Freitag, 12. August 2016

Kameradschaft - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog.

Der fünfzehnte Wert ist:

KAMERADSCHAFT
Wikipedia sagt:


Kameradschaft (aus italienisch camerata, „Kammergemeinschaft“) bezeichnet eine zwischenmenschliche Beziehung ohne sexuelle Ansprüche im Sinne einer Solidarität innerhalb einer Gruppe, früher vorwiegend unter männlichen Personen, heute allgemein.
Der Ausdruck wurde in Deutschland bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Zusammenhängen verwendet: Klassen-, Sport-, Vereins- und Schulkameradschaft, auch als Bezeichnung für die jeweilige Gruppe. So wird seit alters her im Bergsteigen von Bergkamerad oder bei Expeditionen von Expeditionskamerad gesprochen; das schließt damit gegenseitige Hilfsbereitschaft unter den Bedingungen der Naturgefahren im Gebirge oder während einer Expedition ein.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kameradschaft

Kameradschaft klingt schon sehr nach Militär und Nationalsozialismus, oder? Leider wurde der Begriff in unserer Geschichte ziemlich missbraucht. Aber ganz neutral betrachtet: im Militär (und teilweise auch im  Sport) kann Kameradschaft lebensrettend sein - und ist deshalb so wichtig. In diesem Bereichen ist Kameradschaft essentiell und absolut normal.
Für andere klingt Kameradschaft vielleicht eher beängstigend und abstoßend, trägt es doch eben dieses  gewisse Stigma mit sich.
Aber an sich ist Kameradschaft sehr interessant - bedeutet es doch Teamarbeit mit einer gewissen Verantwortlichkeit für den anderen. Eine Verantwortlichkeit, die in der Teamarbeit eigentlich normal sein sollte, es aber leider oft nicht ist.
Kameradschaft hat viel mit Hilfsbereitschaft zu tun - gegenüber Personen, die das gleiche Ziel teilen wie wir selbst.
Aber was unterscheidet dann die Kameradschaft von der Freundschaft?
Die Freundschaft ist eine enge Verbindung auf persönlicher Ebene, unabhängig von gleichen Zielen und Interessen. Eine Freundschaft funktioniert über Sympathie und Gemeinsamkeiten. Diese Gemeinsamkeiten können z.B. Interessen, Eigenschaften, Humor oder Vorlieben sein. Dabei ist es unerheblich, ob wir gemeinsam arbeiten, ob wir an einem Ort sind oder ob wir ein gemeinsames Ziel verfolgen.
Kameradschaft jedoch gilt für eine bestimmte Umgebung - wir sind Kameraden, wenn wir uns in der gleichen Situation befinden und gemeinsam einer Aufgabe nachgehen, deren Gelingen von unserer Zusammenarbeit und gegenseitigem Vetrauen abhängt. Dafür müssen wir jedoch nicht befreundet sein, sondern die Notwendigkeit der Lage (an)erkennen.
Sind Kollegen dann nicht auch Kameraden? Manchmal schon, meistens aber leider nicht. Im Gegenteil: selbst wenn sie im Team arbeiten, fehlt oft das Vertrauen ineinander und das Gelingen des Projektes ist nicht der ausschlaggebende Motivator für alle Teammitglieder. Ganz eigene Motivationen können in den Vordergrund treten, z.B. eigene Aufstiegschancen oder Ausschaltung eines Konkurrenten.


Also schauen wir uns diese Kameradschaft doch mal genauer an. Im Militär ist sie Dienstpflicht, es ist "Pflicht jedes Soldaten, seinem Kameraden unter allen Umständen (auch unter Lebensgefahr) beizustehen". Die "Kameradschaft verpflichtet alle Soldaten, die Würde, die Ehre und die Rechte des Kameraden zu achten und ihm in Not und Gefahr beizustehen". Nunja, an letztere Aussage wird sich garantiert nicht immer gehalten. Und das ist auch schwer möglich, sind es doch alle nur Menschen, mit ihren eigenen Ängsten und Sorgen, mit Überreaktionen und Aggression.
Die Idee dahinter bedeutet eine grundsätzliche Wertschätzung jedes Kameraden. Auch bei der Feuerwehr ist der Begriff stark verbreitet und gilt international.


Aber wann kommt Kameradschaft in unserem nicht-militärischen Leben zum Tragen? In Vereinen? Beim Sport? Mit Sicherheit. Und nicht nur dort.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie auch im Amateurtheater wichtig ist. Nicht alle Darsteller müssen Freunde sein - aber Kameraden. Sie stehen füreinander ein, sie bilden eine Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel. Ohne Loyalität zueinander und zur Gruppe ist die Arbeit schwer. Werden eigene Interessen denen der Gruppe vorangestellt, kann es zu Konflikten kommen. Natürlich hat jeder Teilnehmer seine ganz eigene Motivation, warum er an einem Theaterprojekt mitwirkt. Besonders dann, wenn es nicht sein Beruf, sondern ein freiwilliges Hobby ist. Sind diese Motivationen und die damit verbunden Ansprüche an das, was die Gruppe dem Einzelnen geben soll, zu unterschiedlich, ist die gemeinsame Zielerreichung gefährdet. Umso wichtiger ist es, die einzelnen Interessen zu kennen und in der Gruppe einen gemeinsamen Nenner zu finden, der für alle passend ist und den jeder vertreten kann.
Die dafür nötige Wertschätzung und Loaylität aufrecht zu erhalten und immer wieder neu zu erschaffen, ist eine stetige Aufgabe, die nicht einfach ist, aber bei Gelingen sehr glücklich macht.

Auch wenn das Wort Kameradschaft für mich immer einen unangenehmen Beigeschmack haben wird, so ist die Essenz dieses Wertes eine wichtige Fähigkeit.


Kameradschaft - für euch ein wichtiger Wert?


Auch Peter Bamm unterscheidet zwischen Kameradschaft und Freundschaft. Und wenn man vielen Kollegen nicht misstrauen müsste, wäre unsere Welt ja fast perfekt:

Foto: "Republik Vineta", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel

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