Montag, 13. April 2015

"Lysistrata" - JUST, das jugendtheater

Die pikante Komödie von Aristophanes war die erste Inszenierung meiner Gruppe Vorspiel und ist schon immer eines meiner liebsten Stücke gewesen.
Auf Facebook entdeckte ich vor kurzem das Jugendtheater JUST, das regelmäßig im Palais am Festungsgraben auftritt. Unter der Regie von Stefan Kleinert enstehen jugendlich-frische Versionen klassischer Theaterstücke von Lessing, Kleist, Sophokles ... oder eben Aristophanes.

Ich mochte die Facebookseite und hinterließ ein Like, nichtsahnend, dass ich dadurch an einem Gewinnspiel teilnehme. Und einen Tag später hatte ich eine Nachricht, dass ich zwei Freikarten für "Lysistrata" gewonnen hätte. Die Begeisterung war groß und an einem regnerischen Sonntagabend machte ich mich auf den Weg ins Theater im Palais. Auch das war eine Premiere. Im Maxim Gorki Theater direkt daneben war ich schon oft zu Gast, aber das Palais hatte ich bis jetzt immer übersehen.

Der Zuschauerraum ist klein und elegant eingerichtet, die Bühne hat genau die richtige Größe für kleine Ensembles.
Im JUST spielen Jugendliche/junge Erwachsene in ihrer Freizeit und genau diesen Amateurcharakter liebe ich in Inszenierungen. Es beginnt bei vorbeihuschenden Spielerinnen im Kostüm und Gemurmel hinter der Garderobentür, geht weiter mit Metaebenen, Insidergags und Albernheiten in der Inszenierung und viel Spiel mit dem Publikum.
Eben diese Albernheiten machen die Lysistrata-Inszenierung unterhaltsam und kurzweilig. Immer mal wieder gibt es Schlenker in die Popkultur, besonders bei der Musikauswahl, und die Slapstickszene von Jakob Rentsch, in der sein Bärtchen an verschiedensten Körperstellen zur Geltung kommt, macht einfach Spaß. Das junge Ensemble hat eine tolle Bühnenpräsenz, die Inszenierung hat Tempo.
Einziger Wehmutstropfen: die Szene, in der mehrere Frauen von der Akropolis fliehen wollen, weil sie selbst die sexuelle Enthaltsamkeit nicht aushalten, wurde zu stark gekürzt ... die Frauen wirken in dieser Inszenierung deutlich weniger sexuell aufgeladen als im Originalstück. Das trübt jedoch nicht einen vergnüglichen Abend mit tollen Schauspielern.


Foto: © Christina Rank
Das JUST online:
https://www.facebook.com/just.theater.im.palais
http://www.theater-im-palais.de/just-das-jugendtheater/

Freitag, 10. April 2015

"Dominanz/Unterwerfung" - eine Workshopreihe















Während meiner Ausbildung beschäftigten wir uns einen ganzen Tag lang mit dem Thema "Status" aus dem Improvisationstheater. Ein Begriff, der von Keith Johnstone geprägt wurde.
Neben dem gesellschaftlichen oder sozialen Status, agiert der Mensch täglich abwechselnd im Hoch- oder Tiefstatus, manche öfter in dem einen, andere öfter in dem anderen. Gemeint sind damit eigentlich Dominanz und Unterwerfung. Das Wort Status beschreibt ein Machtgefälle, das unabhängig vom gesellschaftlichen Status funktioniert und jeden Tag von uns in unterschiedlichsten Varianten erlebt wird - mal bewusst, mal unbewusst, mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen und Fremden.
Ich war sofort angefixt und verschlang Keith Johnstones Bücher, um mehr zu erfahren. Und wusste gleich: Status geht alle an!
Also entwickelte ich einen ersten Workshop, den ich zu Beginn meiner Tätigkeit das erste Mal anbot. Ich kann mich noch gut an diesen ersten Workshop-Abend erinnern, denn es gab nur vier Teilnehmer und alle waren Männer. Die Stimmung im Raum war angespannt, aber die Statusübungen funktionierten hervorragend.
Jahre später entwickelte ich einen neuen Status-Workshop mit dem Titel "Machtspielchen". Workshop-Premiere war während der Gründerwoche 2013, diesmal mit deutlich mehr Teilnehmern und einer sehr guten Stimmung. Leider war er mit zwei Stunden etwas zu kurz, um genug Raum für Feedback zu lassen.
Anfang März bot ich den Workshop erneut an, diesmal drei Stunden. Sieben Teilnehmer spielten sich über Improübungen warm und dann wurde Status in verschiedenen Szenen ausprobiert, immer mit Zeit für Feedback und Analyse. Der Abend war witzig, sehr erkenntnisreich und verging wie im Flug. Am Schluss wollten die Teilnehmer gar nicht nach Hause gehen und verlangten nach mehr.

