Dienstag, 15. März 2016

Neulich auf Facebook ...

... teilte ich einen Post, in dem ich Männer für den neuen Kurs Gruppendrang suchte, auf einer Facebookseite für Theateraktivitäten in Berlin.
Damit die Leute nicht ewig auf meiner Website suchen müssen, schrieb ich alles Wissenswerte dazu, also wann und wo die Proben stattfinden, wann die Aufführungen geplant sind und wieviel der Kurs kostet.
Daraufhin schrieb ein junger Mann als Kommentar darunter:

"Bitte meldet euch nicht! Das ist ja wohl das aller letzte, dass man für Theater spielen auch noch zahlen muss. Sowas darf nicht unterstützt werden."

Es war nicht das erste Mal, dass einer meiner Posts auf diese Weise kommentiert wurde. Und es wird auch nicht das letzte Mal sein.

Facebook ist ein Hort negativer Energie (auch gern "Hatebook" genannt) - das ist nichts neues, überrascht einen aber immer wieder kalt von hinten. Nach intensiveren Erfahrungen mit bösen Facebook-Kommentaren bei meinem Solo-Projekt "The Lost Companion" war ich sehr vorsichtig und haderte, ob ich antworten oder es einfach unkommentiert stehen lassen soll.
Aber mich wurmt immer wieder, dass viele Menschen erwarten, dass Theaterarbeit kostenlos stattfinden soll. Gerade junge Menschen, die gewohnt sind, dass es für sie so viele kostenlose Theaterspielangebote gibt. Und das ist auch absolut richtig so, denn Theaterspielen ist eine tolle Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken und seinen eigenen Charakter zu entwickeln, sich zu verändern, offener zu werden. Und da junge Menschen meist noch in Ausbildung sind, ist es super, dass sie diese Möglichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.
Dass die Theaterpädagogen, die diese Projekte leiten, jedoch von einer weiteren Instanz bezahlt werden oder Projektanträge stellen, um eine Bezahlung für ihre Arbeit zu erhalten, ist einigen nicht bewusst. Eine qualifizierte Fachkraft, die Geld in eine adäquate Ausbildung gesteckt hat, möchte für ihre Arbeit genauso entlohnt werden wie alle anderen auch - verständlicherweise.
Also schrieb ich doch etwas zurück:

"Es ist ja auch keiner gezwungen sich zu melden.:) Es steht doch jedem frei, ob er für Theaterspielen bezahlt oder nicht. Aber deinen Tonfall finde ich recht aggressiv. Fitness- oder Tanzkurse bezahlen Teilnehmer ja auch selbstverständlich. Wieso sollte man für einen Theaterkurs dann nichts bezahlen?"

Es war klar, dass er das nicht unkommentiert lassen konnte:

"Daher bitte ich drum, sich da nicht zu melden, ist mir schon klar das keiner gezwungen ist. Das musste einfach sein. Es gibt Durchhaus Theatergruppen, die mit Leidenschaft und ohne Geld bezahlen, theaterapielen. Fitness oder Tanzkurse sind mit Theater nicht zu vergleichen, sry aber da hast du was missverstanden. Mein Tonfall kannst du überhaupt nicht beurteilen, weil wir uns im sozialen Netzwerk befinden. Aggressiv auch schonmal gar nicht. Nun gut, Hauptsache ich bin es los. Wer Theaterspielen möchte, wird es sogar kostenlos finden, bin mir sicher. Ich biete gerne meine Hilfe bei der Suche an."

Das war der Punkt, an dem ich es aufgab. Es gibt keinen Diskussionsspielraum, wenn eine Person Theater solch einen Sonderstatus einräumt. Fitness, Tanz und Theater sind durchaus vergleichbar. Ob jemand in seiner Freizeit nun Standardtanz oder eine neue Sprache lernt, ob er töpfert oder Theater spielt - es sind alles Hobbies. Und es gibt für alles sowohl Kurse mit Gebühr als auch kostenlose Angebote.
Dass jemand nach einem kostenlosen Angebot sucht, ist absolut verständlich. Dass es aber eine Frechheit sein soll, für ein Kursangebot Geld zu verlangen - das ist absolut unverständlich.
Denn eines stimmt garantiert nicht:  Keine Theatergruppe kann Theaterspielen ohne Geld zu bezahlen. Selbst wenn sie keinerlei Raum- oder Bühnenkosten haben, wenn sie keine Textbücher oder Kostüme kaufen - für irgendetwas geben sie garantiert Geld aus. Und wenn es nur eine Tafel Schokolade ist, die jemand zur Freude aller zur Probe mitbringt.;)
Doch in diesem Kommentar steckte auch der wahre Grund für seinen ersten Kommentar und generell für all das negative Feeling im Internet:
"N
un gut, Hauptsache ich bin es los." Genau das ist es, was all die negativen Kommentatoren antreibt: jemand anderes könnte Aufmerksamkeit bekommen und ihnen passt das nicht. Also MÜSSEN sie es runtermachen. Es ist ihnen ein inneres Bedürfnis.
Mit dieser Tatsache - mit dem Internet als Bashing-Zone - müssen wir leider leben.



Letztendlich war es Theaterpädagogin Lotte aus der Gruppe GROBKOST (enstanden im ersten Gruppendrang-Kurs), die mir mit ihrem Kommentar darunter den Tag versüßt hat:

"
Also, ich finde Sarahs Geschäftsidee klasse, und bei uns hat es funktioniert: Sie hat einer neuen Theatergruppe auf die Sprünge geholfen. Danke Sarah :)"

Und auch Bea Ellinger, ebenfalls Theaterpädagogin, hinterließ einen Kommentar:

"
Also ich bin auch Theaterpädagogin und auch in meinen Projekten bezahlen die teilnehmenden. Immerhin erbringen wir ja auch eine Leistung!!!"

In diesem Sinne plädiere ich für mehr Freundlichkeit im World Wide Web und für Theater als ernstzunehmende Dienstleistung! 

#smilestorm

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