Freitag, 2. September 2016

Nachhaltigkeit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der achtzehnte Wert ist:

NACHHALTIGKEIT

Wikipedia sagt:
Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit)
Nachhaltigkeit wirkt im ersten Moment wie ein sehr moderner Wert. Aber eigentlich ist es runtergebrochen einfach Teil des langfristigen Denkens.
Und langfristiges Denken ist etwas, was dem Menschen extrem schwer fällt. Langfristig zu denken, bedeutet, nicht sofort Ergebnisse zu sehen, nicht für sich selbst das meiste rauszuholen, eigene Bedürfnisse zum Schutze von Ressourcen zurückzustellen. Das entspricht nicht unserer Natur. Wir Menschen wissen, dass unser Leben begrenzt ist und wollen soviel wie möglich rausholen, egal was mit kommenden Generationen ist. Wir wollen stets, dass die aktuelle Generation (also wir) überleben und uns nach Möglichkeit viel fortpflanzen. Weit in die Zukunft denken, wenn uns diese Zukunft gar nicht mehr betreffen wird? Schwierig.

Wie oft sagen wir bei deprimierenden Zukunftsprognosen: "Hoffentlich erlebe ich das nicht mehr!"?
Kurzfristiges Denken ist so viel einfacher und angenehmer.

Aber wenn uns ein bißchen was an unserer Erde liegt, kommen wir um langfristiges Denken und Nachhaltigkeit nicht herum. Wir müssen uns diesen Gedanken stellen und überlegen, wie wir Ressourcen schonen können. Vielleicht gibt es Bereiche im Leben, in denen wir das nicht wollen oder können, weil uns ein bestimmter Luxus wichtig ist. Aber es gibt auch immer andere Bereiche, in denen wir flexibler sind.
Manche Menschen können vielleicht nicht auf Kaffee aus Kapseln verzichten, für andere ist das überhaupt kein Problem.
Manche Menschen ekeln sich vielleicht vor Secondhand-Kleidung, andere kaufen gern bei Kleiderkreisel und Co.
Für uns alle gibt es Möglichkeiten, Nachhaltigkeit zu leben. Nicht in jedem Lebensbereich, aber in denen, in denen es uns leicht fällt. Und vielleicht merken wir dann, dass es sich auch auf andere Bereiche positiv auswirkt. Dass wir nach und nach offener werden, mehr auf Qualiät als auf Quantität setzen.

Im Theater ist Nachhaltigkeit besonders schwierig. Die Kunst verlangt oft nach Extremen, nach Verschwendung. Behauptet sie zumindest.
Doch was ist das richtige Maß?
Muss es gleich eine Tonne Kartoffeln sein, die die große Bühnenrampe im Stadttheater herunterrollt? Isst die danach noch jemand? Oder werden sie entsorgt? Für wieviele Vorstellungen reicht diese Kartoffelmenge?
Brauchen vier Kinder für einen Ferien-Workshop zum Thema Kostümbau wirklich Stoffe, Draht und Nähmaterial, das für eine ganze Schulklasse ausreicht? Und warum wird 80% dieses Materials nach dem Workshop weggeschmissen?

Nachhaltigkeit ist im Theater gar nicht so schwer zu realisieren. Und ist im Amateurtheater zum Glück allein aus Geldmangel meist die einzige Option.
So versuchen meine Spieler und ich, möglichst ressourcenschonend zu inszenieren:
  • es gibt keine Programmhefte mehr, sondern nur eine angemessene Anzahl Flyer in Postkartengröße, die gleichzeitig als Werbemittel vor den Aufführungen verteilt werden können
    (bei der Gestaltung wird auf eine ansprechende Optik und dickes Papier geachtet --> so bleiben nicht so viele Flyer im Theater liegen und werden gerne als Erinnerung mitgenommen)
  • die Kostüme stammen entweder aus einem über die Jahre gesammelten Fundus oder werden als Secondhand-Ware gekauft, z.B. bei Kleiderkreisel oder ebay
  • auf ein großes Bühnenbild wird meist verzichtet, notwendige Möbelstücke werden in der Regel bei ebay-Kleinanzeigen erstanden und nach den Aufführungen wieder verkauft
  • statt Blutkissen o.ä. vorgefertigte Artikel für Special Effects zu kaufen, werden sie selbst hergestellt aus großen Blut-Vorratsflaschen und Folie (--> von BLUAT)
  • bei Requisiten kommt in der Regel nur auf die Bühne, was auch wirklich im Stück aktiv benutzt wird
Das ist zwar nur ein kleiner Beitrag zur Ressourcenschonung, aber ich denke jede Kleinigkeit hilft.


Wie steht ihr zum Thema Nachhaltigkeit? Fällt sie euch leicht? In welchen Bereichen ist euch Nachhaltigkeit wichtig, in welchen nicht?



Diesmal kommt Mark Twain zu Wort:

Foto: "Republik Vineta", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel

Kommentare:

  1. Mich würde an dem Thema auch noch die Nachhaltigkeit in Bezug auf eine Beeinflussung der Umgebung, der Menschen (Schauspieler, Publikum) interessieren. Kann ich mit Amateurtheater nachhaltig auf einen Stadtteil Einfluss nehmen oder ist nur ein einmaliges Erlebnis das schnell verpufft ist. Und wie nachhaltig wirkt Theater auf die Persönlichkeit der Akteure. Hier ist natürlich gerade aktuell das Thema Integration.

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    1. Hallo lauraro, danke für den Gedankenanstoß.:) Das mit dem Stadtteil ist sicherlich möglich, da müsste man mal Leute fragen, die in und mit einem bestimmten Kiez Theater machen.
      In Berlin ist aber auf jeden Fall das meiste schnell verpufft, weil die Stadt riesig und das Kulturangebot unüberschaubar ist. Auf die Schauspieler hat aber jede Inszenierung langfristigen Einfluss. Es werden neue Fähigkeiten trainiert und Erfahrungen gewonnen, die nachhaltig wirken.
      Schau mal hier, in einer Blogserie habe ich darüber geschrieben:

      http://theaterberlin.blogspot.de/2016/05/3-dinge-die-ich-vom-theater-furs-leben.html

      http://theaterberlin.blogspot.de/2016/05/3-dinge-die-ich-vom-theater-furs-leben_19.html

      http://theaterberlin.blogspot.de/2016/05/3-dinge-die-ich-vom-theater-furs-leben_29.html

      Zum Thema Integration kann ich leider nichts sagen, empfehle aber meine Kollegin Susanna Quandt, die gerade in viele passende Projekte involviert ist:
      https://www.theapolis.de/profil/show/profil_id/60526

      Liebe Grüße,
      Sarah

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  2. Hier gab es auch mal ein KM Magazin zum Thema Nachhaltigkeit :-)
    02/2012 (Nachhaltigkeit)
    http://www.kulturmanagement.net/km_magazin/archiv/prm/65/chi_ia__1/index.html

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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