Das nahm ich mir zu Herzen und so gibt es nun eine vierteilige Workshopreihe zum Thema Status (natürlich mit Option auf Verlängerung).
In den einzelnen Workshops probieren die Teilnehmer mit Hilfe des Improvisationstheaters Status aus, schulen ihre Aufmerksamkeit für Statuswechsel bei sich selbst und dem Gegenüber und erforschen somit eigene und fremde Verhaltensweisen.
 

Termine:

Freitag, 24. April 2015 - 18:00-21:00 Uhr (3h)
Freitag, 29. Mai 2015 - 18:00-21:00 Uhr (3h)
Freitag, 19. Juni 2015 - 18:00-21:00 Uhr (3h)
Freitag, 17. Juli 2015 - 18:00-21:00 Uhr (3h)

Ort: Probenraum, Berlin-Wilmersdorf

Kosten: 30 € pro Workshop  (Sparpreis: 4 Termine zusammen für 100 €
)

Montag, 6. April 2015

"Capitalista, Baby!" - Deutsches Theater Berlin


























Drei Dinge habe ich beim Schauen dieser Inszenierung zum ersten Mal erlebt:

1. Den ungeheuren Drang, bei jedem zweiten Satz aufzuspringen und "Jawohl, so ist es!" zu brüllen!

2. Beim Schlussmonolog vor Freude, Aufregung, Zustimmung und Anspannung zu zittern.

3. Nach dem Stück zu denken "Das war´s. Eigentlich braucht es kein weiteres Theaterstück mehr auf dieser Welt. Mit diesem ist alles wichtige gesagt."


"Capitalista, Baby!" klingt cool. Klingt nach Glamour und Glanz, aber auch nach einer Erfrischung zwischen den vielen Stücken, die sich mit Leid, Unglück und Schwäche beschäftigen.
Das Stück basiert auf dem Roman "The Fountainhead" von Ayn Rand.
Ayn Rand war eine russisch-amerikanische Bestseller-Autorin und Vertreterin des "Objektivismus", einer Philosophie, die das Selbstinteresse in den Mittelpunkt des moralischen Handelns stellt. Gleichzeitig war sie Atheistin (was mir natürlich immer sympathisch ist ;) ). Die Meinungen zu Ayn Rand sind gespalten, sie hat Verehrer und Hasser, dennoch gehört sie zu den einflussreichsten politischen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Ihr Buch "The Fountainhead" (deutscher Titel: "Der ewige Quell") kam 1943 raus. Es geht um den jungen begabten Architekturstudenten Howard Roark, der seine Arbeit liebt. Die Motivation für seine Arbeit erlangt er aus sich selbst heraus, er begreift sich als Schöpfer. Nach dem Abbruch seines Studiums (er wird exmatrikuliert) arbeitet er für einen sehr guten, aber erfolglosen Architekten bis dieser pleite geht.
Sein Gegenbild ist sein Kommilitone Peter Keating, ein unsicherer, intriganter und leider unbegabter Charakter. Dieser bittet Howard um heimliche Mithilfe bei Entwürfen und heimst dafür selbst Erfolge ein, was Howard akzeptiert, da er ohnehin nicht mit diesen Kompromiss-Entwürfen in Verbindung gebracht werden möchte. Er gründet ein eigenes Architektur-Büro, doch auch dieses scheitert. Also fängt er an, in einem Steinbruch zu arbeiten. Dort lernt er die junge Journalistin Dominique Francon gehen und mit dem Einfluss der Medien nimmt alles einen ganz neuen Lauf ...

Die Geschichte ist pathetisch, aber mitreißend, und die Schauspieler ebenso, allen voran Daniel Hoevels als Howard Roark und Matthias Neukirch als Ellsworth Toohey bzw. der Teufel in Person. Ärgerlich ist leider Michael Schweighöfer als Gail Wynand. Er wirkt desinteressiert an seiner Rolle, vergisst mehrmals den Text, die Souffleuse ist bei ihm im Dauereinsatz. Als seine Figur endlich stirbt, verspüre ich Erleichterung.
Ein riesiges goldenes Dollarzeichen fungiert als Bühnenbild und wenn es sich dreht, offenbart es mehrere Räume, u.a. das Zimmer von Dominique.
Dieses Dollarzeichen ist eindrucksvoll und wird großartig bespielt, doch sowohl das Dollarzeichen als auch der Titel widersprechen der Botschaft des Romans. Denn es geht eben NICHT um Geld als Anreiz, sondern um die schöpferische Kraft und die Eigenverantwortung sowie das persönliche Glück des einzelnen Menschen.
Am Schluss des Stücks schmettert Howard Roark dem Publikum diese Botschaft in einem langen, langen Monolog entgegen. Ein eindringlicher, polarisierender Monolog, der mich komplett flasht und mehrmals "Ja, genau!" murmeln lässt.

Am nächsten Tag lese ich mir andere Kritiken im Internet durch und meine Euphorie erhält einen Dämpfer. Es sei alles nur ironisch gemeint, schreiben die Kritiker. Ironisierendes Schauspiel, ironische Botschaften.
Wirklich?
Für mich war und ist es das nicht. Für mich war dieser Abend eine Welle der Zustimmung einer heroischen Romanfigur gegenüber. Er war für mich etwas ganz besonderes.

Foto: Arno Declair
Bildquelle: http://www.deutschestheater.de

Donnerstag, 2. April 2015

"Das Spiel ist aus" - Deutsches Theater Berlin

Wenn man ein Stück zweimal anschaut, spricht es definitiv für die Inszenierung. Manchmal schaue ich Stücke mehrmals, weil ich selbst es immer und immer wieder sehen will ("Zeit zu lieben, Zeit zu sterben", das vor drei Jahren am Gorki lief, war so ein Stück). Manchmal aber auch, weil ich möchte, dass Freunde es sich ansehen.
Bei "Das Spiel ist aus" im Deutschen Theater trifft beides zu. Die Inszenierung hätte ich selbst nie aus dem Spielplan ausgewählt. Zum Glück habe ich einer Freundin zum Geburtstag einen Gutschein für einen gemeinsamen Theaterbesuch geschenkt. Sie schickte mir mehrere Favoriten und darunter war "Das Spiel ist aus". Ich hatte noch nie eine Sartre-Inszenierung gesehen und dies war der perfekte Anlass, die Bildungslücke zu schließen. Und als Publikum auf der Bühne sitzen zu können, schien mir sehr verführerisch.
Es war fantastisch! Eines der schönsten Zuschauererlebnisse, die ich je im Theater hatte. Natürlich hing es auch damit zusammen, dass ich Plätze in der ersten Reihe ergattert und somit das Gefühl hatte, selbst Darstellerin zu sein. Auf der Drehbühne sitzend, findet die Geschichte um die Zuschauer herum statt. Die Geschichte über ein ungleiches Paar, das sich nach dem Tod im Zwischenreich kennenlernt und die Chance bekommt, ihre Liebe auf der Erde zu beweisen, wenn sie - wieder lebendig zurück in ihrer alten Welt - es schaffen, sich 24 Stunden lang bedingungslos zu vertrauen.
Im eigentlichen Zuschauerparkett, in den Rängen, aber auch direkt auf der Bühne wird gespielt und die Zuschauer "reisen" dank Drehbühne mit. Es ist ein Gefühl wie in einem Film, die Scheinwerfer, Kunstnebel und -schnee schaffen eine poetische, den Zuschauer einsaugende Stimmung.
Wie in "Die lächerliche Finsternis" liegt auch hier der Zauber im Bühnenbild ... wobei diesmal das Publikum tatsächlich direkt im Geschehen sitzt. Eine Inszenierung für alle, die es verträumt mögen!

Foto: Arno Declair
Bildquelle: http://www.deutschestheater.de

Mittwoch, 1. April 2015

Gruppendrang #1 - Theatergruppe GROBKOST

Seit fast 5 Jahren leite ich Theatergruppen und ich liebe es, ein Team zu begleiten, Menschen zueinanderzubringen, die die gleiche Leidenschaft verbindet: das Theaterspiel.
Die Beweggründe, in einer Theatergruppe mitspielen zu wollen, sind so verschieden, wie die Menschen - viele haben früher in der Schule Theater gespielt und vermissen es, einige möchten sich auf einer Schauspielschule bewerben und suchen nach einem Übungsfeld, andere wünschen sich mehr Selbstbewusstsein durch´s Theaterspiel, manche lieben es einfach, auf einer Bühne zu stehen ...
Im September 2010 startete ich mit der Gruppe Großstadtfenster, im November folgte die Gruppe Vorspiel. Doch zwei oder drei Gruppen parallel zu leiten, Regie zu führen und sich um die gesamte Organisation zu kümmern, ist hart. Die Freude an der Sache schwindet. Also gab ich vor zwei Jahren meine zweite Theatergruppe auf und machte nur mit der Gruppe "Vorspiel" weiter.

Die Nachfrage an interessentieren Mitspielern war ununterbrochen hoch - doch wie sollte ich sie alle in einer einzigen Gruppe unterbringen?
Die Lösung hieß: als Inkubator arbeiten! Und mit dem Kurs Gruppendrang startete der erste Versuch, eine neue Theatergruppe als Coach zu begleiten. Im September 2014 ging es los und in 2 Wochen steht die Gruppe das erste Mal auf der Bühne.

Der Gruppenname spricht für sich: GROBKOST. Eine Gruppe, die sich als Start eines der blutigsten Theaterstücke vorgenommen hat, Shakespeares "Titus Andronicus". Das Originalstück diente als Basis und die Handlung wurde in eine Gameshow verlegt - mit Moderatorin, viel Gold, viel Witz und viel Blut.
Im aktuellen Spielzeitmagazin kommen einige der Spieler in Kurzinterviews zu Wort:

Spielzeit-Magazin 2014/15

Wunderbare Menschen haben in der Gruppe zusammengefunden und könnten unterschiedlicher nicht sein. Das halbe Jahr mit Bettina, Laura, Niobe, Stefan, Nick, Carmen, José, Mirko, Lotte und Dirk ist viel zu schnell vergangen.
Jetzt, wo sie das Ruder selbst in die Hand nehmen, werkeln, sich Regietipps geben und gegenseitig motivieren, fühle ich mich schon fast überflüssig. Und genau so soll es sein!
Im Mai startet die Gruppe allein in ihre nächste Inszenierung. Vielleicht werde ich im Hintergrund manchmal noch dabei sein ... wer weiß.:)





Die Grobköstler sind fleißig und arbeiten jetzt in den letzten Wochen auf Hochtouren an den Bühnenbildern, Requisiten und Kostümen.
Alle aktuellen Infos und Probenfotos findet ihr auf https://www.facebook.com/grobkost.

Im April startet ein neuer Gruppendrang-Kurs, alle Spielwütigen (gern auch absolute Anfänger) können sich einfach bei mir melden. Auf einen neuen Gruppenstart!