimme bei den Stücken nie mit ab, denn ich stehe auch nicht auf der Bühne. Das muss die Gruppe ganz für sich allein entscheiden. Gleichstand gibt es sehr selten bei solchen Abstimmungen, aber dieses Mal gab es sie und ich sollte die letztendliche Entscheidung treffen.
Die beiden Stückvorschläge kamen von verschiedenen Mitspielern der Gruppe. Ein relativ neues Mitglied und eine langjährige Mitspielerin. Da von letzterer in den letzten Jahren schon zwei Vorschläge zur Aufführung kamen, entschied ich mich für den Vorschlag des anderen. Weil ich es gerechter fand, wenn ein anderer mal die Möglichkeit hat, einen eigenen Vorschlag auf der Bühne zu sehen.

Die Entscheidung war insofern aber riskant, weil die Gruppe ein Stück dieser Art noch nie gespielt hatte. Es war sehr klamaukig und eigenartig und im Laufe des halben Jahres, in dem wir das Stück inszenierten, blickte ich in viele entsetzte Gesichter. Viele (ver)zweifelten an diesem Stück, das so albern war und das doch niemandem ernsthaft gefallen konnte.
Ich war überzeugt, dass es am Ende gut wird, auch wenn ich durch die Zweifel der anderen manchmal ins Wanken kam.
Am Schluss war "Dreams Inc." ein unglaublicher Spaß, der das Publikum mitriss. Und was das wichtigste war: die Spieler hatten Freude am Spielen. Alle meldeten zurück, dass es wahnsinnigen Spaß machte, diese Rollen zu spielen. Und genau das ist die Aufgabe meines Jobs. Ich war erleichtert.

Hätte ich die Entscheidung aus Angst getroffen, hätte ich die sichere Kästner-Variante gewählt. Aber ich habe mich gezwungen, eine gerechte Entscheidung zu treffen, die für mich nur so möglich war. Und ich bin froh darüber.

Gerechtigkeit ist nicht immer das, was einem selbst am besten gefällt. Gerechtigkeit bedeutet, allen die gleiche Chance zu geben. Es bedeutet auch, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Das tolle daran ist: auch wenn man es nicht geahnt hätte, wird man am Ende meist positiv überrascht.
Denn ein Mensch, der gerecht behandelt wird, fühlt sich anerkannt. Und das ist immer positiv und gewinnbringend.


Gustav Stresemanns Rezept für Gerechtigkeit ist perfekt:

Foto: "Gerüchte, Gerüchte", Theatergruppe Spielschauer: https://www.facebook.com/spielschauer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen